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Zur Shop-Startseite › Sozialwissenschaften allgemein

„… und dann ist nichts mehr freundlich.“ Über die Kunst zu(m) Leben

Aspekte des Copings am Beispiel der Tagebuchaufzeichnungen einer Krebserkrankung von Christoph Schlingensief

Titel: „… und dann ist nichts mehr freundlich.“ Über die Kunst zu(m) Leben

Bachelorarbeit , 2012 , 73 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Ines Suckel (Autor:in)

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

„Sich selbst im Fallen zu begreifen …
sich fallen zu lassen ist schwer“
(Christoph Schlingensief)

Um wen und worum geht es?
Christoph Schlingensief ist bekannter Film-, Theater- und Opernregisseur, Aktions- und Installationskünstler. An einem Dienstag, am 22. Januar 2008, wird bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. [...]

[...] Nun, wie geht man mit so einer Diagnose um, mit einer Diagnose, die das ganze bisherige Leben auf den Kopf stellt? Wie eine solche Nachricht „verdauen“?

Um an dieser Nachricht nicht zu ersticken, „verdaut“ Christoph Schlingensief das, was ihn zu überwältigen droht sprechender- bzw. schreibenderweise. „Meine Gedanken aufzuzeichnen[...]“, so erklärt er gleich zu Beginn, „[…] hat mir jedenfalls sehr geholfen, das Schlimmste, was ich je erlebt habe, zu verarbeiten und mich gegen den Verlust meiner Autonomie zu wehren.“ [...]

[...] Im Laufe dieser Arbeit möchte ich aufzeigen, wie er mit seiner Wut, seinem Trotz, seiner Trauer, seinen Ängsten, seiner Verzweiflung, seiner Ohnmacht, seiner Zuversicht, seiner Liebe, seiner Versöhnung, seinem Humor und schließlich mit seiner unbändigen Lebenslust, die durch seine Erkrankung massiv bedroht wird, umgeht.

Schritt für Schritt möchte ich das gesamte seelische Auf und Ab, welches ihn während seiner Krankheit rüttelt, umher wirbelt, quält und zeitweise droht zu zerreißen,begleiten und dabei erfahrbar machen, wie Schlingensief diesen „Supergau“ zu etwas „Ertragbarem“ macht.[...]

[...] Schildere und reflektiere ich schließlich die Bewältigungsstrategien die Christoph Schlingensief im Laufe seiner Krebserkrankung bewusst oder unbewusst anwendet, werde ich immer auch das entsprechende Krankheitsstadium im Auge behalten, in dem er sich jeweils befindet und abschließend darauf eingehen, was die Wissenschaft im Zusammenhang mit den verschiedenen Aspekten wie beispielsweise „Religion und Krebs“, „Krebspersönlichkeit“, „Frage nach den Ursachen“ u. v. m beschäftigt.

Chronologisch werde ich dem Gefühlsauf und -ab Schlingensiefs folgen, mit besonderer Beachtung der Faktoren, die es ermöglichen, dass für ihn nach einem „Abwärts“ wieder ein „Aufwärts“ zu erleben ist.

Beenden möchte ich diese Ausarbeitung mit einem Diskurs zum Thema Coping und Coping im Kontext von Psychoonkologie sowie mit meinen persönlichen Reflexionen darüber, was an Gefühlen, Erkenntnissen, Vorstellungen etc. nach der Auseinandersetzung mit Schlingensief für mich bleibt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Christoph Schlingensief – Eine Annäherung

Überlegungen vorab

Um wen und worum geht es?

Aspekte des Copings bei Christoph Schlingensief

Krankheitsstadien und Bewältigung

I Verdacht auf Krebs und Entschluss zum PET

Schreiben zur Bewältigung von Ungewissheit

Über die Macht des Wortes

Hinwendung zur Religion

Wissenschaftlicher Exkurs „Religion und Psyche“

Den Tatsachen ins Auge sehen

Wissenschaftlicher Exkurs „Diagnostische Abklärung“

Ordnen – Klarsehen - Strukturieren

Wissenschaftlicher Exkurs „Sinn- und kohärenzorientierte Theorien“

Sich Gefühle zugestehen

Wissenschaftlicher Exkurs über das „Aushalten von Angst“

Pläne schmieden

II Diagnose: Adenokarzinom

Klarheit tut weh

Frage nach der Ursache

Wissenschaftlicher Exkurs „Ursachen von Krebs“ / „Krebspersönlichkeit“

Im Strudel der Gefühle

Abwendung von Gott

Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen nach der Diagnosestellung

III MRT und Weiterbehandlung

„Demoralisierung“

Wissenschaftlicher Exkurs „Existentielle Belastung und sinnorientierte Interventionen“

Umdenken

Aktiv bleiben, um nicht zu leiden

Krankheit als Chance

IV Operation

Sehnsucht, alleine zu sein

„Abrechnung“ mit den Eltern

Erneute Abwendung von Gott und Jesus

Auf Augenhöhe mit dem behandelnden Arzt

Wissenschaftlicher Exkurs „Hilflosigkeit, Kontrollverlust, Autonomieverlust“

Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen während der Behandlungsphase

V Intensivstation

Akzeptanz des inneren Kindes

Wissenschaftlicher Exkurs „Wie das nicht beachtete Innere Kind in unser Leben wirkt“

VI Verlegung auf „Normal“station

Entschleunigen

Wissenschaftlicher Exkurs „Fatigue“

Natur erleben

Emotionalität und Spiritualität

Wissenschaftlicher Exkurs „Adaptives Coping und Spiritualität bei Krebspatienten“

VII Wieder Zuhause

Nachhause kommen ist nicht gleich „Ankommen“

Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen während der Remission

VIII Chemotherapie

Ein Kind mit Aino

Sich die Freiheit nehmen, eine Klinik auszuwählen, die zu einem passt

Die Chemo beginnt

IX Diagnose erneuter Metastasen

Wissenschaftlicher Exkurs „Rezidiv (Rückfall)“

Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen während der Neuerkrankung (Rezidiv)

X Erfahrung von Endlichkeit

Allgemeiner Überblick über Belastungen und Anforderungen während des fortgeschrittenen Krankheitsstadiums

Worüber wir nachdenken sollten

Coping – Entwicklung und Tendenzen

Psychoonkologie und Coping

Was bleibt für mich

Biografie Christoph Schlingensief

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die psychologischen Bewältigungsstrategien (Coping) des Künstlers Christoph Schlingensief während seines Verlaufs einer Krebserkrankung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schlingensief trotz existentieller Bedrohung durch Krankheit, Angst und Ohnmacht, durch kreative und spirituelle Auseinandersetzung Wege fand, seine Autonomie zu wahren und Lebensqualität zu sichern.

  • Analyse des psychischen Gefühlsverlaufs bei Krebspatienten anhand von Schlingensiefs „Tagebuch einer Krebserkrankung“.
  • Untersuchung von Bewältigungsmechanismen wie Schreiben, Religion, Humor und Projektarbeit.
  • Gegenüberstellung individueller Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen der Psychoonkologie.
  • Reflexion der Rolle der Autonomie und Selbstbestimmung im medizinischen Setting.

Auszug aus dem Buch

Den Tatsachen ins Auge sehen

Klarheit ist besser als Ungewissheit, selbst wenn diese bedeutet, einen malignen Tumor zu haben. Jedes Ergebnis ist besser als keines, ist „geradezu eine Erleichterung“.

Nach der ersten Auswertung des PETs geht der Radiologe mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Tumor aus. Leber und Skelett seien noch nicht befallen, aber um Gewissheit zu haben, müsse man noch einmal punktieren.

Anstatt in diesem Moment seine Ungewissheit erneut mit „trügerischem Hoffen“ zu beruhigen, entschließt sich Schlingensief, den Tatsachen ins Auge zu sehen. „Ich habe das eigentlich alles sehr kühl aufgenommen.“, merkt er an. „Das war für mich heute der Stichtag. Ergebnis: Tumor.“

Warten, weiß man nicht, wie das konkrete Ergebnis aussehen wird, zermürbt. Man ist sozusagen zur Tatenlosigkeit verdammt. Und unfreiwillige Tatenlosigkeit, gerade bei einem Menschen wie Schlingensief, der immer „in Aktion“ zu sein scheint, ist wie „Gefesseltsein“ und nimmt schließlich alle Kräfte, die doch so dringend gebraucht werden.

Zusammenfassung der Kapitel

I Verdacht auf Krebs und Entschluss zum PET: Dieses Kapitel beschreibt die erste Phase der Ungewissheit und Schlingensiefs Entscheidung, den Tumor durch ein PET medizinisch abzuklären.

II Diagnose: Adenokarzinom: Hier wird die psychische Reaktion auf die konkrete Krebsdiagnose und das damit verbundene Gefühl des Zusammenbruchs der Normalität analysiert.

III MRT und Weiterbehandlung: Das Kapitel beleuchtet die panikartige Belastung während technischer Untersuchungen wie dem MRT und das Ringen um die Kontrolle.

IV Operation: Hier wird die Phase unmittelbar vor und während des operativen Eingriffs behandelt, inklusive der sozialen Rückzugstendenzen des Künstlers.

V Intensivstation: Thema ist die unmittelbare Zeit nach der Operation, das Gefühl der Einsamkeit und die psychologische Bedeutung des „Inneren Kindes“.

VI Verlegung auf „Normal“station: Das Kapitel fokussiert auf das Bedürfnis nach Entschleunigung und die Entdeckung der Natur als Quelle der Kraft.

VII Wieder Zuhause: Hier wird der schwierige Übergang von der klinischen Umgebung zurück in den privaten Raum und das schwierige Ankommen thematisiert.

VIII Chemotherapie: Dieses Kapitel befasst sich mit der psychischen Last der medikamentösen Behandlung und dem Wunsch nach einer ganzheitlichen Betrachtung der Krankheit.

IX Diagnose erneuter Metastasen: Die Analyse konzentriert sich auf den Schock des Rückfalls (Rezidiv) und die damit verbundenen Anforderungen an das erneute Coping.

X Erfahrung von Endlichkeit: Zum Abschluss steht die bewusste Auseinandersetzung mit dem nahenden Tod und die Suche nach Sinnhaftigkeit im Sterbeprozess im Zentrum.

Schlüsselwörter

Christoph Schlingensief, Psychoonkologie, Coping, Krebs, Krankheitsbewältigung, Tagebuch einer Krebserkrankung, Existenzielle Belastung, Autonomie, Spiritualität, Fatigue, Rezidiv, Identität, Lebenssinn, Sterben, Psychosomatik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die psychische Auseinandersetzung des Regisseurs Christoph Schlingensief mit seiner Krebserkrankung basierend auf seinen Tagebuchaufzeichnungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen Themen wie Krankheitsbewältigung, existentielle Krisen, das Suchen nach Autonomie und die Bedeutung von Spiritualität und Kreativität im Umgang mit einer lebensbedrohlichen Diagnose.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schlingensief verschiedene Bewältigungsstrategien anwendete, um trotz körperlicher und psychischer Belastungen ein hohes Maß an Selbstbestimmung aufrechtzuerhalten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse, bei der Schlingensiefs persönliche Aufzeichnungen in einen wissenschaftlichen Kontext der Psychoonkologie gestellt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert den Krankheitsverlauf chronologisch in zehn Phasen, von der ersten Diagnose bis zur Erfahrung der Endlichkeit, und untersucht in jeder Phase die spezifischen Bewältigungsanforderungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernsätze sind Psychoonkologie, Coping, Autonomie, Schlingensief und Lebensqualität.

Wie geht Schlingensief mit der Diagnose „Tumor“ um?

Anstatt sich in Verleugnung zu flüchten, nutzt er die Diagnose als Stichtag, um Tatsachen ins Auge zu sehen und seine Handlungsfähigkeit sowie Autonomie zurückzugewinnen.

Was bedeutet für den Künstler die Arbeit mit dem „Inneren Kind“?

Es ist ein therapeutischer Prozess der Versöhnung mit eigenen Schwächen und Ängsten, der es ihm ermöglicht, nicht länger gegen sich selbst und seine Gefühle anzukämpfen.

Warum spielt die Religion in dieser Arbeit eine Rolle?

Die Spiritualität dient Schlingensief als Gedankengenerator und seelischer Halt, der hilft, das Leben als Prinzip zu verstehen, in das auch das Sterben eingebettet ist.

Welche Bedeutung misst die Arbeit der Rolle der Psychoonkologie bei?

Die Arbeit betont, dass Psychoonkologie Patienten individuell unterstützen muss, um nicht nur körperliche Symptome zu lindern, sondern auch die kognitive Auseinandersetzung mit der Krise zu erleichtern.

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten  - nach oben

Details

Titel
„… und dann ist nichts mehr freundlich.“ Über die Kunst zu(m) Leben
Untertitel
Aspekte des Copings am Beispiel der Tagebuchaufzeichnungen einer Krebserkrankung von Christoph Schlingensief
Hochschule
Evangelische Hochschule Darmstadt, ehem. Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Note
2,0
Autor
Ines Suckel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
73
Katalognummer
V197973
ISBN (eBook)
9783656241034
ISBN (Buch)
9783656242291
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schlingensief; Krankheitsstadien bei Krebserkrankung Religion und Krebs Krebs und "Inneres Kind" Sinn- und kohärenzorientierte Theorien Krebspersönlichkeit Kontroll- und Autonomieverlust Umgang mit dem Tod Diagnosestellung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ines Suckel (Autor:in), 2012, „… und dann ist nichts mehr freundlich.“ Über die Kunst zu(m) Leben, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/197973
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Leseprobe aus  73  Seiten
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