Das Problem der Adjektivvalenz wurde in den letzten Jahren recht zurückhaltend betrachtet, die vorliegende Arbeit versucht, sich in überschaubarem Maße mit diesem Themenbereich auseinanderzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Dependenzhierarchie
Kopula und die Valenzträgerschaft
Die Valenz des Adjektivs
Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Problem der Adjektivvalenz innerhalb des valenzgrammatischen Modells nach Lucien Tesnière. Ziel ist es zu klären, inwieweit Adjektive als Valenzträger fungieren können, wie sie sich in die bestehende Dependenzhierarchie einordnen lassen und welche Rolle Kopulaverben in diesem Kontext spielen.
- Analyse der Dependenzhierarchie nach Tesnière
- Untersuchung der Valenzträgerschaft von Kopulaverben
- Erarbeitung der Adjektivvalenz bei unterschiedlichen Verwendungsweisen
- Kritische Auseinandersetzung mit der Einordnung des Adjektivs in das Valenzmodell
Auszug aus dem Buch
Die Dependenzhierarchie
Die Valenz anderer Wortarten als der Verben - Substantive sind hier ebenso betroffen wie die hier behandelten Adjektive - lässt sich nur untersuchen, löst man sich von der Dependenzhierarchie, wie sie Tesnière voraussetzt. Es bleibt jedoch zunächst zu erklären, warum die Adjektivvalenz darin keinen Platz hat.
Innerhalb eines Satzes, als strukturierte Ansammlung von Elementen, Wörtern, die aus einem oder mehreren Morphemen bestehen, existieren bestimmte Grundrelationen. Tesnière führte für diesen Umstand den Begriff Konnexion ein. Innerhalb dieser strukturierten Ansammlung von Elementen, dem ordre structural, lassen sich die Worte, also Elemente, in eine hierarchische Beziehung zueinander setzen. An oberster Stelle steht dabei das Verb als „ranghöchstes Mitglied“ des Satzes; von diesem gehen Konnexionen, also Verbindungen zu untergeordneten Wortarten aus. Heißt es also „Gwendolyn tanzt“, so steht „tanzt“ an oberster Stelle und ist mit dem untergeordneten Substantiv „Gwendolyn“ verbunden. Konnexionen können dabei von einer Hierarchieebene zur nächst niedrigeren verlaufen, auf gleicher Ebene sind keine Konnexionen möglich. Heißt es also „Gwendolyn tanzt gerne“, so besteht zwischen dem Verb „tanzt“ und dem Adverb „gerne“ eine Konnexion; „Gwendolyn“ und „gerne“ verbindet jedoch nichts, außer ihrer jeweiligen Konnexion mit „tanzt“.
Heißt es nun „Die schöne Gwendolyn tanzt gerne“ wird deutlich, wieso Tesnière dem Adjektiv keine Valenz zugestehen kann. Auf oberster Stufe steht nach wie vor „tanzt“, darunter stehen „Gwendolyn“, „tanzt“ und „gerne“. Da der Artikel „die“ und das Adjektiv „schöne“ sich nicht auf das Verb „tanzt“, sondern auf das Substantiv „Gwendolyn“ beziehen gibt es hier keine direkte Konnexion mit dem Verb. Daher entsteht jetzt eine weitere Hierarchieebene, die unterhalb des Substantivs angesiedelt ist. Es bestehen nicht nur die Konnexionen zwischen Verb, Substantiv und Adverb, sondern auch zwischen Substantiv, Artikel und Adjektiv. Das Adjektiv ist also nicht einmal mehr vom Verb als Spitze der Satzhierarchie, sondern vom untergeordneten Substantiv abhängig.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es erfolgt eine Einführung in die Valenztheorie nach Tesnière und die Problemstellung hinsichtlich der Rolle von Adjektiven im Hinblick auf deren Valenzträgerschaft.
Die Dependenzhierarchie: Dieses Kapitel erläutert die Grundstruktur des Tesnière-Modells und zeigt auf, warum Adjektive in der klassischen hierarchischen Ordnung Schwierigkeiten bei der Zuweisung von Valenz aufweisen.
Kopula und die Valenzträgerschaft: Hier wird die Rolle von Kopulaverben wie „sein“ untersucht und analysiert, inwieweit diese als Valenzträger oder lediglich als funktionale Übersetzer fungieren.
Die Valenz des Adjektivs: Dieser Abschnitt widmet sich der konkreten Untersuchung von Adjektivvalenzen, differenziert zwischen prädikativem und attributivem Gebrauch und betrachtet mögliche Leerstellen.
Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei die Lücken in Tesnières Modell hinsichtlich der Adjektivvalenz kritisch reflektiert und zukünftige Forschungsbedarfe aufgezeigt werden.
Schlüsselwörter
Valenzgrammatik, Tesnière, Adjektivvalenz, Dependenzhierarchie, Satzstruktur, Konnexion, Kopula, Valenzträger, Syntax, Leerstellen, prädikativer Gebrauch, attributiver Gebrauch, Sprachwissenschaft, Verbvalenz, grammatische Struktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der valenztheoretischen Einordnung von Adjektiven innerhalb der Dependenzgrammatik nach Lucien Tesnière.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Dependenzhierarchie, die Rolle von Kopulaverben sowie die syntaktische Valenz von Adjektiven.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, warum Adjektive im Tesnière-Modell traditionell keine Valenz besitzen und ob und wie man ihnen dennoch Valenzeigenschaften zuschreiben kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis bestehender fachwissenschaftlicher Literatur und valenztheoretischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die hierarchische Abhängigkeit von Wörtern im Satz, die Problematik der Kopula als Valenzträger und untersucht die Valenz prädikativ sowie attributiv gebrauchter Adjektive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Valenzgrammatik, Tesnière, Adjektivvalenz, Dependenzhierarchie und Satzstruktur.
Warum haben Kopulaverben in diesem Kontext eine besondere Bedeutung?
Sie dienen als untersuchungswürdige Grenzfälle, da bei Sätzen mit Kopula („ist“) oft unklar ist, ob das Verb oder das prädikative Adjektiv die eigentliche valenzgebende Kraft besitzt.
Welchen Einfluss hat die grammatische Verwendung des Adjektivs auf dessen Valenz?
Die Arbeit zeigt, dass Adjektive im attributiven Gebrauch meist einen Valenzverlust erleiden, während im prädikativen Gebrauch eher die Möglichkeit besteht, Leerstellen für Ergänzungen zu fordern.
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- Florian Enders (Author), 2011, Randfiguren des Dramas, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/197938