Im täglichen Handeln einer Pflegekraft werden eine Vielzahl von pflegerischen Entscheidungen getroffen die für das Wohlergehen von Patienten ausschlaggebend sein können. Hierbei stellt sich den Pflegenden oftmals die Frage nach der richtigen und sinnvollen Entscheidung oder ob das gegenwärtig angestrebte Handeln das Beste für die entsprechende Situation ist. Pflegerisches Handeln und entsprechende Maßnahmen basierten bis noch vor wenigen Jahren oftmals auf traditionellem Erfahrungswissen von Pflegenden – man denke hier z.B. an die antiquierte Dekubitusprophylaxe mittels „Fönen und Eisen“. Aufgrund neuzeitlicher veränderter Anforderungen im Gesundheitswesen, die kostenbewusstes, nachhaltiges und wirtschaftliches Handeln unumgänglich machen und infolge der Tatsache, dass pflegerische Entscheidungen als auch daraus resultierende Handlungen heute begründet sowie mit Argumenten belegt werden müssen, wird ein kritisches Nachdenken über die Sinnhaftigkeit und Anwendung von Pflegemaßnahmen notwendig. Aber nicht nur angesichts der Veränderungen im äußeren Kontext des Gesundheitssystems, auch durch Veränderungen innerhalb des pflegerischen Berufsfeldes in Deutschland, hin zu einem eigenständigen Berufsstand mit neuem Selbstverständnis und eigenem Wissenschaftsbereich, wird das Überdenken des alltäglichen Tuns unabdingbar. Überdenken bedeutet in diesem Zusammenhang, dass heutzutage Erkenntnisse aus der Wissenschaft in die pflegerische Alltagspraxis einfließen müssen und auch pflegerische Handlungen, mehr denn je, wissenschaftlicher Fundierung bedürfen.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung und Ursprung des Evidence-based Nursing
3. Dimensionen einer pflegerischen Entscheidungsfindung im Sinn von Evidence-based Nursing
3.1 Externe und interne Evidence
4. Die sechs Schritte der Evidence-based Nursing Methode
4.1 Auftragsklärung
4.2 Fragestellung
4.3 Literaturrecherche
4.4 Kritische Beurteilung
4.5 Implementierung und Adaption
4.6 Evaluation
5. Vor- und Nachteile der EBN-Methode für die Pflege
5.1 Vorteile
5.1.1 Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung
5.1.2 Verbindungslink zwischen Theorie und Praxis
5.1.3 Förderung der Professionalisierung
5.2 Nachteile
5.2.1 Schwierige Umsetzung durch ungünstige Rahmen- und Strukturbedingungen
6. Schlussbetrachtung und Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, ob Evidence-based Nursing (EBN) lediglich ein idealistisches Konzept darstellt oder eine praktikable Methode zur fundierten pflegerischen Entscheidungsfindung ist. Dabei wird die wissenschaftliche Fundierung pflegerischen Handelns kritisch analysiert, um den Nutzen und die Herausforderungen für die moderne Pflegepraxis aufzuzeigen.
- Grundlagen und Ursprung von Evidence-based Nursing
- Dimensionen der pflegerischen Entscheidungsfindung
- Der methodische sechs-stufige EBN-Prozess
- Vorteile der EBN-Methode für Professionalisierung und Praxis
- Barrieren bei der Implementierung in den Pflegealltag
Auszug aus dem Buch
4.1 Auftragsklärung
An erster Stelle der sechs Schritte steht die Klärung und Auseinandersetzung mit dem pflegerischen Auftrag, d.h. mit der pflegerischen Aufgabenstellung. Dies ist notwendig, damit Problemsituationen reflektiert und hinterfragt werden und das weitere Vorgehen nicht gegenstandslos wird - gerade im Hinblick darauf, dass Pflege im interdisziplinären Team arbeitet und pflegerische Handlungen eigenverantwortlich sowie arbeitsteilig durch Delegation ausgeführt werden. Es gilt also zu klären, welche Arbeits- und Handlungsgebiete der Pflege eigen sind, in welchen Bereichen sie Handlungsausonomie besitzt und welche interessierenden sowie bedeutenden Fragestellungen im pflegerischen Rahmen - unter Einbezug der verfügbaren Mittel - zu bewältigen sind. Im Vorfeld sollte dabei überprüft werden, ob das vorliegende Pflegeproblem häufig ist bzw. ob es schwerwiegende Folgen für den Pflegebedürftigen darstellt, da die Durchführung der EBN-Mehtode zeitliche sowie personelle Ressourcen erfordert. Mit der Auftragsklärung wird eine Abgrenzung des pflegerischen Zuständigkeitsbereiches vorgenommen, der von grundlegender Bedeutung für alle weiteren Schritte der EBN-Methode, insbesondere im Hinblick auf eine spätere Implementierung der erzielten Erkenntnisse in der Pflegepraxis, ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Fundierung pflegerischer Handlungen angesichts steigender Anforderungen im Gesundheitswesen.
2. Begriffserklärung und Ursprung des Evidence-based Nursing: Dieses Kapitel definiert EBN als forschungsbasierte Praxis und zeichnet dessen historische Entwicklung von Florence Nightingale bis zu modernen Definitionen nach.
3. Dimensionen einer pflegerischen Entscheidungsfindung im Sinn von Evidence-based Nursing: Es werden die verschiedenen Wissensquellen, insbesondere die Unterscheidung zwischen externer und interner Evidence, als Grundlage pflegerischer Entscheidungen dargestellt.
4. Die sechs Schritte der Evidence-based Nursing Methode: Das Kernstück der Arbeit beschreibt detailliert den Prozess von der Auftragsklärung über die Fragestellung und Literaturrecherche bis hin zur Evaluation.
5. Vor- und Nachteile der EBN-Methode für die Pflege: Hier werden die positiven Aspekte wie Qualitätssicherung und Professionalisierung den praktischen Hürden wie Ressourcenmangel und Widerständen gegenübergestellt.
6. Schlussbetrachtung und Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass EBN eine unverzichtbare Methode zur Qualitätssteigerung in der Pflege ist, deren Erfolg jedoch von den strukturellen Rahmenbedingungen abhängt.
Schlüsselwörter
Evidence-based Nursing, Pflegepraxis, Pflegewissenschaft, Entscheidungsfindung, Externe Evidence, Interne Evidence, EBN-Methode, Auftragsklärung, Literaturrecherche, Kritische Beurteilung, Qualitätssicherung, Professionalisierung, Patientenversorgung, Implementierung, Gesundheitswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Fundierung pflegerischen Handelns durch den Ansatz des Evidence-based Nursing.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des EBN, der methodische Prozess der Anwendung und die Auswirkungen auf die Qualität der Pflege sowie die Professionalisierung des Berufsstandes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, inwieweit EBN eine praktische und nützliche Methode für den Pflegealltag darstellt oder ob sie ein rein theoretisches Konstrukt bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender pflegewissenschaftlicher Konzepte, Studien und theoretischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Dimensionen pflegerischer Entscheidungen, die detaillierte Darstellung des sechsstufigen EBN-Prozesses sowie eine kritische Bewertung der Vor- und Nachteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind EBN-Methode, Qualitätssicherung, pflegerische Entscheidung, Theorie-Praxis-Transfer und Professionalisierung.
Was ist das PIKE-Schema und wofür wird es genutzt?
Das PIKE-Schema ist ein hilfreiches Instrument zur Strukturierung einer präzisen Forschungsfrage, bestehend aus P (Pflegebedürftiger), I (Intervention), K (Kontrollintervention) und E (Ergebnismaß).
Welches sind die größten Hindernisse bei der Umsetzung von EBN in der Praxis?
Laut der Arbeit sind insbesondere Ressourcenknappheit, Zeitmangel, fehlende methodische Kompetenzen der Pflegenden und traditionell verhaftete Berufsauffassungen die größten Barrieren.
- Arbeit zitieren
- Stefan Glaser (Autor:in), 2010, Evidence-based Nursing, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/197353