Der vorliegende Essay vergleicht die Handhabung der Zensur in den beiden den Deutschen Bund dominierenden Staaten, Preußen und Österreich, und erarbeitet hierbei die Ursachen, die zur unterschiedlichen Ausgestaltung ihrer Verordnungen führten. Hierbei werden wir feststellen, dass sowohl das Quantum und Quale der Öffentlichkeit als auch die Konstitution des Hofes sowie dessen Stellung im gesamtstaatlichen System entscheidende Faktoren bilden. Der Essay leistet dabei keine Betrachtung der Zensur im gesamten Vormärz, sondern beschränkt sich vorwiegend auf die Zeitspanne zwischen den Karlsbader Beschlüssen vom August 1819 und dem Tod Friedrich Wilhelms III. am 7. Juni 1940 und hierbei nur auf die Zensur, welche die Prüfung von Druckerzeugnissen zum Gegenstand hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gegenstand der Zensur
3. Struktur des Zensurapparates
4. Die Sicht der Höfe auf Staat, Öffentlichkeit und Presse sowie ihre Auswirkungen auf die Zensur
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Der vorliegende Essay untersucht und vergleicht die Zensurstrukturen in Preußen und Österreich im Zeitraum von 1819 bis 1840, um die Ursachen für die unterschiedliche Ausgestaltung ihrer jeweiligen Zensurverordnungen zu identifizieren und die Rolle staatlicher Konzepte von Öffentlichkeit und Politik zu analysieren.
- Vergleich der Zensurmechanismen in Preußen und Österreich
- Strukturanalyse der jeweiligen Zensurapparate
- Einfluss staatlicher Selbstverständnisse auf die Pressepolitik
- Differenzierung der Zensurpraxis nach Werkkategorien und Zielgruppen
- Rechtsstellung der Publizisten im Vergleich
Auszug aus dem Buch
3. Die Struktur des Zensurapparates
Die Untersuchung der Zensurhierarchie der beiden Staaten gibt Aufschluss über ihr Selbstverständnis. Im Falle des absolutistischen Österreichs ist hierbei die hohe Zahl der sich mit der Zensur befassenden Ämter in Wien, d.h. in der Nähe des Hofes, besonders zu beachten. Das Funktionieren der Ausdifferenzierung auf den oberen Ebenen hängt hierbei stark mit den Personen, welchen den jeweiligen Organen vorsaßen sowie ihrer einheitlichen Auffassung über die Art und Weise der Zensur zusammen. Somit war eine Trennung zwischen dem Sonderreferat für Polizei, Zensur und Presse in der von Metternich geleiteten Staatskanzlei, welche die Richtlinien für die Zensurkontrollen bestimmte, und der von Sedlnitzky geleiteten Polizei – und Zensurhofdienststelle, welche die Überwachung von Presse und Literatur leitete und somit die Vorgaben Metternichs ausführte, möglich. Hierbei war es höchst selten der Fall, dass die Staatskanzlei in die Zensurangelegenheiten wegen falscher bzw. zu lascher Zensur der höheren Ebenen (im Sinne eines Entzugs der zu zensierenden Schrift) eingriff oder gar Anmerkungen der Polizeihofstelle strich, vielmehr wurden diese durch Zensurmarkierungen der Staatskanzlei ergänzt. Die Tatsache, dass Sedlnitzkys Behörde, obwohl sie das Monopol politischen Handelns im Kaiserstaat innehatte, teilweise als Exekutivorgan für die Weisungen Metternich fungierte, ist hierbei ein Indiz für die personale Abhängigkeit der Zensurstruktur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Zensurproblematik der Restaurationszeit ein und umreißt die Zielsetzung des Essays, die Zensurunterschiede zwischen Preußen und Österreich zu vergleichen.
2. Gegenstand der Zensur: Dieses Kapitel erläutert, wie beide Staaten durch grobe Orientierungen in Verordnungen und durch Kategorisierung von Werken und Leserschaften die Zensurpraxis steuerten.
3. Struktur des Zensurapparates: Hier werden die hierarchischen Behördenstrukturen in Österreich und Preußen gegenübergestellt und die unterschiedliche Kompetenzverteilung sowie der Einfluss von Schlüsselpersonen wie Metternich beleuchtet.
4. Die Sicht der Höfe auf Staat, Öffentlichkeit und Presse sowie ihre Auswirkungen auf die Zensur: Dieses Kapitel untersucht, wie divergierende Auffassungen von Öffentlichkeit und Staatssicherheit in den beiden Ländern zu unterschiedlichen repressiven Strategien führten.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass sich Preußen und Österreich in ihrer präventiven Zensursystematik zwar ähnelten, jedoch grundlegende Unterschiede in der staatsspezifischen Auslegung und der Einbettung in Rechtsrahmen aufwiesen.
Schlüsselwörter
Zensur, Preußen, Österreich, Vormärz, Restaurationszeit, Pressefreiheit, Karlsbader Beschlüsse, Metternich, Zensurapparat, Öffentlichkeit, Politik, Obrigkeitsstaat, Polizeistaat, Zensuredikt, Publikationskontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Zensurpraktiken im Deutschen Bund, mit Fokus auf den Vergleich zwischen Preußen und Österreich zwischen 1819 und 1840.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die rechtliche Ausgestaltung der Zensur, die Organisation der Zensurbehörden und die unterschiedlichen politischen Strategien der Höfe gegenüber der Öffentlichkeit.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Ursachen für die unterschiedlichen Ausgestaltungen der Zensurverordnungen in den beiden dominierenden Staaten des Deutschen Bundes.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse auf Basis von Sekundärliteratur und historischen Quellendokumenten (Zensuredikte, Verordnungen) vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Gegenstandsbereich der Zensur, die hierarchische Struktur der Zensurapparate und die unterschiedliche Wahrnehmung von Staat und Öffentlichkeit analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zensur, Vormärz, Preußen, Österreich, Metternich, Rechtsrahmen, Pressepolitik, Zensurstruktur.
Warum unterscheidet der Autor zwischen der preußischen und österreichischen Zensurpraxis hinsichtlich der Effizienz?
Der Autor führt dies auf die unterschiedlichen Behördenstrukturen zurück: Während Preußen auf eine effiziente Kompetenzbündelung innerhalb der Institutionen zielte, war das österreichische System durch Sicherheitsbedürfnisse, Doppelstrukturen und kaiserliche Interventionen ineffizienter.
Welche Rolle spielten die unterschiedlichen Konzepte von Öffentlichkeit für die Zensurpolitik?
In Preußen musste der Staat den Widerstand einer bereits existierenden politischen Öffentlichkeit berücksichtigen, während in Österreich der Hof bis in die 1830er Jahre kaum auf eine solche Öffentlichkeit Rücksicht nehmen musste.
- Arbeit zitieren
- Kevin Rimek (Autor:in), 2012, Vergleich der Zensurstrukturen in Österreich und Preußen von 1819 bis 1840 und der Untersuchung der Ursachen für ihre Unterschiede, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/197180