Im Seminar Tonsatz / Werkanalyse stand im Wintersemester 2011/2012 die projekt- und praxisorientierte Arbeit mit vier Dresdner Komponisten im Vordergrund. Es handelte sich hierbei um Manfred Weiss (* 12.02.1935 in Niesky / Oberlausitz), Jörg Herchet (* 20.09.1943 in Dresden), Wilfried Krätzschmar (* 23.03.1944 in Dresden) und Carsten Hennig (* 01.07.1967 in Dresden). Bis auf den letztgenannten sind alle während der Zeit des Deutschen Nationalsozialismus zur Welt gekommen. Somit war eine regionale und größtenteils auch eine zeitliche Eingrenzung vorgegeben. Auch die
Wahl der zu analysierenden Stücke erfolgte nach einem bestimmten Kriterium, nämlich dem einer relativ kleinen Besetzung. Nach persönlichen Vorträgen der einzelnen Komponisten in Leipzig wurde in kleinen Arbeitsgruppen von vier bis fünf StudentInnen jeweils mit ihnen gearbeitet. Dabei fanden Gespräche statt, man besuchte sich, telefonierte und hielt Kontakt über das Internet. Schließlich fassten die einzelnen Arbeitsgruppen in Referaten das Schaffen ihres gewählten Komponisten zusammen und stellten den anderen StudentInnen
ausgewählte Werke vor. Meine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit dem jüngsten der vier Komponisten, Carsten Hennig. Nachdem wir in unserem Referat Hennigs Stücke „Kadenzes - 13 Fälle“, „lost“, „Kammerflimmern“ sowie „3100 Gramm“ unter dem Aspekt der zeitlichen
Entwicklung seiner Kompositionen kurz und eher oberflächlich vorgestellt haben, soll in dieser Hausarbeit das Werk „3100 Gramm“ intensiver betrachtet werden. Während der Analyse wird häufig auf genaue Taktzahlen hingewiesen, weshalb eine parallele Arbeit mit Text und Partitur (im Anhang) empfohlen wird. Um „3100 Gramm“ nicht völlig losgelöst von seinem Kontext darzustellen, sehe ich es als erforderlich an, zuvor über wesentliche biografische Fakten Carsten Hennigs sowie über Hintergründe zur Entstehung des Werks zu informieren. Die Analyse selbst wird zunächst allgemeiner und schließlich spezieller vorgenommen, denn die Länge und Komplexität von „3100 Gramm“ würde ansonsten die Fasslichkeit erschweren. In einer kurzen Zusammenfassung werde ich aufzeigen, welche wesentlichen Punkte sich in der genauen Analyse herauskristallisiert haben.
Zum Komponisten
Carsten Hennig wurde am 1. Juli 1967 in Dresden geboren, wo er noch heute als freischaffender Komponist lebt. Ab dem Alter von 15 Jahren erhielt er zunächst Klavier- und dann Orgelunterricht...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hintergrundinformationen
2.1 Zum Komponisten
2.2 Zum Werk
3 Analyse des Stücks
3.1 Erste Eindrücke und Grobanalyse
3.2 Details und Feinanalyse
3.2.1 Abschnitt A
3.2.2 Abschnitt B
3.2.3 Abschnitt C
3.2.4 Abschnitt D
3.2.5 Abschnitt E
3.2.6 Abschnitt F
3.2.7 Abschnitt G
4 Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit widmet sich einer detaillierten musikalischen Analyse des Werkes „3100 Gramm“ von Carsten Hennig. Ziel ist es, die spezifischen kompositorischen Mittel und klangexperimentellen Ansätze, insbesondere den Einsatz des Ziegelsteins als Resonanzkörper auf dem Klavier, strukturell zu untersuchen und in den Kontext des Gesamtschaffens des Komponisten einzuordnen.
- Klangexperimentelle Aspekte und Resonanzphänomene am Klavier
- Analyse der kompositorischen Struktur und formalen Gliederung
- Untersuchung von Spieltechniken und Instrumentierung
- Verhältnis von Dynamik, Rhythmik und Tonhöhenverlauf
- Kontextualisierung biographischer Hintergründe und Entstehungsbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Erste Eindrücke und Grobanalyse
Die Besetzung ist übersichtlich gehalten und weist einige Gemeinsamkeiten zu anderen Stücken Hennigs auf, wie beispielsweise zu „Kammerflimmern“. In „3100 Gramm“ steht eine Bläsergruppe bestehend aus Flöte (zwischenzeitlich Piccoloflöte) und B-Klarinette einem Streicher-Trio aus Violine, Viola und Violoncello gegenüber. Zwischen den beiden Gruppen befindet sich ein Klavier, welches unter Zuhilfenahme eines Plektrums sowie eines 3100 Gramm schweren Ziegelsteins mit den Maßen 24x12x7 cm gespielt werden soll. Da beim Einsatz des Plektrums die Saiten des Klaviers direkt angespielt werden, ist die Verwendung eines Flügels erforderlich. Den Ziegelstein stellt Hennig bei Aufführungen zur Verfügung, da dies eine für das Ensemble unübliche und schwer ausführbare Aufgabe darstellt. Damit das Klavier beim Einsatz des Steins nicht beschädigt wird, hat Hennig diesen zusätzlich präpariert.
Durch die Nutzung des Ziegelsteins werden auch die Grenzen des Stücks gezogen. Er wird zu Beginn auf die Klaviertasten im Bereich von d bis g1 aufgelegt und bleibt dort ununterbrochen liegen, bis er im letzten Takt in einer schnellen Bewegung von den Tasten gehoben wird. Da der Stein anfangs einen direkten Anschlag auf die betroffenen Saiten ausübt, kann man den ersten Klang als großes Cluster bezeichnen, das sich über einen Umfang von etwa 1,5 Oktaven erstreckt. Dies ist aber noch nicht der Effekt, um den herum sich nachfolgend das gesamte Stück aufbaut. Durch das ständige Gedrückthalten der bezeichneten Klaviertasten nämlich werden die zugehörigen Saiten nicht mehr abgedämpft, was üblicherweise beim Loslassen einer Klaviertaste passiert. Dieser Umstand bietet jene Saiten als Angriffsfläche an, denn sie nehmen andere Schwingungen auf - insbesondere die des Klaviers selber - und beginnen unterschiedlich stark zu schwingen. Es entsteht der Eindruck eines klanglichen Vorder- und eines Hintergrunds, in welchem sich das sehr leise Resonanzschwingen der Klaviersaiten und die weit gefächerte Dynamik des Ensembles gegenüberstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Entstehungskontext der Analyse im Rahmen eines Seminars zur Werkanalyse und stellt das Werk sowie den Komponisten Carsten Hennig vor.
2 Hintergrundinformationen: Dieses Kapitel liefert biografische Eckdaten zu Carsten Hennig und beschreibt die Entstehungsgeschichte und den Auftraggeber des Werkes „3100 Gramm“.
3 Analyse des Stücks: Hier erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Werk, unterteilt in eine Grobanalyse sowie eine systematische Feinanalyse der sieben definierten Abschnitte.
4 Zusammenfassung der Ergebnisse: Das abschließende Kapitel resümiert die wesentlichen klangexperimentellen Merkmale und kompositorischen Mittel des Werkes.
Schlüsselwörter
3100 Gramm, Carsten Hennig, Musikwissenschaft, Werkanalyse, Klavier, Resonanzbiotop, Zeitgenössische Musik, Klangexperiment, Cluster, Partitur, Instrumentierung, Dynamik, Rhythmik, Vierteltönigkeit, Ziegelstein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das zeitgenössische Musikwerk „3100 Gramm“ von Carsten Hennig hinsichtlich seiner kompositorischen Struktur und seiner klanglichen Experimente.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die klangliche Beeinflussung des Klaviers durch einen Ziegelstein, die Instrumentierung für Ensemble sowie die formale Entwicklung des Stücks.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die vielgestaltigen Bausteine des Werkes zu analysieren und aufzuzeigen, wie das Klangexperiment trotz unterschiedlicher Komponenten eine innere Logik entwickelt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine musikwissenschaftliche Werkanalyse durch, wobei er das Stück in sieben Abschnitte gliedert, um die dynamischen, rhythmischen und strukturellen Entwicklungen nachvollziehbar zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Feinanalyse der sieben Abschnitte (A bis G), wobei Taktzahlen, Tempowechsel und Spieltechniken detailliert erläutert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören unter anderem „3100 Gramm“, „Klangexperiment“, „Resonanzbiotop“, „Cluster“ und „Zeitgenössische Musik“.
Welche Bedeutung hat der Ziegelstein für das Werk?
Der Ziegelstein fungiert nicht nur als Namensgeber, sondern als integraler Bestandteil des „Resonanzbiotops Klavier“, der die Saiten manipuliert und komplexe Obertonresonanzen erzeugt.
Warum wird das Werk in Abschnitte unterteilt, obwohl der Komponist keine vorsieht?
Die Unterteilung dient der methodischen Strukturierung, um dem Leser angesichts der Komplexität des Stücks einen besseren Überblick über die musikalischen Abläufe zu verschaffen.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Steffen Peise (Autor:in), 2012, Analyse des Werkes „3100 Gramm“ (Carsten Hennig) , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196810