In Zeiten wachsender Staatsaufgaben und chronisch knapper Haushaltsmittel gewinnt die Privatisierung in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Die Privatisierung öffentlicher Güter und die damit verbundenen Chancen und Risiken werden stets kontrovers diskutiert. Seit einigen Jahren erfährt das neue Phänomen Public Private Partnership (PPP) große Aufmerksamkeit und erscheint für einige als eine Art Zauberformel zur Bewältigung der wachenden Staatsaufgaben und als Ausweg aus der finanziellen Notlage. Andere befürchten hingegen, dass durch PPPs die öffentliche Daseinsvorsorge dem privaten Gewinnstreben ausliefert wird.
Im Rahmen dieser Arbeit erfolgt eine kritische Analyse der Chancen und Risiken einer Privatisierung von öffentlichen Gütern am Beispiel von PPPs. Zur Einführung in die Thematik werden zunächst die Begriffe Privatisierung und öffentliche Güter erläutert. Im Anschluss werden PPPs, die verschiedene PPP-Modelle sowie die Finanzierungsformen von PPP-Projekten vorgestellt. In Kapitel vier folgen die Chancen und Risiken von PPPs aus Sicht der Privatisierungsbefürworter und -gegner. Anschließend wird eine Überprüfung der Chancen und Risiken anhand aktueller Praxisbeispiele vorgenommen. Die Arbeit endet mit einem persönlichen Resümee der Verfasserin.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Privatisierung öffentlicher Güter
2. 1. Privatisierung
2. 2. Öffentliche Güter
3. Public Private Partnership
3. 1. Begriff und Anwendungsfelder
3. 2. PPP-Modelle
3. 3. Finanzierung von PPPs
4. Chancen und Risiken von PPPs
4. 1. Chancen von PPPs
4. 2. Risiken von PPPs
5. Überprüfung der Chancen und Risiken anhand aktueller Praxisbeispiele
5. 1. Wirtschaftlichkeit von PPPs
5. 2. Auswirkungen von PPPs auf die öffentliche Verschuldung
5. 3. Dauer der Projektrealisierung
5. 4. Auswirkungen von PPPs auf die Gemeinwohlorientierung
5. 5. Risikoallokation
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine kritische Analyse der Chancen und Risiken einer Privatisierung öffentlicher Güter am Beispiel von Public Private Partnership (PPP) durchzuführen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, ob PPPs eine effiziente Lösung zur Bewältigung öffentlicher Aufgaben darstellen oder ob sie mit erheblichen ökonomischen und demokratischen Risiken verbunden sind, die eine Zielverschiebung von der Gemeinwohlorientierung hin zur Gewinnmaximierung fördern.
- Begriffliche Grundlagen der Privatisierung und öffentliche Güter
- Strukturen, Modelle und Finanzierungsformen von Public Private Partnerships
- Theoretische Gegenüberstellung der Chancen und Risiken aus Sicht von Befürwortern und Kritikern
- Empirische Überprüfung der Wirtschaftlichkeit und Projektauswirkungen anhand aktueller Praxisbeispiele
Auszug aus dem Buch
4. 1. Chancen von PPPs
Nach Ansicht der Privatisierungsbefürworter haben PPPs auf alle gesellschaftlichen Bereiche positive Auswirkungen. Den größten Vorteil stellt aus deren Sicht die mit Hilfe von PPPs zu erreichende Effizienzsteigerung dar. Aufgrund des betriebswirtschaftlichen Ziels der Gewinnmaximierung, der Wettbewerbssituation mit anderen Anbietern sowie der bestehenden Anreizsysteme, sei der Private an einer möglichst effizienten Leistungserbringung interessiert. Aus diesen Gründen geht auch die Theorie des Staatsversagens grundsätzlich davon aus, dass die produktive Effizienz der öffentlichen Hand geringer ist als in der Privatwirtschaft. Ein weiterer Effizienzvorteil ergebe sich durch einen flexibleren Arbeitskräfteeinsatz und eine Verminderung von Arbeitnehmerprivilegien. Überflüssige Ressourcen können dadurch schneller abgebaut und zur Verbesserung der Kostensituation und damit einhergehend zur Reduzierung der Nutzungsentgelte beitragen. Durch PPPs könne darüber hinaus privates Know-how für die öffentliche Aufgabenerfüllung mobilisiert werden. Dies trage ebenfalls zu einer effizienteren Mittelbewirtschaftung und zur Entbürokratisierung bei.
Ein weiterer positiver Aspekt sei die Berücksichtigung von Folgekosten aufgrund des Lebenszyklusansatzes, da diese trotz der angespannten Haushaltslage bei einer Investitionsentscheidung häufig unberücksichtigt bleiben. Durch solch eine umfassende Betrachtungsweise können die Folgekosten bei der Planung und dem Bau optimiert und für die öffentliche Hand weitere Effizienzvorteile generiert werden. Eine weitere Chance, die sich nach Ansicht der Privatisierungsbefürworter für die öffentliche Hand bietet, ist eine beschleunigte Projektrealisierung. Mit Hilfe des effizienten Managements eines privaten Unternehmens können beispielsweise Planungs- oder Bauzeiten verkürzt und das Projekt früher realisiert werden. Aufgrund der Generierung all dieser Effizienzvorteile sowie der Einbringung von privatem Kapital werde zudem der öffentliche Haushalt entlastet. Durch Privatisierungen stehen der öffentlichen Hand aus dieser Perspektive somit mehr Mittel für die Erfüllung ihrer Kernaufgaben zur Verfügung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Privatisierung öffentlicher Güter ein und stellt die Relevanz der Public Private Partnership (PPP) als kontrovers diskutiertes Instrument zur Bewältigung staatlicher Aufgaben dar.
2. Privatisierung öffentlicher Güter: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe der Privatisierung sowie der öffentlichen Güter und ordnet diese in einen volkswirtschaftlichen Kontext ein.
3. Public Private Partnership: Hier werden der Begriff, die verschiedenen Anwendungsbereiche, die unterschiedlichen PPP-Modelle sowie die Finanzierungsformen von PPP-Projekten erläutert.
4. Chancen und Risiken von PPPs: Das Kapitel stellt die konträren Positionen von Privatisierungsbefürwortern und -gegnern gegenüber und beleuchtet die Potenziale und Gefahren von PPPs.
5. Überprüfung der Chancen und Risiken anhand aktueller Praxisbeispiele: Dieser Abschnitt analysiert anhand konkreter Praxisbeispiele die Wirtschaftlichkeit, die Auswirkungen auf die öffentliche Verschuldung, die Projektdauer sowie die Gemeinwohlorientierung von PPPs.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Privatisierung für jeden Einzelfall individuell und wertneutral geprüft werden sollte, um insbesondere Gefahren einer verdeckten Staatsverschuldung zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Privatisierung, Öffentliche Güter, Public Private Partnership, PPP, Effizienzsteigerung, Haushaltsdefizit, Staatsverschuldung, Gemeinwohlorientierung, Gewinnmaximierung, Projektfinanzierung, Forfaitierung, Risikoallokation, Wirtschaftlichkeit, Infrastruktur, Transaktionskosten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Privatisierung öffentlicher Güter und untersucht dabei kritisch die Chancen und Risiken von Public Private Partnerships (PPP) in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Definitionen von Privatisierung und öffentlichen Gütern, die verschiedenen Modelle und Finanzierungsformen von PPPs sowie deren Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit und Gemeinwohl.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu analysieren, ob PPPs eine effiziente Methode zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben sind oder ob sie durch Gewinnstreben und Zielverschiebungen das öffentliche Interesse gefährden.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Fachliteratur sowie auf eine Überprüfung aktueller Praxisbeispiele und Prüfberichte von Rechnungshöfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der PPP-Modelle und deren Chancen und Risiken sowie eine praktische Analyse anhand von Fallbeispielen wie Schulen oder Wasserbetrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Privatisierung, Public Private Partnership, Effizienz, Staatsverschuldung, Risikoallokation und Gemeinwohlorientierung.
Welche spezifischen Risiken werden im Zusammenhang mit der Haushaltsführung genannt?
Die Arbeit warnt vor einer verdeckten Staatsverschuldung, da private Vorfinanzierungen im Rahmen von PPPs oft nicht adäquat in der Schuldenstatistik erfasst werden.
Wie bewertet die Verfasserin das PPP-Projekt des Bildungszentrums Ostend (BZO)?
Die Verfasserin führt das BZO als Beispiel für gescheiterte PPP-Projekte an, bei denen aufgrund von Billigbauweise und vertraglichen Mängeln hohe Folgekosten für die Stadt entstanden sind.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit hinsichtlich der Projektrealisierung?
Die Arbeit weist darauf hin, dass behauptete Zeitvorteile bei PPP-Projekten oft durch langwierige Vergabeverfahren und hohe Vorbereitungsaufwände wieder zunichtegemacht werden.
- Arbeit zitieren
- Sabine Gebhart (Autor:in), 2012, Chancen und Risiken der Privatisierung von öffentlichen Gütern, dargestellt am Beispiel von Public Private Partnership, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196414