Podcast ist eine Kombination des englischen Wortes ‚broadcast‘ (im Sinne von senden) und der Bezeichnung des Audioabspielgerätes ‚iPod‘ von Apple. Während im Duden ein Podcast als „Reportage, (Radio)beitrag o. Ä., der als Audiodatei im MP3-Format im Internet zum Herunterladen angeboten wird“ (Duden Online, 2011) erklärt wird, ist im englischen Oxford Advanced Learner`s Dictionary (2011) der Begriff weiter gefasst und umfasst: „a recording of a radio broadcast or a video that can be taken from the Internet“. Podcast kann damit als Überbegriff für verschiedene Formate stehen. Sie können nur auditiv oder auch multimedial sein. Sie sind zu unterteilen in Audio-Podcasts, Video-Podcasts und Enhanced-Podcasts. Audio-Podcasts zeichnen vor allem eine hohe örtliche Flexibilität aus. Sie können als Audiodatei auf jedem MP3 abspielfähigen Endgerät gehört werden. Dieser Vorteil von Audio-Podcasts begrenzt sie gleichzeitig auch, denn sie sind in der Dar-stellungsform auf die Sinnesmodalität des Hörens beschränkt. Video-Podcasts (auch Vod-casts oder Videocasts) hingegen beinhalten außer Tönen auch bewegte Bilder. Podcasts, die außer Ton auch Bilder (bspw. Präsentationsfolien) und/oder erweiterte Funktionen beinhalten, wie bspw. Internetlinks oder Sprungmarken, mit denen gezielt bestimmte Stellen des Podcasts angesteuert werden können, werden als Enhanced Podcast bezeichnet (Meier, 2007, S. 92). In der vorliegenden Arbeit werden unter dem Begriff Podcast nicht nur Audiodateien gefasst, sondern er steht als übergeordneter Begriff, der alle dargestellten Formen beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Podcasts in der Bildungswissenschaft
3 Konzeption des Podcasts ‚CSCL im Kontext von e-Learning‘
3.1 Motive und Funktionen
3.2 Thematik
3.3 Aufbau und didaktisches Design
4 Praktische Umsetzung des Podcasts ‚CSCL im Kontext von e-Learning‘
5 Reflexion der Konzeption und der praktischen Umsetzung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Einsatz von Audio-Podcasts im bildungswissenschaftlichen Kontext zu beleuchten und anhand einer eigenen didaktischen Konzeption und Umsetzung aufzuzeigen, wie komplexe Themen wie CSCL (Computer Supported Cooperative/Collaborative Learning) durch dieses Medium vermittelt werden können.
- Grundlagen und Potenziale von Podcasts (Educasts) in der Bildungswissenschaft
- Konstruktivistische Ansätze und didaktische Gestaltung von Lerninhalten
- Entwicklung eines didaktischen Konzepts nach dem "Advance Organizer"-Modell
- Praktische Implementierung und technische Umsetzung eines Podcast-Projekts
- Reflexion über mediale Wirksamkeit und auditive Informationsverarbeitung
Auszug aus dem Buch
3.3 Aufbau und didaktisches Design
Die Entscheidung einen Audio-Podcast anstatt einen Enhanced-Podcast oder Video-Podcast zum Thema zu erstellen, ist in der Auseinandersetzung mit verschiedenen theoretischen Erkenntnissen getroffen worden. So werden von Schneider (2011, S. 31) zwei grundlegende Prinzipien für die Informationsverarbeitung benannt: „Human mind has limited capacities for processing, storing and retrieving information“ und „Meaning is constructed from both sensory input and stored information“. Damit ist aufgezeigt, dass bei der Gestaltung von Lernmaterialien zu berücksichtigen ist, dass der Mensch nur begrenzte Kapazitäten hat, um Informationen zu verarbeiten. Für die konzeptionelle Einordnung von Begriffen gibt es meist keine rein visuelle Darstellung (wie bspw. Bilder oder Diagramme).
Die gleichzeitige auditive und visuelle Darstellung von Texten führt jedoch nach dem Redundanzprinzip (Mayer, 2001) zu einer unnötigen Belastung des Arbeitsgedächtnisses. Der Zuhörer müsste also seine Aufmerksamkeit zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Text teilen. Auch wenn geschriebener Text erst über den visuell/bildlichen Kanal verarbeitet wird, wechselt er doch bei der Verarbeitung in den auditiv/verbalen Kanal und das bedeutet, dass geschriebener Text auch Ressourcen des auditiv/verbalen Kanals beansprucht (Mayer, 2005, zitiert nach Niegemann et al., 2008, S. 52). Beim gewählten Thema wird deshalb auf eine zusätzlich gegebene visuelle Präsentation verzichtet, sondern es wird dem Zuhörer die Möglichkeit gegeben, sich ganz auf die Erzählung einzulassen.
Ausgehend von der pädagogischen Strategie ‚Informationprocessing‘ (siehe Kapitel 3.1) wird ein Modell ausgewählt, dass als Gestaltungsgrundlage dient. Als ein Modell wird der Modellfamilie ‚Informationsprocessing‘ der ‚Advance Organizer‘ von Ausubel (1960, 1968) zugeordnet (Joyce et. al, 2000, zitiert nach Schneider, 2011, S.47). Dieser „…provide learners with the cognitive structure to understand complex materials“ (Joyce et al., 2000, zitiert nach Schneider, 2011, S. 47) und wird ausgehend von der Zielgruppe und ihrem vermuteten Vorwissen sowie dem Lernziel als passend eingeschätzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die begriffliche Definition von Podcasts ein und erläutert die Relevanz der Arbeit im Kontext von E-Learning und Bildungswissenschaft.
2 Podcasts in der Bildungswissenschaft: Das Kapitel untersucht das didaktische Potenzial von Educasts sowie die Rolle von Podcasts als Instrument zur Wissensvermittlung und zur Förderung der Medienkompetenz.
3 Konzeption des Podcasts ‚CSCL im Kontext von e-Learning‘: Hier wird der theoretische Rahmen für die Konzeption des Podcasts abgesteckt, unter Einbeziehung von Motiven, Funktionen und didaktischen Modellen wie dem „Advance Organizer“.
3.1 Motive und Funktionen: Dieser Unterpunkt analysiert die zugrunde liegenden Beweggründe für die Podcast-Produktion, insbesondere im Hinblick auf konstruktivistisches Lernen und die Zielgruppenorientierung.
3.2 Thematik: Dieses Kapitel begründet die thematische Auswahl und die Aufteilung der Inhalte in zwei spezifische Episoden zur Verortung von CSCL innerhalb von E-Learning-Szenarien.
3.3 Aufbau und didaktisches Design: Das Kapitel befasst sich mit der methodischen Gestaltung, den Prinzipien der Informationsverarbeitung und dem Aufbau des Podcasts als erzählendes Medium.
4 Praktische Umsetzung des Podcasts ‚CSCL im Kontext von e-Learning‘: Dieser Teil beschreibt den konkreten Produktionsprozess vom Drehbuch über die Aufnahme bis hin zur Veröffentlichung als Open Educational Resource (OER).
5 Reflexion der Konzeption und der praktischen Umsetzung: Das Kapitel bietet eine kritische Analyse des Projekts, hinterfragt die auditive Formatwahl und reflektiert die Erreichung der gesetzten Lernziele.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über den Einsatz von Podcasts in der Lehre zusammen und bewertet deren Beitrag zu neuen Lernwegen im Bildungsbereich.
Schlüsselwörter
Podcast, Educast, CSCL, E-Learning, Bildungswissenschaft, Medienkompetenz, Konstruktivismus, Didaktik, Advance Organizer, Informationsverarbeitung, OER, Lernzieltaxonomie, Auditives Lernen, Wissensvermittlung, Drehbuch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption, praktischen Umsetzung und wissenschaftlichen Reflexion eines eigenen Podcast-Projekts für Studierende der Bildungswissenschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einsatz von Audio-Medien (Educasts) im Bildungsbereich, die Verortung von CSCL im E-Learning-Kontext und die Anwendung konstruktivistischer Lerntheorien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie ein Podcast didaktisch fundiert als Lernangebot gestaltet werden kann, um Studierenden bei der Auseinandersetzung mit komplexen Begriffen wie CSCL zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf ein Vorgehensmodell für didaktische Podcastkonzeptionen sowie auf das "Advance Organizer"-Modell nach Ausubel zur Strukturierung der Lerninhalte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Konzeption, die technische Produktion (Drehbuch, Aufnahme) und die kritische Reflexion des Medieneinsatzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Podcasting, Educast, CSCL, Didaktik und konstruktivistisches Lernen definieren.
Warum wurde ein Audio-Podcast und kein Video gewählt?
Aufgrund des Redundanzprinzips von Mayer wurde bewusst auf visuelle Ablenkungen verzichtet, um die Kapazitäten des Arbeitsgedächtnisses für die sprachliche Informationsverarbeitung optimal zu nutzen.
Wie wurde die Zielgruppe motiviert?
Die Motivation wurde durch die Orientierung am ARCS-Modell (Attention, Relevance, Confidence, Satisfaction) von Keller sichergestellt, beispielsweise durch humorvolle Erzählweisen und Praxisbezug.
Inwiefern ist der Podcast als OER zugänglich?
Die Episoden werden frei über einen Weblog und einen öffentlichen Cloud-Speicher (Dropbox) zur Verfügung gestellt, um den Zugang für alle Interessierten zu gewährleisten.
- Quote paper
- Dipl.-Ing. (FH) und B.A. Bildungswissenschaft Marika Fedtke (Author), 2011, Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten – Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Pod-/Vodcasts., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196401