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Johan Valentin Andreae und das ältere Rosenkreuzertum

Titel: Johan Valentin Andreae und das ältere Rosenkreuzertum

Hausarbeit , 2000 , 12 Seiten

Autor:in: Stefan Lochner (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im protestantischen Deutschland um 1600, entstand eine heterogene von Intellektuellen und Gelehrten getragene Protest- und Reformbewegung. Diese Reformer wollten gängige Formen späthumanistischer Lebensführung sprengen, sowie neue Wissens- und Glaubensformen postulieren. Die Welle religiös-intellektueller Opposition kulminierte schließlich in der Forderung einer “Generalreformation der Welt”, die sich gegen vermeintlichen Luxus, Leichtlebigkeit, sowie gegen die Verengung des religiösen Lebens durch Kontroverstheologie und konfessioneller Orthodoxie richtete. Ein bedeutendes literarisches Beispiel dieser Opposition ist der Mythos von dem Rosenkreuzerorden. Diese fiktive Bruderschaft, sowie die sagenumworbene Person ihres Stifters Christian Rosenkreutz wurde der Öffentlichkeit in drei anonym erschienenen Schriften vorgestellt. Es handelte sich dabei um die "Fama Fraternitatis Oder Brüderschafft des Hochlöblichen Ordens des R.C. An die Häupter, Stände und Gelehrten Europae" (1614), um die "Confessio Fraternitatis Oder Bekanntnuß der löblichen Bruderschafft deß hochgeehrten Rosen Creutzes an die Gelehrten Europae geschrieben" (1615), sowie um die "Chymische Hochzeit: Christiani Rosencreutz. Anno 1459" (1616). Diese Schriften erregten gewaltiges Aufsehen und zogen die gebildete Welt Deutschlands in ihren Bann. Dies hatte eine wahre Flut von Stellungnahmen und Antwortschreiben zur Folge. Zwischen 1614 bis 1630 erschienen nach Schätzungen etwa 300 Schriften, die sich mit dieser fingierten Bruderschaft auseinander setzten. Diese Autoren glaubten an die reale Existenz und suchten die Fraternität des Rosenkreuzes um ihr beizutreten, andere sympathisierten inhaltlich und entwickelten das rosenkreuzerische Gedankengut weiter. Auch sahen manche in den Urmanifesten eine „allegorische Darstellung einer höheren, Alchemie die ein Gottesgeschenk sei und das Geheimnis der Universalmedizin liefern könne.“

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Johan Valentin Andrea und das ältere Rosenkreuzertum

2.1. Die „Fama Fraternitatis“

2.2. Die „Confessio Fraternitatis“

2.3. Die „Chymische Hochzeit“

III. Abschlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Wirken von Johann Valentin Andreae im Kontext der Entstehung des älteren Rosenkreuzertums und analysiert die ideologischen sowie reformerischen Hintergründe der anonym erschienenen Schriften des 17. Jahrhunderts.

  • Der historische Kontext der protestantischen Reformbewegung um 1600
  • Die Analyse der zentralen Rosenkreuzerschriften (Fama, Confessio, Chymische Hochzeit)
  • Die Verfasserfrage und die Rolle von Johann Valentin Andreae
  • Die Intention einer "Generalreformation der Welt"
  • Der Einfluss hermetischer und alchemistischer Ideen auf das Rosenkreuzertum

Auszug aus dem Buch

2. Die „Confessio Fraternitatis“

Die 1612/1613 verfasste „Confessio“ versteht sich als eine Erweiterung und Kommentierung, als eine Darlegung der Gedankenwelt der Rosenkreuzer. Dabei konzentriert sie sich im wesentlichen auf zwei Momente. Erstens auf den in der Fama angedeutenden Umschwung der Welt und zweitens auf die Inhalte, der von der Bruderschaft propagierten “neuen Philosophie”. Sie entstand aller Wahrscheinlichkeit als eine Gemeinschaftsarbeit des Tübinger Freundeskreises um Andreae. Dazu gehörte der Theologe und Astrologe Wilhelm Schickart (1592-1635), der Jurist Christoph Besold (1577-1638) und der Utopist Tobias Hess (1568-1614), um nur die Einflussreichsten zu nennen.

Diese Intellektuellen verband die Kritik an der verhärteten Hochorthodoxie, die Klage über den geistig religiösen Verfall in der Wissenschaft und der Ruf einer zweiten Reformation, die eine Veränderung des Lebens und der Wissenschaft einleiten sollte. Dabei übten auf sie apokalyptisch-chiliastische Vorstellungen und theosophisch-hermetische Ideen eine große Faszination aus. Die “Confessio” beginnt mit dem Nachdruck der Bruderschaft an den Leser die Inhalte der “Fama” nicht als “leichtfertig oder erdichtet” (33) anzusehen. Die Menschen sollen erkennen, dass die Welt vor ihrem Untergang steht und ein neues Zeitalter anbrechen wird.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Beschreibt die Entstehung der heterogenen Protest- und Reformbewegung im protestantischen Deutschland um 1600 und führt in den Mythos der Rosenkreuzer ein.

II. Johan Valentin Andrea und das ältere Rosenkreuzertum: Analysiert die drei grundlegenden Schriften (Fama, Confessio, Chymische Hochzeit) und diskutiert deren Urheberschaft sowie inhaltliche Zielsetzungen.

2.1. Die „Fama Fraternitatis“: Behandelt die 1614 erschienene Schrift, die den Kern der Rosenkreuzerbewegung bildet und die Lebensgeschichte des Gründers Christian Rosenkreutz vorstellt.

2.2. Die „Confessio Fraternitatis“: Untersucht diese Schrift als Erweiterung und Kommentierung der Fama sowie als Ausdruck der Gedankenwelt eines Tübinger Gelehrtenkreises.

2.3. Die „Chymische Hochzeit“: Beschreibt das allegorisch-alchemistische Werk Andreaes als eine Initiationsreise, die zur wahren Alchemie und Gottesfurcht führen soll.

III. Abschlussbetrachtung: Fasst die Ziele der Generalreformation zusammen und gibt einen Ausblick auf die Wirkungsgeschichte des Rosenkreuzertums bis in die Neuzeit.

Schlüsselwörter

Rosenkreuzer, Johann Valentin Andreae, Fama Fraternitatis, Confessio Fraternitatis, Chymische Hochzeit, Generalreformation, Alchemie, Hermetik, Christian Rosenkreutz, Frühe Neuzeit, Reformation, Gelehrtentum, Theosophie, Mystik, Utopie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit beleuchtet das ältere Rosenkreuzertum im 17. Jahrhundert, insbesondere die Rolle des württembergischen Theologen Johann Valentin Andreae und die inhaltliche Bedeutung der drei zentralen Manifeste.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Frühen Neuzeit, die soziologischen Hintergründe intellektueller Reformbewegungen, alchemistische Symbolik und die Entwicklung christlich-esoterischer Ideologien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das Wirken Andreaes in den Kontext der "Generalreformation der Welt" zu setzen und zu zeigen, wie die literarische Fiktion der Rosenkreuzer als Antwort auf religiöse und wissenschaftliche Krisen der Zeit diente.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine historisch-literaturwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung primärer Quellen der Epoche sowie auf relevanter Sekundärliteratur basiert.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil analysiert detailliert die drei Urmanifeste „Fama Fraternitatis“, „Confessio Fraternitatis“ und „Chymische Hochzeit“ unter Berücksichtigung ihrer Entstehung und inhaltlichen Ausrichtung.

Was charakterisiert die in der Arbeit verwendeten Schlüsselwörter?

Die Begriffe verknüpfen historische Akteure mit den zentralen Werken und philosophischen Strömungen, die für das Verständnis der Rosenkreuzerbewegung unerlässlich sind.

Welche Bedeutung hatte die "Generalreformation der Welt" für die Rosenkreuzer?

Sie war der zentrale Forderungskatalog der Bewegung, der eine religiöse Erneuerung, eine neue Philosophie basierend auf Naturwissenschaft und eine Harmonie zwischen Glauben und Erkenntnis anstrebte.

Wie bewertet der Autor die "Chymische Hochzeit"?

Der Autor versteht sie als eine verworrene, aber bedeutsame allegorische Erzählung, die den Leser von einer betrügerischen Alchemie zu einer wahren, demutsvollen Praxis führen soll.

Welche Rolle spielte der Tübinger Freundeskreis?

Er gilt als der wahrscheinlichste Ursprung für die Verfassung der „Confessio Fraternitatis“, wobei eine Zusammenarbeit verschiedener Intellektueller wie Andreae, Schickart und Hess angenommen wird.

Warum verlor die Rosenkreuzerbegeisterung nach 1621 an Bedeutung?

Das Gedankengut geriet durch die lutherische Orthodoxie in den Verdacht der Häresie, zudem entzog der aufkommende französische Rationalismus der naturphilosophischen Strömung den Nährboden.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Johan Valentin Andreae und das ältere Rosenkreuzertum
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Autor
Stefan Lochner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
12
Katalognummer
V196362
ISBN (eBook)
9783656224495
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johann Valentin Andreae Rosenkreuzer Geheimgesellschaften Frühe Neuzeit Gegenreformation Fama Fraternitatis Confessio Fraternitatis Chymische Hochzeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefan Lochner (Autor:in), 2000, Johan Valentin Andreae und das ältere Rosenkreuzertum, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196362
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Leseprobe aus  12  Seiten
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