„Ich kann morgen früh keinen Kaffee mit dir trinken, ich muss um 10 Uhr bei meinem Betreuungsdozenten sein und ich muss pünktlich sein, denn seine Sprechstunde ist beliebt und sie dauert nur eine Stunde, ich weiß nicht wann ich das nächste Mal einen Termin bei ihm bekomme.“
Solche und ähnliche Unterhaltungen führt man sehr häufig als Student. Die Uhr bestimmt den Lebensalltag.
Die Zeitauffassung dahinter ist linear, sie ist gleich einer gerade Linie, die irgendwann in der Vergangenheit ihren Ursprung hat und über die Gegenwart linear in die Zukunft vorwärts zeigt.
Im Gegensatz zu einem zyklischen Zeitverständnis, ist das Ereignis einmalig und die Zeit schreitet ständig voran.
Der Zyklus dagegen geht von einer rhythmischen Wiederkehr von Ereignissen aus. Ein gängiges Beispiel ist der Wechsel zwischen Tag und Nacht. Im Gegensatz zur linearen Zeit, die man sich als einen geraden Pfeil vorstellen kann, könnte man die zyklische Zeit als einen Kreis oder Kreislauf abbilden.
Ausgehend davon, dass die Geschichte sowohl durch zyklische als auch lineare Zeitauffassungen geprägt ist, werde ich deren kulturgeschichtliche Entwicklung verfolgen und ihre jeweilige Berechtigung aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Entwicklung des zyklischen Zeitempfindens
3) Entwicklung des linearen Zeitempfindens
4) Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die kulturgeschichtliche Entwicklung von zwei zentralen Zeitkonzeptionen – der zyklischen und der linearen Zeit – und analysiert deren jeweilige Berechtigung, historische Wandlung sowie ihre Bedeutung für das gegenwärtige Zeitverständnis unter Rückgriff auf das Modell von Gerhard Schmied.
- Gegenüberstellung von zyklischer Wiederkehr und linearer Fortschrittsauffassung
- Kulturgeschichtliche Entwicklung und Ursprünge der Zeitordnungen
- Bedeutung von Mythen, Riten und Religionen für die Wahrnehmung der Zeit
- Wandel des Fortschrittsdenkens und Einflüsse der Naturwissenschaften
- Auswirkungen der Zeitstrukturen auf das moderne Alltagsleben
Auszug aus dem Buch
3. Entwicklung des linearen Zeitempfindens
Voraussetzung für Linearität kann ein fixer Punkt sein, von dem aus die Jahre gezählt werden können. Als frühester Punkt für die Jahreszählung soll die Ära von Nabuchonosor im Jahre 777 (312 v. Chr) gedient haben. Ein fester Anfangspunkt für die Linearität ist nicht zwingend notwendig, in China beispielsweise wurden die aufeinanderfolgenden Regierungen gezählt, ohne einen absoluten Fixpunkt anzunehmen. Die Entwicklung der Schrift, nimmt Arnold Gehlen an, ist Voraussetzung für die Entwicklung eines Geschichtsbewusstseins und somit auch für die Festsetzung eines Fixpunktes, der über längere Zeit hinweg Gültigkeit behält. Schrift ist also ebenso wie die Bestimmung eines Anfangspunkts einer Zeitrechnung eine Leistung abstrahierenden Geistes.
Durch die Entwicklung der linearen Zeit bekam die vertraute zyklische Vorstellung, der ständigen Wiederholung des ewig Gleichen, Konkurrenz. Sie wurde konfrontiert mit der Annahme, dass nichts wiederholbar ist, sondern die Lebensgeschichten einem Strom gleichen, der ständig Neues bringt, der stetig weiter fließt und sich nicht im einzelnen wiederholen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung führt in die Differenz zwischen zyklischem und linearem Zeitverständnis ein und umreißt die methodische Herangehensweise anhand von Gerhard Schmieds Zeitkonzeptionsmodell.
2) Entwicklung des zyklischen Zeitempfindens: Dieses Kapitel beleuchtet die Ursprünge der zyklischen Zeit als naturnahes Modell, das auf Rhythmen wie Tag, Nacht und Jahreszeiten sowie rituellen Wiederholungen basiert.
3) Entwicklung des linearen Zeitempfindens: Das Kapitel zeichnet den Wandel hin zur linearen Zeit nach, geprägt durch Fixpunkte, Geschichtsbewusstsein, religiöse Zielvorstellungen und naturwissenschaftliches Fortschrittsdenken.
4) Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung betont den Modellcharakter beider Zeitordnungen und hinterfragt das gegenwärtige Zeitbewusstsein im Hinblick auf die mediale Entgrenzung von Arbeits- und Freizeit.
Schlüsselwörter
Zyklische Zeit, Lineare Zeit, Zeitkonzeption, Geschichtsbewusstsein, Kulturgeschichte, Zeitordnung, Fortschrittsglaube, Schmied, Mythos, Initiation, Säkularisierung, Zeitbewusstsein, Zeiterleben, Moderne, Utopie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische und kulturelle Differenzierung zwischen zyklischen und linearen Zeitauffassungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Etymologie der Zeit, die Bedeutung ritueller Wiederkehr in archaischen Kulturen sowie die Entstehung linearer Geschichtsbilder durch Schrift, Religion und Naturwissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Berechtigung beider Modelle aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie sie als Konstrukte unser Verständnis geschichtlicher und alltäglicher Abläufe prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kulturgeschichtliche Analyse, die vorwiegend auf soziologischen und ethnologischen Modellen basiert, insbesondere auf dem Werk von Gerhard Schmied.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des frühen zyklischen Zeitverständnisses und die detaillierte Darstellung des Wandels hin zu einer linearen, zukunftsorientierten Zeitwahrnehmung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Zeitkonzeption, zyklische vs. lineare Zeit, Fortschrittsglaube, Geschichtsbewusstsein und das Zusammenspiel von Religion und Säkularisierung.
Inwiefern beeinflusst der Darwinismus die lineare Zeitauffassung?
Der Darwinismus trug zur linearen Verzeitlichung bei, indem er die Vorstellung von festen göttlichen Zielpunkten durch einen Prozess des Nacheinanders ersetzte, der auf natürlichem Wettstreit basiert.
Warum sehnt sich der Mensch im 21. Jahrhundert nach zyklischen Strukturen?
Angesichts eines immer schnelleren linearen Zeitablaufs und ständiger Veränderungen bieten zyklische Strukturen wie Jubiläen oder Feiertage ein Gefühl von Stabilität, Geborgenheit und Ordnung.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Heinz (Autor:in), 2012, Zyklische Zeit – Lineare Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196162