In der nachfolgenden Arbeit soll es um die Vaterrolle in Friedrich Schillers Werk „Kabale und Liebe“ gehen. Die vom Präsidenten, aber auch vom Musikus Miller. Die Vaterrolle werde ich anhand einer Charakterisierung der beiden Väter herausarbeiten. Weiterhin möchte ich im Zuge der Charakterisierungen, die jeweiligen Verhältnisse der Väter zu ihren Kindern analysieren. Als erstes werde ich auf den Musiker Miller und seine Tochter eingehen. Sowohl in diesem Teil, als auch in dem Teil über den Präsidenten, möchte ich insbesondere die Rolle der Väter ihren Kindern gegenüber beleuchten. Bei Vater Miller möchte ich unter anderem auf seine bewusste Ständehaltung eingehen und in diesem Zusammenhang versuchen zu analysieren, warum er schon am Anfang des Werkes der Beziehung zwischen Ferdinand und Luise keine Chance gibt. Im weiteren Verlauf werde ich die Charakteristik des Präsidenten erarbeiten und wie oben angedeutet, auf dessen Rolle gegenüber seinem Sohn eingehen. Bei der Bearbeitung des Präsidenten möchte ich fortführend darauf eingehen, an welchen Stellen er sich schuldig, bzw. ob er sich schuldig gemacht hat an der Tragödie.
In einem darauf folgenden Analyseschritt werde ich in einem direkten Vergleich zwischen dem höfischen Präsident und dem bürgerlichen Miller, die Vaterliebe der beiden herausarbeiten. Wobei ich hierbei gerne klären würde, ob man von einer „richtigen“ Liebe zu ihren Kindern sprechen kann. Um die Arbeit abzurunden, soll es im letzten Teil dieser Arbeit um einen Vergleich zu Lessings „Emilia Galotti“ und im Anschluss um einen Vergleich zu Schillers „Die Räuber“ gehen. Hierbei soll es insbesondere um den Vergleich der Vaterrollen gehen. Abschließend werde ich die wichtigsten Punkte kurz zusammenfassen und die Arbeit mit einem Fazit und einem Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten schließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Vaterrollen
2.1. Musikus Miller und seiner Vaterrolle gegenüber Luise
2.2. Der Präsident als herausstechende Dramenfigur in „Kabale und Liebe“ und seine Rolle als Vater gegenüber Ferdinand
3.Der Präsident und der Musikus Miller- ein Vergleich der Vaterliebe
4. Vergleich zu Vaterrollen in anderen Werken
4.1 Vergleich zu „Emilia Galotti“
4.2 Vergleich zu dem Werk „ Die Räuber“
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Ausgestaltung der Vaterrollen von Musikus Miller und dem Präsidenten in Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ und analysiert deren Einfluss auf die tragische Entwicklung des Stückes sowie das Verhältnis zu ihren Kindern.
- Charakterisierung der Vaterfiguren Miller und Präsident
- Analyse des Vater-Kind-Verhältnisses und der Ständeproblematik
- Direkter Vergleich der Vaterliebe zwischen bürgerlichem und höfischem Milieu
- Vergleichende Betrachtung der Vaterrollen in „Emilia Galotti“ und „Die Räuber“
Auszug aus dem Buch
2.1 Musikus Miller und seine Vaterrolle gegenüber Luise
Miller, der als Musiker arbeitet, lebt als Bürgerlicher unter finanziell grundierten Zuständen.1Diese Interpretation widerspricht allerdings einer Aussage von Luise anhand derer das einzige Vermögen die Tochter ist (vgl. S.64 Z.22ff.).
Er hat scheinbar eine ordentliche Meisterprüfung abgelegt. 2Weiterhin beherrscht er „Violonzell“ und ist „Geiger“ (S.5 Z.21)3, aber er beherrscht auch weitere Instrumente, was an dem „Fortepiano“, welches im Haus der Millers steht, deutlich wird.
Miller ist zwischen 59 und 60 Jahre alt zu dem „Spielzeitpunkt“ des bürgerlichen Trauerspiels4:
„der morgen sechzig alt wird“ (S.64 Z.24) Diese Andeutung macht Luise im dritten Akt des Stückes. Weiterhin ist er sehr gläubig und sehr ehrfürchtig gegenüber Gott, aber auch aufrichtig und zeigt menschliche Gefühle.5
Als Schüler unterrichtet er Ferdinand, den Sohn des Präsidenten und gibt ihm Musikstunden. Miller agiert als Familienoberhaupt mit harter Hand .Dies wird gerade in der Umgangsweise mit seiner Frau deutlich. Gegenüber seiner Frau nimmt er eine übergeordnete Rolle ein und sieht seine Frau als nicht gleichwertig.6 Auch das Ansehen spielt für Vater Miller eine maßgebliche Rolle. Einerseits kommt er mit den verschiedensten Schichten der Gesellschaft zusammen, doch trotzdem steht er zu dem bürgerlichen Gesellschaftstum und dessen Normen. Andererseits hat er Angst vor einem schlechten Ruf. Dies wird an der Beziehung zwischen Ferdinand und Luise deutlich, da er die Befürchtung hat, dass man über die Tochter, aufgrund einer außerständischen Beziehung so viel reden könnte, dass der Ruf „seines Haus“ ruiniert werden würde7.Aber er geht auch von rein sexuellen Absichten Ferdinands gegenüber seiner Tochter aus und selbst seine Tochter wird von ihm auf ihre „äußeren Vorteile“ begrenzt:8
„Unterm Dach mag´s aussehen, wie´s will. Darüber kuckt man bei euch Weibsleuten weg, wenn´s nur der liebe Gott parterre nicht hat fehlen lassen.“ (S.6 Z.11ff)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Ziel der Arbeit vor, die Vaterrollen in Schillers „Kabale und Liebe“ durch eine Charakterisierung der Väter sowie einen Vergleich mit anderen Werken zu analysieren.
2. Die Vaterrollen: Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten Untersuchung des Musikus Miller und des Präsidenten als Vaterfiguren und deren Verhalten gegenüber ihren Kindern.
3.Der Präsident und der Musikus Miller- ein Vergleich der Vaterliebe: Hier findet ein direkter Vergleich der Vaterliebe statt, wobei die egozentrischen Motive beider Väter und deren unterschiedliche soziale Hintergründe herausgearbeitet werden.
4. Vergleich zu Vaterrollen in anderen Werken: Das Kapitel vergleicht die Väter in „Kabale und Liebe“ mit denen in „Emilia Galotti“ und „Die Räuber“, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung von Vaterrollen und deren Schuldanteil zu identifizieren.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Ständeproblematik als zentrale Ursache für das Scheitern der Liebe, neben dem Einfluss der Väter.
Schlüsselwörter
Kabale und Liebe, Friedrich Schiller, Vaterrolle, Musikus Miller, Präsident, Vaterliebe, Ständegesellschaft, Ferdinand, Luise, Emilia Galotti, Die Räuber, Tragödie, Familienstruktur, Schuld, Intrige
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Vaterfiguren Musikus Miller und den Präsidenten in Schillers Drama „Kabale und Liebe“ und deren Einfluss auf die Entwicklung der tragischen Handlung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die elterliche Erziehung, das Ständebewusstsein, die Art der väterlichen Liebe und die Auswirkungen dieser Rollen auf das Leben der Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das väterliche Handeln zu charakterisieren, zu vergleichen und zu klären, inwiefern die Väter eine Mitschuld am tragischen Ende der Geschichte tragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse und Interpretation angewandt, die durch den Vergleich mit anderen Werken Schillers und Lessings ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Charakteristika und Machtstrukturen der Väter, führt einen direkten Vergleich ihrer Vaterliebe durch und setzt diese in Beziehung zu Vaterrollen in anderen klassischen Werken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Vaterrolle, Ständegesellschaft, Kabale und Liebe, Vaterliebe, Tragödie, Machtstrukturen und der Vergleich literarischer Figuren.
Wie unterscheidet sich die Vaterliebe bei Miller von der des Präsidenten?
Während Miller zwar besorgt ist, aber durch seine ständische Enge und Sorge um den eigenen Ruf das Glück der Tochter einschränkt, instrumentalisiert der Präsident seinen Sohn primär für seine eigene Machterhaltung.
Gibt es eine Mitschuld der Väter am tragischen Ausgang?
Ja, beide Väter tragen eine erhebliche Mitschuld: Miller durch die Missachtung von Warnsignalen und der Präsident durch seine gezielte, grausame Intrige, die direkt zur Katastrophe führt.
- Arbeit zitieren
- Christian Hundertmark (Autor:in), 2012, Die Vaterrolle in Friedrich Schillers "Kabale und Liebe", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/195853