Banken sind ein wichtiger Bestandteil der Gesamtwirtschaft. Als Finanzintermediär vermitteln sie zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern und sind durch Risikotransformation in der Lage, sichere Einlagen zu garantieren, obwohl die Rückzahlung von ausgegebenen Krediten in der Regel ungewiss ist. Dies ist eine wichtige Rolle im gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang.
Es hat sich im Laufe verschiedener Stressphasen abgezeichnet, dass einer Wirtschaftskrise meist Probleme im Bankensektor vorausgingen. In der Finanzkrise wurde deutlich, dass der Bankrott einer einzelnen Bank zu einer Kettenreaktion führen und es dadurch zur Destabilisierung des gesamten Finanzsektors kommen kann. Man bezeichnet diesen Zusammenhang als systemisches Risiko, wobei es mehr oder weniger systemrelevante Banken gibt. Eine Studie des Basler Ausschusses von 2010 bezüglich der langfristigen Auswirkungen von Kapitalregulierungen hat festgehalten, dass Bankenkrisen einen Einbruch des BIP um bis zu 60% zur Folge haben können und der Finanzsektor somit eng mit der Gesamtwirtschaft verflechtet ist. Durch die großen Rettungspakete vieler Länder stieg außerdem die Staatsverschuldung enorm. Dieser bedeutende Zusammenhang macht es insbesondere notwendig, die einzelnen Banken bestmöglich gegen Schocks resistent zu machen, so dass es gar nicht erst zu schwerwiegenderen Auswirkungen kommt.
Die Stabilität von Banken wird vor allem durch die Quantität und Qualität ihres Eigenkapitals gewährleistet. Im folgenden Kapitel wird daher zunächst vor dem Hintergrund der momentan noch geltenden Basel II - Regelungen erläutert, welchen Risiken eine Bank generell gegenübersteht und wie diese aufsichtsrechtlich mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Des Weiteren werden die durch die Finanzkrise aufgedeckten Schwächen der aktuellen Regulierungen aufgezeigt. Im dritten Kapitel wird schließlich das als Antwort auf die Finanzkrise im Dezember 2010 veröffentlichte Regelwerk Basel III insbesondere in Bezug auf die neuen Eigenmittelanforderungen erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Basel II
2.1. Eigenmittelunterlegung von Risiken
2.2. Schwächen der Basel II – Regulierungen
3. Basel III
3.1. Modifizierung des regulatorischen Eigenkapitals
3.2. Zusätzliche Kapitalpuffer
3.3. Weitere Anpassungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Eigenkapitalregulierung und analysiert das neue Regelwerk Basel III im Hinblick auf die Erhöhung der Eigenmittelanforderungen sowie die Stärkung der Stabilität des Finanzsektors.
- Systemische Bedeutung von Eigenkapital und Bankrisiken
- Kritische Analyse der Schwachstellen von Basel II
- Neuausrichtung der Eigenkapitalzusammensetzung unter Basel III
- Einführung und Funktionsweise zusätzlicher Kapitalpuffer
- Verbesserung der Risikodeckung und Leverage Ratio
Auszug aus dem Buch
3.1. Modifizierung des regulatorischen Eigenkapitals
Das haftende Eigenkapital setzt sich wie bereits erwähnt zusammen aus Kernkapital und Ergänzungskapital. Die Drittrangmittel (auch als Tier 3 bezeichnet), die momentan noch der Unterlegung von Marktrisiken dienen, werden aufgrund ihrer geringen Verlustabsorptionsfähigkeit in Zukunft komplett wegfallen. Im Rahmen der Basel III – Regelungen wird nur noch zwischen den beiden Kapital-Qualitätsstufen Tier 1 und Tier 2 (Kern- und Ergänzungskapital) unterschieden.
Das Kernkapital soll vor allem Verluste aus dem laufenden Geschäft tragen und somit insbesondere das Fortbestehen des Instituts sichern. Daher wird es auch als Going-Concern-Kapital bezeichnet. Das Ergänzungskapital hingegen soll für den Fall der Insolvenz herangezogen werden, um die Verbindlichkeiten gegenüber den Fremdkapitalgebern möglichst vollständig zu befriedigen (Gone-Concern-Kapital).
Beim Kernkapital wird unterschieden zwischen dem harten (Tier 1a) und dem weichen Kernkapital (Tier 1b). Zur Verlustabsorption ist vor allem das harte Kernkapital von großer Bedeutung. Man bezeichnet es auch als originäres Eigenkapital, da es sich hauptsächlich aus eingezahltem Stammkapital und Gewinnrücklagen zusammensetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Banken als Finanzintermediäre und die systemische Gefahr von Bankkrisen, die eine robuste Eigenkapitalausstattung notwendig machen.
2. Basel II: Dieses Kapitel erläutert das Drei-Säulen-Modell von Basel II, die aufsichtsrechtlichen Grundlagen der Eigenmittelunterlegung und die durch die Finanzkrise offenbarten Schwächen des Regelwerks.
3. Basel III: Das Kapitel detailliert die Reformschritte von Basel III, insbesondere die strengere Definition von Eigenkapital, die Einführung von Kapitalpuffern und zusätzliche Instrumente wie die Leverage Ratio.
4. Fazit: Das Fazit bewertet Basel III als notwendige Konsequenz aus der Finanzkrise und betont die Bedeutung einer zeitnahen Umsetzung zur Sicherung der Finanzmarktstabilität.
Schlüsselwörter
Basel III, Eigenmittelanforderungen, Kernkapital, Risikomanagement, Finanzkrise, Kapitalpuffer, Eigenkapitalquote, Systemisches Risiko, Bankenaufsicht, Basel II, Leverage Ratio, Solvabilitätsverordnung, Kontrahentenausfallrisiko, Eigenkapitalstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Reform des regulatorischen Rahmens für Banken durch das Regelwerk Basel III mit Fokus auf die Eigenkapitalanforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Eigenkapitalausstattung von Banken, die Lehren aus der Finanzkrise sowie die spezifischen Anpassungen durch Basel III.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Notwendigkeit der verschärften Eigenmittelregulierungen durch Basel III darzustellen und deren Auswirkungen auf die Banken zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse der regulatorischen Vorgaben und bankbetriebswirtschaftlicher Grundlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schwachstellen von Basel II, die neue Strukturierung des Eigenkapitals, die Einführung von Kapitalpuffern und weitere risikoorientierte Anpassungen wie die Leverage Ratio.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Basel III, Eigenkapitalquote, hartes Kernkapital, Kapitalpuffer und Finanzmarktstabilität.
Warum wird das harte Kernkapital unter Basel III stärker gewichtet?
Es besitzt die höchste Verlustabsorptionsfähigkeit und dient somit als wichtigstes Instrument zur Sicherung der Bankenstabilität während Krisenzeiten.
Welchen Zweck verfolgt der antizyklische Kapitalpuffer?
Er soll exzessive Kreditausweitungen in wirtschaftlich starken Zeiten verhindern, um die Auswirkungen eines späteren Abschwungs zu dämpfen.
Was ist die Leverage Ratio?
Es handelt sich um eine ergänzende, nicht risikobasierte Kennziffer zur Begrenzung des Verschuldungsgrades eines Instituts.
- Arbeit zitieren
- Anne-Kathrin Melis (Autor:in), 2011, Bankenstabilität: Erhöhung der Eigenmittelanforderungen in Basel III, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/195812