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Political Culture(s) revisited

Eine Diskussion der Kulturtheorie des Risikos in Bezug auf die Erfassbarkeit von Politik- und Regulierungsstilen

Titel: Political Culture(s) revisited

Masterarbeit , 2012 , 78 Seiten , Note: 1.7

Autor:in: Florian Sander (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Vergleichenden Politikwissenschaft ist seit der erstmaligen Veröffentlichung einer Reihe von Studien in den 80er Jahren zum Thema die These dominant, dass Staaten geprägt sind durch spezifische nationale Regulierungsstile, die ihre Politik weitreichend charakterisieren. Joanne Linnerooth-Bayer (1995) hat, unter Bezug auf Sheila Jasanoff (1995), diese These verbunden mit der Kulturtheorie des Risikos nach Douglas und Wildavsky (1982), indem sie darlegte, dass diese nationalen Regulierungsstile aus dem Wirken bestimmter politischer Kulturen und den damit einhergehenden spezifischen Risikowahrnehmungen resultieren. Diese Arbeit wendet sich gegen diese These insofern, als dass vertreten wird, dass Risikowahrnehmungen immer nur problemfeldorientiert beobachtbar sind und Regulierungsstile daher immer im Kontext des jeweiligen Politikfeldes gesehen werden müssen, was die Annahme eines jeweiligen umfassenden „nationalen Regulierungsstils“ negiert und zugleich Implikationen für die Cultural Theory selbst in sich birgt. Zur empirischen Untermauerung der Argumentation wird als Fallbeispiel die Ambivalenz der Gentechnologiepolitik der amerikanischen Bush-Administration herangeführt, welche speziell den Unterschied zwischen der Regulierung „grüner Gentechnik“ einerseits und „roter Gentechnik“ andererseits beleuchtet. Das Beispiel demonstriert, dass sich Regulierungsstile von Politikfeld zu Politikfeld deutlich unterscheiden können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kulturtheorie des Risikos

2.1 Vorbemerkung

2.2 Prämisse: Risikoselektion und cultural bias

2.3 Grid-group-Schema und Naturmythen

2.4 Kulturelle Kategorien und ways of life

2.4.1 Hierarchie

2.4.2 Individualismus

2.4.3 Egalitarismus

2.4.4 Fatalismus

2.4.5 Autonomie

2.4.6 Abschließende Bemerkung

2.5 Weiterentwicklung der Theorie

2.5.1 Von ways of life zu political cultures

2.5.2 Cultural Theory ohne grid und group?

3. Politische Kulturen und Regulierungsstile

3.1 Vorbemerkung

3.2 Nationale politische Kulturen

3.2.1 Neudefinition

3.2.2 Typen politischer Kulturen

3.2.2.1 Hegemonie eines einzigen way of life

3.2.2.2 Allianzen von ways of life

3.2.2.3 Fatalistisch geprägte politische Kulturen

3.2.2 Einordnung von Staaten

3.3 Nationale Regulierungsstile

3.3.1 Politikwissenschaftliche Regulierungsforschung

3.3.2 Regulierungskulturen nach Jasanoff

3.3.3 Kulturtheoretische Rezeption durch Linnerooth-Bayer

4. Biotechnologiepolitik unter George W. Bush

4.1 Regulierungskontext, Abläufe und Zuständigkeiten

4.2 Grüne Gentechnik unter Bush

4.3 Rote Gentechnik unter Bush

5. Analyse und Beurteilung

5.1 Kulturtheoretische Einordnung

5.1.1 Politik und Ethik

5.1.2 Regulierung grüner Gentechnik

5.1.3 Regulierung roter Gentechnik

5.2 Neukonzeption der Kulturtheorie?

5.2.1 Eine erweiterte Typologie?

5.2.2 Regulierungsstile und politische Kulturen

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die These nationaler Regulierungsstile kritisch und hinterfragt deren kulturtheoretische Fundierung. Ziel ist es aufzuzeigen, dass Risikowahrnehmungen und Regulierungsansätze maßgeblich vom spezifischen Politikfeld und dessen Kontext abhängen, was die Annahme eines umfassenden, nationalen Regulierungsstils infrage stellt und eine Rekonzeptualisierung der Kulturtheorie erfordert.

  • Kritik an der These von homogenen nationalen Regulierungsstilen
  • Anwendung der Kulturtheorie des Risikos (Douglas/Wildavsky) auf die Policy-Analyse
  • Empirische Fallstudie: Biotechnologiepolitik unter der US-Administration George W. Bush
  • Differenzierung der Risikowahrnehmung: Grüne versus Rote Gentechnik
  • Diskussion über eine notwendige Rekonzeptualisierung der Kulturtheorie

Auszug aus dem Buch

2.2 Prämisse: Risikoselektion und cultural bias

Die risikosoziologische Kulturtheorie steht in der Tradition des Konstruktivismus. Ihre grundlegende Prämisse besteht in der Annahme, dass Risiken nicht objektiv existent sind, sondern auf der Basis einer Selektion konstruiert bzw. einem bestimmten Bereich zugerechnet werden. Risiko ist somit niemals etwas absolut Vermeidbares, sondern – wenn auch je nach Art der erfolgten Selektion – immer präsent. Die Konstruktion bestimmter Risiken richtet sich dabei auch danach, was als das jeweilige Risikoobjekt angesehen und worauf im Einzelfall die Priorität gelegt wird.

Aufgabe einer kulturtheoretischen Forschung ist es demnach, zu untersuchen, wer unter welchen Umständen auf welche Weise was als gefährdet ansieht und auf dieser Basis welche Risiken zurechnet (vgl. Douglas / Wildavsky 1982: 8). Basierend auf diesen Bedingungen ergeben sich verschiedene Rationalitäten und damit zugleich auch, welche verschiedenen Lösungen und Risikomanagement-Strategien jeweils angestrebt werden: „Social accountability creates the main lines of cost-benefit payoffs and produces the different ways of categorizing the physical world“ (Douglas 1985: 39). Es ist das Ziel der Kulturtheoretiker, diese Kategorisierungen zu erfassen und als Kulturen zu beschreiben.

Wohl nicht zuletzt auch wegen des anthropologischen Hintergrunds von Mary Douglas verfolgt die Cultural Theory in ihrer und Wildavskys Konzeption eine Herangehensweise, die sich zunächst auf der Mikroebene bewegt und nicht, etwa wie die soziologische Systemtheorie Niklas Luhmanns, versucht, die Gesellschaft über einen makrosoziologischen Ansatz zu beschreiben. Die Kriterien für Risikoselektionen und –konstruktionen werden nicht Systemen und ihren Codierungen zugeordnet, sondern an bestimmten, individuellen ways of life festgemacht: „The choice of risks and the choice of how to live are taken together. Each form of social life has its own typical risk portfolio” (Douglas / Wildavsky 1982: 8).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die kulturtheoretische Risikoforschung ein, hinterfragt die These nationaler Regulierungsstile und umreißt die geplante Analyse der US-Biotechnologiepolitik.

2. Die Kulturtheorie des Risikos: Dieses Kapitel erläutert die konstruktivistischen Grundlagen der Cultural Theory, das Grid-Group-Schema, die verschiedenen kulturellen Lebensarten (ways of life) sowie neuere Ansätze zur Theorieweiterentwicklung.

3. Politische Kulturen und Regulierungsstile: Hier erfolgt der Transfer von der Mikro- auf die Makroebene, wobei die Verbindung zwischen politischen Kulturen und Regulierungsstilen unter Bezugnahme auf verschiedene politikwissenschaftliche Ansätze theoretisch verortet wird.

4. Biotechnologiepolitik unter George W. Bush: Die Fallstudie beschreibt das regulatorische Umfeld in den USA während der Bush-Ära und analysiert die divergierenden Ansätze in der grünen sowie der roten Gentechnik.

5. Analyse und Beurteilung: In diesem Teil wird die empirische Analyse kulturtheoretisch eingeordnet und die Frage nach einer notwendigen Neukonzeption der Theorie auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse diskutiert.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer problemspezifischen Betrachtung von Regulierungsstilen und fordert eine konsequent konstruktivistische Kulturtheorie.

Schlüsselwörter

Kulturtheorie, Risikoselektion, Cultural Bias, ways of life, Grid-Group-Schema, Regulierungsstile, Politische Kulturen, Biotechnologiepolitik, Gentechnik, Bush-Administration, Konstruktivismus, Stammzellenforschung, Risikowahrnehmung, Politikfeldanalyse, Politische Ethik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kulturtheoretischen Analyse von Politik- und Regulierungsstilen und untersucht, inwieweit die Annahme einheitlicher nationaler Regulierungsstile haltbar ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verbindet die soziologische Kulturtheorie mit politikwissenschaftlicher Regulierungsforschung und analysiert anhand der Biotechnologiepolitik die Wechselwirkungen zwischen politischen Kulturen und regulatorischem Handeln.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das primäre Ziel ist es nachzuweisen, dass Regulierungsstile nicht starr national, sondern politikfeldspezifisch konstruiert werden, und daraus Konsequenzen für die Weiterentwicklung der Kulturtheorie abzuleiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine kulturtheoretische Analyse angewandt, die durch eine empirische Fallstudie (Biotechnologiepolitik in den USA 2001-2009) unterfüttert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Kulturtheorie, eine Diskussion politischer Kulturen und Regulierungsstile sowie die detaillierte Analyse der grünen und roten Gentechnologiepolitik unter George W. Bush.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Kulturtheorie, Risikoselektion, Regulierungsstile, Biotechnologiepolitik, ways of life und Politische Kulturen.

Wie unterscheidet sich die Regulierung der grünen von der roten Gentechnik in der Bush-Ära?

Die grüne Gentechnik wurde primär durch Marktindividualismus geprägt, während die rote Gentechnik (Stammzellenforschung) aufgrund des Einflusses der evangelikalen Rechten stark von ethisch-moralischen Dogmen dominiert war.

Warum stellt der Evangelikalismus eine Herausforderung für die klassische Kulturtheorie dar?

Der Evangelikalismus lässt sich nicht eindeutig in die klassischen Kategorien einordnen, da er eine Mixtur aus individualistischer libertärer Grundhaltung, egalitärem Moralismus und hierarchischem Konservatismus darstellt.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Political Culture(s) revisited
Untertitel
Eine Diskussion der Kulturtheorie des Risikos in Bezug auf die Erfassbarkeit von Politik- und Regulierungsstilen
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Soziologie)
Note
1.7
Autor
Florian Sander (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
78
Katalognummer
V195353
ISBN (eBook)
9783656211365
Sprache
Deutsch
Schlagworte
political culture eine diskussion kulturtheorie risikos bezug erfassbarkeit politik- regulierungsstilen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Florian Sander (Autor:in), 2012, Political Culture(s) revisited, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/195353
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Leseprobe aus  78  Seiten
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