Zu allen Zeiten haben Menschen versucht, sich ein Bild davon zu machen wie der Kosmos aussieht und zu verstehen, welchen Platz sie selbst darin einnehmen. Von anfänglichen Weltentstehungsmythen gelangte der Mensch über die Philosophie zur Wissenschaft und von dieser immer wieder zurück zur Philosophie. Die Notwendigkeit eines Überbaus, der die einzelnen Disziplinen zusammenfaßt, verwies immer schon auf die Problematik aber auch auf die Existenz der Ganzheit bzw. des ganzheitlichen Denkens.
Vor allem die Moderne gelangt in diesem fortschreitenden Zergliedern und Zusammenfügen zu immer abstrakteren Bildern und bescheidet sich dabei nicht auf Modelle der Welt, sondern fragt zurück nach dem Sein von Sein selbst.
Die vorliegende Arbeit möchte an eine Problematik anschließen, die als die grundlegendste der Metaphysik gilt und mehr oder weniger in allen philosophischen Schulen und Richtungen ungelöst vorliegt.
Diese Problematik ist bekannt unter dem Schlagwort "ontologische Differenz" und thematisiert die Tatsache, daß Sein nicht seiend ist, obwohl Seiendes immer schon Sein inne hat. Da alles was ist, Seiend ist, ergab sich die Frage nach dem Grund, nach Sein, welches somit nicht "ist".
Die Arbeit konzentriert sich auf die Existenzphilosophie Martin Heideggers, welche dieses Problem am weitgehendsten, im Sinne des Ansatzes dieser Arbeit beantwortet.
Ein Ansatz, der, um es hier vorwegzunehmen, darin besteht, Heidegger in solcher Art zu interpretieren, daß seine Philosophie einen ganzheitlichen Entwurf von Sein darstellt, der in sich eine Identität von Sein und Seiendem enthält.
Ein zweiter Schwerpunkt, diesen Ansatz gleichsam fördernd, liegt auf der zen-buddhistischen bzw. taoistischen Sicht der "Welt"
Mit einem Aufzeigen dieses Modells soll die Phänomenologie aus östlichem Blick und dieser als Parallele zur Phänomenologie dargestellt, und beide einander in einer solchen Interpretation fruchtbar gemacht werden. Die Tatsache, daß Heidegger in Asien stark rezipiert wurde, scheint einen solchen Versuch zu rechtfertigen. Die vergleichende Sicht der beiden Thematiken ist philosophisch noch weitgehend unergründet.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
QUELLENLAGE
ZUR GLIEDERUNG
TEIL 1 / VORHANDENHEIT
METAPHYSIK
PHÄNOMEN
LICHTUNG
HEIDEGGER UND LEIBNIZ
Monade
Drang
TEIL 2 / ZUHANDENHEIT
HEIDEGGER UND JASPERS
Denken und Sein
TEIL 3 / BEWANDTNISZUSAMMENHANG
NICHTS ALS WEG [TAO]
DRANG, LICHTUNG, SAGE
AKTUALISIERUNG
Feld (Zen)
Aktualisierung [Lichtung] als Sein
TEIL 4 / BEWANDTNISGANZHEIT
UNZULÄNGLICHKEIT ALS FOLIE
DIE RELEVANZ DER MITTE
WEITERE DARSTELLUNG: DIE QUANTENMECHANIK
CONCLUSIO
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die ontologische Differenz zwischen Sein und Seiendem unter Rückgriff auf Martin Heideggers Phänomenologie und Existenzphilosophie zu untersuchen. Dabei wird der Versuch unternommen, Heideggers Denken – insbesondere seine Begriffe der "Lichtung" und des "Seins" – durch einen Vergleich mit dem östlichen Denken (Zen-Buddhismus und Taoismus) neu zu interpretieren und fruchtbar zu machen.
- Ontologische Differenz und das Wesen der Metaphysik
- Heideggers Begriffe der "Lichtung" und des "Daseins"
- Vergleichende Analyse mit dem Zen-Buddhismus und Taoismus
- Die Rolle von "Nichts", "Leere" und "Totalität" im Seinsprozess
- Analogiebildung zur Leibnizschen Monadologie und modernen Quantenmechanik
Auszug aus dem Buch
Lichtung
Bei Heidegger wird das Phänomen als das, welches es ist, angesehen (vgl. SZ 28). Der Begriff der Lichtung läuft darauf hinaus, daß im Schein bzw. im Erscheinen Sein ist. Sein an sich (hier als Vergleich mit dem Ding an sich) ist aber nicht nur nicht thematisierbar (unverfügbar), es "ist" auch nicht, im Sinne von seiend. In HB wird das Verhältnis zwischen Sein und Seiendem angesprochen. "Der Mensch [Seiendes] ist vielmehr vom Sein selbst in die Wahrheit des Seins ‚geworfen‘, daß er, dergestalt ek-sistierend, die Wahrheit des Seins hüte, damit im Lichte des Seins das Seiende als das Seiende, das es ist, erscheine." (HB 21f.). Nur im Lichte des Seins ist also Seiendes es selbst und in diesem Sinne Phänomen. Aus der Auseinandersetzung Heideggers mit Husserl weiß man aber, daß die Wendung des Phänomens zum Transzendentalen Heidegger nicht radikal genug war. Das Lichten ist somit Lichten des Seins in zweifachem Sinne. Sein lichtet und wird gelichtet. Die Lichtung ist lediglich ein ausgezeichneter Ort in Sein. D.h. das besondere Seiende, der Mensch, ist nur in der Auszeichnung der Lichtung, in der er steht, dieser.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der ontologischen Differenz und Vorstellung der Heideggerschen Phänomenologie als zentralen Anknüpfungspunkt.
TEIL 1 / VORHANDENHEIT: Klärung grundlegender Begriffe wie Metaphysik und Phänomen, sowie Einführung von Heideggers Lichtungsbegriff in Abgrenzung zur traditionellen Philosophie.
TEIL 2 / ZUHANDENHEIT: Untersuchung von Heideggers Denken im Kontext zu Jaspers und der erweiterten Perspektive auf das In-der-Welt-sein.
TEIL 3 / BEWANDTNISZUSAMMENHANG: Vertiefung der Rolle des Nichts und der Leere durch den Vergleich von Heideggers Philosophie mit dem Taoismus und Zen-Buddhismus.
TEIL 4 / BEWANDTNISGANZHEIT: Metaphorische Darstellung der Unzulänglichkeit des Menschen als notwendige Folie für die Erkenntnis von Sein.
CONCLUSIO: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zum Widerstreit zwischen Sinnen und Verstand sowie der Analogie von Sein und Nichts.
Schlüsselwörter
Heidegger, Ontologische Differenz, Lichtung, Dasein, Zen-Buddhismus, Taoismus, Metaphysik, Nichts, Leere, Totalität, Monade, Quantenmechanik, Bewusstsein, Sein, Phänomenologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die grundlegende metaphysische Problematik der "ontologischen Differenz" zwischen Sein und Seiendem und schlägt eine Brücke zwischen westlicher Phänomenologie und östlichem Denken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Metaphysik von Heidegger, buddhistische Konzepte der Leere, die Interpretation von Leibniz' Monadologie und die Verknüpfung dieser Ansätze mit physikalischen Beobachtungsfragen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Heideggers Philosophie durch das Modell der "Lichtung" und einen Vergleich mit östlichen Philosophien als einen ganzheitlichen Entwurf von Sein zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative phänomenologische Analyse, die originäre Texte Heideggers und östliche Weisheitslehren in einen interpretativen Dialog bringt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorien "Vorhandenheit", "Zuhandenheit", "Bewandtniszusammenhang" und "Bewandtnisganzheit" genutzt, um Heideggers Denken systematisch zu erschließen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ontologische Differenz, Lichtung, Sein, Nichts, Leere, Monade und Totalität charakterisiert.
Inwiefern spielt die Quantenmechanik eine Rolle?
Die Quantenmechanik dient als moderne wissenschaftliche Analogie, um das "Beobachterproblem" und die Unzulänglichkeit der Trennung von Subjekt und Objekt im Einklang mit Heideggers "Lichtung" zu verdeutlichen.
Wie wird das Verhältnis zwischen Heidegger und dem Zen-Buddhismus begründet?
Das Verhältnis wird durch die gemeinsame Zielsetzung begründet, die traditionelle dualistische Metaphysik von Subjekt und Objekt zu überwinden und zum ursprünglichen "Sein" zurückzukehren.
- Arbeit zitieren
- Roman Stöppler (Autor:in), 1999, Die Relevanz der Mitte in der Unendlichkeit oder Die Unzulänglichkeit als Folie von Erkenntnis, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/194980