Zusammenfassung
Die vorliegende Erhebung untersucht Gesundheit im Rettungsdienst innerhalb und zwischen den Organisationen der Berufsfeuerwehr und der Hilfsorganisationen bezogen auf die Unterschiede der beruflichen Skalenmerkmale Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten, Wohlbefinden, Beschwerden und Outcomes.
204 Einsatzkräfte im Rettungsdienst wurden mittels standardisiertem Fragebogen (Copenhagen Psychosocial Questionaire (COPSOQ, dt. Version) und dem Well-Being-Index (WHO-5)) in einer Querschnittstudie befragt.
Wie die Ergebnisse zeigen, führen weitreichende Handlungsspielräume und Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten der Einsatzkräfte zu einem besseren Gesundheitszustand, höherem Wohlbefinden verbunden mit geringeren Stress- und Burnoutwerten. Vor diesem Hintergrund gilt zu beachten, dass die Faktoren Lebensalter (nur wenige Einsatzkräfte älter als 45 Jahre) und Dienstalter von Einsatzkräften gewichtige determinierende Variablen darstellen.
Es zeigten sich signifikante Zusammenhänge zwischen den Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten, dem Wohlbefinden und dem Gesundheitszustand.
Zwischen den Organisationen der Berufsfeuerwehr und den Hilfsorganisationen im Rettungsdienst ist der Einfluss der Arbeit, der Entscheidungsspiel und die Entwicklungsmöglichkeiten signifikant.
Die Intervention im Rettungsdienst erfolgt auf der Grundlage der Ergebnisse, die sich aus der Betrachtung organisationsbezogener Ressourcen (insbesondere Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten) als auch individueller Ressourcen (u.a. Gesundheit, Wohlbefinden) ergeben. Vor diesem Hintergrund ist die Kompetenzerhöhung des Fachpersonals im Rettungsdienst, insbesondere unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung, eine ernstzunehmende Herausforderung und eine dringend umzusetzende Aufgabe der Ausbildungseinrichtungen im Rettungsdienst und entsprechenden Organisationen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Definitionen im Rettungswesen
2.2 Stand der Wissenschaft
2.3 Modell Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit
2.4 Job-Demand-Control-(Support)-Model (DCSM)
3 Thema und Entwicklung der Fragestellung
4 Methode
4.1 Stichprobenbeschreibung
4.2 Aufbau des eingesetzten Fragebogens
4.3 Auswertungsinstrument
5 Ergebnisse
6 Diskussion der Ergebnisse
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht gesundheitswissenschaftliche Zusammenhänge im Rettungsdienst, insbesondere den Einfluss arbeitsorganisatorischer Ressourcen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Einsatzkräfte, um daraus fundierte Interventionsansätze für die Praxis und Ausbildung abzuleiten.
- Vergleich der psychischen Arbeitsbedingungen zwischen Berufsfeuerwehr und Hilfsorganisationen.
- Analyse der Skalen "Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten" mittels COPSOQ.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Alter, Dienstzeit und Wohlbefinden.
- Erfassung der Bedeutung von Organisationsklima und Arbeitsstrukturen für die Gesundheit.
- Entwicklung von Zukunftsoptionen für die Ausbildung (Projekt GERD).
Auszug aus dem Buch
2.4 Job-Demand-Control-(Support)-Model (DCSM)
Im Kontext arbeitsbezogener Stressforschung gehört das Job-Demand-Control Model (JDCM) zu den bedeutendsten organisations- und arbeitspsychologischen Anforderungs- und Ressourcenmodellen (Karasek & Theorell, 1990).
Der Zusammenhang zwischen gesundheitlich relevanten Anforderungen, Belastungen sowie Belastungsfolgen kann mit Hilfe des JDCM von Karasek & Theorell (1990) abgebildet werden (Akerboom & Maes 2006; Friedel & Orfeld 2002). Das JDCM beschreibt Zusammenhänge zwischen Arbeitsanforderungen (job demand) und Handlungsspielraum/Kontrolle (control) und setzt sich mit den Themen von Arbeitsbelastung, arbeitsbezogener Gesundheit sowie der Organisationsentwicklung auseinander. Umfangreiche Handlungsspielräume und soziale Unterstützung wirken negativen Berufsanforderungen protektiv entgegen (Nübling et al. 2005). Das Modell von Karasek wurde durch Johnson, Hall & Theorell (1989) um den Faktor der sozialen Unterstützung in Organisationen (social support) (DCSM) erweitert. Nach Hering (2009) führen die Einflussnahme und die Kontrolle über die Ausführung der Arbeit und den damit verbundenen Anforderungen zu einer Beeinflussung des Gesundheitszustandes der Beschäftigten.
Zusammengefasst reflektiert das DCSM das gesundheitliche Risiko, resultierend aus den Arbeitsbelastungen (z.B. Zeit- und Leistungsdruck), den Kontrollmöglichkeiten (Handlungsspielräume) und der sozialen Unterstützung (z.B. Vorgesetzte) wider.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der Relevanz der Gesundheitsförderung im Rettungsdienst unter Berücksichtigung des demografischen Wandels.
2 Theoretischer Rahmen: Definition zentraler Begriffe des Rettungswesens und Darstellung wissenschaftlicher Modelle wie des DCSM und Ansätze zum Wohlbefinden.
3 Thema und Entwicklung der Fragestellung: Herleitung der Forschungsziele und Intention der Arbeit zur Verbesserung der Ausbildung und Organisationsstrukturen.
4 Methode: Beschreibung der quantitativen Querschnittsstudie, der Stichproben sowie der eingesetzten Messinstrumente (COPSOQ und WHO-5).
5 Ergebnisse: Präsentation der statistischen Auswertungen bezüglich Einfluss, Entwicklungsmöglichkeiten und Wohlbefinden bei verschiedenen Rettungsdienstorganisationen.
6 Diskussion der Ergebnisse: Interpretation der Befunde im Hinblick auf Organisationsunterschiede und den Einfluss des Alters auf das Wohlbefinden.
7 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse und Plädoyer für eine nachhaltige Integration gesundheitswissenschaftlicher Ansätze in die Ausbildung.
Schlüsselwörter
Rettungsdienst, Gesundheit, Wohlbefinden, COPSOQ, Berufsfeuerwehr, Hilfsorganisationen, Arbeitsbelastung, Interventionsansatz, DCSM, Demografischer Wandel, Arbeitszufriedenheit, Einsatzkräfte, Prävention, Rettungsassistent, Organisationskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Gesundheit von Rettungsdienstmitarbeitern und analysiert, wie arbeitsorganisatorische Einflussmöglichkeiten und Arbeitsstrukturen das Wohlbefinden der Einsatzkräfte beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Arbeitspsychologie im Rettungsdienst, der Vergleich zwischen verschiedenen Organisationstypen (Feuerwehr vs. Hilfsorganisationen) sowie Konzepte der Gesundheitsförderung.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Handlungsspielräumen auf die Gesundheit zu belegen und daraus konkrete Anforderungen an die Ausbildung und Organisation für eine gesündere Arbeitsumgebung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Querschnittsstudie, bei der 204 Einsatzkräfte mittels standardisierter Fragebögen (COPSOQ, WHO-5) befragt und die Daten statistisch (SPSS) ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen (Modelle der Belastungsforschung), die Methodik der Datenerhebung sowie die ausführliche Analyse und Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rettungsdienst, Wohlbefinden, COPSOQ, Arbeitsbelastung, Interventionsansatz, DCSM und Organisationskultur.
Wie unterscheidet sich das Wohlbefinden nach Alter zwischen den Organisationen?
Interessanterweise steigt das Wohlbefinden bei Mitarbeitern von Hilfsorganisationen mit zunehmendem Alter an, während es bei der Berufsfeuerwehr mit zunehmendem Alter deutlich abnimmt.
Welche Rolle spielt das Projekt GERD?
Das Projekt „Gesunde Einsatzkräfte im Rettungsdienst – GERD“ dient als neue Unterrichtskonzeption, um Gesundheitsförderung bereits in der Ausbildung von Rettungsassistenten zu implementieren.
- Arbeit zitieren
- Heiko Schumann (Autor:in), 2012, Intervention Rettungsdienst, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/194446