Chile, das Land mit seiner sehr schmalen und länglichen Form bietet eine vielfältige Landschaft und Vegetation: die Atacama-Wüste im Norden, die Weinregionen um Santiago de Chile in der Mitte, das wilde und zerklüftete Patagonien im Süden und weit draußen auf dem Pazifik, die Osterinsel.
Chile ist ein traditionelles Agrarland, dessen Landwirtschaft sowohl für die Sicherung der Ernährung und der Produktion von nachwachsenden Rohstoffen als auch für die Erhaltung und Entwicklung der Kulturlandschaft eine bedeutende Rolle spielt. Bedingt durch klimatische und hydrographische Unterschiede sowie durch verschiedene Bodenqualitäten konzentriert sich die Landwirtschaft auf bestimmte Bereiche des Landes.
Der „Tiger Südamerikas“ verzeichnete seit Anfang der 1980er Jahre ein Wirtschaftswachstum von teilweise mehr als fünf Prozent. Seit den 1990er Jahre gehört Chile mit seiner stark exportorientierten Wirtschaft zu den ökonomisch am stärksten expandierenden Ländern Lateinamerikas. Neben dem Export von Bodenschätzen wie Salpeter und Kupfer gehört auch der Export landwirtschaftlicher Produkte zu den wichtigen Einnahmequellen. Dabei zählt Chile zu den größten Exporteuren von Obst und Wein (ASCHEMEIER 2009: 113).
Im Rahmen der folgenden Arbeit werden die einzelnen Agrarregionen beschrieben. Es stellt sich die Frage, in welchen Gebieten Chiles Landwirtschaft betrieben wird, welche Produkte angebaut werden und welche Anbausysteme in den einzelnen Regionen Verwendung finden.
Ferner wird die wirtschaftliche Stellung Chiles im Weltmarkt aufgezeigt. Dabei werden sowohl Nachteile als auch Vorteile, der in den vergangenen Jahren stattfindenden Weltmarktorientierung, beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Regionale Anbausysteme
2.1 Der Große Norden
2.2 Der Kleine Norden
2.3 Zentralchile
2.4 Der Kleine Süden
2.5 Der Große Süden
3 Weltmarktorientierung
3.1 Guatulame Valley
3.1.1 Auswirkungen auf die Kleinbauern
3.1.2 Auswirkungen auf landwirtschaftliche Großbetriebe
3.1.3 Auswirkungen auf den lokalen Arbeitsmarkt
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die räumliche Differenzierung chilenischer Agrarsysteme und analysiert die Auswirkungen der zunehmenden Weltmarktorientierung des Landes auf die lokale Landwirtschaft sowie die sozialen Strukturen in ländlichen Regionen.
- Geographische Einteilung Chiles in fünf Naturregionen und deren spezifische landwirtschaftliche Nutzung.
- Analyse des Wandels von einer lokal orientierten zu einer exportorientierten Agrarwirtschaft.
- Auswirkungen der Vertragslandwirtschaft auf Kleinbauern gegenüber Großbetrieben im Fallbeispiel Guatulame Valley.
- Sozioökonomische Folgen des exportorientierten Obstbaus für den lokalen Arbeitsmarkt.
Auszug aus dem Buch
3.1 Guatulame Valley
Guatulame Valley befindet sich in der vierten Region Chiles; im semi-ariden Norden (vgl. Abb. 9). Das Gebiet besitzt im internationalen Handelssystem von Tafeltrauben starke Wettbewerbsvorteile. Günstige Klimabedingungen erlauben die Ernte im späten Frühling (November), wodurch hohe Preise im Export zur nördlichen Hemisphäre erzielt werden. Zwischen 1977 und 1986 stieg der Preis der Tafeltrauben um 50% (BEE 2001: 230). Als die Landwirte die Rentabilität dieses Produktes bemerkten, vergrößerte sich zwischen 1979 und 1994 die Anbaufläche für Tafeltrauben in Guatulame Valley von 130 auf 1.800 Hektar (GWYNNE 1999: 210). Diese erstaunliche Flächenvergrößerung für den Anbau von Tafeltrauben vollzog sich ebenfalls im Talbecken von Chañaral Alto (gelegen in Guatulame Valley), in welchem bis 1980 keine Tafeltrauben angebaut wurden (BEE 2001: 230). Diese Vergrößerung resultierte einerseits aus der Erweiterung der Anbaugrenzen bis in die ariden Talseiten und andererseits aus einer Veränderung in der bestehenden Landnutzung. Entsprechend wurde eine Reduzierung der Anbaufläche von einjährigen Kulturen, wie z.B. Tomaten, vorgenommen.
Grundlegend für diese Veränderung waren erfolgversprechende Verträge zwischen großen exportierenden Obstunternehmen und den Landwirten. Die Landwirte bekamen Kredite um jeglichen Anbau auszuweiten, womit die steigende Nachfrage der nördlichen Hemisphäre befriedigt werden sollte. Faktoren, wie eine wachsende Nachfrage und hohe Preise auf den wichtigsten US-Märkten, begünstigten die Verträge zum Vorteil für die Farmer.
In den 1990 Jahren wurden die Verträge, wie die „Preisgarantie“ basierend auf eine einjährige Konsignation, den Landwirten zum Verhängnis. Globale und wirtschaftliche Rahmenbedingen änderten sich. Für einige Landwirte war unmöglich sich neben dem Abbau bestehender Schulden finanziell zu erholen (GWYNNE 1999: 219).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die naturräumliche Vielfalt Chiles ein und skizziert die Entwicklung des Landes zu einem bedeutenden Exporteur von Agrarprodukten unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Transformation seit den 1980er Jahren.
2 Regionale Anbausysteme: Das Kapitel gliedert Chile in fünf klimatisch bedingte Naturregionen und beschreibt die jeweils spezifischen landwirtschaftlichen Nutzungsformen sowie die Bedeutung der Sonderkultur Weinbau.
3 Weltmarktorientierung: Dieses Kapitel analysiert die Integration Chiles in den Weltmarkt am Beispiel des Guatulame Valley und untersucht die ökonomischen sowie sozialen Auswirkungen auf lokale Akteure und den Arbeitsmarkt.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Diversität der chilenischen Agrarlandschaft zusammen und bilanziert, dass die exportorientierte Entwicklung zwar Wachstum brachte, aber auch zu einer starken Abhängigkeit von Weltmärkten und zu Disparitäten zwischen Klein- und Großbauern führte.
Schlüsselwörter
Chile, Landwirtschaft, Agrarsysteme, Weltmarktorientierung, Export, Tafeltrauben, Kleinbauern, Großbetriebe, Guatulame Valley, Arbeitsmarkt, Boden-nutzung, Sonderkulturen, Wirtschaftsgeographie, Ländliche Entwicklung, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Landwirtschaft in Chile, wobei der Fokus auf den verschiedenen regionalen Anbausystemen und der Transformation des Sektors hin zu einer exportorientierten Wirtschaft liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die geographischen Bedingungen der fünf Naturregionen Chiles, die ökonomische Entwicklung durch den Export von Agrarprodukten wie Obst und Wein sowie die sozioökonomischen Auswirkungen dieses Prozesses.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, in welchen Gebieten Chiles Landwirtschaft betrieben wird, welche Anbausysteme dort vorherrschen und welche Vor- sowie Nachteile die Weltmarktorientierung für die verschiedenen landwirtschaftlichen Akteure mit sich bringt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse und Fallstudien-Methode, wobei geographische und wirtschaftliche Literaturdaten sowie regionale Beispiele wie das Guatulame Valley zur Argumentation herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der fünf Naturregionen und eine detaillierte Untersuchung der Weltmarktorientierung, insbesondere der Folgen für Kleinbauern, Großbetriebe und den lokalen Arbeitsmarkt im Bereich des Tafeltraubenanbaus.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Agrarwirtschaft, Exportorientierung, regionale Disparitäten, Kleinbauern, Guatulame Valley, Obstbau und wirtschaftliche Abhängigkeit charakterisiert.
Welche spezifische Rolle spielt der Wein- und Obstanbau in Zentralchile?
Zentralchile bietet aufgrund des Klimas und der Bewässerungsmöglichkeiten die fruchtbarsten Bedingungen, was den Sektor zum Zentrum der intensiven Produktion von Obst und Wein macht, die für den Export entscheidend sind.
Was ist das zentrale Problem der Kleinbauern im Guatulame Valley?
Kleinbauern leiden unter der hohen Verschuldung durch harte Vertragsbedingungen mit Exportunternehmen, was bei globalen Marktschwankungen oft zum Verlust ihres Landes und zur Verdrängung in abhängige Arbeitsverhältnisse führt.
Wie hat sich der Arbeitsmarkt in exportorientierten Regionen verändert?
Die Arbeitsnachfrage ist durch den Ausbau der Infrastruktur stark gestiegen, was vor allem Frauen neue Beschäftigungsmöglichkeiten bot, aber auch zu sozialer Ungleichheit zwischen permanenten und temporären Arbeitskräften sowie zu Migrationsdruck führte.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Abhängigkeit?
Die Autorin stellt fest, dass die Entwicklung von Monokulturen für den Weltmarkt zu einer hohen ökonomischen Abhängigkeit geführt hat, die neben Armutsreduktion auch weiterhin große soziale Disparitäten in der Landbevölkerung bestehen lässt.
- Arbeit zitieren
- Sylvia Lorenz (Autor:in), 2011, Landwirtschaftliche Nutzung in Chile, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/194398