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Sprachwandel: Eine beispielhafte Analyse der Fußballsprache

Title: Sprachwandel: Eine beispielhafte Analyse der Fußballsprache

Bachelor Thesis , 2012 , 42 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martin Sierks (Author)

Communications - Journalism, Journalism Professions

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Summary Excerpt Details

Wenn Kinder mit ihren Großeltern sprechen, treffen in der Regel unterschiedliche
Repräsentanten von divergenten Gruppen eines Sprachsystems aufeinander. Im Extremfall
offenbart sich auf der einen Seite ein veralteter Wortschatz und auf der anderen Seite ein
innovativ wirkender Sprecherkreis, dessen Vokabular in mancher Hinsicht nicht mit dem
Wortschatz der ersten Gruppe konvergiert. Die Grenzen dieser Gruppen sind sowohl
dynamisch als auch individuell zu verstehen. Ein Jugendlicher aus der heutigen Zeit könnte
zwar - aufgrund der zweifelsohne sehr hohen Übereinstimmung des Grundwortschatzes – mit
einem älteren Menschen nahezu problemlos kommunizieren, doch – vorausgesetzt, sie
würden ihr aktives Vokabular nicht dem Vokabular ihres Gesprächspartners anpassen – hätte
diese Konstellation mit Sicherheit an diversen Stellen Kommunikationsstörungen zur Folge.
Elementar in diesem Beispiel ist zudem der Aspekt, dass unzählige weitere Subgruppen dieses
Sprachsystems existieren. Man denke zum Beispiel an den Wortschatz von den Eltern des
Kindes, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Abweichungen zu denen der
Anderen aufweisen würde.
Einerseits kann man dafür der Individualität des jeweiligen Vokabulars die Verantwortung
auflasten, doch andererseits sind besonders die Störungen, die bei der Kommunikation
zwischen Personen unterschiedlicher Subgruppen eines Sprachsystems auftreten, ein Indiz
dafür, dass die Sprache einem Wandel unterliegt. Unterhalten sich wie im obigen Beispiel die
Großeltern des Kindes mit gleichalten Personen einer ähnlichen Subsprachgruppe, so werden
diese mit hoher Wahrscheinlichkeit Wörter wie „Scheffel, Galanteriewaren“ oder „Mamsell“
verstehen können. Das Kind würde hingegen massive Verständnisschwierigkeiten aufzeigen,
doch im umgekehrten Fall würden wohl die Großeltern scheitern, wenn sie Wörter wie
„chillen, bloggen“ oder „streamen“ erklären müssten. Die Konfrontation mit anderen
Sprachgruppen und das Einbinden der fremden Wörter in den eigenen aktiven Wortschatz,
sorgen für ständigen Wandel.[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen des Sprachwandels

2.1 Wesen des Sprachwandels und mögliche Motive

2.2 Theorien des Sprachwandels

2.2.1 „Invisible-hand-Theorie“

2.2.2 Piotrovskij-Gesetz

2.3 Exemplarische Darstellung des Wandels innerhalb der Subsysteme

2.3.1 Phonologie

2.3.2 Morphologie

2.3.3 Syntax

2.3.4 Lexikologie

2.3.5 Semantik

2.3.6 Pragmatik

2.3.7 Graphematik

3 Fußballsprache und die Berichterstattung

3.1 Der Fußball und seine Sprache

3.1.1 Entwicklung des Fußballs – insbesondere der Fußballsprache

3.1.2 Kurzer Einblick in die Fußballsprache

3.1.3 Fußballsprache in der Standardsprache

3.2 Entwicklung der Fußballberichterstattung

3.2.1 Der Beginn der Berichterstattung in den Printmedien

3.2.2 Auffälligkeiten und Tendenzen im Verlauf der Entwicklung

4 Untersuchung und Analyse

4.1 Konkrete Untersuchungskriterien

4.1.1 Spielszenenbeschreibungen und Spielbezeichnungen

4.1.2 Spieler- und Systembezeichnungen

4.1.3 Neologismen

4.1.4 Anglizismen

4.1.5 Bindestrichkonstruktionen

4.1.6 Formulierungen und Satzbau

4.1.7 Auffälligkeiten und ausgestorbene Wörter

5 Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Prozess des Sprachwandels anhand der historischen Entwicklung der deutschen Fußballberichterstattung. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie sich lexikalische, morphologische und stilistische Merkmale in Zeitungsberichten zwischen 1954 und 2010 verändert haben und welche Ursachen hinter diesen Entwicklungen stehen.

  • Theoretische Fundierung des Phänomens Sprachwandel.
  • Analyse der historischen Entwicklung der Fußballsprache.
  • Untersuchung von Fußballberichten aus dem Hamburger Abendblatt und dem Weser-Kurier.
  • Identifikation von Trends wie Sprachökonomie, Boulevardisierung und Neologismen.
  • Kritische Beleuchtung der zunehmenden Verwendung von Bindestrichkonstruktionen und Superlativen.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Kurzer Einblick in die Fußballsprache

Der Fußball hat ganz offensichtlich ein eigenes Vokabular geschaffen, dessen Wörter im Allgemeinen nur im Kontext des Fußballs gebraucht werden. Von den Begriffen „Abseits, Elfmeter, Doppelsechs, Flankengott, Hattrick, Fallrückzieher, Viererkette, Grätsche, Bananenflanke, Rote Karte, tunneln, Libero, …“ hat nur ein Bruchteil den Weg in die Standardsprache gefunden. Unter Punkt 3.1.3 werden diesbezüglich Beispiele vorgestellt. Das Vokabular des Fußballs nutzt umgekehrt auch Begriffe der Standardsprache, denen neue Bedeutungen zukommen, wie etwa bei „Tor, Verlängerung, Schwalbe, Doppelpass, Schuss, Sturm, Flanke, Ecke, auswechseln, kombinieren, gehalten, Einwurf, …“.

Unzählige neue Begriffe entstehen auf kreative Art und Weise, indem z.B. Wörter zu einer Komposition verbunden werden, von denen einige gelegentlich eine sehr kurze Lebensdauer haben. Diese sogenannten Unikate werden häufig von Kommentatoren produziert und sollen unter anderem im Rahmen der anschließenden Analyse – sofern diese in den Berichten auffindbar sind - herausgefiltert und thematisiert werden. Greift die Fußballwelt ein solches Unikat auf und etabliert es im Sprachgebrauch, bezeichnet man es eher als Neologismus, wobei diese Bezeichnung kritisch zu betrachten ist, da sie auch nur temporär zutreffend ist.

Aufgrund der Herkunft des Fußballspiels und der zunehmenden Globalisierung, finden sich zahlreiche Anglizismen im Vokabular, wie z.B.: „Goalgetter, Teamplayer, Training, Golden Goal, Keeper, Manager, Coach, Merchandise, Fanbase, Joker, Knockout, man of the match”. Diese und weitere Phänomene sind ebenso Teil der Untersuchung.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in das Phänomen Sprachwandel und Begründung der Wahl der Fußballberichterstattung als Untersuchungsgegenstand.

2 Theoretische Grundlagen des Sprachwandels: Darstellung verschiedener Theorien und Subsysteme des Sprachwandels, insbesondere unter Einbezug der "Invisible-hand-Theorie" von Keller und des Piotrovskij-Gesetzes.

3 Fußballsprache und die Berichterstattung: Analyse der Fachsprache des Fußballs sowie ein historischer Überblick über die Entwicklung der Print-Sportberichterstattung.

4 Untersuchung und Analyse: Empirische Untersuchung anhand ausgewählter Kriterien wie Spielszenenbeschreibungen, Neologismen und orthographischen Besonderheiten im Vergleich über mehrere Jahrzehnte.

5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Bestätigung des Nachweises eines mehrschichtigen Sprachwandels in der Fußballberichterstattung.

Schlüsselwörter

Sprachwandel, Fußballsprache, Fußballberichterstattung, Linguistik, Neologismen, Anglizismen, Sportjournalismus, Sprachökonomie, Printmedien, Terminologie, Metaphorik, Bindestrichschreibung, Fachsprache, Fußball, Sprachgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das linguistische Phänomen des Sprachwandels und wendet es auf die Sprache der deutschen Fußballberichterstattung über einen Zeitraum von über 50 Jahren an.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen des Sprachwandels, die Charakteristika der Fußballsprache sowie die mediale Entwicklung der Sportberichterstattung in Printmedien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Sprache in der Fußballberichterstattung gewandelt hat, welche Tendenzen (wie Boulevardisierung) erkennbar sind und warum sich bestimmte Begriffe etablieren oder verschwinden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse authentischer Zeitungsberichte (primär Hamburger Abendblatt und Weser-Kurier) aus den Jahren der Weltmeisterschaften, ergänzt durch die Anwendung theoretischer Konzepte wie der S-Kurve.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der konkreten Untersuchung von Begriffswandlungen (z.B. Eigentor vs. Selbsttor), dem Gebrauch von Kriegsmetaphorik, dem Aufkommen von Anglizismen sowie syntaktischen Besonderheiten wie Bindestrichkonstruktionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Sprachwandel, Fußballsprache, Sportjournalismus, Linguistik, Neologismen, Anglizismen und Sprachökonomie.

Warum spielt die Weltmeisterschaft 1954 eine so zentrale Rolle in der Analyse?

1954 dient als historischer Ankerpunkt, da die Berichterstattung nach dem Zweiten Weltkrieg eine sehr spezifische, oft militärisch geprägte Sprache aufwies, die einen starken Kontrast zur heutigen medialen Berichterstattung bildet.

Welche Rolle spielen "Bindestrichkonstruktionen" in der Analyse?

Der Autor zeigt auf, dass der Anstieg von Bindestrichkomposita ein aktueller schriftsprachlicher Wandel ist, der vermutlich dem Streben nach Informationskomprimierung und besserer Lesbarkeit geschuldet ist.

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Details

Title
Sprachwandel: Eine beispielhafte Analyse der Fußballsprache
College
University of Flensburg  (Germanistik)
Course
Bachelorarbeit
Grade
1,0
Author
Martin Sierks (Author)
Publication Year
2012
Pages
42
Catalog Number
V194127
ISBN (eBook)
9783656195689
ISBN (Book)
9783656196327
Language
German
Tags
Fußballsprache Fußballberichterstattung Sprachwandel Sprachwandel im Fußball Fußball und Sprache Zeitungsrecherche Fußball im Wandel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Sierks (Author), 2012, Sprachwandel: Eine beispielhafte Analyse der Fußballsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/194127
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