Der US-amerikanische Strafprozess unterscheidet sich in einigen Bereichen sehr stark von dem deutschen- oder generell europäischen- Pandan. Dies hat natürlich geschichtliche Hintergründe, liegt aber auch überwiegend an dem amerikanischen Selbstverständnis und der gesellschaftlichen Konzeption.
Im Rahmen dieser Arbeit soll zunächst das gesamte System, also die wichtigsten Verfahrensprinzipien, der Verlauf des Prozesses an sich, sowie die wichtigsten Beteiligten und deren Funktion bzw. Aufgaben in erster Linie vorgestellt werden. Ferner wird ein kurzer Einblick in die Gerichtshierarchie gegeben.
Die Grundpfeiler der amerikanischen, sowie der deutschen Strafprozessordnung sind allgemein gesehen sehr ähnlich, was freilich an dem modernen Verständnis und Ziel eines westlich orientierten demokratischen Staates liegt. Dies wird vor allem deutlich, wenn man die wichtigsten Grundprinzipien des Verfahrens betrachtet, in denen sich natürlich die fundamentalsten Menschenrechte manifestiert haben. Je tiefer man allerdings in die Materie hinein gelangt, desto klarer wird jedoch, dass sich der amerikanische Strafprozess in der Art der Durchführung, der positiv gesetzlichen Normierung und dem Ausmaß der Beteiligung des Volkes stark von dem Deutschen unterscheidet. Die bedeutsamsten Unterschiede zwischen den beiden Strafprozessordnungen sollen im Verlauf der Arbeit aufgezeigt werden.
Ziel eines jeden Strafprozesses ist es ideeller weise, dass an dessen Ende ein gerechtes und wahres Urteil steht. Das angestrebte Ergebnis ist demnach bei beiden Ordnungen das gleiche, die Suche danach weist jedoch wiederum feine Unterschiede auf. Hierbei sind natürlich auch einige Defizite festzustellen. Diese und deren Ursachen sollen im Folgenden herausgearbeitet werden; eine kritische Beurteilung beider Rechtsordnungen aber insbesondere der Amerikanischen wird angestrebt.
Am Ende der Ausarbeitung werden dann noch mal zusammenfassend die Pro- und Contra-Argumente der jeweiligen Verfahrensform erörtert, um zu diskutieren, ob eine der beiden Varianten vorzugswürdig gegenüber der anderen ist.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Hauptteil
I. Grundprinzipien des amerikanischen Strafprozessrechts
1. Gang des Strafprozesses
2. Unschuldsvermutung (presumption of inocence)
II. Wichtigste Beteiligte
1. Staatsanwaltschaft
2. Polizei
3. Richter
4. Jury
5. Angeklagter
6. Verteidiger
7. Andere Beteiligte
III. Courts
1. Bundesstrafgerichte
2. Höhere Gerichte (superior courts)
3. Untere Gerichte (lower courts)
C. Resumee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die wesentlichen Strukturen, Prinzipien und Akteure des amerikanischen Strafprozessrechts im Vergleich zum deutschen System. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie das Zusammenspiel von adverserialem Verfahren, Geschworenengerichten und dem Ermessen der Beteiligten die Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit beeinflusst und welche Defizite sich daraus ergeben.
- Grundlagen des amerikanischen Strafprozessrechts und dessen Verlauf.
- Die Rolle der zentralen Verfahrensbeteiligten (Staatsanwaltschaft, Polizei, Richter, Jury, Verteidiger).
- Die Funktion und Kritik am Jury-System und der Unschuldsvermutung.
- Struktur der amerikanischen Gerichtsbarkeit.
- Vergleichende Analyse zwischen dem US-amerikanischen und deutschen Strafprozess.
Auszug aus dem Buch
3. Richter
Genauso wie das Recht auf einen Jury- Prozess ist auch das Recht auf einen unabhängigen Richter in der Verfassung verankert. Gemeinsamkeiten besteht bei den US-amerikanischen Richtern darin, dass sie- obwohl ihre Funktion an sich begrenzt ist- über eine auffallend starke Stellung verfügen. Im anglo-amerikanischen Recht wird der Richter überwiegend als Rechtsschöpfer (lawmaker) gesehen, da er als Fortentwickler des Rechts fungiert. Dieses Ansehen kann man auch anhand des Wahl- bzw. Ernennungsverfahrens wieder erkennen. Der Umstand, dass die Richter sich immer wieder zur Wahl stellen müssen, führt ua. dazu, dass das Richteramt überwiegend als ein politisches gesehen wird, was wiederum für das Bild des unabhängigen Rechtspflegeorgans eine negative Auswirkung hat.
Der Richter wird als Herr des Verfahrens (governor of trial) bezeichnet. Es ist an der Wahrheitsfindung nicht unmittelbar beteiligt. Er hat in der Hauptverhandlung die Funktion, die prozessualen Rechte zu überwachen und zu gewährleisten und darüber hinaus die Jury über ihre Aufgabe zu unterrichten. Er ist der Entscheidungsträger, wenn Staatsanwalt und Verteidiger über eine verfahrensrechtliche oder beweisrechtliche Frage streiten.
Auch steht es ihm frei, in den Gang der Beweisaufnahme eingreifen, Staatsanwalt und Verteidiger zur Ergänzung der Beweisführungen aufzufordern, oder an Zeugen und Sachverständige ergänzende Fragen stellen. Allerdings kennt er nicht die einzelnen Ermittlungsakten und macht daher von diesen Rechten nur sehr zurückhaltend Gebrauch. Weiter muss er die Juroren unterrichten. Bevor diese sich in das Beratungszimmer zurückziehen um über Schuld oder Unschuld zu diskutieren, werden sie vom Richter über die einschlägigen Gesetze instruiert, über den Maßstab der bei der Entscheidung angelegt werden muss (berechtigte Zweifel) und über die Notwendigkeit der Einstimmigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel fest, das US-amerikanische Strafprozesssystem, seine Grundpfeiler und Beteiligten vorzustellen und einen Vergleich zum deutschen Recht zu ziehen.
B. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert detailliert den Ablauf des Strafprozesses, das Prinzip der Unschuldsvermutung, die Funktionen der verschiedenen Akteure sowie die hierarchische Struktur der Gerichte.
C. Resumee: Das Resumee fasst die Vor- und Nachteile beider Systeme zusammen und kommt zu dem Schluss, dass beide Rechtsordnungen trotz unterschiedlicher Ansätze mit spezifischen Defiziten behaftet sind.
Schlüsselwörter
Strafprozessrecht, USA, Adverseriales System, Jury, Staatsanwaltschaft, Richter, Unschuldsvermutung, Verteidigung, Beweisaufnahme, Rechtsvergleich, Strafverfahren, Rechtsstaat, Verfahrensbeteiligte, Strafverfolgung, Ermessensspielraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die grundlegenden Merkmale, Prinzipien und die Verfahrensstruktur des amerikanischen Strafprozessrechts im Vergleich zum deutschen System.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Gang des Strafprozesses, die Rollen der Beteiligten (Richter, Staatsanwalt, Verteidiger, Jury) sowie die verfassungsrechtlichen Prinzipien wie die Unschuldsvermutung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das amerikanische System zu durchleuchten, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum deutschen Recht aufzuzeigen und eine kritische Beurteilung beider Rechtsordnungen vorzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtsvergleichende Methode, um das US-amerikanische Strafprozessrecht dem deutschen bzw. europäischen Pandan gegenüberzustellen und kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Verfahrensprinzipien, die spezifischen Aufgaben der Beteiligten in der Hauptverhandlung sowie die Struktur der verschiedenen Gerichtsebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Adverseriales System, Jury, Beweislast, Ermessen der Staatsanwaltschaft, Unschuldsvermutung und Rechtsvergleich.
Warum wird das amerikanische Staatsanwaltsamt als politisch eingestuft?
Da die Staatsanwälte in den USA häufig durch Wahlen ins Amt kommen und nicht zur strikten Objektivität verpflichtet sind wie in Deutschland, wird ihr Wirken stark durch politische Ambitionen beeinflusst.
Was genau beschreibt der Begriff "Handel mit der Gerechtigkeit" in Bezug auf das Plea Bargaining?
Der Begriff kritisiert die Praxis des Aushandelns von Schuldanerkenntnissen, da dies den Prozess der materiellen Wahrheitsfindung untergräbt und den Ausgang des Verfahrens zu sehr in den Bereich taktischer Absprachen verlagert.
Welches Problem ergibt sich aus dem "Jury-System" für die Urteilsfindung?
Kritisiert wird, dass rhetorische Fähigkeiten des Verteidigers und emotionale Beeinflussung der Laien-Juroren das Urteil mehr bestimmen können als der eigentliche Sachverhalt.
- Arbeit zitieren
- Nadine Roger (Autor:in), 2010, Der US-Stafprozess, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/193788