1. Passiv als grammatisches Stilmittel
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Funktionen und Wirkungen von Passivkonstruktionen und deren Ersatzformen am Beispiel ihres Gebrauchs durch das deutsche, nationalsozi alistische Regime der Jahre 1933–1945. Der Ausarbeitung liegt die Annahme zugrunde, dass unpersönliche Formulierungen ein typisches Stilmittel der Sprache der Nationalsozialisten war. Daher findet die Betrachtung der grammatischen Form des Passivs anhand von Textbeispielen aus dem Nationalsozialismus statt.
Die Abhandlung soll demonstrieren, dass Formulierungen mit scheinbar gleichem Inhalt unteder Nutzung verschiedener grammatischer Formen veränderte Wirkungen bei Rezipienten entfalten. Eine Kontrastierung von Passiv- und Aktivformen wird zeigen, dass Sprache, hieinsbesondere das grammatische Stilmittel Passiv und seine Ersatzformen, manipulativ eingesetzt werden kann.
Die Ausfertigung wird zunächst einen Überblick von Passivkonstruktionen und ihre Ersatzformen liefern; zentral sind die semantischen Rollen und der Perspektivwechsel. Auf diese Basis werden agenslose Konstruktionen mit agensenthaltenden Formulierungen kontrastiertindem Auszüge aus „Hitlers Weisungen für die Kriegsführung“ in Aktivkonstruktionen umformuliert und den ursprünglichen Textausschnitten gegenübergestellt werden. Daran schließt ein Vergleich der Funktionen und Textwirkungen der jeweiligen grammatischen Formen, bevor die Arbeit mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse endet...
Inhaltsverzeichnis
1. Passiv als grammatisches Stilmittel
2. Diathese: Unterscheidung von Aktiv und Passiv
2.1. Merkmale von Aktiv und Passiv
2.2. Passiversatzformen als Alternative zum Passiv
2.3. Kontrastierung unpersönlicher mit persönlichen Konstruktionen
2.4. Funktionen und Wirkungen agensloser Formulierungen
3. Passivkonstruktionen als Mittel gesellschaftlicher Manipulation
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Passivkonstruktionen und Passiversatzformen im Nationalsozialismus als manipulatives sprachliches Stilmittel eingesetzt wurden, um Akteure zu verschleiern und Befehle alternativlos erscheinen zu lassen.
- Grammatische Analyse von Aktiv- und Passivstrukturen
- Untersuchung von Passiversatzformen im politischen Kontext
- Kontrastierung agensloser Formulierungen mit aktiven Strukturen
- Analyse der manipulativen Wirkungen auf den Rezipienten
- Perspektivwechsel durch den Entfall des Handlungsträgers
Auszug aus dem Buch
2.4 Funktionen und Wirkungen
Als dominierendes grammatisches Muster fungieren das Passiv und die Passiversatzformen in dem Textauszug als sprachliches Mittel zur Manipulation der Textrezipienten. Die agenslosen Konstruktionen suggerieren den Empfängern der Kriegsanweisungen, dass die ausgesprochenen Befehle bedingungslos auszuführen sind. Die Anweisungen erscheinen als absolut und nicht hinterfragbar. Der Agens-Schwund bewirkt, dass der Täter anonymisiert wird. In den Sätzen mitgemeint und mitverstanden lässt er sich nur noch vage ausmachen und nicht eindeutig zuordnen.
Keine der Passivkonstruktionen und Ersatzformen des Originaltextes enthält ein Agens. Diese Häufung der täterabgewandten Ausdrucksweise erweckt den Eindruck, es gäbe es keine verantwortliche, intentional handelnde Person, die Befehle erteilt. Ebenso werden durch den Agens-Schwund die Befehlsausführer verschwiegen, die zur Verrichtung der grausamen Taten instrumentalisiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Passiv als grammatisches Stilmittel: Diese Einleitung beschreibt die Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, die manipulative Wirkung von Passivkonstruktionen in nationalsozialistischen Texten anhand von Hitlers Kriegsweisungen zu untersuchen.
2. Diathese: Unterscheidung von Aktiv und Passiv: Das Kapitel erläutert die sprachwissenschaftlichen Grundlagen der Diathese sowie die semantischen Rollen von Agens und Patiens.
2.1. Merkmale von Aktiv und Passiv: Hier wird der Prozess der Konversion beschrieben, bei dem sich durch den Wechsel vom Aktiv zum Passiv der Valenzrahmen des Verbs und damit die syntaktische Anordnung verändert.
2.2. Passiversatzformen als Alternative zum Passiv: Dieser Abschnitt stellt verschiedene Möglichkeiten vor, wie auch im Aktiv durch bestimmte Verbkonstruktionen das Agens verschleiert werden kann.
2.3. Kontrastierung unpersönlicher mit persönlichen Konstruktionen: Hier werden konkrete Textbeispiele aus Hitlers Weisungen gegenübergestellt, um zu zeigen, wie durch die Hinzufügung eines Agens der manipulative Charakter der Originaltexte verdeutlicht wird.
2.4. Funktionen und Wirkungen agensloser Formulierungen: Dieses Kapitel analysiert, wie die Abwesenheit des Täters im Text dazu führt, dass Befehle als absolut und alternativlos wahrgenommen werden.
3. Passivkonstruktionen als Mittel gesellschaftlicher Manipulation: Das Fazit fasst zusammen, dass das nationalsozialistische Regime das Passiv gezielt einsetzte, um Täter zu anonymisieren und die Verantwortung für menschenverachtende Handlungen zu verschleiern.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, darunter Duden, sprachwissenschaftliche Fachliteratur und Dokumentationen nationalsozialistischer Weisungen.
Schlüsselwörter
Passiv, Passiversatzformen, Nationalsozialismus, Agens, Manipulation, Sprachwissenschaft, Diathese, Konversion, Sprachstil, Kriegsweisungen, Anonymisierung, Syntax, Semantik, Perspektivwechsel, Handlungsträger
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung und Wirkung von Passivkonstruktionen und Passiversatzformen als manipulative sprachliche Stilmittel in nationalsozialistischen Texten aus den Jahren 1933 bis 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die grammatische Analyse von Diathesen, die Funktion der Täteranonymisierung durch agenslose Sätze sowie die psychologische Wirkung dieser Sprache auf den Rezipienten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu demonstrieren, wie durch grammatische Muster, insbesondere das Passiv, politische Anweisungen der Nationalsozialisten als alternativlos dargestellt wurden, um die Verantwortung der handelnden Personen zu verschleiern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die kontrastive Methode, indem sie Passivsätze aus Originaltexten in Aktivkonstruktionen umformuliert, um die Veränderung der Aussagekraft und die Sichtbarkeit der Akteure zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (Diathese, Konversion), eine Auflistung von Passiversatzformen sowie eine detaillierte Gegenüberstellung von Hitlers Kriegsweisungen mit aktiven Umformulierungen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Manipulation, Agens, Passiv, Passiversatzformen, Nationalsozialismus, Anonymisierung, Diathese, Syntax und Perspektivwechsel.
Warum wird im Aktivsatz das Agens genannt, im Originaltext jedoch nicht?
Das Agens wird im Original bewusst weggelassen, um den Täter zu anonymisieren und den Vorgang selbst in den Vordergrund zu rücken, wodurch das Gefühl der Unausweichlichkeit entsteht.
Wie trägt der "Agens-Schwund" zur Kriegstreiberei bei?
Durch den Wegfall des handelnden Täters erscheinen die Befehle als absolut und von menschlicher Einflussnahme entkoppelt, was es dem Regime ermöglichte, auch menschenverachtende Anordnungen ohne kritische Hinterfragung durchzusetzen.
Was zeigt das Beispiel der "Genfer Konvention" innerhalb der Analyse?
Das Beispiel verdeutlicht, wie der Führer durch Passivkonstruktionen die Missachtung internationaler Rechtsnormen anordnete, während eine Umformulierung ins Aktiv die direkte Täterschaft und die Willkür dieser Befehle sichtbar macht.
- Arbeit zitieren
- Stephanie Töpert (Autor:in), 2011, Passivkonstruktionen und Passiversatzformen am Beispiel nationalsozialistischer Texte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/193636