Gotthold Ephraim Lessing war der erste Theoretiker, der es gewagt hatte, sich mit der unklaren Bedeutung des Begriffes Epigramm detailliert auseinander zu setzen. Sein typisches Streben zur Genauigkeit und die deutlich gezeigte Strenge in diesem Gebiet führten dazu, dass man nun im Stande ist, eine sehr ordentliche Vorstellung von diesem Begriff zu bekommen. Der Definition des Epigramms durch Lessings verdanken wir die Tatsache, dass diese Literaturgattung bis heute noch an Bedeutung gewinnt. Man denke nur an den Stellenwert dieses Themas an den Universitäten und an das Interesse der zahlreichen Studierenden in diesem Bereich.
Als Ziel dieser Arbeit habe ich mir gesetzt, Lessings Sorge um das Epigramm zu verdeutlichen und zu zeigen, inwieweit die Resultate dieses Bemühens unsere Gegenwart beeinflussen. Aus diesem Grund sah ich die Notwendigkeit, den Ursprung des Epigramms und seine griechischen Wurzeln zu beleuchten, seine Entfaltung zu dem Buch-Epigramm zu veranschaulichen und Lessings Lösung bezüglich der entstandenen Ungleichheiten zu beschreiben. Im weiteren Verlauf der Arbeit habe ich mich auf die Arbeit Lessings über das Epigramm selbst konzentriert und habe seine Begegnungen mit anderen Theoretikern auf diesem Gebiet aufgelistet. Durch seine Auseinandersetzungen mit diesen ehrenwerten Wissenschaftlern habe ich an dieser Stelle versucht, seinen Kampf um diese Literaturgattung hervorzuheben. Schließlich widme ich mich dem Nachwirken, wobei ich den bekanntesten Schriftsteller, Dichter und Epigrammatikers des 20. Jahrhundert wählte: Bertolt Brecht. Interessant fand ich an dieser Stelle die Tatsache, dass das Epigramm in seinem Wesen als Schriftsteller Spuren hinterlassen hatte und diese Spuren führten dann zu seien Werk «die Kriegsfibel». Allen drei Themen, die Antike, das Epigramm und die Kriegsfibel erwähne ich in einem meiner Kapitel.
Das Ende meiner Arbeit bilden zwei Epigramme, eines ist von Martial, ein anderes ist von Brecht, an denen ich dann die Theorie Lessings aufzuzeigen versuche.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Von Inschriften bis bücherwürdigen Epigrammen
2.1 Έπίγραμμα: Der Ursprung
2.2 Martial und das Buch-Epigramm: Die Entfernung
2.3 Zwei Teile eines Ganzen: Lessings Lösung
3. Lessings Wege zu den «Zerstreuten Anmerkungen»
3.1 Theoretische Begegnungen: Scaliger, Vavassor, Boileau und andere
3. 2 «Zerstreute Anmerkungen»: Die Entstehung
4. Nachwirken des martialischen Epigramms
4.1 Einfluss des Martial auf Lessing selbst
4.2 Bertolt Brecht und das martialische Epigramm
4.2.1 Bertold Brecht und die Antike
4.2.2 Das Epigramm bei Brecht
4.2.3 Die Kriegsfibel
5. Martial, Lessing und Brecht: Buch-Epigramm, Theorie und Fotoepigramm
5.1 Lessings Anhaltspunkte
5.2. Martial und das Epigramm Nr. 27 des zweiten Buches
5.2.1 Lateinischer Text und Übersetzung
5.2.2 Die Interpretation
5.2.3 Lessings Merkmale am Epigramm 27 des zweiten Buches
5.3 Fotoepigramm Nr. 27 von Brechts Kriegsfibel
6 .Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Bemühen Gotthold Ephraim Lessings um eine präzise Definition des Epigramms. Ziel ist es, Lessings theoretische Fundierung des Begriffs sowie dessen Einfluss auf die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts, insbesondere am Beispiel von Bertolt Brechts "Kriegsfibel", aufzuzeigen und die Kontinuität der Gattung von der Antike bis in die Moderne zu beleuchten.
- Lessings Kampf um die Gattungsdefinition des Epigramms
- Die Rolle Martials als Begründer des Buch-Epigramms
- Lessings Strukturmodell: Erwartung und Aufschluss
- Bertolt Brechts Aneignung des Epigramms im Exil
- Die "Kriegsfibel" als moderne Weiterführung des Fotoepigramms
Auszug aus dem Buch
3. 2 «Zerstreute Anmerkungen»: Die Entstehung
Der Ergebnis Lessings Bemühungen um das Epigramm blühte langsam in Form einer Abhandlung auf. Und diese Abhandlung sollte das Letzte sein, das er zum Thema Epigramm beigetragen hat. Der Umfang umfasst ungefähr 100 Seiten, die sich in fünf Anschnitte gliedern: I. Ueber das Epigramm, II. Catull, III. Martial, IV. Priapea, V. Griechische Anthologie.
Lessing hatte seine ersten Aufzeichnungen für die Zerstreuten Anmerkungen über das Epigramm, und einige der vornehmsten Epigrammatisten bereits in den Jahre 1761-1763 gemacht, bei seinem Studium der Rehdigerschen Sammlung und während er sich in Breslau aufhielt. Die vollständige Abhandlung wurde dann später in den Jahren 1770-71 als seine erste große Arbeit der Wolfenbütteler Zeit niedergeschrieben. Diese begleitete dann eine Sammlung seiner eigenen Epigramme, welche im Jahre 1753 entstanden war und erst jetzt, im Jahre 1771, gedruckt wurde, in dem ersten Teil Lessings «Vermischten Schriften».
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert Lessings Rolle als erster systematischer Theoretiker des Epigramms und erläutert das Ziel der Arbeit, seine Definition und deren Nachwirken bei Bertolt Brecht zu untersuchen.
2. Von Inschriften bis bücherwürdigen Epigrammen: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Epigramms von der griechischen Aufschrift bis zum literarischen Buch-Epigramm bei Martial nach.
3. Lessings Wege zu den «Zerstreuten Anmerkungen»: Es wird Lessings kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Theoretikern und seine Suche nach einer eigenständigen, systematischen Gattungsbestimmung beschrieben.
4. Nachwirken des martialischen Epigramms: Der Fokus liegt auf der Bedeutung Martials für Lessing und der Rezeption der epigrammatischen Form durch Bertolt Brecht, insbesondere in dessen "Kriegsfibel".
5. Martial, Lessing und Brecht: Buch-Epigramm, Theorie und Fotoepigramm: Hier werden Lessings theoretische Regeln anhand eines konkreten Epigramms von Martial angewandt und auf Brechts "Fotoepigramme" übertragen.
6 .Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das Epigramm in seiner strukturellen Beschaffenheit durch Lessing einen Höhepunkt erreichte und trotz Wandlungen weiterhin eine zukunftsfähige Gattung bleibt.
Schlüsselwörter
Epigramm, Gotthold Ephraim Lessing, Martial, Bertolt Brecht, Kriegsfibel, Theorie, Gattungsdefinition, Literaturgeschichte, Antike, Erwartung, Aufschluss, Sinngedicht, Fotoepigramm, Aufschrift, Literaturkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Lessings theoretische Auseinandersetzung mit dem Epigramm und untersucht, wie diese Theorie das Verständnis der Gattung nachhaltig geprägt hat und bei Bertolt Brecht fortlebt.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Felder sind die antike Epigrammatik, Lessings "Zerstreute Anmerkungen", das Verhältnis von Inschrift zu Buch-Epigramm sowie die Moderne Rezeption durch Brechts "Kriegsfibel".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, inwieweit Lessings Sorge um eine exakte Gattungsdefinition und seine erzielten Resultate bis in die Gegenwart nachwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer vergleichenden Untersuchung der theoretischen Texte Lessings mit der epigrammatischen Praxis von Martial und Brecht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Herleitung des Epigramms, die kritische Analyse der Lessing'schen Definition und deren Anwendung auf die Fotoepigramme der "Kriegsfibel".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Epigramm, Sinngedicht, Lessing, Martial, Brecht, Erwartung, Aufschluss, Gattung und Fotoepigramm.
Wie definiert Lessing die Struktur eines Epigramms?
Lessing definiert das Epigramm als eine Zweiteilung: Ein vorbereitender Teil, der Erwartung erzeugt, und ein zweiter Teil, der den Aufschluss liefert.
Was unterscheidet Brechts "Kriegsfibel" von der antiken Epigrammatik?
Während in der Antike das Monument die Basis bildete, nutzt Brecht das moderne Pressefoto als visuelle Komponente ("Fotoepigramm"), während der Vierzeiler die textliche Aufschrift darstellt.
- Arbeit zitieren
- Swetlana Krieger (Autor:in), 2012, Lessings Kampf um das martialische Epigramm , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/193610