Diminutive begegnen uns in der heutigen Sprache sehr häufig. Sowohl in Literatur (typisch beispielsweise in Märchen), als auch in Film und Fernsehen, in Redewendungen, bei Spitznamen und auch im alltäglichen Sprachgebrauch sind Verkleinerungsformen üblich. Doch bedeutet ein Diminutiv nicht immer nur eine Verkleinerung des Benannten, sondern häufig wird auch eine emotionale Einstellung ausgedrückt.
Gegenstand der folgenden Arbeit ist nun die Untersuchung der Diminutive anhand einer Umfrage. Zunächst wird auf Wortbildungskonkurrenzen allgemein und schließlich auf die Konkurrenz zwischen den Diminutiva -chen und -lein eingegangen.
Um eben diese Konkurrenz beurteilen zu können, wurde die Umfrage eingeleitet und die Teilnehmer dazu aufgefordert zu den angegebenen Worten die passende Verkleinerungsform zu finden. Hier ist zu erwähnen, dass sich die Umfrage nur auf Substantive beschränkt, welche aber ohnehin die Domäne der Diminutiva sind.1
Wichtig bei einer solchen Untersuchung ist natürlich, dass das Material repräsentativ ist, denn besteht diese Repräsentativität nicht, so kann man keine allgemeingültigen statistischen Aussagen treffen.
Ziel dieser Seminararbeit ist es durch die Umfrage zu klären, wann welche Diminutivsuffixe benutzt werden beziehungsweise benutzt werden dürfen, welches Diminutivsuffix häufiger verwendet wird und ob der Sprecher tatsächlich freie Wahl zwischen ihnen hat oder sich an gewisse Gesetzmäßigkeiten halten muss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitendes
2. Wortbildungskonkurrenzen
3. Konkurrenz zwischen den Diminutivsuffixen -chen und -lein
4. Erstellung eines Fragebogenkorpus
5. Auswertung der Fragebögen
6. Ergebnisse
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Wortbildungskonkurrenz am Beispiel der deutschen Diminutivsuffixe -chen und -lein. Ziel ist es, durch die Analyse einer Umfrage zu klären, unter welchen Bedingungen die jeweiligen Suffixe verwendet werden, ob eine freie Wahl besteht und welche Rolle regionale Dialekte sowie der Standardgebrauch bei der Suffixwahl spielen.
- Grundlagen der Wortbildung und Definition von Wortbildungskonkurrenzen.
- Historische Entwicklung und regionale Verbreitung der Diminutivsuffixe -chen und -lein.
- Methodik der Datenerhebung mittels eines Fragebogenkorpus.
- Analyse der Sprecherintuition bei der Verkleinerung ausgewählter Substantive.
- Einfluss von Kontext, Semantik und Ausspracheregeln auf die Suffixwahl.
Auszug aus dem Buch
3. Konkurrenz zwischen den Diminutivsuffixen –chen und –lein
Zunächst einmal zur Definition des Begriffs Diminutiv: Es handelt sich hierbei um ein „abgeleitetes Wort, durch das eine reduzierte, verkleinerte Form des im Stamm bezeichneten Objekts bezeichnet wird, z.B. Häus-chen zu Haus, Reh-lein zu Reh; (…) Diminutive werden auch zur Signalisierung emotionaler Einstellungen verwendet (…), z.B. Mütterlein, Früchtchen;“
Die beiden üblichsten deutschen Diminutivsuffixe sind –chen und –lein, welche auch in dieser Arbeit untersucht werden. Wie bereits erwähnt setzt sich für gewöhnlich ein Konkurrent gegen den anderen durch. Um diesen Sachverhalt genauer untersuchen zu können, braucht man allerdings Fakten. Da Konkurrenzen bis heute aber weitgehend unerforscht sind, mag es vielleicht auch nicht erstaunen, dass „die Geschichte des Nebeneinanders der beiden Formen [-chen und -lein] durch die deutsche Sprachgeschichte hindurch [weniger bekannt ist]. Material zu diesen Diminutivsuffixen war erst mit dem mittelhochdeutschen –lîn und –chîn auffindbar, daher ist die Herkunft der Suffixe an dieser Stelle schwer zu beurteilen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitendes: Einführung in das Thema Diminutive und Darlegung der Zielsetzung, durch eine Umfrage die Verwendung und Konkurrenz der Suffixe -chen und -lein zu beleuchten.
2. Wortbildungskonkurrenzen: Theoretische Abgrenzung der Wortbildungsmethoden und Definition von Wortbildungskonkurrenz bei funktional äquivalenten Formen.
3. Konkurrenz zwischen den Diminutivsuffixen -chen und -lein: Erläuterung der historischen Herkunft und der regionalen Verteilung der Suffixe unter Berücksichtigung von Artikulationsregeln.
4. Erstellung eines Fragebogenkorpus: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise und der Auswahl der Probanden zur Erstellung einer repräsentativen Datengrundlage.
5. Auswertung der Fragebögen: Detaillierte Analyse der Umfrageergebnisse zu den einzelnen Wörtern und Untersuchung der Sprecherurteile.
6. Ergebnisse: Zusammenführung der Erkenntnisse hinsichtlich der Regelhaftigkeit bei der Diminutivbildung und der Abhängigkeit von Region und Sprachgefühl.
7. Fazit: Abschließende Einordnung der Suffixkonkurrenz und Bestätigung, dass beide Suffixe trotz ihrer Konkurrenz spezifische Funktionsbereiche besetzen.
Schlüsselwörter
Diminutiv, Wortbildung, Konkurrenz, Suffix, -chen, -lein, Sprachwandel, Dialekt, Standard, Derivation, morphologische Analyse, Sprachgefühl, Semantik, morphologische Produktivität, Fragebogenkorpus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Untersuchung von Wortbildungskonkurrenzen, wobei der Fokus gezielt auf den deutschen Diminutivsuffixen -chen und -lein liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit umfasst theoretische Grundlagen der Wortbildung, die historische Entwicklung der Suffixe, regionale Sprachvariationen sowie die Analyse empirischer Daten aus einer Umfrage.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, unter welchen Bedingungen die Suffixe -chen und -lein gewählt werden, ob Sprecher hierbei eine freie Wahl haben und wie sich regionale Dialekte zum Standardgebrauch verhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte eine korpuslinguistisch orientierte Umfrage durch, bei der zehn Probanden unterschiedlicher Herkunft und Alters dazu aufgefordert wurden, für verschiedene Substantive Verkleinerungsformen zu bilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte der Wortbildung erläutert, die Suffixkonkurrenz historisch und regional eingeordnet und die Ergebnisse der Fragebogenauswertung im Detail diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Diminutiv, Wortbildungskonkurrenz, -chen, -lein, Dialekt, Standarddeutsch, Sprachgefühl und Morphem.
Warum wird bei Wörtern wie "Sand" oder "Mehl" meist keine Diminutivform gebildet?
Die Umfrage zeigt, dass für bestimmte Substantive keine Verkleinerungsform existiert und Sprecher dies instinktiv durch die Verweigerung einer Diminution oder durch Umschreibungen ausdrücken, da keine allgemeingültige morphologische Regel dafür vorliegt.
Welche Rolle spielen regionale Dialekte bei der Wahl des Suffixes?
Die Untersuchung verdeutlicht, dass -lein verstärkt im oberdeutschen Sprachraum (z.B. Bayern) in Dialektvarianten wie -erl oder -al auftritt, während -chen eher im mitteldeutschen Raum beheimatet ist, auch wenn beide Suffixe heute im Standardgebrauch koexistieren.
Beeinflusst die semantische Bedeutung des Wortes die Suffixwahl?
Ja, in einigen Fällen, wie beim Wort "Frau" (Frauchen vs. Fräulein), führt die Wahl des Suffixes zu einer bedeutenden semantischen Differenzierung, weshalb die Suffixe hier nicht vollkommen austauschbar sind.
- Arbeit zitieren
- Laura Ostermaier (Autor:in), 2008, Wortbildungskonkurrenzen: Darstellung am Beispiel einer Umfrage zu Diminutiva, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/193241