Der Gebrauch eines „Euphemismus“ ist aus der Alltagssprache nicht mehr wegzudenken. Jeder verwendet ihn, doch kaum einer ist sich dessen bewusst. Gerne umschreibt man den Tod, also das Sterben eines Menschen mit Ausdrücken wie „über den Jordan gehen“ oder auch „die ewige Ruhe finden“, kaum einer weiß jedoch, dass er dadurch schon einen Euphemismus in seinen Sprachgebrauch aufgenommen hat.
Ähnlich verhält es sich mit Volksetymologien. Viele Begriffe, die man im täglichen Leben verwendet, können wir vermeintlich herleiten, meist jedoch – zumindest aus sprachwissenschaftlicher Sicht - ohne Erfolg. Wer zum Beispiel meint, der Maulwurf verdanke seinen Namen der Tatsache, dass er „Erde mit seinem Maul wirft“, liegt gänzlich falsch.
Diese Arbeit hat das Ziel zu klären, was man unter den Begriffen „Euphemismus“ und „Volksetymologie“ zu verstehen hat und welche Präsenz und Bedeutung diese im alltäglichen Leben haben.
Inhaltsverzeichnis
I. Der „Euphemismus“
1. Wortherkunft
2. Definition „Euphemismus“
a) Funktion des „Euphemismus“
b) Wirkung des „Euphemismus“
3. „Euphemismen“ im Sprachgebrauch
a) „Euphemismen“ im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten
b) „Euphemismen“ in der Alltagssprache
4. Fazit
II. Die „Volksetymologie“
1. Wortherkunft
2. Definition „Volksetymologie“
3. Die Typologie von „Volksetymologien“
a) „Volksetymologien“ mit lautlicher und inhaltlicher Veränderung
b) „Volksetymologien“ mit lautlicher und ohne inhaltliche Veränderung
c) „Volksetymologien“ ohne lautliche und mit inhaltlicher Veränderung
d) „Volksetymologien“ ohne lautliche und ohne inhaltliche Veränderung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachwissenschaftlichen Phänomene des Euphemismus und der Volksetymologie, um deren Ursprung, Funktionsweisen und Bedeutung im alltäglichen Sprachgebrauch zu verdeutlichen. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie diese sprachlichen Mechanismen eingesetzt werden, um Tabus zu verschleiern oder die Herkunft von Begriffen vermeintlich zu erklären.
- Etymologische Herleitung und Definition von Euphemismen.
- Einsatz von Euphemismen zur Beschönigung und Verschleierung, insbesondere im Nationalsozialismus.
- Analyse von Euphemismen in der heutigen Alltagssprache.
- Systematische Klassifizierung von Volksetymologien anhand einer vierstufigen Typologie.
- Untersuchung von Beispielen für Volksetymologien und deren Entstehungsprozesse.
Auszug aus dem Buch
a) „Euphemismen“ im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten
Besonders im Nationalsozialismus gab es viele „Euphemismen“. Ihre Verwendung begann in der Propaganda und zog sich durch die militärische Befehlskette bis hin zur Alltagssprache. Hauptaugenmerk für die Verwendung war zum einen die Verschleierung, aber auch die Beschönigung und Verharmlosung bzw. Milderung. Im Folgenden sollen nun einige Beispiele diese Thesen belegen und zeigen, wie perfide die Nationalsozialisten bei ihrer Wortwahl agierten.
Als erstes Beispiel soll der Begriff „Endlösung der Judenfrage“ betrachtet werden. Bevor man diesen Begriff jedoch analysiert, muss man sich dessen bewusst sein, dass die Bevölkerung des damaligen deutschen Reiches nicht über den heutigen Wissensstand verfügte. Für sie hieß „Endlösung der Judenfrage“ womöglich nur, dass man scheinbar ein Problem mit den im Reich lebenden Juden hatte, für welches man nun eine Lösung gefunden hatte. Seitens des nationalsozialistischen Regimes war darüber hinaus stets von „Auswanderung“ bzw. „Umsiedlung“ der Juden die Rede. Heute wissen wir jedoch, was sich tatsächlich hinter dem Begriff „Endlösung der Judenfrage“ verbarg.
„Endlösung der Judenfrage war ein Deckname für Hitlers Pläne zur Ausrottung der Juden Europas.“ Dieser Begriff wurde ab 1941 von Beamten gebraucht und diente als verharmlosender Deckname für die systematische Tötung. Warum wählte man ihn jedoch und erfüllt er überhaupt die Kriterien eines Euphemismus? Gewählt wurde er zur Verschleierung und zur Verharmlosung. Wie bereits erwähnt suggerierte er dem Leser oder Hörer lediglich, dass es eine endgültige Lösung für das weitere Vorgehen gegen die Juden im deutschen Reich geben würde. Wie dieses Vorgehen aussieht, wird nicht ersichtlich, ebenso wenig wie Anhaltspunkte für eine gewaltsame Lösung.
Somit verschleiert und beschönigt der Begriff „Endlösung der Judenfrage“ also seine eigentliche Bedeutung. Daher kann man von einem Euphemismus durchaus sprechen, ja sogar vielleicht von einem der makabersten der Nationalsozialisten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Der „Euphemismus“: Dieses Kapitel erläutert die Wortherkunft und definiert den Begriff als beschönigende Umschreibung, wobei sowohl die Funktion der Milderung als auch die praktische Verwendung in verschiedenen Kontexten, wie dem Nationalsozialismus und der Alltagssprache, analysiert werden.
II. Die „Volksetymologie“: Hier wird der Prozess der Volksetymologie definiert, bei dem Begriffe durch lautliche oder inhaltliche Anpassungen neu interpretiert werden, und anhand einer detaillierten Typologie mit konkreten Beispielen klassifiziert.
Schlüsselwörter
Euphemismus, Volksetymologie, Sprachwissenschaft, Tabu, Beschönigung, Verschleierung, Etymologie, Wortgeschichte, Nationalsozialismus, Alltagssprache, Periphrase, Lautwandel, Bedeutungsveränderung, Sprachgebrauch, Sprachanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den sprachwissenschaftlichen Phänomenen Euphemismus und Volksetymologie und untersucht deren Wesen, Herkunft und Verwendung im täglichen Sprachgebrauch.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Definition, der psychologischen Motivation hinter Euphemismen (z.B. Tabuisierung von Tod oder Sexualität) sowie der systematischen Einordnung volksetymologischer Wortentwicklungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, ein Verständnis für die Präsenz und Wirkung dieser Phänomene zu schaffen und aufzuzeigen, wie sie einerseits zur Manipulation (z.B. im Nationalsozialismus) und andererseits zur sozialen Harmonisierung eingesetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen deskriptiven und analytischen Ansatz, indem Begriffe etymologisch hergeleitet und durch eine systematische Typologie – insbesondere bei der Volksetymologie – in Kategorien eingeteilt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Abschnitte: Einerseits die Untersuchung von Euphemismen anhand historischer und alltäglicher Beispiele und andererseits die Klassifizierung von Volksetymologien nach lautlichen und inhaltlichen Veränderungskriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Euphemismus, Volksetymologie, Tabu, Beschönigung, Verschleierung, Sprachanalyse und etymologische Deutung.
Wie unterscheidet sich die Verwendung von Euphemismen im Nationalsozialismus von denen im Alltag?
Im Nationalsozialismus dienten Euphemismen vorrangig als perfide Instrumente der Verschleierung und Verharmlosung von Gewaltverbrechen, während sie im Alltag häufig dazu dienen, soziale Tabus zu umgehen oder das Gesicht von Personen zu wahren.
Warum entstehen Volksetymologien laut der Analyse des Autors?
Sie entstehen oft aus dem Bedürfnis heraus, einem unverständlich gewordenen Wort durch Anlehnung an bekannte, ähnlich klingende Begriffe eine neue, logisch erscheinende Bedeutung zuzuweisen, auch wenn diese aus sprachwissenschaftlicher Sicht inkorrekt ist.
- Quote paper
- Jan Innerling (Author), 2012, Euphemismus und Volksethymologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/193226