Im Rahmen des Hauptseminars zu König Friedrich II. von Preußen möchte ich in dieser Seminararbeit der Frage nachgehen, ob Friedrich II. von Preußen als Vorbild für die Ausländerpolitik zwischen 1945 und 1973 in der Bundesrepublik angesehen werden kann.
Dazu werde ich zunächst Friedrichs II. von Preußen Politik in Bezug auf die französischen Einwanderer betrachten. Einen besonderen Schwerpunkt lege ich dabei als erstes auf die Vorteile, die er aus der Ansiedlung der Hugenotten zog. Genauer untersuchen werde ich in diesem Zusammenhang seine politischen, wirtschaftlichen und möglichen sozialen und gesellschaftlichen Ambitionen. In Folge soll seine konkrete Politik den Hugenotten gegenüber betrachtet und schließlich ihre Einflüsse auf die einheimische Gesellschaft ergründet werden. Als Hauptquelle dienen die politischen Schriften Friedrichs II. von Preußen und eine Beurteilung von Wilhelm Meise, die durch Sekundärliteratur zu Friedrich wie auch den durch Historiker gut erschlossenen Hugenotten ergänzt wird.
In weiteren Schritten soll die Ausländerpolitik in der BRD in den Jahren zwischen 1945 und 1973 betrachtet werden. Dafür möchte ich zunächst wieder die Motive für die Anwerbung der ausländischen Arbeitskräfte ermitteln, um anschließend die konkrete Politik der Bundesrepublik gegenüber den Gastarbeitern zumindest in Ansätzen wiederzugeben und schließlich einen kurzen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Ausländerpolitik zu geben. Gemeinsam mit den zuvor erarbeiteten Erkenntnissen soll der Ausblick es ermöglichen einen Vergleich zwischen Friedrichs II. von Preußens Integrationspolitik und der der Bundesrepublik zu erlauben.
Die Probleme, mit der sich die Politik heute auseinanderzusetzen hat, zeigen, dass die Thematik der Integration aktueller denn je und es somit wert ist, genauer betrachtet zu werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Vorteile der Hugenotten für Friedrich II. von Preußen
II. 1. Herrschaftliches Mitleid zugunsten der eigenen Politik
II. 2. Aufbau von Wirtschafts- und Handelsstrukturen sowie des Militärs durch die “Resource Mensch“
II. 3. Beiträge der Hugenotten zum sozialen und gesellschaftlichen Leben
III. Friedrichs II. von Preußen Politik gegenüber den Hugenotten
III. 1. Aufnahme und Ansiedlung der Hugenotten mittels Privilegien und anderer Maßnahmen
III. 2. Integration – Definition und eine kurze Wertung
IV. Einflüsse der Hugenotten
IV. 1. Glauben
IV. 2. Kultur
V. Motive der BRD für die Anwerbung von Arbeitern aus dem Ausland
VI. Politik der BRD gegenüber Ausländern zwischen 1945 und 1973
VII. Kurzer Ausblick auf die Integrationspolitik und ihre Entwicklung
VIII. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Integrationspolitik Friedrichs II. von Preußen gegenüber den Hugenotten als historisches Vorbild für die deutsche Ausländerpolitik zwischen 1945 und 1973 dienen kann.
- Motive und Methoden der Ansiedlungspolitik unter Friedrich II. von Preußen
- Analyse der sozioökonomischen Auswirkungen der Hugenotten-Migration
- Untersuchung der Anwerbestrategien und Motive der Bundesrepublik Deutschland für Gastarbeiter
- Vergleichende Bewertung der Integrationsansätze in beiden Epochen
- Herausforderungen und gesellschaftliche Konflikte bei der Integration von Zuwanderern
Auszug aus dem Buch
III. 1. Aufnahme und Ansiedlung der Hugenotten mittels Privilegien und anderer Maßnahmen
Für Friedrich II. von Preußen schien es nach den zahlreichen Vorzügen, die eine Einwanderung der Hugenotten mit sich brachte, nur natürlich nun auch politisch aktiv zu werden. In seinen politischen Schriften sprach er die Gesetzesgebung durch den Herrscher an und forderte den Regenten dazu auf, dass er sich „oft an die Lage des armen Mannes erinnern [soll], [...]sich an die Stelle eines Bauern oder eines Manufakturarbeiters setzten und sich alsdann sagen [soll]: wenn ich in der Klasse dieser Bürger, deren Kapital ihre Arme sind, geboren wäre, was wünschte ich dann, dass der Herrscher täte? Was der gesunde Menschenverstand ihm alsdann sagt, das durchzusetzen ist seine Pflicht.“18
Wie konkret Friedrich II. von Preußen dieses Hineinversetzten in den Untertan in seiner Regierungsform umgesetzt hatte, zeigte sich vor allem in der Fortführung der Privilegienpolitik des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburgs. In dessen Regierungszeit begann Brandenburg-Preußen bereits „mit dem Erla[ss] allgemeiner Einwanderungsprivilegien19, die verschiedenen Neusiedlern eine Anzahl von Steuerfreijahren sowie Baumaterial und Grundstücke versprachen“20. Weitere Versprechen wie der „Schutz durch den […] Landesherren“21 sowie die freie Ausübung ihrer eigenen Religion und konkrete Richtlinien zur Gerichtsbarkeit22 wurden schließlich im berühmten Potsdamer Edikt am 29. Oktober 168523 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlassen. Der „Große Kurfürst“24 und Vorfahr Friedrichs II. von Preußen legte so den Grundstein für die Gesetze zur Einwanderungspolitik. Neben der Freistellung von Steuern und Abgaben auf Zeit und der Unterstützung in ihrer Ansiedlung, wurde ihnen durch das Gesetz das Bürgerrecht zugestanden25.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Friedrich II. von Preußen als Vorbild für die deutsche Ausländerpolitik zwischen 1945 und 1973 betrachtet werden kann.
II. Vorteile der Hugenotten für Friedrich II. von Preußen: Dieses Kapitel beleuchtet die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Motive Friedrichs II. bei der Ansiedlung der Hugenotten als loyale Stütze des absolutistischen Staates.
III. Friedrichs II. von Preußen Politik gegenüber den Hugenotten: Hier wird die konkrete Privilegienpolitik des Herrschers analysiert und der Begriff der Integration im historischen Kontext kritisch bewertet.
IV. Einflüsse der Hugenotten: Dieses Kapitel beschreibt die religiösen und kulturellen Beiträge der Hugenotten, die das Gastland nachhaltig beeinflussten.
V. Motive der BRD für die Anwerbung von Arbeitern aus dem Ausland: Die Untersuchung befasst sich mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen und dem Arbeitskräftemangel der Bundesrepublik, die zur Anwerbung von Gastarbeitern führten.
VI. Politik der BRD gegenüber Ausländern zwischen 1945 und 1973: Dieses Kapitel analysiert die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die "Phasen" der Ausländerbeschäftigung, bis hin zum Anwerbestopp 1973.
VII. Kurzer Ausblick auf die Integrationspolitik und ihre Entwicklung: Hier werden die gesellschaftlichen Folgen der mangelnden Integrationspolitik sowie das Aufkommen von Feindseligkeiten gegenüber Zuwanderern thematisiert.
VIII. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Vergleichbarkeit beider Integrationspolitiken zusammen und plädiert für einen inklusiven Ansatz in der modernen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Hugenotten, Friedrich II. von Preußen, Ausländerpolitik, Gastarbeiter, Integration, Bundesrepublik Deutschland, Migration, Privilegien, Wirtschaftswunder, Anwerbeabkommen, Assimilation, Inklusion, Arbeitsmarkt, Konjunkturpuffer, Kulturtransfer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht einen historisch-vergleichenden Ansatz, bei dem die Einwanderungspolitik unter Friedrich II. von Preußen mit der Ausländerpolitik der Bundesrepublik zwischen 1945 und 1973 gegenübergestellt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf staatlichen Anwerbestrategien, ökonomischen Motiven für Migration, rechtlichen Rahmenbedingungen für Einwanderer sowie den soziokulturellen Auswirkungen und Integrationsprozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob die historische Integrationspolitik des preußischen Königs Friedrich II. gegenüber den Hugenotten als Vorbild für die deutsche Gastarbeiterpolitik der Nachkriegszeit dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf die Auswertung politischer Schriften Friedrichs II., historische Analysen von Historikern wie Wilhelm Meise sowie Fachliteratur zur Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Motive, Privilegien und gesellschaftlichen Folgen der Hugenotten-Ansiedlung sowie die Anwerbung und rechtliche Stellung von Gastarbeitern im 20. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Migration, Integration, Privilegien, Gastarbeiter, wirtschaftliche Nützlichkeit, Konjunkturpuffer, Inklusion und der Vergleich zwischen absolutistischer Siedlungspolitik und moderner Industriegesellschaft.
Warum wird im Dokument auf das "Wirtschaftswunder" eingegangen?
Das Wirtschaftswunder erklärt den massiven Bedarf der Bundesrepublik an billigen und mobilen Arbeitskräften, der ohne die Zuwanderung aus dem Ausland nicht hätte gedeckt werden können.
Was bedeutet der Begriff "Inklusion" in der Schlussbetrachtung?
Die Autorin verwendet Inklusion als moderneres Konzept gegenüber der Integration, um die Wertschätzung der Vielfalt der Menschen zu betonen, anstatt lediglich eine Anpassung an eine dominante Kultur zu fordern.
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- Pia-Loreen Kramm (Author), 2012, Friedrich II. als Vorbild für Integrationspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192980