1. Einleitung
„Nee heute habe ich keinen Bock!“ Wer kennt diese Einstellung nicht aus seiner Schulzeit? Mal einen Tag „blau machen“ oder vielleicht zwei oder sogar drei Tage. Ohne eine ausreichende Begründung zu Hause bleiben – wahrscheinlich hat dies jeder schon einmal gemacht. Wenn nicht, dann fällt einem sicherlich jemand ein, der das eine oder andere Mal im Unterricht gefehlt hat.
Laut der Berteslmann Stiftung und der Gemeinnützigen Hertie- Stiftung bleiben rund 500.000 Schüler in Deutschland der Schule fern und immer mehr gewinnt diese Thematik in den öffentlichen Medien sowie in der Wissenschaft an Relevanz (vgl. Sibbe, 2007, S.1). Schulabsentismus ist ein gesellschaftliches Problem, dem wir uns
stellen müssen und dem konsequent entgegen gearbeitet werden muss. Ob es nur einige Fehlstunden sind, einige Fehltage, das dauerhafte Schwänzen über Tage hinweg bis zu einigen Wochen oder sogar das vorzeitige Abbrechen der Schulkarriere. Die versäumte Schulbildung bringt erhebliche Folgen für die berufliche Zukunft mit sich und erschwert erheblich den Einstieg in die Arbeitswelt. Das dauerhafte Schwänzen „kann dazu führen, dass Jugendliche nicht in der Lage sind, grundlegende Kenntnisse und Kompetenzen sowie kulturelle Identität [zu erwerben], welche es ihnen erlauben,lebenslang zu lernen und ihren Platz in der Gesellschaft und Berufsleben zu
finden“( Sälzer, 2010, S.10 zitiert nach EDK. 2007, Art. 3, Abs. 1).
Demzufolge ist es bedeutsam herauszufinden, weshalb Schüler andere Aufenthaltsorte der Schule bevorzugen bzw. welche Ursachen dazu führen, dass Kinder und Jugendliche die Schule unregelmäßig besuchen oder sogar vollständig verweigern. Wenn die Ursachen bekannt sind, kann auf verschiedenen Ebenen interveniert werden.
In der vorliegenden Arbeit liegt der Schwerpunkt in der Erörterung der Ursachen, die daraus resultierenden Folgen von Schulabsentismus und den zugrunde liegenden Interventionsmaßnahmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schulverweigerung, Schulschwänzen und Schulentzug -
Drei Varianten, ein Phänomen
3. Die Schulpflicht in Deutschland
3.1. Historischer Abriss
3.2. Maßnahmen zur Durchsetzung der Schulpflicht
4. Ursachen für Schulabsentismus
4.1. Gesellschaftliche Faktoren
4.2. Familiäre Faktoren
4.3. Schulische Faktoren
4.4. Peer Group
5. Folgen von Schulverweigerung
6. Pädagogische interventive Maßnahmen an Schulen
6.1. Interventionen auf schulischer Ebene
6.1.1. Interventionen auf Schüler Ebene
6.1.2. Interventionen auf elterlicher Ebene
6.2. Interventionen auf außerschulischer Ebene
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Phänomen des Schulabsentismus, identifiziert dessen vielschichtige Ursachen in unterschiedlichen Lebensbereichen und analysiert die daraus resultierenden kurz- und langfristigen Folgen für das Individuum sowie die Gesellschaft, um darauf aufbauend effektive pädagogische und strukturelle Interventionsmöglichkeiten aufzuzeigen.
- Abgrenzung der Begriffe Schulabsentismus, Schulschwänzen, Schulverweigerung und Schulentzug
- Historischer Kontext und aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen der Schulpflicht in Deutschland
- Analyse der Ursachenfaktoren: gesellschaftlich, familiär, schulisch und Einfluss der Peer Group
- Evaluation von Disziplinarmaßnahmen versus pädagogischer Handlungsansätze
- Darstellung der verschiedenen Interventionsebenen für Schule und Schulsozialpädagogik
Auszug aus dem Buch
Schulschwänzen:
„Mit Schwänzen verbindet sich nach dieser Tradition bis heute die Vorstellung, dass der Schwänzer […] die gewonnene Zeit, am besten in Geselligkeit, mit (studentischen) Freunden und Späßen zu füllen weiß“ (Ehemann & Rademacker, 2003, S. 23ff. zitiert in Sälzer, 2010, S. 15). Der Begriff „Schwänzen“ ist somit eher positiv als negativ besetzt und bezeichnet einen angenehmen Zeitvertreib außerhalb der Schule. Bei Schulschwänzern überwiegt jedoch die Schulanwesenheit gegenüber der Schulabwesenheit (Sälzer, 2010, S. 15).
Zum Schulschwänzen gehört nicht nur das Meiden der Schule für einen kompletten Schultag, sondern gehört auch das vorzeitige Nachhause Gehen, wie auch das Zu-Spät Kommen zum Unterricht oder die in die Länge gezogenen Toilettengänge, durch die Unterrichtsinhalte versäumt werden. Dieses Verhalten ist bislang nicht als potenzielles Risiko einzustufen, dennoch nicht zu ignorieren. Falls sich diese Verhaltensweisen in einer bestimmten Zeitspanne wiederholen und bei dem Jugendlichen eine gewisse Routine vorherzusehen ist, zudem noch abfallende schulische Leistungen erkennbar sind, sind diese mit einem Risiko zu betrachten und als gefährdend einzustufen (Ricking, Schulze, Wittrock, 2009, S. 19 f.). Hierbei bezieht sich die Gefährdung auf die schulische Karriere des Schülers mit seinen absteigenden schulischen Leistungen und seiner darauffolgenden erschwerten Teilhabe an der Gesellschaft, sowie dem Einstieg in die Berufswelt (Sälzer, 2010, S. 15). Auf weitere Gefahren bzw. Folgen wird im Laufe der Arbeit noch näher eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Relevanz von Schulabsentismus als gesellschaftliches Problem, trotz mangelnder statistischer Erfassung und unklarer Ursachen.
2. Schulverweigerung, Schulschwänzen und Schulentzug - Drei Varianten, ein Phänomen: Dieses Kapitel definiert Schulabsentismus als Oberbegriff und differenziert zwischen den spezifischen Ausprägungsformen Schulschwänzen, Schulverweigerung und Schulentzug.
3. Die Schulpflicht in Deutschland: Es wird ein historischer Abriss der Schulpflicht gegeben und die rechtlichen Maßnahmen zur Durchsetzung sowie die heutige Situation in Deutschland erörtert.
4. Ursachen für Schulabsentismus: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Einflussfaktoren auf das Individuum, unterteilt in gesellschaftliche, familiäre, schulische Bedingungen sowie den Einfluss der Peer Group.
5. Folgen von Schulverweigerung: Hier werden die individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen des Fernbleibens, wie Bildungsdefizite, erschwerter Einstieg in den Arbeitsmarkt und drohende soziale Desintegration, beschrieben.
6. Pädagogische interventive Maßnahmen an Schulen: Das Kapitel stellt verschiedene Interventionsstrategien auf schulischer, elterlicher und außerschulischer Ebene vor, um Schulabsentismus frühzeitig entgegenzuwirken.
7. Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit eines offenen, frühzeitigen und differenzierten Umgangs mit dem Phänomen.
Schlüsselwörter
Schulabsentismus, Schulverweigerung, Schulschwänzen, Schulentzug, Schulpflicht, Intervention, Schulsozialarbeit, Bildungsabschluss, Sozialisationsinstanz, Prävention, Erziehung, Schulatmosphäre, Peers, Leistungsdruck, Bildungsbiografie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptthema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich grundlegend mit dem Phänomen des Schulabsentismus in Deutschland, seinen verschiedenen Erscheinungsformen sowie den Ursachen und Konsequenzen für Betroffene und die Gesellschaft.
Welche Ausprägungen des Schulabsentismus werden unterschieden?
Die Arbeit differenziert primär zwischen dem Schulschwänzen (oft freizeitbetont), der Schulverweigerung (oft aus Angst oder Leistungsdruck) und dem Schulentzug (elterliches Zurückhalten).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen der Schulabwesenheit zu schaffen und aufzuzeigen, wie durch pädagogische und strukturelle Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen präventiv und intervenierend eingegriffen werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Literatur und Studien, um die Ursachen, Folgen und Interventionsmöglichkeiten strukturiert darzustellen.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Ursachenanalyse (gesellschaftlich, familiär, schulisch, Peer Group), die Folgen für Biografie und Gesellschaft sowie die konkreten Interventionsstrategien an Schulen.
Welche Rolle spielt die Peer Group bei Schulabsentismus?
Die Peer Group wird als wichtige Sozialisationsinstanz betrachtet, die sowohl schützende Wirkung haben als auch durch negative Verhaltensanimation (z.B. Schulschwänzen) den Absentismus begünstigen kann.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Schule und Schulzwang?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Schulpflicht die gesetzliche Verpflichtung zum Schulbesuch festlegt, während der Schulzwang die staatlichen Interventionen bei deren Verletzung impliziert.
Warum werden pädagogische Maßnahmen den disziplinarischen vorgezogen?
Pädagogische Maßnahmen gelten als effektiver, da sie auf die Ursachenergründung und Problembewältigung abzielen, statt lediglich Symptome durch Strafe zu bekämpfen, was langfristig nachhaltigere Erfolge ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Nicole Biegala (Autor:in), 2012, Schulabsentismus - Ursachen, Folgewirkungen und Interventionsmöglichkeiten von Schulabsentismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192978