Die Bibel birgt Schätze – unter anderem die Gleichnisse Jesu. Sie gehören auch im Religionsunterricht zum Grundstock neutestamentlicher Verkündigung. Gleichzeitig gilt es, die Sinnpotenziale von Gleichnissen auf theologischem, kirchlichem und auch literaturgeschichtlichem Feld immer wieder neu zu entdecken. Gleichnisse können Orientierung geben, herausfordern und ansprechen.
Im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit sollen in grundlegenden fachwissenschaftlichen Überlegungen die theologische Dimension von Gleichnissen zur Sprache gebracht werden, sowie die wichtigsten Ansichten innerhalb der Gleichnisforschung dargelegt werden. Nach einer Bestimmung der literarischen Form des Gleichnisses folgen Gattungsbestimmung und Definitionen für die Gleichnisarten. Abschließend werden exemplarisch einige in den Evangelien vorkommende Gleichnisse aufgeführt.
Die didaktischen Überlegungen zur Thematik beinhalten den Hinweis auf die Notwendigkeit eines nicht nur kognitiven sondern auch symbolischen Verstehens der Inhalte von Gleichnissen. Es wird auf die unterschiedlichen Denk- und Verständnisvoraussetzungen in der Primar- und Sekundarstufe hingewiesen und Lernchancen, die durch die Beschäftigung mit Gleichnissen im Unterricht aufgetan werden können, benannt. Der Punkt zu den methodischen Lernwegen möchte aufzeigen, wie diese Gattung neutestamentlicher Erzählungen gewinnbringend in den Unterricht eingebracht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema
2. Fachwissenschaftliche Überlegungen
2.1 Theologische Dimension
2.2 Forschungsgeschichtliche Standpunkte
2.3 Literarische Form(en) des Gleichnisses
2.4 Definitionen und Gattungsbestimmung
2.5 Gleichnisse in den Evangelien (exemplarisch)
3. Didaktische Überlegungen
3.1 Kognitive Voraussetzungen beim lernenden Subjekt
3.2 Lernchancen durch Gleichnisse
3.3 Methodische Lernwege
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die fachwissenschaftliche Bedeutung sowie die didaktischen Einsatzmöglichkeiten von Gleichnissen Jesu im Religionsunterricht, um ein vertieftes Verständnis dieser neutestamentlichen Erzählungen bei Schülern zu fördern.
- Theologische Einordnung von Gleichnissen als Medium der Jesuserinnerung
- Kritische Analyse der forschungsgeschichtlichen Gleichnistheorien
- Systematische Gattungsbestimmung und literarische Einordnung
- Didaktische Konzepte zur Vermittlung in Primar- und Sekundarstufe
Auszug aus dem Buch
2.1 Theologische Dimension
Im Rahmen dieser Seminararbeit herrscht die Grundprämisse urchristlichen Überzeugung vor, dass Jesus ein Gleichniserzähler war – was nicht nur auf Grund der „Fülle der Gleichnisse innerhalb der urchristlichen Jesusüberlieferung“, sondern auch durch die ersichtlich werdende übergeordnete Klassifizierung der evangeliaren Verkündigung Jesu als „bildliche Redeweise (Mk 4,33f.; Joh 16,25)“ sowie anhand Erkenntnissen der neuesten Jesusforschung aussagbar ist. Das Gesamt der überlieferten Gleichnisse aus jesuanischer Zeit bietet Erinnerungen an die Lehre des Jesus aus Nazaret – und dadurch liegt uns gleichzeitig auch ein »bildhaftes Sprechen von Gott« vor.
Wird im Folgenden (angelehnt an ZIMMERMANNS Postulat) auf literarkritische und historische Rekonstruktionsversuche von Gleichnissen abgesehen und vielmehr eine Rückbindung an Jesus angestrebt, dann darum, weil „Gleichnisse … prädestinierte Medien der Jesuserinnerung“ sind, die eine Konvergenz zwischen Form und Inhalt erkennen lassen und eine Erinnerung stützen, die nicht sprachlos und frei geschieht, sondern von bestimmten Medien und Formen getragen wird.
Dass man sich zur Zeit des Urchristentums „... an Jesus als denjenigen erinnerte, der bildhaft, in Gleichnissen von Gott sprach, konvergiert mit dem christologischen Bekenntnis, dass Christus selbst das »Bild Gottes« (2Kor 4,4; Kol 1,15) ist, der den Vater sichtbar macht (Joh 1,18; 14,7). Somit kann gesagt werden, dass der Gleichniserzähler selbst das „»Gleichnis Gottes«“ ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Einleitung in die Bedeutung der Gleichnisse als biblischer Schatz und Grundstock für den Religionsunterricht.
2. Fachwissenschaftliche Überlegungen: Auseinandersetzung mit der theologischen Dimension sowie forschungsgeschichtlichen Ansätzen der Gleichnisforschung.
2.1 Theologische Dimension: Untersuchung der Rolle Jesu als Gleichniserzähler und der Bedeutung der Gleichnisse für das Sprechen von Gott.
2.2 Forschungsgeschichtliche Standpunkte: Historischer Abriss über die Entwicklung der Gleichnisforschung von Jülicher bis zur modernen Exegese.
2.3 Literarische Form(en) des Gleichnisses: Abgrenzung und Definition der literarischen Gattungen wie Gleichnis, Parabel und Beispielerzählung.
2.4 Definitionen und Gattungsbestimmung: Konsensbildung über die Typologie der Gleichnisse und deren rhetorische Struktur.
2.5 Gleichnisse in den Evangelien (exemplarisch): Exemplarische Analyse der Gleichnisse in den Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas.
3. Didaktische Überlegungen: Reflexion über die Vermittlung von Gleichnissen und deren symbolisches Verstehen im Unterricht.
3.1 Kognitive Voraussetzungen beim lernenden Subjekt: Anpassung der Lehrmethoden an die altersbedingten Denk- und Verstehensvoraussetzungen von Schülern.
3.2 Lernchancen durch Gleichnisse: Aufzeigen der theologischen und ethischen Einsichten, die durch die Arbeit mit Gleichnissen gewonnen werden können.
3.3 Methodische Lernwege: Vorstellung von praktischen Unterrichtsmethoden wie szenischer Interpretation und Schreibaufträgen.
4. Schlussbetrachtung: Resümee über die Notwendigkeit der Behandlung von Gleichnissen im Religionsunterricht zur Förderung von Ausdruckskompetenz und Lebensdeutung.
Schlüsselwörter
Gleichnisse, Jesus, Religionsunterricht, Exegese, Didaktik, Gottesherrschaft, Parabeln, Metapher, Hermeneutik, Theologie, Primarstufe, Sekundarstufe, Bildhälfte, Sachhälfte, Lernchancen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung und Vermittlung der Gleichnisse Jesu im Kontext des katholischen Religionsunterrichts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die fachwissenschaftliche Exegese (Gleichnistheorie) sowie die religionspädagogische Didaktik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Gleichnisse fachlich korrekt eingeordnet und didaktisch gewinnbringend in verschiedenen Altersstufen vermittelt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theologische Seminararbeit, die auf einer Literaturanalyse exegetischer und religionspädagogischer Fachquellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Fundierung (Gleichnisforschung) und einen didaktischen Teil zur methodischen Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Themen wie Gleichnisforschung, Hermeneutik, Gottesherrschaft und schülerorientierte Methodik.
Warum wird zwischen "Bildhälfte" und "Sachhälfte" unterschieden?
Diese klassische Einteilung nach Jülicher dient dazu, den Vergleichscharakter eines Gleichnisses zu strukturieren, wobei moderne Ansätze diese Trennung teilweise aufbrechen.
Welche Rolle spielt die Altersstufe der Schüler für die Didaktik?
Je nach Alter variieren die kognitiven Voraussetzungen; während in der Primarstufe eher Beispielgeschichten zugänglich sind, können ältere Schüler komplexere metaphorische Strukturen erfassen.
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- Maria E. Reif (Author), 2012, Gleichnisse im Religionsunterricht. Grundlegende fachwissenschaftliche und religionsdidaktische Überlegungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192732