Analyse der herrschenden Euroskepsis in der Schweiz unter besonderer Berücksichtigung der 1992 stattgefundenen Volksabstimmung zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).
Versuch der Einteilung in die Euroskeptizismus-Kategorien nach Catharina Sørensen (2008).
Inhaltsverzeichnis
1. Integrationsfall: Schweiz
Forschungsleitende Fragestellungen
Arbeitshypothese
Vorgehensweise
2. Das politische System der Schweiz
Die direkte Demokratie
Begriffsbestimmung: Referendum
3. Referendum zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) 1992
Integrationsberichte des Bundesrates (1988/1990/1992)
Das Abstimmungsergebnis
4. Theoretische Einbettung des schweizer Euroskeptizismus
Public vs. Party based Euroskeptizismus
Euroskeptizismus-Kategorien lt. Catharina Sørensen
Schweiz: Wirtschaftlicher, souveränitätsbezogener, demokratischer oder sozialer Euroskeptizismus?
Ergebnis: Einteilung des schweizer Euroskeptizismus
Kritik an den Euroskeptizismus-Kategorien lt. Catharina Sørensen
5. Einfluss der direkten Demokratie auf die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit
6. Der typische schweizer Euroskeptiker
Zielsetzung und Themen
Diese Seminararbeit analysiert die Ursachen und die Ausprägung des Euroskeptizismus in der Schweiz, wobei das Hauptaugenmerk auf dem gescheiterten Referendum zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) von 1992 liegt. Es wird untersucht, inwiefern das System der direkten Demokratie sowie spezifische Ängste bezüglich Souveränitätsverlusten die ablehnende Haltung der Schweizer Bevölkerung gegenüber dem europäischen Integrationsprozess erklären können.
- Analyse des schweizerischen politischen Systems der direkten Demokratie als zentraler Faktor.
- Untersuchung der Argumente von EWR-Gegnern im Jahr 1992.
- Anwendung der Euroskeptizismus-Typologie nach Catharina Sørensen auf den Schweizer Kontext.
- Klassifizierung des schweizerischen Euroskeptizismus in "Hard"-Kategorien.
- Charakterisierung des typischen schweizerischen Euroskeptikers.
Auszug aus dem Buch
1. INTEGRATIONSFALL: SCHWEIZ
INTEGRATION ODER ISOLATION. Im Herzen Europas gelegen, hat sich die Schweiz mit ihren 41.285 km² Fläche (Weltrang: 132) und ihren 7,6 Mio. Einwohnern (Weltrang: 93) bis zum heutigen Tag vehement gegen den Prozess der europäischen Integration im Rahmen der Europäischen Union ausgesprochen. Dieser selbst gewählte Weg der zunehmenden Isolierung der Schweiz in Europa, steht in absoluter Gegenläufigkeit zur europäischen Entwicklung. Während die restlichen Europäer aufgrund des Hauptfaktors der Erschütterung durch die beiden Weltkriege zur Abwendung vom extremen Nationalismus und zur Einsicht in die Notwendigkeit der europäischen Einigung kamen, gab es dieses Phänomen bei der schweizer Bevölkerung nicht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern Europas hat die Schweiz in der jüngeren Vergangenheit keine traumatischen Ereignisse erlebt und ihr sind keine Diktatur und keine fremde Besetzung widerfahren. Die Rivalität der großen europäischen Mächte führte im Kleinstaat stattdessen zu einer besonderen Identität, die den Sonderfall Schweiz entscheidend kennzeichnet.
Auf die Bedrohung durch die umliegenden Nationalstaaten reagierten die Eidgenossen mit emotionalen Abwehrreaktionen, die vielfach aus einer mit Überheblichkeit gemischten Distanzierung von den Nachbarländern bestand.
In Anbetracht einer stark heterogenen Gesellschaft, einer hohen internen Diversität und dem Fehlen eines gemeinsamen Kulturgutes wurde die schweizerische Einheit somit durch den externen Druck und den Abwehrkampf gegen externe Aggressoren aufrechterhalten. Die Schweiz war antimonarchisch, antihegemonial, antiimperialistisch, antizentralistisch, antisprachnationalistisch, antifaschistisch, antitotalitär. Sie war die „Ausnahme“ von der europäischen Norm, sie war „der Ort des Gegenläufigen“, die „Antithese“, der „Kontrapunkt“. Sie war jener Fleck in der Staatenwelt, wo die größtmögliche Quote der Menschen, Bürger im vollen Sinne sind. Die Schweiz hatte das Image der Musterrepublik, des föderalistischen, direktdemokratischen, friedlichen, neutralen und wehrhaften Kleinstaates inne.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Integrationsfall: Schweiz: Einleitende Darstellung des schweizerischen Sonderwegs und der historischen Wurzeln der Distanz zur europäischen Integration.
2. Das politische System der Schweiz: Analyse der direkten Demokratie als "Heilige Kuh" des schweizerischen Staatswesens und Definition des Referendums.
3. Referendum zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) 1992: Untersuchung der Integrationsberichte des Bundesrates und der Hintergründe des Abstimmungs-Neins von 1992.
4. Theoretische Einbettung des schweizer Euroskeptizismus: Anwendung der Euroskeptizismus-Theorien von Taggart und Sørensen auf die Haltung der Schweizer Bevölkerung.
5. Einfluss der direkten Demokratie auf die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit: Kritische Beleuchtung der Rolle von Medien und Interessensgruppen bei der politischen Willensbildung.
6. Der typische schweizer Euroskeptiker: Soziologische und politisch-ideologische Charakterisierung der Gegner eines EWR-Beitritts.
Schlüsselwörter
Schweiz, Euroskeptizismus, EWR, direkte Demokratie, Europäische Integration, Souveränität, Referendum, Abstimmung 1992, Public-based Euroskeptizismus, Hard Euroskeptizismus, Demokratiedefizit, nationale Identität, AUNS, politische Kultur, Interessenverbände
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gründe für die ablehnende Haltung der Schweiz gegenüber der europäischen Integration, mit speziellem Fokus auf das Referendum zum EWR von 1992.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die direkte Demokratie, die Rolle der nationalen Souveränität, das politische System der Schweiz und die theoretische Einordnung des Euroskeptizismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifische Form des schweizerischen Euroskeptizismus zu klassifizieren und zu erklären, warum Integrationsbemühungen in der Schweiz historisch auf Widerstand stoßen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Autorin führt eine Analyse der politischen Diskussionen rund um das EWR-Referendum 1992 durch und wendet die Typologie des Euroskeptizismus nach Catharina Sørensen auf den Schweizer Kontext an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kritikpunkte der Integrationsgegner, insbesondere hinsichtlich Demokratie und Souveränität, sowie den Einfluss der direkten Demokratie auf die öffentliche Meinungsbildung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind "Public-based Euroskeptizismus", "Hard Euroskeptizismus" und das "Demokratiedefizit" der EU aus schweizerischer Sicht.
Warum spielt die direkte Demokratie eine so große Rolle für den Euroskeptizismus in der Schweiz?
Sie gilt als Essenz des Staates; die Befürchtung, dass durch einen EU-Beitritt Volksrechte und Souveränität verloren gehen könnten, ist ein zentraler Treiber der Ablehnung.
Wie lässt sich der typische Schweizer Euroskeptiker von 1992 beschreiben?
Laut Arbeit handelte es sich oft um eine Person ländlicher Herkunft, mit mittelmäßigem Bildungsstand und Sympathien für die Schweizerische Volkspartei.
- Arbeit zitieren
- Daniela Holzinger (Autor:in), 2010, Euroskeptizismus in der Schweiz, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192487