Im Ausgang der schriftlichen Arbeit wird […] das Verhältnis der kognitiven und kreativen Leistungen in der Erarbeitung erkenntnistheoretischer Grundfragen beleuchtet. Dabei erfolgt der […]Verweis auf die mögliche anthropologische Grundbestimmung des Menschen in der Figur kreativen Handelns und der sich daraus ergebene systematische Bezug zur philosophischen Bildung. Die entsprechend abgeleiteten methodischen Konsequenzen werden […] in der Fragestellung verdichtet.
In der sinnfälligen Parallelisierung der Verhältnisse von Kreativität / Wahrheit und Kunst / Philosophie wird ein Überblick über die sich inhaltlich kreuzenden didaktischen Fluchtlinien geschaffen und, entgegen der fachüblichen didaktischen Abgrenzung jener Denkweisen, eine Symbiose vorgeschlagen. […]
In der Sachanalyse wird ausgehend vom kantischen Erkenntnismodell gezeigt, dass Erkenntnisprozesse auf Aporien auflaufen, die die logische Begründbarkeit subversieren und somit immanent auf ästhetische Komponenten verweisen. Dabei wird das philosophisch ungelöste Problem der Selbstbezüglichkeit […] berücksichtigt und […] als Ausgangspunkt für die Materialanalyse angenommen. […]
Im thematischen Fokus zur Unterrichtsdurchführung zeigt sich, dass die fachliche Grundlage der […] Hausarbeit ein sehr weites Feld umfasst und zu entsprechenden Unterrichtsverläufen führt – von der Gottesfrage zur Frage nach der formalen Begründbarkeit von Wahrheit.
[Auszug aus dem Bewertungsgutachten.]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Themaanalyse
2.2 Sachanalyse
2.3 Materialanalyse
3. Durchführung des Unterrichtsvorhabens
3.1 Zur Lerngruppe
3.2 Zu den Lernvoraussetzungen
3.3 Didaktische Überlegungen
3.4 Methodische Überlegungen
3.5 Thematischer Fokus zur Unterrichtsdurchführung
4. Reflexion und Auswertung
4.1 Zu den Zielen und Kompetenzen der Stunde
4.2 Zur Lerngruppe
4.3 Zum Lehrerverhalten
4.4 Zum verwendeten Material und den Aufgabenstellungen
4.5 Zum methodischen Vorgehen und zur Planung
5. Fazit
6. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die Grenzen des Einsatzes kreativ-intuitiver Methoden im Fach Werte und Normen, um Schülern der gymnasialen Oberstufe komplexe erkenntnistheoretische Fragestellungen, insbesondere das Münchhausen-Trilemma, näherzubringen und dabei eine Brücke zwischen rational-analytischem Denken und kreativen Lösungsstrategien zu schlagen.
- Verbindung von Kreativität mit dem Wahrheitsanspruch des Wissensbegriffs
- Einsatz von Kreativitätstechniken in erkenntnistheoretischen Kontexten
- Analyse der Grenzen der Begründbarkeit von Wahrheit und Wissen
- Didaktische Umsetzung komplexer philosophischer Inhalte durch das Bonbonmodell
- Reflexion über methodische Herausforderungen im philosophischen Unterricht
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die in der vorliegenden Arbeit thematisierte Doppelstunde führte ich im Fach Werte und Normen in einer Sekundarstufe II – zwölfte Kursstufe durch. Diesen Kurs unterrichte ich seit Februar 2011 eigenverantwortlich. Die zu betrachtende Doppelstunde fand am 13.Oktober 2011 in der achten und neunten Stunde [von 13:45 Uhr bis 15:20 Uhr] statt. Thema des Schulhalbjahres 2011/2012: Erkenntnistheorie. Der Werte und Normen Unterricht in der zweiten Phase der gymnasialen Oberstufe ist vom Zugang zu philosophischen Fragen – hier der Kantischen Frage der Erkenntnistheorie mit >Was kann ich wissen?< – gekennzeichnet.
Dieses Teilgebiet der theoretischen Philosophie stellt den vordergründig rationalen Wissensbegriff sowie den Prozess des Erkennens – also die Frage nach der Wahrheit und Rechtfertigbarkeit von Wissen – in den Mittelpunkt der Betrachtung. Kant selbst fokussierte die Erkenntnisfrage dabei auf die Beweggründe der Erkenntnis: >Was sind die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis?<. Die Schüler dieses Kurses haben in den vorangegangenen Stunden epistemische Fachtexte schrittweise analysiert, strukturiert und hinsichtlich zuvor aufgeworfener Teilfragen [z.B. Warum zweifeln wir?] synthetisiert. Dabei wurde von den Schülern angemerkt, dass viele Texte doch sehr theoretisch seien und kaum Platz für Kreativität bieten. Daraus entstand die Idee, den Kreativitätsbegriff mit dem Wahrheitsanspruch des Wissensbegriffs zu verbinden. Kreativität ist nicht nur den Schülern dieses Kurses im Rahmen schulischer Bildung ein Bedürfnis, sondern ein Charakteristikum des Menschen – ein grundlegender Wesenszug des Homo sapiens.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, Kreativität mit erkenntnistheoretischen Wissensansprüchen im Philosophieunterricht zu verknüpfen, motiviert durch den Wunsch der Schüler nach kreativeren Zugängen.
2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel analysiert den Kreativitätsbegriff, die philosophische Sachlage zur Erkenntnistheorie sowie die Auswahl des didaktischen Materials für den Unterricht.
3. Durchführung des Unterrichtsvorhabens: Hier werden die Lerngruppe, die Voraussetzungen, didaktische sowie methodische Überlegungen und der thematische Fokus der konkreten Unterrichtsstunde dargelegt.
4. Reflexion und Auswertung: Der Autor reflektiert kritisch über das Erreichen der Lernziele, das Verhalten der Lerngruppe, sein eigenes Lehrerhandeln, das eingesetzte Material sowie das methodische Vorgehen.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Erfahrungen mit kreativ-intuitiven Methoden und zieht Schlüsse über deren Möglichkeiten und Grenzen im schulischen Kontext.
6. Anhang: Der Anhang bietet die Übersicht aller Materialien, Quellen, didaktischen Modelle und authentischen Schülerergebnisse.
Schlüsselwörter
Erkenntnistheorie, Kreativität, Werte und Normen, Münchhausen-Trilemma, Philosophieunterricht, Didaktisches Bonbonmodell, Wahrheit, Wissen, Rechtfertigung, Methodik, Skeptizismus, Schüleraktivierung, Kreativtechniken, Selbstgesteuertes Lernen, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Integration kreativ-intuitiver Methoden im Fach Werte und Normen, um Schülern den Zugang zu anspruchsvollen erkenntnistheoretischen Inhalten zu erleichtern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder umfassen die erkenntnistheoretische Begründbarkeit von Wissen, die Anwendung von Kreativitätstechniken in der Schule sowie die didaktische Reflexion von Unterrichtsprozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Grenzen kreativer Zugänge beim Erschließen von erkenntnistheoretischen Texten, exemplarisch am Münchhausen-Trilemma, zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine Kombination aus fachdidaktischer Analyse, der Anwendung eines didaktischen Modells (Bonbonmodell) und einer kritischen Reflexion der Unterrichtsdurchführung sowie der Schülerergebnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der theoretischen Rahmung (Themen- und Sachanalyse) über die detaillierte Planung und Durchführung der Unterrichtsstunde bis hin zur Reflexion und Auswertung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Erkenntnistheorie, Kreativität, Münchhausen-Trilemma, Didaktisches Bonbonmodell, Philosophieunterricht und kritische Reflexion.
Welche spezifische Rolle spielt das Münchhausen-Trilemma?
Das Münchhausen-Trilemma dient als zentrales erkenntnistheoretisches Beispiel, an dem die Schüler die Grenzen der Begründbarkeit von Wissen (Regress, Zirkel, Abbruch) durch kreative Methoden praktisch erarbeiten.
Warum wurde das Bonbonmodell als didaktische Grundlage gewählt?
Das Bonbonmodell dient der Strukturierung des Lernprozesses und ermöglicht eine entwicklungspsychologische Verknüpfung von deduktiv-formalem und induktiv-kritischem Denken der Schüler.
Welche Herausforderungen traten bei der Durchführung auf?
Zu den Herausforderungen zählten der hohe Zeitaufwand für die Reflexion, die teilweise Überforderung der Schüler durch unbekannte Kreativtechniken und der Wunsch des Autors, den eigenen Redeanteil gering zu halten.
- Quote paper
- Patrick Große (Author), 2012, Kreativität und Wahrheit - Möglichkeiten und Grenzen kreativer Zugänge beim Erschließen von erkenntnistheoretischen Texten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192429