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"La idea de convivencia no es tolerar, sino compartir"

Diskursanalytische Studie zum Selbstbild der Mapuche und ihrem Bild von der chilenischen Gesellschaft

Titel: "La idea de convivencia no es tolerar, sino compartir"

Magisterarbeit , 2008 , 127 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Markus Scholz (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit wird unter Anwendung der diskursanalytischen Methode Siegfried Jägers eine Analyse der Auto- und der Heterostereotypen der chilenischen Mapuche-Indianer vorgenommen. Zu diesem Zweck wurden Primärtexte aus den Jahren 1986/87, 1992/93, 1999 und 2007 analysiert. Die Textsammlung ist heterogen, enthält jedoch schwerpunktmäßig Texte aus Publikationen politisch aktiver Mapuche. Die Untersuchung der Texte zu den genannten Zeitpunkten hat die Erfassung der thematischen Breite und von Schwerpunkten innerhalb des Diskurses zum Ziel. Aufmerksamkeit gilt bei der Untersuchung auch der Frage nach der Präsenz rezenter „ethnonationaler“ Identität gegenüber der zuvor schon bestehenden ethnischen Identität in der heterogen beschaffenen Gesellschaft der Mapuche in der Gegenwart.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Die Mapuche in Chile

3.1 Die Mapuche in historischer Zeit

3.2 Die Vergabe von Land an die Mapuche

3.3 Die Mapuche unter Allende und Pinochet

3.4 Der Übergang zu demokratischen Verhältnissen in Chile

3.5 Das geltende Ley Indígena

3.6 Die Mapuche zur Regierungszeit der Concertación

3.7 Die Umfrage des CEP von 2006

4 Theorie und Methode

4.1 Leontjew

4.2 Jürgen Link

4.3 Jägers Terminologie

4.4 Van Dijk

4.5 Jägers Diskurstheorie als Grundlage für diese Arbeit

4.6 Diskursanalyse

4.7 Die konkrete methodische Vorgehensweise in dieser Arbeit

5 Analyse der Texte aus den Jahren 1986 und ‘87

5.1 Feinanalysen

5.1.1 Öffentliche Erklärung von christlichen Mapuche-Priestern aus Chile und Argentinien

5.1.2 Programm einer sozialistisch orientierten Mapuche-Organisation

5.1.3 Zusammenfassung

6 Analyse der Texte aus den Jahren 1992 und ‘93

6.1 Feinanalysen

6.1.1 Interview mit dem ehemaligen Leiter des Consejo de Todas las Tierras

6.1.2 Zwei Texte zur Frage „Was bedeutet die 500-Jahrfeier für Sie?“

6.1.3 Zusammenfassung

7 Analyse der Texte aus dem Jahr 1999

7.1 Feinanalysen

7.1.1 Auszüge aus dem Interview mit Adolfo Millabur, dem Bürgermeister der Stadt Tirúa

7.1.2 Bericht über gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Mapuche-Gemeinschaften und einer Fortwirtschaftsfirma

7.1.3 Auszüge aus einem Interview mit den Leitern der Coordinadora Arauco-Malleco

7.1.4 Zusammenfassung

8 Analyse der Texte aus dem Jahr 2007

8.1 Feinanalysen

8.1.1 Liedtext über den Konflikt zwischen Mapuche, Staat und Unternehmern

8.1.2 Brief eines Mapuche aus dem Gefängnis

8.1.3 Auszug aus dem Kommentar zu einer Rede der Präsidentin

8.1.4 Foto eines Graffiti am Rande der Universidad de la Frontera in Temuco

8.1.5 Foto eines Graffiti in Cañete

8.1.6 Foto eines Transparentes auf einer Mapuche-Protestveranstaltung in Santiago

8.1.7 Interview mit Juan Viluñir Garrido

8.1.8 Interview mit Isabel Huaiquillán

8.1.9 Interview mit Irene Hueche

8.1.10 Zusammenfassung

9 Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Selbstbild der Mapuche sowie deren Wahrnehmung der chilenischen Gesellschaft seit den 1980er Jahren bis zur Gegenwart. Im Zentrum steht die diskursanalytische Erörterung dieser Auto- und Heterostereotypen, wobei der Fokus darauf liegt, wie die Mapuche der chilenischen Gesellschaft gegenübertreten und welche Rolle gesellschaftliche Veränderungen, wie die Rückkehr zur Demokratie oder staatliche Indianerpolitik, für ihre Identitätsbildung und politische Positionierung spielen.

  • Entwicklung von Auto- und Heterostereotypen der Mapuche seit den 80er Jahren
  • Diskursanalyse als wissenschaftliche Methode zur Erörterung gesellschaftlicher Minderheiten
  • Einfluss staatlicher Institutionen und Gesetze (z.B. Ley Indígena) auf die Mapuche-Organisationen
  • Konfliktfelder zwischen Mapuche-Gemeinschaften und Forstwirtschafts- oder Energieunternehmen
  • Die Rolle von Sprache, Landbesitz und ethnonationalen Bewegungen in der Identitätskonstitution

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Mapuche in historischer Zeit

Vor der Ankunft der Spanier in Mittelchile war es den Inka gelungen, ihr Reich bis in die Gegend des heutigen Santiago de Chile auszudehnen. Ob sie noch weiter nach Süden vordrangen, ist umstritten. Die Eroberung Mittelchiles durch die Spanier begann im Jahr 1541 unter der Führung Pedro de Valdivias. Die Konquistadoren konnten zwar Siedlungen gründen, doch gelang es ihnen nicht, die Mapuche vollends zu unterwerfen (Schindler 1990: 18). Schindler erwähnt vier Umstände für den erfolgreichen Widerstand gegen die Spanier:

1. Sie lebten nicht in einem zentralistisch verwalteten Reich, wie zum Beispiel die Azteken oder die Inka, sondern in zahlreichen politisch voneinander unabhängigen Einheiten.

2. das waldige und hügelige Wohngebiet der Mapuche, das sich für einen Guerilla-Krieg ausgezeichnet eignet.

3. die Übernahme des Pferdes sowie

4. das Geschick der Araukaner, gegen die Eroberer neue Kampftaktiken und neue Waffen zu entwickeln. (Schindler 1990: 18)

Um 1600 schloss sich eine Vielzahl von Mapuche-Gruppen gegen die Spanier zusammen und zerstörte mehrere spanische Siedlungen, vor allem südlich des Bío Bío-Flusses, der sich in den folgenden Jahren als Grenze etablierte (ebd.: 19f). Die Spanier führten regelmäßig Strafexpeditionen ins Gebiet südlich des Bío Bío aus, wobei sie von nördlich des Flusses ansässigen Mapuche als Hilfstruppen unterstützt wurden. Gefangen genommene Indianer wurden versklavt und erst gegen Ende des 17. Jh. fing mit dem Verbot des Sklavenhandels eine längere Phase relativen Friedens an der Grenze an. Auch wenn die Mapuche untereinander ständig Fehden ausfochten, so waren sie an der Grenze im 18. Jh. doch um Frieden bemüht, denn sie fürchteten einerseits die Verheerungen der spanischen Truppen und schätzten andererseits die sich bietenden Handelsmöglichkeiten (ebd.: 21).

Zusammenfassung der Kapitel

Die Mapuche in Chile: Dieses Kapitel bietet eine historische und gegenwärtige Einordnung der Situation der Mapuche, inklusive ihrer Untergruppen und der Auswirkungen staatlicher Politik.

Theorie und Methode: Hier wird der theoretische Rahmen durch die Diskurstheorie von Siegfried Jäger sowie methodische Instrumente von Teun van Dijk begründet.

Analyse der Texte aus den Jahren 1986 und ‘87: Dieser Teil analysiert die frühen, oft christlich oder sozialistisch geprägten Diskurse von Mapuche-Organisationen zur Zeit der Diktatur.

Analyse der Texte aus den Jahren 1992 und ‘93: Die Analyse konzentriert sich auf die Reaktionen der Mapuche auf die 500-Jahrfeier der Entdeckung Amerikas und die politische Indianerpolitik nach der Demokratisierung.

Analyse der Texte aus dem Jahr 1999: Im Zentrum stehen hier die wachsenden Konflikte mit Forstwirtschaftsfirmen und die radikalere Positionierung von Organisationen wie der Coordinadora Arauco-Malleco.

Analyse der Texte aus dem Jahr 2007: Dieses Kapitel untersucht aktuelle Dokumente, Graffiti und Interviews, die ein breites Spektrum von Widerstandsformen und Identitätsdiskursen aufzeigen.

Schlüsselwörter

Mapuche, Diskursanalyse, Chile, indigene Völker, Landkonflikte, Autonomie, ethnonationale Bewegung, Identität, Widerstand, Ley Indígena, Forstwirtschaft, soziale Ausgrenzung, Kolonialgeschichte, politische Partizipation, soziale Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit befasst sich mit dem Selbstbild der Mapuche-Indigenen in Chile und ihrem Bild von der chilenischen Gesellschaft, reflektiert über einen Zeitraum vom Ende der 1980er Jahre bis 2007.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung ethnischer Identität, der Landfrage, dem politischen Widerstand gegen Großkonzerne und der Auseinandersetzung mit staatlichen Institutionen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Entwicklung der Bilder der Mapuche (Auto- und Heterostereotypen) sowie deren Positionierung innerhalb des chilenischen Staates diskursanalytisch zu untersuchen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Der Autor nutzt die Diskurstheorie nach Siegfried Jäger in Kombination mit den semantischen Makrostruktur-Analysen von Teun van Dijk.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier chronologische Analysekapitel, die Texte aus den Jahren 1986/87, 1992/93, 1999 und 2007 mittels diskursanalytischer Feinanalysen untersuchen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Mapuche, Diskursanalyse, Indigene Völker, Landrechte, Widerstand sowie Identitätsbildung und politischer Status.

Wie bewerten die Mapuche die Rolle des chilenischen Staates im Laufe der Jahrzehnte?

Die Bewertung wandelt sich von einer Bitte um Anerkennung und soziale Hilfe hin zu einer zunehmenden Kritik an der Legitimität der Demokratie, die als Unterdrückungssystem wahrgenommen wird.

Welche Rolle spielt das Land für die Identität der Mapuche laut der Studie?

Land wird nicht nur als wirtschaftliche Ressource betrachtet, sondern als unverzichtbares Fundament der Kultur, Identität und spirituellen Existenz des Volkes.

Ende der Leseprobe aus 127 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"La idea de convivencia no es tolerar, sino compartir"
Untertitel
Diskursanalytische Studie zum Selbstbild der Mapuche und ihrem Bild von der chilenischen Gesellschaft
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Historische Ethnologie)
Note
1,0
Autor
Markus Scholz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
127
Katalognummer
V192305
ISBN (Buch)
9783656172154
ISBN (eBook)
9783656172307
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mapuche Diskursanalyse Chile Ethnologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Markus Scholz (Autor:in), 2008, "La idea de convivencia no es tolerar, sino compartir", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192305
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