Es wird nicht wenig über die Situation und Stellung der Frau in islamischen Ländern gerätselt, so daß trotz einer Fülle von Literatur immer wieder diesbezüglich offene Fragen aufkommen.
Lassen sich die Frauen in solchen Ländern vom gesellschaftlichen Leben ausschließen, wie es durch die Verschleierung unterstellt wird?
Ist ihre Benachteiligung bereits im Koran vorherbestimmt?
Gibt es eine Kluft zwischen Vorschriften und deren Praxis, welche ihr Dasein beeinflußt?
Inwieweit spielen Traditionen in ihrem Leben eine Rolle?
Welche Rechte und Verantwortungen kommen ihnen als Ehepartnerin, Mutter, oder Tochter zu?
Wie sieht ihre Teilnahme am öffentlichen Leben aus?
Welche Erziehungs- und Ausbildungsmöglichkeiten und Grenzen sind in ihrem Fall zu benennen?
Inwieweit sind sie wirtschaftlich und politisch von Männern abhängig?
Es wurde oft versucht für solche Fragen Antworten zu finden, doch zeigen gegensätzliche Meinungen über das Frauenleben in islamischen Gesellschaften, daß vieles, wie das Frauenhaupt, sich noch hinter einem Schleier befindet.
Hierbei gilt es besonders zu berücksichtigen, daß der Islam den Anspruch erhebt, sowohl Religion (Jenseitsvorstellung) als auch ein rechtliches und politisches System (säkulare Ordnung) zu sein . Daraus folgt, daß das Leben der Frau umso mehr festgelegt ist, je mehr alle gesellschaftlichen Bereiche durch dieses System geregelt werden.
Gesellschaftliche Konflikte entstehen dadurch, daß der Islam weltliche Angelegenheiten durch göttlich eingegebene Weisungen regeln will, welche den Anspruch erheben, allgemeingültig und zeitlos zu sein, aber dennoch in verschiedenen Zeitspannen mit unterschiedlichen Akzenten ausgelegt werden und ausgelegt worden sind.
Somit wird in dieser Arbeit versucht, die Stellung der Frau im Koran zu durchleuchten, da dieser die Hauptquelle des Gesetzes und der Ideologie in allen islamischen Gesellschaften darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines zur Quellenlage
2.1 Der Koran
2.2 Deutsche Koranausgaben
2.3 Die Hadithe
2.4 Die Dichtung
3. Abriß der historischen Situation in Arabien
3.1 Vorislamische Zeit
3.1.1 In Südarabien
3.1.2 Nordarabien
3.1.3 Innerarabien
3.2 Urislamische Zeit (bis 660)
4. Entwicklung der Stellung der Frau
4.1 Im Vorislam
4.1.1 Allgemeine Einführung
4.1.2 Intime Beziehungen zwischen Mann und Frau
4.1.2.1 Außereheliche Beziehungen
4.1.2.2 Eheverträge
4.1.2.3 Scheidung
4.1.3 Verschleierung
4.1.4 Gesellschaftliche Tätigkeiten der Frau
4.1.5 Gesellschaftliche Bevorzugungen des weiblichen Geschlechts
4.1.6 Gesellschaftliche Benachteiligungen des weiblichen Geschlechts
4.2 Die Frau in der islamischen Religion
4.2.1 Erschaffung der Frau
4.2.2 Der Sündenfall
4.2.3 Historische Hinweise auf Frauengestalten
4.2.4 Islamische Gebote
4.2.5 Verheißung und Höllendrohung
4.2.6 Paradiesvorstellungen
4.2.7 Die Sonderstellung des Propheten und seiner Frauen
4.3 Die Frau in der islamischen Rechtsordnung
4.3.1 Der Treueeid
4.3.2 Zeugenschaft
4.3.3 Wiedervergeltung
4.3.4 Schutz der Frau
4.3.5 Verschleierung
4.3.6 Die Überlegenheit des Mannes
4.3.7 Die Eheschließung
4.3.7.1 Heirat
4.3.7.2 Heiratsverbote
4.3.7.3 Besondere Eheformen
4.3.7.4 Geschlechtsverkehr
4.3.8 Scheidung
4.3.9 Witwen
4.3.10 Erbrecht
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Stellung der Frau im Koran, da dieser als zentrale Quelle für Gesetzgebung und Ideologie in islamischen Gesellschaften fungiert. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen religiösen Vorschriften und deren gesellschaftlicher Umsetzung zu beleuchten sowie die rechtliche und soziale Position der Frau im Wandel vom vorislamischen Arabien zur islamischen Ära zu analysieren.
- Historische und gesellschaftliche Analyse der vorislamischen Zeit
- Stellung der Frau im Koran (Religion und Rechtsordnung)
- Die Rolle der Frau in Eheschließung, Scheidung und Erbrecht
- Sonderstellung des Propheten und seiner Frauen
- Einfluss von Tradition und Auslegung auf die Frauenrechte
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Innerarabien
Hier befinden wir uns im eigentlichen Geburtsort des Islam. Dieses Gebiet besteht hauptsächlich aus einer Wüstenlandschaft, in der es manchmal bis zu zehn Jahre nicht regnet und nur im Westen einen schmalen Streifen hat, wo seßhafte Lebensweise mit Ackerbau möglich ist. In der Wüste gab es einige Oasensiedlungen wie Mekka, Medina und Ta if, die sich zu wichtigen Handels- und Kulturzentren entwickelten. Hier lebten neben Nomaden, die in Stämmen organisierten Familien, die sich von den Geldern der Teilnehmer an Pilgerfahrten zu den Kultstätten der arabischen Gottheiten (z.B. in Mekka die Kaaba) und von Handelsmessen- und -märkten ernährten.
Die Beduinen selbst lebten: 1. von der Kamel- und Pferdezucht, wobei das Kamel als Nahrungsquelle, Transportmittel und als Verkaufsgegenstund an Händler bestimmt war; 2. von der Jagd; 3. von den Geldern, die sie sich für den Durchgang von Karawanen durch das von ihnen kontrollierte Gebiet bezahlen ließen; 4. nicht zuletzt von den immer wiederkehrenden Raubzügen gegen die seßhaften Bewohner aus wirtschaftlichen Gründen (bei lang anhaltender Trockenheit) und außerdem von den Jhazwes (dt. Razzien) zwischen einzelnen Stämmen, bei denen es nur um die Erlangung materieller Güter ging, möglichst ohne dabei Menschen zu töten.
Die Beduinen waren in Stämmen organisiert, die entweder auf Blutsverwandtschaft oder auf Eidgenossenschaft beruhten, die gleich starke Bindungen schuf. Über den Stämmen gab es keine Zentralinstanz. Es kam aber vor, daß sich Stämme für eine absehbare Zeit zu einem bestimmten Zweck zusammenschlossen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der tatsächlichen Stellung der Frau in islamischen Gesellschaften und dem Einfluss koranischer Vorschriften versus gelebter Tradition.
2. Allgemeines zur Quellenlage: Dieses Kapitel erörtert die Herausforderungen bei der Quellenarbeit für die vor- und frühislamische Zeit, insbesondere bezüglich der Interpretation des Korans, der Hadithe und der zeitgenössischen Dichtung.
3. Abriß der historischen Situation in Arabien: Dieses Kapitel beleuchtet die sozioökonomischen und klimatischen Bedingungen in den verschiedenen Regionen Arabiens (Süden, Norden, Innerarabien) vor und zu Beginn des Islams.
4. Entwicklung der Stellung der Frau: Dieses umfangreiche Hauptkapitel analysiert detailliert die Rolle der Frau im vorislamischen Kontext, in der islamischen Theologie sowie in der daraus resultierenden islamischen Rechtsordnung.
5. Zusammenfassung: Dieses Fazit resümiert, dass der Koran zwar den unsicheren Rechtszustand der Frau beseitigte, jedoch gleichzeitig die Grundlage für eine rechtliche Unterordnung schuf, die durch spätere theologische Auslegungen weiter verstärkt wurde.
Schlüsselwörter
Koran, Frau, Islam, Vorislam, Rechtsordnung, Ehe, Scheidung, Erbrecht, Verschleierung, Stammesgesellschaft, Mohammed, Hadithe, Geschlechterrollen, Rechtsschulen, Frauenbefreiung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche und rechtliche Stellung der Frau im Kontext der islamischen Welt, basierend auf einer Analyse des Korans und historischer Gegebenheiten.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Quellenkritik, die historische Situation in Arabien, die rechtlichen Bestimmungen im Koran (Ehe, Scheidung, Erbrecht) sowie die Entwicklung der Frauenrollen vom Vorislam zum Islam.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die Durchleuchtung des Korans als Hauptquelle die rechtliche und soziale Position der Frau zu verstehen und zu klären, inwieweit Benachteiligungen religiös begründet oder gesellschaftlich konstruiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analysierenden Literaturstudie, die sich primär auf den Koran sowie auf wissenschaftliche Analysen und Deutungen früherer und gegenwärtiger Autoren stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Rolle der Frau in drei Bereichen: dem vorislamischen Arabien, der islamischen Religion und der islamischen Rechtsordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Koran, Ehe, Scheidung, Erbrecht, Stammesgesellschaft, Verschleierung und die rechtliche Unterordnung der Frau.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Frau im Vorislam?
Der Autor beschreibt eine Stammesgesellschaft, in der Frauen zwar als Familienmitglieder wichtige Aufgaben hatten, jedoch rechtlich weitgehend schutzlos waren, wobei in manchen Aspekten sogar matriarchalische Spuren erkennbar sind.
Was ist die Schlussfolgerung des Autors zur heutigen Bedeutung des Themas?
Der Autor schließt, dass die sakrale Auslegung der koranischen Rechtsprechung zu einer Statik führt, die für gesellschaftliche Angleichungen kaum Raum lässt und so einerseits zu Repressionen, andererseits zur Entstehung von Frauenbefreiungsbewegungen beiträgt.
- Quote paper
- Eskandar Abadi (Author), 1983, Zur Stellung der Frau im Ur-Islam, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192302