Der Maler Werner Peiner gehörte in der Zeit des Nationalsozialismus zu den gefragtesten Staatsmalern. Als Direktor der Hermann-Göring-Malerschule schuf er mit seinen Studierenden unter anderem die Vorlagen für die Bildteppiche der Neuen Reichskanzlei in Berlin. Adolf Hitler setzte ihn 1944 auf die Liste der gottbegnadeten Künstler.
Seine Verstrickung in den Nationalsozialismus hat der Maler sein Leben lang geleugnet. Anhand des umfangreichen schriftlichen Nachlasses konnte die Wahrheit über Werner Peiner als Exponent des Nationalsozialismus erstmals historisch belegt werden.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Kurzbiografie
Teil 1
Die Jahre 1919 bis 1933
Die Düsseldorfer Kunstakademie
Die „Dreimannwerkstätte“
Resy Lauffs
Dr. Walter Kruspig und Prof. Emil Fahrenkamp
Drei Freunde in Kronenburg
Teil 2
Die Jahre 1933 bis 1938
„Deutsche Erde“
Berufung an die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf
Die Landakademie Kronenburg der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf
Görings Besuch in Kronenburg 1937
Die Hermann Göring-Meisterschule für Malerei
Das Geistige Gesetz der Hermann Göring-Meisterschule für Malerei
Werner Peiner – Lehrer und Freund
Ausstellung in der Preußischen Akademie der Künste 1938
Eröffnung der Hermann Göring-Meisterschule für Malerei am 8. Juni 1938
Die Jahre 1939 bis 1944
Vorkriegsjahre 1938 bis 1939
Die Besuche Heinrich Himmlers und Joseph Goebbels
Pläne zur Verlegung der Meisterschule
Kriegsjahre 1939 bis 1944
Der Fall Köller
Preußischer Staatsrat
Die Jahre 1944 bis 1948
Übersiedlung nach Gimborn
Internierung
Entnazifizierung
Teil 3
Rezeption durch Presse und Wissenschaft
Zeitgenössische Beurteilung in der Presse 1921 bis 1944
Zeitgenössische kunsthistorische Bewertung 1930 bis 1943
Teil 4
Die Jahre 1948 bis 1984
Kampf gegen den modernen Zeitgeist
Gesellschaftskritische Bildthemen der Nachkriegszeit
Christlicher Freundeskreis und Kunstförderung durch deutsche Unternehmer
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken des Malers Werner Peiner im Kontext der nationalsozialistischen Kunstpolitik. Sie analysiert insbesondere seine Rolle als Leiter der Hermann Göring-Meisterschule für Malerei, seine Verstrickungen in das NS-Regime sowie seine künstlerische Entwicklung vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg, um der Frage nachzugehen, ob er als ideologischer Exponent oder opportunistischer Mitläufer zu bewerten ist.
- Biografische Aufarbeitung von Werner Peiner zwischen 1919 und 1984
- Analyse der nationalsozialistischen Kunstpolitik und deren Instrumentalisierung
- Fallstudie zur Gründung und Arbeitsweise der Hermann Göring-Meisterschule
- Untersuchung der künstlerischen Rezeption und der Entnazifizierung des Künstlers
Auszug aus dem Buch
Die Düsseldorfer Kunstakademie
Da für die Aufnahme in die Akademie Vorlagen eingereicht werden mussten, zeichnete Peiner im Januar 1919, den Kriegseindrücken folgend, drei Aquarelle Totentanz und Golgotha sowie einen Kirchenfensterentwurf mit der Darstellung einer Kreuzigung. Er meinte, dass das Eigenwillige an diesen Arbeiten die Aufnahme in die Akademie beeinflusst hätte. Wer die Arbeiten, die sich zum Teil noch in Peiners Nachlass befinden, betrachtet, stellt keine Eigenwilligkeit fest. Wohl erkennt der Betrachter, dass der junge Künstler, wie viele andere zu dieser Zeit, sich wohl in Anlehnung an den schon verblassten Jugendstil, viel mehr aber noch in der Kunst des Expressionismus ausdrückte, eine Kunstrichtung, die er wie andere „Ismen“ schon bald missachtete. In dieser Stilrichtung arbeitete Peiner bis ins Jahr 1923, sowohl bei Gemälden als auch bei Radierungen. Schon bei den frühen Arbeiten fällt seine Tendenz zum Monumentalen auf, die sich auch in kleinformatigen Werken wie den Radierungen äußert. Es kann davon ausgegangen werden, dass Peiners Liebe zur Architektur, ein Fach, das er ja studieren wollte, dazu beigetragen hatte, dass bereits im jungen Künstler die Anlage, und zwar das Bild zu gestalten, damit bewusst oder unbewusst die Malerei der Architektur unterzuordnen, vorhanden war.
Beeinflusst durch die Kriegseindrücke suchte Peiner schon zu dieser Zeit nach dem Sinn und der Wahrheit des Lebens. Ihn faszinierten die Philosophen und Religionsstifter Asiens. Er verschlang deren Theorien und machte sich diese zu eigen, sie noch 1976 beim Abfassen der Autobiografie immer wieder einstreuend. Er las aus diesen Lehren die Bescheidenheit, während er beim deutschen Doktor Faust die Begehrlichkeit erkannte, von dem Mephistopheles beim Prolog im Himmel sagt: „Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne und von der Erde jede Lust.“ Ob der Künstler diese fernöstliche Weisheit sein Leben lang beibehielt und nicht gegen Fausts Begehrlichkeit eintauschte, wird die weitere Betrachtung seines Lebenswegs zeigen.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Jahre 1919 bis 1933: Detaillierte Betrachtung von Peiners Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie, seine expressionistischen Anfänge und die Gründung der „Dreimannwerkstätte“.
Die Jahre 1933 bis 1938: Analyse der Etablierung im Nationalsozialismus, die Gründung der Meisterschule in Kronenburg und die Instrumentalisierung seiner Kunst durch das NS-Regime.
Die Jahre 1939 bis 1944: Darstellung der Kriegsauswirkungen auf die Meisterschule, Peiners Staatsaufträge und seine enge Verbindung zu NS-Größen trotz fortschreitender Kriegsniederlagen.
Die Jahre 1944 bis 1948: Dokumentation der Flucht, der Internierung durch die Alliierten und der belasteten Rückkehr ins zivile Leben.
Rezeption durch Presse und Wissenschaft: Untersuchung der zeitgenössischen Kritik sowie der kunsthistorischen Einordnung Peiners zwischen 1921 und 1944.
Die Jahre 1948 bis 1984: Auseinandersetzung mit der künstlerischen Produktion in der Nachkriegszeit und dem Versuch einer moralischen Rechtfertigung seines Handelns.
Schlüsselwörter
Werner Peiner, Nationalsozialismus, Kunst im Dritten Reich, Hermann Göring-Meisterschule, Malerei, Entnazifizierung, Kunstpolitik, monumentale Malerei, Bildteppiche, Kronenburg, Deutsche Erde, NS-Staat, Kunstgeschichte, Künstlerausbildung, Propaganda
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Leben und Werk des Künstlers Werner Peiner und seine Einbindung in das NS-Kultursystem, insbesondere durch die Gründung seiner eigenen Meisterschule.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Ausbildung Peiners, sein Aufstieg als NS-Staatskünstler, seine Rolle als Leiter der Meisterschule in Kronenburg und die spätere kritische Aufarbeitung seines Verhaltens in der Nachkriegszeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen Peiners künstlerischem Anspruch und seiner politischen Opportunität zu beleuchten, um zu klären, inwieweit er die NS-Ideologie aktiv unterstützte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgreifende Analyse historischer Quellen, darunter Peiners Autobiografie, Tagebücher der Meisterschule, zeitgenössische Pressestimmen und kunsthistorische Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die von den frühen Anfängen über die Zeit im Nationalsozialismus bis hin zur Internierung und dem späten Schaffen im Nachkriegsdeutschland reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Werner Peiner, Nationalsozialismus, Kunst im Dritten Reich, Hermann Göring-Meisterschule, Entnazifizierung und Propaganda.
Wie positionierte sich Peiner zur nationalsozialistischen Ideologie?
Obwohl er sich zeitlebens als unpolitisch darstellte, belegen zahlreiche Staatsaufträge und die Unterordnung seiner Lehre unter die NS-Weltanschauung eine enge ideologische Bindung an das Regime.
Welche Rolle spielte die Hermann Göring-Meisterschule?
Sie diente als elitäre Ausbildungsstätte, in der Peiner im Sinne einer „nordisch-germanischen“ Kunstauffassung lehrte und gleichzeitig als Werkstätte für prestigeträchtige NS-Auftragswerke fungierte.
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- Dr. Dieter Pesch (Author), Martin Pesch (Author), 2012, Werner Peiner - Verführer oder Verführter, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192293