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Dracula – Verdammt zu ewigem Lesen

Eine narratologische Untersuchung von Bram Stokers Vampir-Roman unter dem Aspekt des Verhältnisses von Schauer zu Authentizität, Unmittelbarkeit und Spannung

Titel: Dracula – Verdammt zu ewigem Lesen

Bachelorarbeit , 2012 , 39 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Peter Mußler (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Man braucht kein Literaturwissenschaftler zu sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass es sich bei Dracula um Schauerliteratur handelt. Alleine die Figur des Vampirfürsten steht, ähnlich wie die des Frankensteinschen Monsters, prototypisch für das Genre, ist jedoch – ebenfalls wie die Patchwork-Kreatur aus der Feder Mary Shelleys – aufgrund einer Hyperpopularisierung für eine breite Öffentlichkeit bereits losgelöst von ihrer eigenen Geschichte. Zeichen dafür sind nicht nur die Parodien, die es zu jedem etablierten Genre und speziell zu den populären Stoffen selbst gibt, sondern die beinahe omnipräsenten Erscheinungen außerhalb eines echten schauerlichen Kontextes: Kaum eine "Trick or Treat"-Darstellung zu Halloween kann ohne ein bleichgeschminktes Kind mit zurückgegelten Haaren, Eckzähnen und Umhang auskommen, die an Bela Lugosis Verkörperung des transsylvanischen Grafen angelehnt ist. Die Figur Dracula ist ein Sinnbild für Schauer geworden, ein Symbol des Genres Schauerliteratur und nicht nur der Subkategorie Vampirliteratur.
Der Ursprung dieser Entwicklung liegt sicher im Roman. Was nun aber macht diesen so schaurig? Wieso bekommt man es beim Lesen mit der Angst zu tun, obwohl die geschilderten Phänomene doch augenscheinlich so weit von der Wirklichkeit entfernt sind? Warum kann man, einmal damit angefangen, nicht mehr aufhören, diese Geschichte der letzten sechs Monate aus dem "Leben" des Vaters aller Vampire zu lesen?
Der Roman wurde von der Literaturwissenschaft lange Zeit ignoriert. Er schien für sie uninteressant zu sein, da es sich bei diesem Werk unstrittig um populäre Literatur handelt, die aber außerdem nur die Absicht zu haben schien, zu gruseln und somit als Populärliteratur abgestempelt und geringgeschätzt wurde. Schwerpunkt der erst in den 1980/90er-Jahren gemachten Untersuchungen zu Dracula ist zum Einen die genderkritische Analyse, zum Anderen, nicht ganz davon zu trennen, die Thematisierung von Sexualität und Begierde im Kontext des Vampirismus. Diese Themen könnten eine Ursache für die starke Attraktivität des Romans sein. Die latenten Botschaften, wie z.B. die Idee der Promiskuität oder des Masochismus, mögen auf das zeitgenössische wie auf das spätere Publikum einen Reiz ausgeübt haben und auch noch heute wirken.
Der größere Reiz liegt aber im schauerlichen Potenzial. Ausgehend von der eigenen Leseerfahrung und allgemeinen Einordnung des Werkes will ich untersuchen, wie schauerliches Erzählen in Bram Stokers Roman funktioniert, denn...

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Illusion der Echtheit: Glaubhaft Angst machen

2.1 Form: Tagebuch, Briefroman oder Montage?

2.2 Explizite Marker im Text

2.3 Glaubwürdigkeit auf Personenebene: Harker, Mina, Seward

2.4 Evidenz der Aktualität: Phonograph, Fahrrad und Hypnose

2.5 Expliziter Aufruf zu glauben? We ask none to believe us!

3. Unmittelbarkeit: Zeitlich und sprachlich

4. Van Helsing als Vorreiter des Lesers: Keep an open mind

5. Manipulation durch Rede: Rhetorik zwischen Hetzen und Hoffnung machen

6. Fokalisierung und Multiperspektivität: Ich über mich und andere

7. Spannung I: Schauer durch Vorankündigung

8. Spannung II: Struktur des Romans – Rausch durch Unterbrechung

9. Selbstreferenzialität und Autorenstimme: Erzählen über Erzählen, Schreiben über Schreiben – Maximierung des Schauereffekts

10. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht narratologisch, wie Bram Stokers Roman Dracula durch eine spezifische Erzählweise Schauer erzeugt, den Leser einbindet und dabei ein Gefühl der Unmittelbarkeit sowie Authentizität konstruiert.

  • Die Funktion narrativer Katalysatoren für den schauerlichen Effekt.
  • Die Rolle der verschiedenen fiktiven Dokumente (Tagebücher, Briefe, Phonograph) bei der Erzeugung von Glaubwürdigkeit.
  • Die Bedeutung der Multiperspektivität für die Spannungssteigerung.
  • Die rhetorische Macht der Monologe, insbesondere von Van Helsing und Graf Dracula.
  • Das ambivalente Verhältnis zwischen Leser und dem Wissen um die Gefahr.

Auszug aus dem Buch

2.2 Explizite Marker im Text

Gleich mit der Vorrede (die in der deutschen Übersetzung beispielsweise gar nicht vorhanden ist), auf deren Autorschaft und Stimme ich im Weiteren noch zu sprechen komme, unterstreicht das Buch seinen Anspruch auf wahrheitsgemäßes Protokollieren der Ereignisse: "There ist throughout no statement of past events wherein memory may err, for all the records chosen are exactly contemporary […]" (8) "But it is the truth" (52), bemerkt Harker als er abwägt, ob er alles in sein Tagebuch schreiben sollte, was ihm widerfährt.

Besondere Brisanz in narratologischer Hinsicht bekommt eine rhetorische Frage Van Helsings, gestellt während einer Ansprache über die Möglichkeiten, den Vampir zu bekämpfen: "A year ago which of us would have received such a possibility, in the midst of our scientific, sceptical, matter-of-fact nineteenth century?" (285) Es ist unklar, wessen Stimme hier erklingt. Ist es die Van Helsings selbst oder die Minas, die als fiktive Autorin dieses Tagebucheintrags ihre Verwunderung über ihr durch die jüngsten Ereignisse fundamental verändertes Weltbild zum Ausdruck bringt? Oder ist es die eines namenlosen Herausgebers, der die Editorfassung zu verantworten hat? Oder aber ist es gar die Stimme des Lesers, der den Satz im Kopf automatisch abwandelt und sich fragt: "A year ago which of us had believed such a story?" Die Stelle verdichtet, was im gesamten Roman häufig passiert: Überlegungen der Vernunft und der Glaube an etwas Unglaubliches werden gegenübergestellt und es wird versucht, die Unglaublichkeit erklärbar bzw. plausibel zu machen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Dracula als archetypische Schauerliteratur ein und formuliert die Forschungsfrage nach den narrativen Werkzeugen, die den schauerlichen Effekt und die Leserbindung steuern.

2. Illusion der Echtheit: Glaubhaft Angst machen: Es wird analysiert, wie durch die Form des Brief- und Tagebuchromans sowie durch die Einbindung moderner Technologien eine Suggestion von Wirklichkeit erzeugt wird.

3. Unmittelbarkeit: Zeitlich und sprachlich: Dieses Kapitel beleuchtet, wie durch die zeitliche Nähe zwischen Ereignis und Niederschrift sowie die authentische Wiedergabe von Sprache und Dialekten eine unmittelbare Leserbindung entsteht.

4. Van Helsing als Vorreiter des Lesers: Keep an open mind: Die Analyse zeigt, wie Van Helsing als Identifikationsfigur dient, die den Leser dazu anregt, seine rationalen Vorurteile abzulegen und sich dem Übernatürlichen zu öffnen.

5. Manipulation durch Rede: Rhetorik zwischen Hetzen und Hoffnung machen: Untersucht wird die rhetorische Funktion längerer Monologe, die sowohl vom Grafen zur Einschüchterung als auch von Van Helsing zur Führung der Truppe genutzt werden.

6. Fokalisierung und Multiperspektivität: Ich über mich und andere: Das Kapitel erläutert, wie der Wechsel der Perspektiven dem Leser eine Wissenshoheit verleiht, während er gleichzeitig die eingeschränkte Sicht der Figuren teilt.

7. Spannung I: Schauer durch Vorankündigung: Es wird dargelegt, wie das Tagebuchformat durch Retrospektive und Prolepse eine kontinuierliche Vorankündigung von Gefahr ermöglicht.

8. Spannung II: Struktur des Romans – Rausch durch Unterbrechung: Dieses Kapitel diskutiert die Auswirkungen der Kapiteleinteilung und der bewussten Unterbrechungen auf den Spannungsaufbau und den Rauschzustand des Lesers.

9. Selbstreferenzialität und Autorenstimme: Erzählen über Erzählen, Schreiben über Schreiben – Maximierung des Schauereffekts: Die Arbeit analysiert die zahlreichen Verweise auf das Schreiben selbst und reflektiert, wer die Fäden der Editorfassung in der Hand hält.

10. Schluss: Die Untersuchung fasst zusammen, dass Dracula ein wohlüberlegtes Spiel mit der Fiktionalität ist, bei dem der Leser durch die Ohnmacht seines Wissens selbst Teil des Schauererlebnisses wird.

Schlüsselwörter

Dracula, Bram Stoker, Schauerliteratur, Narratologie, Tagebuchroman, Multiperspektivität, Unmittelbarkeit, Authentizität, Van Helsing, Spannung, Suspense, Gothic Novel, Rhetorik, Fiktionalität, Vampirmythos

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert narratologische Aspekte des Romans Dracula von Bram Stoker, um zu verstehen, wie der Autor durch spezifische Erzähltechniken ein intensives Schauererlebnis beim Leser erzeugt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Illusion von Echtheit, die zeitliche und sprachliche Unmittelbarkeit der Darstellung, der Einsatz von Rhetorik in Monologen sowie die Wirkung von Multiperspektivität und Spannungsaufbau.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, das narrative "Werkzeug" des Schauers in Dracula freizulegen und zu zeigen, wie Stoker den Leser durch das Spiel mit Fiktion und Wahrheit sowie gezielte Informationssteuerung an das Werk bindet.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es handelt sich um eine narratologische Untersuchung, die Begriffe der Erzähltheorie (wie Fokalisierung, Modus, extradiegetisches Erzählen) anwendet und dabei moderne Forschungsliteratur einbezieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Form des Brief- und Tagebuchromans, die Bedeutung der technologischen Marker (Phonograph), die Rolle einzelner Charaktere wie Van Helsing als "Vorreiter des Lesers" und die Funktion der Kapitellogik für die Spannungskurve.

Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?

Die wesentlichen Begriffe sind Schauerliteratur, Multiperspektivität, Unmittelbarkeit, Authentizität, Suspense und Selbstreferenzialität.

Warum spielt der Phonograph eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Romans?

Der Phonograph dient als Symbol für Wahrheit und Authentizität. Da er die Stimme des Sprechers direkt einfängt, umgeht er die "Zensur" des Schriftdenkens und verleiht den Schilderungen eine gesteigerte Glaubwürdigkeit, die Mina als Editorin dann in Textform überträgt.

Inwiefern beeinflusst das Wissen des Lesers den Schauer-Effekt?

Das Wissen des Lesers, das oft über das der fiktiven Figuren hinausgeht, erzeugt eine spezifische Ohnmacht. Der Leser erkennt die Gefahr, kann aber nicht eingreifen, was die Spannung (Suspense) und den "Genuss" des Schauers massiv erhöht.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Dracula – Verdammt zu ewigem Lesen
Untertitel
Eine narratologische Untersuchung von Bram Stokers Vampir-Roman unter dem Aspekt des Verhältnisses von Schauer zu Authentizität, Unmittelbarkeit und Spannung
Hochschule
Universität Wien  (Germanistik)
Veranstaltung
MA Schauerliteratur
Note
1,0
Autor
Peter Mußler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
39
Katalognummer
V192247
ISBN (Buch)
9783656170679
ISBN (eBook)
9783656170839
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Narratologie Erzählwissenschaft Schauerliteratur suspense
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Peter Mußler (Autor:in), 2012, Dracula – Verdammt zu ewigem Lesen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192247
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  39  Seiten
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