Anlässlich einer sich ständig verändernden Gesellschaft kann die Schule nicht gleich bleiben. Sie
muss Stellung nehmen zu aktuellen Verhältnissen, wie steigende Gewalt unter Jugendlichen
(Amokläufe, Killerspiele etc.), neue Medien (Fernsehen, Computer, insbesondere das Internet), eine
multikulturelle Gesellschaft sowie steigende Arbeitslosigkeit und zunehmendes Altern der
Gesellschaft.
Von Hentig zeigte bereits 1993 die bedrohlichen Auswirkungen dieser Trends auf die Schule auf
und stellte die These auf, dass man Schule völlig neu denken müsse. Verbessern und verändern der
bestehenden Strukturen reiche nicht mehr aus, man müsse eine neue Form von Schule erfinden, in
der Schule eine andere Rolle spielt als bisher. Sein Buch erfuhr wohl solch große Resonanz, dass es
regelmäßig in neuen Auflagen erscheint.
Doch ist diese Art von Schule, die von Hentig sich wünscht, überhaupt realisierbar? Ist sie in Teilen
bereits realisiert? Im Folgenden werde ich seine Idee einer Neuen Schule darstellen und kritisch
untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schule neu denken
2.1. Fünf Grundvorstellungen von Schule
2.2. Die Schule als Lebens- und Erfahrungsraum
2.3. Minima Paedagogica
1. These
2. These
3. These
4. These
5. These
6. These
3. Wie realistisch ist die Neue Schule?
3.1. Gedanken zur ersten These
3.2. Gedanken zur zweiten These
3.3. Gedanken zur dritten These
3.4. Gedanken zur vierten These
3.5. Gedanken zur fünften These
3.6. Gedanken zur sechsten These
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Hartmut von Hentigs Konzept der „Neuen Schule“ auseinander. Ziel ist es zu untersuchen, ob seine pädagogischen Forderungen – wie die Schule als Lebensraum oder als „Polis“ – lediglich eine utopische Vision darstellen oder in der heutigen Schullandschaft bereits ansatzweise realisiert sind und wo die Grenzen der Umsetzbarkeit liegen.
- Grundvorstellungen und Typologien von Schule
- Die Schule als Lebens- und Erfahrungsraum
- Die „Minima Paedagogica“ als Merkmalskatalog für Reformpädagogik
- Möglichkeiten und Hürden der Demokratisierung in der Schule
- Systemische Barrieren wie Klassengrößen und „heimlicher Lehrplan“
- Die Rolle der Lehrperson bei der menschlichen Gestaltung von Schule
Auszug aus dem Buch
2.1. Fünf Grundvorstellungen von Schule
Von Hentig unterscheidet fünf Schultypen, die in der Wirklichkeit jedoch stets in gemischter Form vorliegen.
1) Die Else Backfisch oder Karl Wursthorn Schule: Schule ist eine Einrichtung, an der man besondere Kenntnisse und Fertigkeiten erwirbt, die man nicht einfach so auf der Straße lernen kann. Man benötigt dazu einen Lehrer, der es einem beibringt [Else Backfisch war Tanzlehrerin, Karl Wursthorn Fahrlehrer des von Hentig] (vgl. v. Hentig, S.186).
2) Die Rousseau-Schule: Schule ist ein Schutz- und Schonraum für Kinder und Jugendliche, in dem sie vor den schädlichen Einflüssen der Gesellschaft bewahrt werden und Raum haben, sich natürlich zu entwickeln (vgl. v. Hentig, S.187).
3) Die Platon, Makarenkos, Loyola oder Margot Honeckers-Schule: Die Schule formt Menschen heran, die entweder im fundamental-konservativen Sinn gegen alles Neue oder im revolutionären Sinn gegen alles Alte gepanzert werden (vgl. v. Hentig, S.187).
4) Die Humbold/Pestalozzi/Dewey-Schule: Schule ist eine Einrichtung, die Erziehungs- und Bildungsaufgaben übernimmt, um den Kindern beim Hineinwachsen in die Gesellschaft zu helfen. Diese Idee von Schule verbinden heute die meisten Menschen mit der öffentlichen Schule (vgl. v. Hentig, S.187).
5) Die KMK-Schule: Diese Schule verwaltet; sie beschäftigt Lehrer und sie beschäftigt vor allem die Bildungspolitiker. Hier wird Unterricht in den Dienst anderer politisch relevanter Aufgaben gestellt. So kann man die Kinder nebenbei nach Leistung sortieren oder „für die Volksgesundheit, für Verkehrstüchtigkeit, für AIDS-Prävention sorgen“ (v. Hentig, S.188).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz einer gesellschaftlich orientierten Schulentwicklung ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Realisierbarkeit von von Hentigs „Neuer Schule“.
2. Schule neu denken: Dieses Kapitel erläutert von Hentigs theoretische Typologien von Schule sowie sein Konzept der „Schule als Lebens- und Erfahrungsraum“ und die „Minima Paedagogica“ als sechs Grundthesen.
3. Wie realistisch ist die Neue Schule?: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit den sechs Thesen von Hentigs, wobei die Autorin die praktische Umsetzung im aktuellen deutschen Schulsystem analysiert und bewertet.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass viele Ideen zwar utopisch wirken, aber durch die entsprechende Haltung der Lehrkräfte und moderne Bildungspläne bereits in Ansätzen realisiert werden können.
Schlüsselwörter
Neue Schule, Hartmut von Hentig, Reformpädagogik, Schulentwicklung, Lebensraum Schule, Minima Paedagogica, Demokratieerziehung, Erfahrungsraum, Schulkritik, pädagogische Freiheit, Lehrerrolle, Schulalltag, Systemzwänge, Ganztagsschule, Bildungsanspruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Hartmut von Hentigs Konzept einer grundlegend reformierten „Neuen Schule“ hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit im heutigen öffentlichen Schulwesen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die verschiedenen Grundvorstellungen von Schule, das Konzept des Lebens- und Erfahrungsraums sowie die kritische Reflexion von sechs von Hentig aufgestellten Thesen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob von Hentigs Forderungen an eine „Neue Schule“ utopisch sind oder inwieweit sie bereits in heutigen Schulen Anwendung finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur von von Hentig und anderen Sozialisationsforschern, kombiniert mit einer kritischen Reflexion im Kontext der aktuellen Schulpraxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der von Hentigschen Konzepte und eine detaillierte, thesengeleitete Analyse der Realisierungschancen in der deutschen Schullandschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen „Schule als Lebensraum“, „Minima Paedagogica“, „Systemzwänge“, „Lehrerrolle“ und „Demokratieerziehung“.
Warum hält die Autorin die Idee der Schule als „Polis“ für inhaltlich widersprüchlich?
Die Autorin argumentiert, dass eine Schule entweder eine echte, demokratische Selbstverwaltung durch Schüler benötigt, um als „Polis“ zu gelten, oder andernfalls lediglich ein kontrolliertes System bleibt, das mit echter Demokratie wenig gemein hat.
Welche Rolle spielt laut der Autorin der Lehrer bei der Umsetzung der „Neuen Schule“?
Die Autorin betont, dass trotz systemischer Einschränkungen (wie Klassengrößen oder Lehrplänen) der Lehrer durch seine menschliche Einstellung und Haltung – sich den Schülern als gleichwertiges Gegenüber zu zeigen – die Schule maßgeblich menschlicher gestalten kann.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Päd. Lisa Frommer (Autor:in), 2009, Von Hentigs "Neue Schule" - eine Utopie?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192162