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Theoretische und empirische Anaylse der Staatsverschuldung innerhalb der europäischen Währungsunion

Title: Theoretische und empirische Anaylse der Staatsverschuldung innerhalb der europäischen Währungsunion

Bachelor Thesis , 2011 , 59 Pages

Autor:in: Johann Christopher Schard (Author)

Economics - Monetary theory and policy

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Summary Excerpt Details

Steht die Europäische Währungsunion vor dem Abgrund? Sind die über die Jahre angehäuften öffentlichen Schulden überhaupt noch bewältigbar?
Diese Fragen, die man so oder ähnlich im Sommer 2011 täglich hören kann, werden in der folgenden Ausarbeitung genauer betrachtet. In den ersten Kapiteln wird erklärt, welche Formen von Staatsverschuldung es gibt, dies wird algebraisch soweit wie möglich dargestellt. Darauf aufbauend wird gezeigt, von welchen Parametern die Tragfähigkeit (Sustainability) der öffentlichen Verschuldung abhängt. Die Ausarbeitung besteht aus einem Theorieteil, der den Schwerpunkt der Arbeit ausmacht und einem Empirieteil. Im Theorieteil werden verschiedene Ansätze aufgegriffen, bei denen es grundsätzlich darum geht, die Auswirkungen einer zunehmenden Staatsverschuldung auf makroökonomische Variablen und auf interpersonale und intergenerationelle Verteilungswirkungen zu erklären. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, ob Staatsverschuldung per se gut oder schlecht ist. Die Ansätze kommen dabei zu heterogenen Ergebnissen. Es findet eine Fokussierung auf fiskalpolitische Aktivitäten statt. Auf die Ursache der Staatsverschuldung gehen diese Ansätze wenig bis gar nicht ein.
Im Empirieteil wird, anhand verschiedener relevanter Werte für die öffentliche Verschuldung, die Entwicklung einiger Länder der Währungsunion betrachtet. Dafür wird zunächst auf den historischen Prozess der Entstehung des einheitlichen Währungsraums ab dem Vertrag von Maastricht und später dem Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP) eingegangen. Dieser Prozess soll als übergeordnetes Ziel der Begrenzung der öffentlichen Schulden dienen. Dabei wird auch nicht außer Acht gelassen, welche Probleme es bei diesem Prozess gegeben hat und gibt. Insbesondere die Nichtbeistandsklausel (No-Bail-Out-Klausel) wird dabei genauer untersucht. Betrachtet werden darüber hinaus weitere Begrenzungsmöglichkeiten der öffentlichen Verschuldung. Beispielhaft wird in verschiedenen Abschnitten der Ausarbeitung Griechenland herausgegriffen und punktuell genauer analysiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eingrenzung des Begriffs Staatsverschuldung

2.1 Algebra der expliziten Staatsverschuldung

2.2 Implizite Staatsverschuldung

2.3 Tragfähigkeit der Staatsschulden

I. THEORIE

3. Ricardianisches Äquivalenztheorem

3.1 Kritik an dem ricardianischen Äquivalenztheorem

3.2 Ricardo-Barro-Äquivalenztheorem

4. "Neue Orthodoxie" und Buchanans Kritik

4.1 "Neue Orthodoxie"

4.1.1 Differenzierung zwischen privaten und öffentlichen Schulden

4.1.2 Differenzierung zwischen Inland- und Auslandstaatsverschuldung

4.1.3 Lastentragung der öffentliche Schulden durch verursachende Generation

4.2 Buchanans Kritik

4.2.1 Analogie zwischen privaten und öffentlichen Schulden

4.2.2 Betrachtung der Inland- und Auslandstaatsverschuldung

4.2.3 Lastentragung der öffentlichen Schuld durch zukünftige Generationen

5. Stellvertretertheorie

6. Die konventionelle Sicht: kurzfristige und langfristige Wirkung von öffentlichen Schulden

7. "Ponzi-Spiel"

II. EMPIRIE

8. Entwicklung und Schranken der Staatsverschuldung

8.1 Maastricht-Kriterien und Stabilitäts- und Wachstumspakt

8.1.1 No-Bail-Out-Klausel (Nichtbeistandsklausel)

8.1.2 Analyse der Schuldenproblematik Griechenlands

8.2 Sonstige Begrenzungsvorschläge

8.2.1 "Goldene Regel"

8.2.2 Insolvenzrecht für Staaten

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert theoretisch und empirisch die Staatsverschuldung innerhalb der europäischen Währungsunion, um zu untersuchen, unter welchen Bedingungen Verschuldung tragfähig ist und welche Auswirkungen sie auf makroökonomische Variablen sowie die intergenerationelle Lastenverteilung hat.

  • Algebraische Herleitung der expliziten und impliziten Staatsverschuldung
  • Theoretische Auseinandersetzung mit dem Ricardianischen Äquivalenztheorem und der "Neuen Orthodoxie"
  • Empirische Analyse der Verschuldungsentwicklung in ausgewählten EWU-Staaten
  • Untersuchung von Stabilitätsmechanismen wie dem Maastricht-Vertrag und dem Stabilitäts- und Wachstumspakt
  • Diskussion der No-Bail-Out-Klausel und möglicher Begrenzungsinstrumente für Staatsschulden

Auszug aus dem Buch

2.1 Algebra der expliziten Staatsverschuldung

Was unter Staatschulden zu verstehen ist, lässt sich am besten formal an der Budgetrestriktion zeigen. Staatschulden sind formal die akkumulierten Budgetdefizite der vorherigen Perioden zuzüglich Zinszahlungen. Ein Budgetdefizit ist die Differenz zwischen Schuldenstand am Ende der Periode t (Dt) und Ende der Periode t-1 (Dt-1).

∆D = Dt – Dt-1 = Budgetdefizit (Veränderung der Staatsverschuldung) [1]

Grundsätzlich kann das Budgetdefizit durch die Emission von Staatsanleihen auf dem Kapitalmarkt finanziert werden. Für die bisherig akkumulierten Budgetdefizite müssen Zinsen mit dem Zinssatz (i) an die Gläubiger bezahlt werden, da diese eine Entschädigung für ihre Opportunitätskosten verlangen. Dies wird durch das Produkt iDt-1 ausgedrückt. Der Term iDt-1 wird als Sekundärdefizit bezeichnet. Desweiteren besteht für manche Staaten die Möglichkeit, ihre Ausgaben über die monetäre Autorität (Zentralbank) direkt zu finanzieren. Dabei kauft diese Staatsanleihen und stellt dem Emittenten (Staat) das entsprechende Ausmaß an Zentralbankgeld, das real dem Betrag ∆M/P entspricht, zur Verfügung. ∆M bezeichnet das zusätzliche Geld und P das Preisniveau. Es bestehen für den Staat letztlich drei Einnahmemöglichkeiten: Steuern, Verschuldung am Kapitalmarkt und Notenbankfinanzierung. Es wird in den folgenden Ausführungen angenommen, dass die Zentralbank in der EWU, aufgrund der historischen Erfahrung des Missbrauchs, unabhängig von den Mitgliedstaaten agiert, und ausschließlich für die Geldversorgung zuständig ist und somit in den folgenden algebraischen Herleitungen nicht weiter berücksichtigt wird. Den aus den Anleihen resultierenden Zinszahlungen und Ausgaben für Güter und Dienstleistungen (G) stehen die direkten fiskalischen Einnahmen, beispielsweise Steuern (T) und Gebühren gegenüber. Transferzahlungen werden im Folgenden von den Steuern direkt abgezogen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Staatsverschuldung innerhalb der Europäischen Währungsunion und Skizzierung des methodischen Vorgehens.

2. Eingrenzung des Begriffs Staatsverschuldung: Formal-algebraische Betrachtung von expliziten und impliziten Schulden sowie die Bestimmung der Nachhaltigkeitsbedingungen.

3. Ricardianisches Äquivalenztheorem: Erläuterung der These, dass Kredit- und Steuerfinanzierung unter bestimmten Bedingungen identische Wirkungen haben, und deren kritische Reflexion.

4. "Neue Orthodoxie" und Buchanans Kritik: Analyse der "Neuen Orthodoxie" und die Gegenposition Buchanans zur Lastenverschiebung und Analogie von Privat- und Staatsschulden.

5. Stellvertretertheorie: Untersuchung der interpersonalen Verteilungseffekte der Staatsverschuldung unter der Annahme nicht perfekter Kapitalmärkte.

6. Die konventionelle Sicht: kurzfristige und langfristige Wirkung von öffentlichen Schulden: Analyse der Auswirkungen von Haushaltsdefiziten auf Kapitalstock, Wachstum und Leistungsbilanz unter Berücksichtigung des "Aggregate Investment Approach".

7. "Ponzi-Spiel": Diskussion der Nachhaltigkeit einer Politik, bei der Zinsen dauerhaft durch neue Kredite finanziert werden.

8. Entwicklung und Schranken der Staatsverschuldung: Empirische Untersuchung der Verschuldungsquoten in der EU sowie Analyse von Stabilitätsregeln wie dem Stabilitäts- und Wachstumspakt und der No-Bail-Out-Klausel.

9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Schuldenproblematik und ordnungspolitische Schlussfolgerungen zur Wiederherstellung tragfähiger Staatsfinanzen.

Schlüsselwörter

Staatsverschuldung, Europäische Währungsunion, Nachhaltigkeit, Ricardianisches Äquivalenztheorem, Defizitquote, Zins-Wachstums-Differential, Haushaltsstabilität, Stabilitäts- und Wachstumspakt, No-Bail-Out-Klausel, Schuldenquote, Intergenerative Verteilung, Crowding-out, Ponzi-Spiel, Fiskalpolitik, EZB

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und empirischen Analyse der Staatsverschuldung von Mitgliedstaaten innerhalb der europäischen Währungsunion, unter besonderer Berücksichtigung der Nachhaltigkeit der Schuldenaufnahme.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen Verschuldungstheorien, Konzepte der intergenerativen Lastenverteilung, Fiskalregeln der EU sowie die empirische Entwicklung der Schuldenquoten in Europa.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die ökonomischen Mechanismen hinter der Staatsverschuldung aufzudecken, die Tragfähigkeit der Verschuldung unter verschiedenen Parametern zu prüfen und die Wirksamkeit von Begrenzungsmechanismen zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein kombinierter Ansatz verfolgt: Zum einen eine theoretische Ableitung und Analyse anhand von Budgetrestriktionen und ökonomischen Modellen, zum anderen eine empirisch-deskriptive Auswertung von Statistiken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der Verschuldungstheorien wie das Äquivalenztheorem und die "Neue Orthodoxie" behandelt, und einen empirischen Teil, der Entwicklung und Schranken der Schulden in der EWU beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Staatsverschuldung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Schuldenquote, Nachhaltigkeit und intergenerative Verteilung geprägt.

Welche Rolle spielt das Zins-Wachstums-Differential für die Schuldentragfähigkeit?

Das Verhältnis zwischen realem Zinssatz und der Wachstumsrate des BIPs entscheidet darüber, ob eine konstante Schuldenquote allein durch Primärüberschüsse oder -defizite erreicht werden kann; es ist ein zentraler Stellhebel für die fiskalische Stabilität.

Wie unterscheidet sich die "Neue Orthodoxie" von der klassischen Betrachtungsweise?

Die "Neue Orthodoxie" lehnt die Analogie zwischen privaten und staatlichen Inlandsschulden ab und argumentiert, dass interne Staatsverschuldung keine reale Last auf zukünftige Generationen verschiebt, da der Gläubiger im Inland sitzt.

Warum wird Griechenland beispielhaft in der Arbeit angeführt?

Griechenland dient als konkretes Fallbeispiel, um die Auswirkungen einer explodierenden Schuldenquote, die Sensitivität gegenüber Zinsänderungen und die Problematik der "Too Big to fail"-Wahrnehmung innerhalb der Währungsunion zu verdeutlichen.

Welche Bedeutung hat das Insolvenzrecht für Staaten laut dem Autor?

Der Autor diskutiert ein Insolvenzrecht als mikroökonomischen Ansatz, um exzessiver Überschuldung entgegenzuwirken und geordnete Umstrukturierungsprozesse zu ermöglichen, die für Schuldner und Gläubiger klare Anreize setzen.

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Details

Title
Theoretische und empirische Anaylse der Staatsverschuldung innerhalb der europäischen Währungsunion
College
University of Hohenheim  (Wirtschaftstheorie)
Author
Johann Christopher Schard (Author)
Publication Year
2011
Pages
59
Catalog Number
V192157
ISBN (eBook)
9783656170921
ISBN (Book)
9783656171430
Language
German
Tags
Wirtschaftskrise Staatsverschuldung Griechenland Maastricht-Kriterien Stabilitäts- und Wachstumspakt Insolvenzrecht für Staaten No-Bail-Out-Klausel Tragfähigkeit der Staatsschulden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johann Christopher Schard (Author), 2011, Theoretische und empirische Anaylse der Staatsverschuldung innerhalb der europäischen Währungsunion, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192157
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