Das duale System der Berufsbildung in Deutschland gilt als ein bewährtes System, welches erfolgreich qualifizierte Fachkräfte ausbildet. Gut zwei Drittel der Schulabgänger eines Jahrgangs beginnen eine Ausbildung in einem der zur Zeit 344 anerkannten Berufe. Auch im Ausland wird das duale System als ein Erfolgsmodell angesehen. Trotz alledem wird in Deutschland seit seiner Entstehung Kritik am dualen System der Berufsbildung laut. Immer wieder wird besonders über Probleme im Hinblick auf eine Modernisierung debattiert. Allgemeine und berufliche Bildung, Qualifizierung und Kompetenzerwerb sind für eine moderne Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft, wie sie in Deutschland vorzufinden ist, elementar wichtig. Jugendliche sehen sich heute zunehmend steigenden Qualifikations- und Kompetenzanforderungen ausgesetzt und stehen vor der Wahl, eine Ausbildung im dualen System, eine schulische Vollzeitausbildung oder eine akademische Ausbildung zu beginnen mit jeweils unterschiedlichen Beschäftigungs- und Karrierechancen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem dualen System der Berufsbildung in Deutschland. Die Fragestellung, der hier nachgegangen werden soll, ist wie das duale System entstanden und aufgebaut ist und ob seit seiner Entstehung eine Modernisierung des Systems stattgefunden hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitorische Abgrenzung
3. Entstehung und Aufbau des dualen Berufsbildungssystems
3.1 Historische Entwicklung
3.1.1 Die Entstehungsphase der dualen Berufsausbildung
3.1.2 Die Stabilisierungs- und Ausbauphase der dualen Berufsausbildung
3.2 Die Struktur des dualen Berufsbildungssystems
3.2.1 Die Berufsschule als Lernort
3.2.2 Der Betrieb als Lernort
4. Modernisierung des dualen Systems der Berufsbildung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die historische Entstehung sowie den Aufbau des dualen Systems der Berufsbildung in Deutschland und analysiert, inwieweit seit dessen Etablierung Modernisierungsprozesse innerhalb des Systems stattgefunden haben.
- Historische Phasen der Entstehung und Stabilisierung des dualen Systems
- Die Lernorte Betrieb und Berufsschule und deren strukturelle Verzahnung
- Das Lernfeldkonzept als pädagogischer Modernisierungsansatz
- Die Neuregelung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) 2005
- Kritikpunkte und Herausforderungen in einer sich wandelnden Wissensgesellschaft
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Die Berufsschule als Lernort
Die Berufsschule als ein Lernort im dualen System hat die Aufgabe „allgemeine und berufliche Lerninhalte unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen der Berufsausbildung zu vermitteln“. Dabei verfolgt sie das Ziel, die bei den Schülern vorhandene Allgemeinbildung auszubauen und ihnen grundlegende sowie fachliche Kenntnisse im beruflichen Bereich zu vermitteln. Diese sollen die Schüler dazu in die Lage versetzen, die an sie gestellten beruflichen Anforderungen zu erfüllen und die Arbeitswelt sowie die Gesellschaft an sich mitzugestalten und dabei sozial sowie ökologisch verantwortungsvoll zu handeln.
Der i.d.R. überwiegend theoriebezogene schulische Teil der dualen Berufsausbildung steht unter öffentlicher Verantwortung, also den Schulgesetzen der Bundesländer. Diese sind für die Lehrpläne und auch für die Ausstattung der Schulen mit entsprechendem Personal zuständig, während die kommunalen Träger die Ausstattung in räumlicher und sachlicher Hinsicht übernehmen. Lehrpläne mit entsprechenden fachlichen und allgemeinbildenden Inhalten stellen dann die Grundlage für den beruflichen Unterricht dar. Die Rahmenpläne der Kultusministerkonferenz, die auf die Ausbildungsordnungen des Bundes abgestimmt und so bundesweit quasi vereinheitlicht sind, werden meist für die fachbezogene Berufsbildung von den Bundesländern übernommen.
Im Rahmen der dualen Berufsausbildung verbringen Auszubildende ca. ein Drittel der gesamten Dauer der Erstausbildung in einer Berufsschule. Dort findet dann der Unterricht in Teilzeitform statt, also an einem oder mehreren Tagen in der Woche, oder in Blockform, als Unterrichtseinheit abschnittweise, was u.a. auch von der Art der Ausbildung abhängig ist. Insgesamt dauert die schulische Ausbildung zwei bis dreieinhalb Jahre. Dies hängt z.B. von der erreichten Bildungsqualifikation aber auch von der Art des Berufes ab, der erlernt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des dualen Ausbildungssystems ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich seiner historischen Entwicklung und den stattgefundenen Modernisierungsprozessen.
2. Definitorische Abgrenzung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Beruf, Bildung und Berufsbildung und grenzt diese im Kontext des dualen Systems voneinander ab.
3. Entstehung und Aufbau des dualen Berufsbildungssystems: Hier werden die historische Genese des Systems in drei Phasen sowie die strukturellen Charakteristika der Lernorte Berufsschule und Betrieb erläutert.
4. Modernisierung des dualen Systems der Berufsbildung: Das Kapitel analysiert konkrete Reformansätze wie die Ordnungsarbeit, das Lernfeldkonzept und das BBiG von 2005 als Reaktion auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das System zwar modernisiert wurde, jedoch fortwährend unter Anpassungsdruck steht, um nicht an Relevanz zu verlieren.
Schlüsselwörter
Duales System, Berufsbildung, Berufsschule, Ausbildungsbetrieb, Lernfeldkonzept, BBiG, Modernisierung, Berufsausbildung, Handlungsfähigkeit, Ordnungsarbeit, Berufsabschluss, duale Ausbildung, Fachkräfte, Ausbildungsordnung, Berufspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das duale System der Berufsbildung in Deutschland unter historischer Perspektive und untersucht seine Anpassungsfähigkeit an moderne Anforderungen.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Entstehung des dualen Systems zu klären und zu prüfen, ob und in welcher Form Modernisierungsansätze seit seiner Entstehung erfolgreich umgesetzt wurden.
Welche Lernorte sind für das System zentral?
Die zwei zentralen Lernorte sind der Betrieb, in dem die praktische Ausbildung stattfindet, und die Berufsschule, die für die theoretische Vermittlung und Allgemeinbildung zuständig ist.
Was ist das Lernfeldkonzept?
Das Lernfeldkonzept ist eine didaktische Strukturierung des Berufsschulunterrichts, die nicht mehr nach isolierten Fächern, sondern nach praxisorientierten Handlungssituationen und Geschäftsprozessen gliedert.
Welche Bedeutung hat das Berufsbildungsgesetz (BBiG)?
Das BBiG bildet die rechtliche Basis der dualen Berufsausbildung, regelt die Aufgaben der Ausbildung und wurde insbesondere 2005 grundlegend modernisiert.
Wie lässt sich die Arbeit inhaltlich charakterisieren?
Die Arbeit kombiniert historische Herleitung, strukturelle Analyse des Lernort-Kooperationsmodells und eine Bewertung der Modernisierungsfähigkeit des Systems anhand ausgewählter Reformbeispiele.
Welche Rolle spielt die Ordnungsarbeit bei der Modernisierung?
Die Ordnungsarbeit bezeichnet den Prozess der stetigen Überarbeitung von Ausbildungsordnungen, um veraltete Berufsbilder anzupassen oder neue Berufe zu schaffen, die den technologischen Anforderungen entsprechen.
Was sind die Hauptkritikpunkte am dualen System?
Kritikpunkte umfassen den Bedeutungsverlust der dualen Ausbildung, mangelnde Durchlässigkeit zu Hochschulen, Übergangsschwierigkeiten für Jugendliche und Friktionen zwischen Ausbildungsangebot und -nachfrage.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Kfm. (FH) Thorsten Steffens (Autor:in), 2012, Das duale System der Berufsbildung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192135