Die Kinokultur galt lange Zeit als Volksunterhaltung und war dementsprechend in der Wissenschaft noch bis in die achtziger Jahre hinein eine Randgruppe in der literarischen Forschung. Erst seit kurzem besteht intensiveres Interesse seitens der Germanisten sich mit der Filmkunst auseinanderzusetzen und man hat insbesondere in der narratologischen Analyse festgestellt, dass vergleichende Untersuchungen von Film und Literatur neue Einsichten ermöglichen.1 Die vorliegende Arbeit, die im Rahmen des Seminars „Einführung in die Literaturdidaktik“ entsteht, soll sich mit dem Film als Unterrichtsgegenstand im Deutschunterricht auseinandersetzten und diesbezüglich ein Unterrichtskonzept erstellen. Im Zentrum des Interesses sollen dabei die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Erzählstruktur von Film und Literatur stehen und der Film Das weiße Rauschen von Hans Weingartner und die Erzählung Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann das Material darstellen. Die Arbeit ist dem Erkenntnissinteresse gemäß in drei Hauptkapitel strukturiert. In dem ersten Kapitel soll zunächst eine theoretische Einführung in die Problematik geschehen, indem wissenschaftliche Standpunkte zu der Beziehung von Literatur und Film erläutert sowie die didaktische Perspektive auf das Potential des Films für den Literaturunterricht thematisiert werden. Im folgenden Schritt soll eine Sachanalyse der für das Unterrichtskonzept ausgewählten Materialien Das weiße Rauschen und Der Sandmann verfasst werden. Daraufhin wird das Unterrichtskonzept erläutert, d.h. das Ziel für die Unterrichtseinheit formuliert, die entsprechende Kompetenzförderung dargestellt sowie hierfür adäquate Aufgabenstellungen entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorieteil – Literatur und Film im Deutschunterricht
3. Sachanalyse
a. Das weiße Rauschen
b. Der Sandmann
4. Unterrichtskonzept
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Erstellung eines Unterrichtskonzepts für den Deutschunterricht, welches den Film als eigenständiges Medium in den Literaturunterricht integriert. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie durch den vergleichenden Einsatz von Filmen und literarischen Texten – konkret Hans Weingartners "Das weiße Rauschen" und E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" – ein tieferes Verständnis für erzählerische Strukturen, Perspektivität und die Darstellung psychischer Ausnahmezustände gefördert werden kann.
- Integration von Film und Literatur im Deutschunterricht
- Narratologische Untersuchung von Erzählstrukturen und Perspektiven
- Didaktische Vermittlung der Darstellung von Wahnsinn
- Analyse filmästhetischer Mittel im Vergleich zur Literatur
- Förderung der Medienkompetenz durch produktive Aufgaben
Auszug aus dem Buch
a. Das weiße Rauschen
Der Film Das weiße Rauschen (2001) von Hans Weingartner handelt von Lukas, gespielt von Daniel Brühl, der wegen des Studiums nach Köln zieht. Er wohnt dort in der Wohngemeinschaft seiner Schwester und erfährt in dieser Zeit, ausgelöst durch die Einnahme von Drogen, erstmals psychotische Schübe, die im Laufe der Geschichte immer stärker werden. Der Film zeigt mittels verschiedenster filmischer Mittel das Leid eines jungen Mannes, der sich aufgrund seiner psychischen Störung nicht an die Gesellschaft anpassen kann und so nach vielen mühevollen Versuchen von ihr ausgegrenzt wird.
Zu Beginn des Films fährt Lukas mit der Bahn nach Köln, um sich dort in der Wohngemeinschaft seiner Schwester Kati und ihrem Mitbewohner Jochen einzurichten. In den ersten Szenen wird deutlich, wie Lukas sich um ein normales Studentenleben bemüht: Er will sich an der Universität immatrikulieren, besucht Nachtclubs und lernt ein Mädchen kennen, mit der er ins Kino gehen möchte. Doch die Bemühungen um die Immatrikulation sowie die um das Mädchen scheitern. Kati, Jochen und Lukas fahren am folgenden Tag mit dem Auto aufs Land und nehmen psychoaktive Pilze zu sich. Während Kati und Jochen ihren Trip genießen und Spaß haben, kommen bei Lukas erstmals paranoide Gedanken auf. Es wird gezeigt, wie Lukas sich einbildet, dass Kati und Jochen sich über ihn lustig machen und ihn beschimpfen. Diese Szene (0:27:11 - 0:30:37) ist insofern interessant, als verschiedenste filmästhetische Mittel dafür genutzt werden, um die aufkommende psychotische Störung Lukas‘ zu verdeutlichen. Gespielt wird mit einem Wechsel von der Innensicht Lukas‘ und einer neutralen Außensicht, der mithilfe von optischen Verzerrungen und Farbfilterwechsel realisiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Filmanalyse im Germanistikstudium ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, ein Unterrichtskonzept basierend auf dem Vergleich von Film und Literatur zu entwickeln.
2. Theorieteil – Literatur und Film im Deutschunterricht: Dieses Kapitel erörtert wissenschaftliche Positionen zur Didaktik des Films und beleuchtet die narratologischen Besonderheiten sowie die Potenziale einer medienintegrativen Erzähldidaktik.
3. Sachanalyse: In diesem Teil werden der Film "Das weiße Rauschen" und die Erzählung "Der Sandmann" hinsichtlich ihrer Erzählstruktur und der Darstellung des Wahnsinns detailliert analysiert.
4. Unterrichtskonzept: Hier wird ein konkretes Konzept für den Deutschunterricht präsentiert, inklusive der Materialauswahl, Zielformulierungen und methodischer Umsetzungsschritte zur Kompetenzförderung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der vergleichenden Analyse zusammen und unterstreicht den Nutzen der medienübergreifenden Herangehensweise für den Unterricht.
Schlüsselwörter
Deutschunterricht, Filmdidaktik, Literaturdidaktik, Erzählstruktur, Wahnsinn, Psychose, Perspektivität, Subjektivität, Das weiße Rauschen, Der Sandmann, E.T.A. Hoffmann, Hans Weingartner, Narratologie, Medienkompetenz, Unterrichtskonzept
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Verknüpfung von Film und Literatur im Deutschunterricht, um Schülern ein tieferes Verständnis für narrative Strukturen zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Filmdidaktik, die literarische Analyse, die Darstellung von Wahnsinn und die komparative Untersuchung von Erzählformen in verschiedenen Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erstellung eines schlüssigen Unterrichtskonzepts, das den Vergleich zwischen dem Film "Das weiße Rauschen" und der Erzählung "Der Sandmann" nutzt, um erzähltechnische Kompetenzen zu schulen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende narratologische Analyse der beiden Primärwerke durchgeführt, um didaktische Schlussfolgerungen für den Unterricht zu ziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Filmdidaktik, eine inhaltliche Sachanalyse der beiden Werke und die Ausarbeitung eines konkreten Unterrichtsentwurfs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Filmdidaktik, Literaturdidaktik, Wahnsinn, Perspektivität, Narratologie und medienintegrativer Unterricht.
Warum wurde ausgerechnet "Der Sandmann" als Vergleichswerk gewählt?
Die Erzählung eignet sich hervorragend für den Vergleich mit dem Film, da sie ebenfalls durch eine komplexe Perspektivität und die Thematisierung des Wahnsinns besticht.
Welche Rolle spielt die Perspektive bei der Darstellung von Wahnsinn?
Die Perspektive ist entscheidend: Sowohl im Film als auch im literarischen Text wird durch den Wechsel zwischen Innensicht und neutraler Außensicht die Verwirrung des Protagonisten für den Rezipienten erfahrbar gemacht.
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- Julia Mülling (Author), 2010, Ein Unterrichtskonzept zu Film und Literatur im Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191873