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"Weiber weiblich"? Frauenleben im Bismarck-Reich und Frauenrollen in ausgewählten Werken Fontanes

Titel: "Weiber weiblich"? Frauenleben im Bismarck-Reich und Frauenrollen in ausgewählten Werken Fontanes

Bachelorarbeit , 2010 , 49 Seiten , Note: 2,1

Autor:in: Nora Ritzschke (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Flaubert, Tolstoi, Ibsen - große Namen prägen die Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts. Eines haben die bedeutendsten Werke dieser drei Schriftsteller gemeinsam: Die Helden ihrer Werke sind Frauen. Sie alle geraten in einen Konflikt mit der Gesellschaft, indem sie versuchen, sich aus einem äußerst beschränkten Lebenskreis und der patriarchalischen Vorherrschaft der Männer zu befreien. Sie alle leiden unter machthungrigen, emotionslosen Ehepartnern und begeben sich auf die Suche nach ihrem individuellen Glück. Nur Nora überlebt ihre unglückliche Ehe, befreit sich und ist in der Lage, die geltenden Moralvorstellungen und Konventionen in Frage zu stellen: „‚Ich muß mich davon überzeugen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich.‘“ Auch Fontane schließt sich dieser Thematik an. Das bekannteste Beispiel ist Effi Briest: Durch eine Affäre versucht sie, aus ihrer unglücklichen Ehe mit dem deutlich älteren Geert von Innstetten auszubrechen. Als dieser davon erfährt, wird sie von Familie und Gesellschaft verstoßen und stirbt. Ein ähnliches Schicksal widerfährt auch Melanie van der Straaten, die sich die gleiche Frage wie Nora Helmer stellt und es schafft, sich über die gesellschaftlichen Grenzen hinwegzusetzen. Cécile, eine wunderschöne junge Frau, hat keinen Ehebruch begangen, sondern war in der Vergangenheit die Mätresse eines Fürsten. Wie Effi stirbt auch sie, da sie aufgrund der fragwürdigen Moralvorstellungen nicht in der Lage ist, ihre Geschichte hinter sich zu lassen. Lene und Stine, zwei Arbeiterinnen, müssen ebenfalls ihre Erfahrungen mit Konventionen und Gesellschaft machen: Zugunsten dieser geben sie ihre Liebe auf. Während sich Lene im gleichen Stand verheiratet, stirbt Stine ebenso wie viele ihrer Vorgängerinnen und Nachfolgerinnen.
Die fünf Frauen und zwei weitere Figuren aus Fontanes Oeuvre sind Thema dieser Arbeit. Sie alle sind sich ähnlich. Die einen teilen ihr Schicksal, die anderen haben ein gemeinsames Ende, wobei alle Nora Helmers Frage nachgehen: Wer hat Recht, sie oder die Gesellschaft?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 „Ich muß mich davon überzeugen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich“ - Einleitung

2 Die Stellung der Frau im Bismarck-Reich

2.1 Rechtsstellung der Frau im Preußischen Allgemeinen Landrecht

2.2 ‚Weiber weiblich, Männer männlich‘ – Frauen in der Gesellschaft

3 Frauenbilder in Fontanes Werken

3.1 Fontanes Frauenbild

3.2 „[…] die Geschichte der Frauen ist meist viel interessanter“ - Einige Romanfiguren

3.2.1 L’Adultera - Melanie van der Straaten und Effi Briest

3.2.2 Kranke Schönheit - Cécile

3.2.3 Einfache Leben - Lene und Stine

3.2.4 „Nebenfiguren sind immer das Beste“ - Frau Dörr und Pauline Pittelkow

3.3 Zwei, drei oder mehr Frauentypen?

4 Fontane - Realist und Gesellschaftskritiker? Vergleich von Realität und Werken

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Frauenrollen in ausgewählten Werken von Theodor Fontane vor dem Hintergrund der rechtlichen und gesellschaftlichen Lebenssituation von Frauen im Bismarck-Reich. Dabei wird analysiert, inwieweit Fontane mit seinen weiblichen Protagonisten realistische Frauenbilder zeichnet, Kritik an den patriarchalischen Strukturen übt oder idealisierte Charaktere schafft.

  • Rechtliche und gesellschaftliche Stellung der Frau im 19. Jahrhundert
  • Analyse weiblicher Figuren in ausgewählten Romanen Fontanes
  • Vergleich von realen Lebensumständen und literarischer Darstellung
  • Fontane als Realist und Gesellschaftskritiker

Auszug aus dem Buch

L’Adultera - Melanie van der Straaten und Effi Briest

Zwei junge Frauen geben sich einem ähnlichen Schicksal hin: Sie begehen Ehebruch, machen sich so vor der Gesellschaft schuldig und müssen mit den Folgen umgehen. Während Melanies Schicksal in L’Adultera 1882 mit scharfer Kritik und moralischer Entrüstung aufgenommen wurde, weckte Effi Briest 1895 Begeisterung und Lobeshymnen.

Die Hauptprotagonisten Melanie, „[ä]lteste Tochter Jean de Caparoux‘, eines Adligen aus der französischen Schweiz“, und ihr Ehemann Kommerzienrat Ezechiel van der Straaten werden im ersten Kapitel der Novelle einführend vorgestellt. Sie ist eine außergewöhnliche junge Frau, technisch und musikalisch gebildet, sprachlich begabt und auffallend schön: „Ihre heitere Grazie war fast noch größer als ihr Esprit und ihre Liebenswürdigkeit noch größer als beides. Alle Vorzüge französischen Wesens erschienen in ihr vereinigt.“ (LA 9) Doch Melanie empfindet „etwas wie Sehnsucht“, als sie gedankenverloren aus dem Fenster schaut, „als müsse es schön sein, so zu steigen und zu fallen und dann wieder zu steigen […]“ (LA 11). Nicht nur ein gewisses Freiheitsbedürfnis wird hieran deutlich, es ist auch als Vorausdeutung auf das Kommende zu verstehen. Melanie ist eine junge schöne Frau gesellschaftlich höheren Ranges, die für sich selbst den Anspruch auf Individualität einfordert, was - wie bereits herausgearbeitet - im 19. Jahrhundert nicht die Regel war, sondern geradezu mittels Gesetz versagt wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1 „Ich muß mich davon überzeugen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich“ - Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach dem Konflikt zwischen weiblicher Individualität und gesellschaftlichen Konventionen vor und skizziert den Aufbau der Untersuchung.

2 Die Stellung der Frau im Bismarck-Reich: Dieses Kapitel analysiert die rechtliche Grundlage der Diskriminierung im Preußischen Allgemeinen Landrecht und das vorherrschende, durch Anstandsbücher und die Gesellschaft geprägte Frauenbild.

3 Frauenbilder in Fontanes Werken: Hier werden sieben ausgewählte Frauenfiguren aus Fontanes Romanen hinsichtlich ihres Charakters, ihrer Ehestellung und ihres Verhältnisses zur Gesellschaft analysiert.

4 Fontane - Realist und Gesellschaftskritiker? Vergleich von Realität und Werken: Dieses Kapitel bringt die Ergebnisse der vorangegangenen Teile zusammen, um zu klären, ob Fontane ein realistisches Gesellschaftsbild zeichnet oder idealisierte Vorbilder erschafft.

5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Frauenbilder zwar vordergründig ähneln, aber als Individuen auf unterschiedliche Weise an den gesellschaftlichen Normen scheitern oder (im Fall von Melanie) neue Wege finden.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Frauenrollen, 19. Jahrhundert, Bismarck-Reich, Ehe, Gesellschaftskritik, Realismus, Ehebruch, Preußisches Allgemeines Landrecht, Frauenbewegung, Literaturanalyse, Weiblichkeit, Konventionen, Individualität, Romanfiguren.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der gesellschaftlichen Stellung der Frau im 19. Jahrhundert und deren literarischer Darstellung in ausgewählten Romanen von Theodor Fontane.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Benachteiligung der Frau, den moralischen Konventionen des Bismarck-Reichs und der literarischen Gestaltung von Frauenfiguren, die aus den geltenden Rollenbildern auszubrechen versuchen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob Fontane mit seinen Frauenfiguren kritisch auf die sozialen Missstände seiner Zeit reagiert oder ob er lediglich idealisierte Wunschbilder erschafft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine textimmanente Analyse der Romane, kombiniert mit einer historischen Untersuchung des rechtlichen und soziokulturellen Kontextes der Zeit.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert sieben zentrale Frauenfiguren, unterteilt in Gruppen wie Ehebrecherinnen, Arbeiterinnen und Nebenfiguren, und stellt diese in den Zusammenhang der zeitgenössischen Realität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Frauenrollen, Fontane, Realismus, Ehe, Gesellschaftskritik und Konventionen.

Wie unterscheidet sich die Situation von Melanie van der Straaten von der von Effi Briest?

Während Melanie es trotz des Ehebruchs schafft, ihre Identität zu wahren und sich in der Gesellschaft zu behaupten, zerbricht die kindlichere, stärker an Konventionen gebundene Effi Briest an ihrem Schicksal und dem gesellschaftlichen Ausschluss.

Warum wird Cécile als Sonderfall betrachtet?

Cécile ist weder bloßes Opfer noch emanzipierte Rebellin; ihre Geschichte wird retrospektiv durch die Augen männlicher Protagonisten erzählt, was die verzerrte Wahrnehmung von Frauen durch gesellschaftliche Vorurteile verdeutlicht.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Weiber weiblich"? Frauenleben im Bismarck-Reich und Frauenrollen in ausgewählten Werken Fontanes
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Deutsche Philologie)
Note
2,1
Autor
Nora Ritzschke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
49
Katalognummer
V191872
ISBN (eBook)
9783656171652
ISBN (Buch)
9783656171768
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theodor Fontane Effi Briest Melanie van der Straaten L'Adultera Cécile Lene Stine Frau Dörr Pauline Pittelkow Frauenbild Irrungen Wirrungen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nora Ritzschke (Autor:in), 2010, "Weiber weiblich"? Frauenleben im Bismarck-Reich und Frauenrollen in ausgewählten Werken Fontanes, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191872
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Leseprobe aus  49  Seiten
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