Ein zentrales Ziel des Englischunterrichts besteht darin, daß Schüler die Fähigkeit erwerben, in englischer Sprache zu kommunizieren. Dabei müssen den Schülern Kompetenzen sowohl hinsichtlich der schriftlichen als auch der mündlichen Kommunikation vermittelt werden. Für den Bereich der mündlichen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht spielt die Aussprache eine entscheidende Rolle, da sie zum einen für den Ausdruck bzw. das Verständnis münd-licher Texte ausschlaggebend ist und zum anderen als besonderes Charakteristikum einer Fremdsprache angesehen werden muß. Bei der Artikulation zusammenhängender Texte ist nicht nur die Aussprache von Phonemen in ihrer jeweiligen Kombination zu beachten; ebenso müssen solche phonetischen Merkmale wie z. B. die Betonung, die Intonation oder das Tempo, die sich auf übergeordnete Lauteinheiten, d.h. Silben, Wörter und Sätze beziehen, in einer für die Kommunikation angemessenen Weise eingesetzt werden.In dieser Arbeit soll nun untersucht werden, welche Bedeutung speziell der Betonung für die Ausspracheschulung des gymnasialen Englischunterrichts zukommt, wobei sowohl die Wort- als auch die Satzbetonung behandelt werden. Dabei ist bereits die Auswahl der Gegenstandsbereiche, die hier hinsichtlich der Betonung dargestellt werden sollen, an fachdidaktischen Gesichtspunkten ausgerichtet. So werden insbesondere solche Teilbereiche der Betonung untersucht, die das Charakteristische der englischen Betonung erkennen lassen, von be-sonderem Interesse für eine kontrastive Betrachtung aus Sicht des deutschen Englischlerners sind und anhand derer sich besondere Schwierigkeiten des Fremdsprachenlerners bei der Betonung erklären lassen. Diese zu erwartenden Schwierigkeiten der Englischlerner bei der Betonung sollen dann aufgegriffen und als besondere Problematik der Ausspracheschulung dargestellt werden. Im weiteren sollen im Hinblick auf die festgestellte Problematik Zielsetzungen formuliert, allgemeine Verfahren erörtert und praktische Übungen aufgezeigt werden, um zu fachdidaktischen Lösungsvorschlägen zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Betonung als suprasegmentales Merkmal
3. Die Wortbetonung
3.1 Die Wortbetonung als ein Mittel der Akzentuierung
3.2 Der Hauptton
3.2.1 Die Lage des Haupttons in Wörtern germanischer und nichtgermanischer Herkunft
3.2.2 Die Lage des Haupttons bei Affigierungen
3.3 Der Nebenton
3.4 Die Doppelbetonung
3.5 Schwierigkeiten für den deutschen Englischlerner
4. Die Satzbetonung
4.1 Allgemeine Prinzipien der Satzbetonung
4.2 Der Einfluß von Rhythmus und Intonation auf die Satzbetonung
4.3 Die Betonung bestimmter Wörter und Wortarten im Satz
4.4 Schwierigkeiten für den deutschen Lerner des Englischen
5. Zielsetzungen, Verfahren und Übungen für die Ausspracheschulung
5.1 Zielsetzungen
5.2 Imitative und kognitive Verfahren
5.3 Übungsformen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Wort- und Satzbetonung im gymnasialen Englischunterricht mit dem Ziel, fachdidaktische Lösungsvorschläge für die Ausspracheschulung zu entwickeln, die den spezifischen Herausforderungen deutscher Englischlerner gerecht werden.
- Analyse der Betonung als suprasegmentales Merkmal
- Kontrastive Untersuchung englischer Betonungsmuster gegenüber dem Deutschen
- Erörterung von Schwierigkeiten beim Erwerb englischer Betonungsregeln
- Integration von Ausspracheschulung in den Englischunterricht
- Methodische Ansätze: Imitative und kognitive Verfahren
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Die Lage des Haupttons in Wörtern germanischer und nichtgermanischer Herkunft
Im Englischen weisen Wörter germanischer Herkunft wie im Deutschen eine Stammbetonung auf. Das heißt, daß ihre erste Silbe betont wird, wenn kein Präfix vorhanden ist ('hopefulness, 'livelihood, ...)17 . Handelt es sich jedoch um Präfigierungen, so ist zwischen präfigierten Verben und den hierzu gebildeten Substantiven zu unterscheiden. Während bei den Substantiven der Hauptton zumeist auf dem Präfix liegt ('overflow), wird bei den Verben in der Regel der Stamm betont (over'flow). Auf diese Weise trägt der Unterschied in der Betonung dazu bei, unterschiedliche Wortarten zu kennzeichnen.18 Abgesehen von der Betonung bei Substantiven kann im allgemeinen gesagt werden, daß die Stammbetonung auch bei Präfigierungen beibehalten wird. Dies gilt insbesondere dann, wenn germanische Präfixe an der Wortbildung beteiligt sind: a'side, be'have, for'get, with'hold. Die Stammbetonung ist aber auch häufig bei präfigierten Verben nichtgermanischen Ursprungs festzustellen (con'sider, pro'nounce, sub'mit)19.
Während die englische und die deutsche Sprache recht einheitliche Muster bei der Betonung von Wörtern germanischer Herkunft aufweisen, unterscheiden sie sich doch erheblich hinsichtlich der Betonung in Wörtern anderer Herkunft. Im Deutschen entspricht die Druckverteilung in entlehnten Wörtern zumeist dem Betonungsmuster der Herkunftssprache. Dabei tragen nach Arnold und Hansen entlehnte Wörter im Deutschen in der Regel den Hauptton auf der letzten oder vorletzten Silbe.20 Im Englischen ist dagegen die Tendenz zu beobachten, die Druckverteilung bei den Entlehnungen der germanischen Stammbetonung anzugleichen. Dies hat zur Folge, dass in der englischen Sprache entlehnte Wörter, die bis zu drei Silben umfassen, den Hauptton oftmals auf der ersten Silbe tragen (ausgenommen präfigierte Verben (s.o.)). Wörter mit mehr als drei Silben besitzen häufig einen Hauptton auf der drittletzten Silbe. Zwar gibt es ebenfalls Wörter nichtgermanischen Ursprungs, deren letzte oder vorletzte Silbe druckstark ist, doch sind diese in der Anzahl geringer. Aufgrund der unterschiedlichen Eingliederung nichtgermanischer Wörter in den jeweiligen Wortschatz kommt es im Englischen und Deutschen zu häufigen Differenzen bei der Betonung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung legt das Ziel fest, die Bedeutung der Betonung für die Ausspracheschulung im Englischunterricht zu untersuchen und Schwierigkeiten für deutsche Lerner aufzuzeigen.
2. Die Betonung als suprasegmentales Merkmal: Das Kapitel definiert Betonung als suprasegmentales Merkmal und grenzt die Wort- von der Satzbetonung innerhalb des Sprechkontinuums ab.
3. Die Wortbetonung: Hier werden die Mechanismen der Wortbetonung, inklusive Hauptton, Nebenton, Doppelbetonung und deren Relevanz für deutsche Lerner, analysiert.
3.1 Die Wortbetonung als ein Mittel der Akzentuierung: Dieses Kapitel erläutert, wie Druckstärke zusammen mit anderen Faktoren wie Tonhöhe und Lautqualität zur Hervorhebung von Silben beiträgt.
3.2 Der Hauptton: Es wird die Schwierigkeit thematisiert, allgemeingültige Regeln für die Haupttonlage in mehrsilbigen englischen Wörtern zu finden.
3.2.1 Die Lage des Haupttons in Wörtern germanischer und nichtgermanischer Herkunft: Dieses Kapitel vergleicht die Stammbetonung germanischer Wörter mit den unregelmäßigeren Mustern bei entlehnten Wörtern.
3.2.2 Die Lage des Haupttons bei Affigierungen: Es wird untersucht, wie Suffixe und Präfixe die Lage des Haupttons in Wörtern beeinflussen oder verändern.
3.3 Der Nebenton: Das Kapitel erklärt die Funktion des Nebentons zur rhythmischen Ausgewogenheit in mehrsilbigen Wörtern und Komposita.
3.4 Die Doppelbetonung: Hier wird das Phänomen der Doppelbetonung (level stress) bei Wörtern und Wortgruppen sowie deren Variabilität beschrieben.
3.5 Schwierigkeiten für den deutschen Englischlerner: Zusammenfassend werden die Probleme bei der Wortbetonung für Deutschsprachige, insbesondere aufgrund von Interferenzen, dargelegt.
4. Die Satzbetonung: Dieses Kapitel führt in die komplexere Druckverteilung auf Satzebene ein, die von Mitteilungsabsicht und Rhythmus abhängt.
4.1 Allgemeine Prinzipien der Satzbetonung: Es wird erklärt, wie die Mitteilungsabsicht und die Unterscheidung zwischen Inhalts- und Funktionswörtern die Satzbetonung bestimmen.
4.2 Der Einfluß von Rhythmus und Intonation auf die Satzbetonung: Das Kapitel erläutert, wie sich der englische Sprechrhythmus und Intonationsmuster auf die Modifikation der Betonung auswirken.
4.3 Die Betonung bestimmter Wörter und Wortarten im Satz: Hier werden spezifische Regeln für Funktionswörter und Hilfsverben im Satzkontext behandelt.
4.4 Schwierigkeiten für den deutschen Lerner des Englischen: Das Kapitel reflektiert die besonderen Herausforderungen für deutsche Schüler bei der Bewältigung der komplexen Satzbetonung.
5. Zielsetzungen, Verfahren und Übungen für die Ausspracheschulung: Hier werden didaktische Ziele, methodische Zugänge und konkrete Übungsformen für den Unterricht diskutiert.
5.1 Zielsetzungen: Das Kapitel definiert rezeptive und produktive Fähigkeiten als notwendige Ziele der Ausspracheschulung.
5.2 Imitative und kognitive Verfahren: Es wird der Einsatz von Nachahmung und bewusster Regelerkenntnis in der Ausspracheschulung gegenübergestellt.
5.3 Übungsformen: Dieses Kapitel stellt praktische Übungen für den Unterricht vor, wie lautes Lesen, das Nutzen von Lautschrift oder technischer Hilfsmittel.
6. Fazit: Das Fazit betont die Notwendigkeit, Betonung als integralen Bestandteil einer ganzheitlichen Ausspracheschulung zur Förderung kommunikativer Kompetenz zu begreifen.
Schlüsselwörter
Betonung, Wortbetonung, Satzbetonung, Ausspracheschulung, Englischunterricht, Suprasegmentalia, Hauptton, Nebenton, Sprachdidaktik, Intonation, Rhythmus, Interferenzen, Fremdsprachenlernen, Akzentuierung, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Betonung (Wort- und Satzbetonung) im gymnasialen Englischunterricht und untersucht, wie diese gezielt in die Ausspracheschulung integriert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die phonetische Beschreibung der Wort- und Satzbetonung, der Vergleich englischer und deutscher Muster sowie didaktische Strategien zur Vermittlung dieser Merkmale.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Schwierigkeiten deutschsprachiger Lerner bei der englischen Betonung zu identifizieren und auf dieser Grundlage methodische Wege zur Verbesserung der Aussprachefertigkeiten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten fachdidaktischen und phonetischen Theorieanalyse, wobei kontrastive Betrachtungen zwischen dem Englischen und Deutschen im Vordergrund stehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Analyse der Betonungssysteme (Wort- und Satzebene) sowie die Darstellung von Zielsetzungen, imitativen und kognitiven Verfahren und praktischen Übungsformen für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Betonung, Ausspracheschulung, Englischunterricht, Suprasegmentalia, Rhythmus, Intonation und didaktische Verfahren.
Warum sind Interferenzen bei der Betonung für deutsche Lerner besonders problematisch?
Interferenzen treten auf, da das Englische und Deutsche unterschiedliche Regeln bei der Haupttonlage, der Reduktion von Vokalen und der rhythmischen Gestaltung (z.B. Zeitintervalle) aufweisen, was Lernende oft dazu verleitet, deutsche Muster auf das Englische zu übertragen.
Welche Rolle spielt die Intonation im Zusammenhang mit der Satzbetonung?
Intonation und Betonung wirken zusammen, um die Mitteilungsabsicht des Sprechers zu verdeutlichen; die Intonationsmuster beeinflussen dabei, welche Wörter oder Silben im Satz hervorgehoben werden.
Warum ist laut der Arbeit ein rein theoretischer phonetischer Einführungskurs nicht sinnvoll?
Da eine isolierte Beschäftigung mit der Phonetik ohne Anwendungsbezug die Schülermotivation senkt, plädiert die Arbeit für eine integrative Ausspracheschulung im Rahmen der Vokabel- und Textarbeit.
Wie unterscheidet sich die methodische Herangehensweise bei der Ausspracheschulung?
Die Arbeit empfiehlt eine Kombination aus imitativen Verfahren (Nachahmung) und kognitiven Ansätzen (Regelverständnis, Kontrastierung), die im Unterricht wechselseitig und in gemischter Form eingesetzt werden sollten.
- Arbeit zitieren
- Dr. Jens Saathoff (Autor:in), 1994, Die Wort- und Satzbetonung in der Ausspracheschulung des gymnasialen Englischunterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191536