Die hier vorliegende Arbeit behandelt ein Thema, das aktueller den je zu sein scheint. Das Gender Mainstreaming bzw. die Gleichstellungspolitik.Während in Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland seit einigen Wochen hitzig über die Einführung einer Frauenquote für leitende Positionen in Unternehmen und ihren Nutzen für die Gleichstellung von Männern und Frauen diskutiert wird, sind einige Länder allen voran Schweden um einiges fortgeschrittener. Das Land steht scheinbar für eine erfolgreiche Ausübung von Gleichstellungspolitik.Die Regierung hat einige Handlungsoptionen dieses Ziel zu erreichen. Zudem kommt, dass sich Frauen mehr als anderswo in Europa gleichberechtigt fühlen und dies de facto in einigen Bereichen auch bereits sind. In Deutschland ist dieses Thema zwar auch auf den politischen Agenden der Parteien, dennoch ist hier Gleichstellungspolitik nicht ausreichend institutionalisiert und praktiziert. Diese Arbeit will dieses Phänomen hinsichtlich seiner Vergleichbarkeit untersuchen. Inwiefern unterscheiden sich das deutsche und das schwedische Gleichstellungssystem? Wo sind Defizite erkennbar? Wo liegen die Schwächen und Stärken beider Regierungsformen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen des Gender Mainstreaming
2.1. Der Begriff Gender
2.2 Was ist Gender Mainstreaming?
3. Die Gleichstellungspolitik der Bundesrepublik Deutschland
3.1. Die Entwicklung der Gleichstellungspolitik in der BRD
3.2. Gesetzliche Regelung in der BRD
3.3. Politische Akteure und frauenpolitische Bewegungen
4. Die Gleichstellungspolitik in Schweden
4.1. Die Entwicklung der Gleichstellungspolitik in Schweden
4.2. Staatliche Institutionen
4.2.1. Der Ombudsmann für Gleichstellung
5. Vergleich
5.1. Unterschiede in der Regierungsform
5.2. Die Einbindung von wirtschaftlichen Akteuren in Deutschland und Schweden
5.3. Die Frauenbewegung
5.4. Die Rolle von geschlechtsspezifischen Daten
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Ansätze und die Wirksamkeit der Gleichstellungspolitik in Deutschland und Schweden. Ziel ist es, die strukturellen Unterschiede zu analysieren, Defizite im deutschen System aufzuzeigen und zu ergründen, warum das schwedische Modell als erfolgreicher wahrgenommen wird.
- Vergleichende Analyse des Konzepts Gender Mainstreaming in Deutschland und Schweden
- Untersuchung der institutionellen Rahmenbedingungen und staatlichen Akteure
- Evaluierung der politischen Partizipation und des Einflusses der Frauenbewegung
- Betrachtung der Einbindung von Wirtschaftsakteuren in Gleichstellungsprozesse
- Analyse der Bedeutung von geschlechtsspezifischen Daten für die Politikgestaltung
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Der Ombudsmann für Gleichstellung
Der Ombudsmann ist eine für Schweden typische Einrichtung. Sie existiert für Bürger und Bürgerinnen die rechtlichen Beistand suchen. Der schwedische Ombudsmann lässt sich als Schnittstelle zwischen Volk und Gerichtsbarkeit sehen und dient faktisch zur Kontrolle von staatlicher Macht (Vgl. Kurpjoweit,1997: 228). Es existieren in Schweden eine Reihe von Ombudsmännern, die jeder für sich einen eigenen Bereich untergeordnet haben. Gefasst werden sie im Justizombudsmann, der die höchste Instanz darstellt. Der JämO bildet die treibende Kraft in Schwedens Gleichstellung und bezeichnet sich selbst als Motor des Gender Mainstreaming. Er ist direkt vom schwedischen Reichstag eingesetzt und ist diesem Rechenschaft schuldig. Obwohl Verstöße gegen das schwedische Gleichstellungsgesetz vom JämO rechtliche Folgen haben können, ist die Zusammenarbeit mit dem Ombudsmann für Unternehmen freiwillig. Eine der vielen Bereiche der Arbeit der Institution ist die Überwachung von Diskriminierung. Damit ist die Diskriminierung von Frauen an ihren Arbeitsplätzen gemeint, die in Fragen der Mobilität bzw. in Abhängigkeit des Arbeitsstandortes, Männern gegenüber benachteiligt werden (Vgl. Kurpjoweit, 1997: 230).
Zur Überwachung der Gleichstellungsarbeit, besitzt der JämO in allen größeren Betrieben sogenannte „Kontaktombuds“. Die Arbeit dieser Ombudsmänner ist allerdings in Schweden sehr umstritten, da sie als Mitarbeiter der jeweiligen Firma, einem Vorwurf der Abhängigkeit nichts entgegenzusetzen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die aktuelle Debatte um Gender Mainstreaming ein und begründet die Relevanz eines Vergleichs zwischen der deutschen und schwedischen Gleichstellungspolitik.
2. Grundlagen des Gender Mainstreaming: Dieses Kapitel definiert den Begriff Gender als wissenschaftliche Kategorie und erläutert das Konzept sowie die Funktionen des Gender Mainstreaming als frauenpolitische Strategie.
3. Die Gleichstellungspolitik der Bundesrepublik Deutschland: Hier wird die historische Entwicklung, die gesetzliche Lage wie das AGG sowie die Rolle staatlicher Akteure und frauenpolitischer Bewegungen in Deutschland beleuchtet.
4. Die Gleichstellungspolitik in Schweden: Das Kapitel beschreibt das schwedische Erfolgsmodell, seine institutionelle Stärke und insbesondere die Rolle des Ombudsmanns als treibende Kraft.
5. Vergleich: Dieser Abschnitt stellt die beiden Systeme direkt gegenüber und analysiert Unterschiede in Regierungsform, wirtschaftlicher Einbindung und dem Umgang mit Daten.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die Schweden als prozessorientiertes Vorbild hervorhebt, während Deutschland noch tiefgreifende strukturelle Wandlungsprozesse vor sich hat.
Schlüsselwörter
Gender Mainstreaming, Gleichstellungspolitik, Schweden, Deutschland, Frauenbewegung, Gesetzliche Regelung, Ombudsmann, Geschlecht, Institutionelle Grundlagen, Gleichberechtigung, Diskriminierung, Politische Strategie, Arbeitswelt, Frauenquote, Gender Equality Index
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Gleichstellungspolitik von Deutschland und Schweden vor dem Hintergrund des Konzepts Gender Mainstreaming.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentral sind die historische Entwicklung der Gleichstellungspolitik, staatliche Institutionen, gesetzliche Rahmenbedingungen und der Einfluss gesellschaftlicher Kräfte in beiden Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die Unterschiede im Erfolg der Gleichstellungssysteme zu erklären und die Stärken bzw. Defizite beider Ansätze herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird für den Vergleich verwendet?
Die Arbeit nutzt einen komparativen Ansatz, der auf der Analyse politikwissenschaftlicher Fachliteratur und dem Vergleich staatlicher Institutionen basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der deutschen und schwedischen Systeme sowie einen detaillierten Vergleich von Regierungsstrukturen, wirtschaftlicher Partizipation und Datenverfügbarkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Gender Mainstreaming, institutionelle Verankerung, Frauenbewegung und systemischer Vergleich zwischen Deutschland und Schweden.
Warum wird der schwedische Ombudsmann für Gleichstellung (JämO) als so wichtig erachtet?
Der JämO fungiert als direkte Schnittstelle zwischen Staat und Bürgern und gilt als "Motor" der schwedischen Gleichstellungspolitik, da er aktiv die Umsetzung von Standards überwacht.
Welchen Einfluss haben wirtschaftliche Akteure auf die Gleichstellungspolitik in Deutschland laut dem Autor?
Der Autor konstatiert ein Defizit an Verbindlichkeit für Unternehmen in Deutschland, da klare Anreize und Sanktionen fehlen, was den Gleichstellungsprozess in der Wirtschaft bremst.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Bergmann (Autor:in), 2011, Gender Mainstreaming in Deutschland und Schweden, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191310