Wer sind wir? Was macht eine Person aus, bzw. wie wird eine Person erzeugt? Erzeugt sie sich selbst?
Wird sie durch andere erzeugt, sodass sie lediglich glaubt, sie werde durch sich selbst erzeugt? Wer sind die Anderen dann? Sind es Institutionen, Menschen des täglichen Alltags oder gar Staaten oder Fantasien? Michel Foucault glaubt, dass das Subjekt stets durch den vorherrschenden Zeitgeist (also Epoche) gebildet wird. Foucault schlägt sodann auch eine Analyse der Bedingungen vor, unter denen es möglich ist, dass ein Individuum Subj ekt wird. In seine Analyse bezieht er sodann Diskurse und Machtverhältnisse ein, die Personen wechselseitig beeinflussen können und damit das Subjekt erzeugen. Es geht ihm dabei um raffinierte Disziplinierungspraktiken und die individualisierenden Humanwissenschaften. Gibt es einen transzendenten Urheber der Macht, die Subjekte, ohne dass diese es Wissen, bildet? Kann man letztendlich im Zusammenhang der Subjektivierung von Bildung sprechen?
Inhaltsverzeichnis
1. Unterwerfung und Überschreitung: Michel Foucaults Theorie der Subjektivierung
1.1 Der Einfluss von Diskursen und Machtverhältnissen auf das Subjekt
1.2 Die Theorie der Intersektionalität im Kontext der Subjektivierung
1.3 Disziplinierung und die Überwachung des Körpers
1.4 Vergleichende Perspektiven: Foucault und Elias zur Körperdisziplinierung
1.5 Fallbeispiel: Das „Phallic-Girl“ im Lichte der Machttheorie
1.6 Reflexion: Vernunft, Freiheit und Bildung im Spiegel der Aufklärung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, wie Subjektivität durch gesellschaftliche Machtverhältnisse, Disziplinierungspraktiken und Diskurse geformt wird, und hinterfragt dabei das Spannungsfeld zwischen individueller Handlungsfreiheit und der Prägung durch den Zeitgeist.
- Machttheoretische Analyse nach Michel Foucault
- Intersektionalitätsansatz nach Degele und Winker
- Körperdisziplinierung und der Zivilisationsprozess
- Konstruktion von Identität durch soziale Kategorien
- Verhältnis von Bildung, Macht und Subjektivierung
Auszug aus dem Buch
Die Theorie der Intersektionalität im Kontext der Subjektivierung
Der Untersuchungsansatz nach Degele / Winker setzt auf den Mehrebenenansatz: Gesellschaftliche Strukturen einschließlich Institutionen (Makroebene), Identitätsbildungsprozesse (Mikroebene) und die kulturellen Symbole der Repräsentationsebene. Wichtig dabei ist, dass auf der Identitätsebene Erfahrungen der Subjekte ausgetauscht werden. Daneben fehlen jedoch noch Ideologien, Normen und Diskurse, die sowohl Strukturen wie auch Identitäten insinuieren und andersrum. Diese Ebene ist zugleich die Repräsentationsebene. Identität wird hier als wandelbar angesehen und als niemals gleich. Durch ihren ganzheitlichen Ansatz kann untersucht werden, in welche Strukturen und symbolische Kontexte soziale Praxen eingebunden sind und wie sie Identitäten generieren und variieren. Denn Sprache trägt immens zur individuellen Subjektivierung bei, zudem aggregieren Normen und Stereotype Macht- und Herrschaftsverhältnisse.
Rasse und Geschlecht werden sogar als naturalisiert hingenommen, so, gedanken-sprachlich hergestellte Ideale segregieren zwischen „Wir“ und den „Anderen“, und führen infolgedessen zur indirekten Annahme von Identitäten. Dem, der unterscheidet, gibt dies Sicherheit und Orientierung. Da der Ansatz bei der Identität ansetzt, werden per Interview ohne Aufforderung Differenzkategorien herausgehorcht, dabei wurde offensichtlich, dass manche Äußerungen mehreren Kategorien zuordenbar sind. Am Beispiel einer aus Deutschland geduldeten kurdischen Migrantin konnten folgende Erkenntnisse gewonnen werden (Schultheiss/Schulz 2005, S. 569-574): Sie behagt das Ausgegrenztsein, Hilflosigkeit, Einsamkeit und ein Mensch zweiter Klasse zu sein. Sie fühlt sich nicht gut behandelt, ihr Ehemann schlägt sie und sie fühlt sich zu alt um neu anzufangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Unterwerfung und Überschreitung: Michel Foucaults Theorie der Subjektivierung: Dieses einführende Kapitel beleuchtet Foucaults Grundannahme, dass das Subjekt stets durch den vorherrschenden Zeitgeist und Machtverhältnisse konstituiert wird.
1.1 Der Einfluss von Diskursen und Machtverhältnissen auf das Subjekt: Hier wird analysiert, wie Diskurse und individuelle Disziplinierungspraktiken die Handlungsspielräume des Individuums prägen.
1.2 Die Theorie der Intersektionalität im Kontext der Subjektivierung: Dieses Kapitel erläutert den Mehrebenenansatz der Intersektionalität und dessen Bedeutung für die Sichtbarmachung von Unterdrückungsmechanismen.
1.3 Disziplinierung und die Überwachung des Körpers: Der Fokus liegt auf der historischen Entwicklung der Überwachung und Züchtigung, die zu einer Verinnerlichung von Normen durch das Individuum führt.
1.4 Vergleichende Perspektiven: Foucault und Elias zur Körperdisziplinierung: Diese Sektion setzt Foucaults Machttheorie in Bezug zu Norbert Elias’ Zivilisationstheorie, um den Wandel des menschlichen Ausdrucksverhaltens zu erörtern.
1.5 Fallbeispiel: Das „Phallic-Girl“ im Lichte der Machttheorie: Das Kapitel wendet die theoretischen Konzepte auf das Fallbeispiel des „Phallic-Girls“ an, um die Vermarktung und Unterdrückung im privaten und öffentlichen Raum aufzuzeigen.
1.6 Reflexion: Vernunft, Freiheit und Bildung im Spiegel der Aufklärung: Abschließend wird das Spannungsfeld zwischen staatlicher Lenkung und der Fähigkeit zur Mündigkeit im Sinne Kants reflektiert.
Schlüsselwörter
Subjektivierung, Foucault, Intersektionalität, Machtverhältnisse, Disziplinierung, Identitätsbildung, Zivilisationsprozess, Diskursanalyse, Körperpolitik, Bildung, Herrschaft, Emanzipation, soziale Kategorien, Subjekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht philosophische und soziologische Ansätze zur Entstehung des Subjekts unter dem Einfluss von Machtstrukturen und gesellschaftlichen Normen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind Machttheorien nach Foucault, Intersektionalität, die Disziplinierung des menschlichen Körpers und das Verhältnis von Bildung und Individuum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Machtkonstellationen den Menschen formen und inwieweit individuelle Handlungsfreiheit innerhalb dieser Strukturen existieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine diskursanalytische Methode verwendet, ergänzt durch theoretische Vergleiche und die Anwendung von Modellen der Intersektionalität auf konkrete Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Mechanismen der Überwachung, die historische Körperdisziplinierung nach Foucault und Elias sowie die Auswirkungen von Kategorisierungen auf die Identität.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Subjektivierung, Intersektionalität, Disziplinierung, Macht und gesellschaftlicher Zivilisationsprozess.
Inwiefern wird der Ansatz von Norbert Elias einbezogen?
Elias' Theorie dient als komplementäre Perspektive zur Körperdisziplinierung, um den historischen Wandel von Affektkontrolle und Zivilisierung des Individuums zu verdeutlichen.
Wie wird das Fallbeispiel des „Phallic-Girls“ theoretisch eingeordnet?
Das Beispiel dient der Veranschaulichung, wie durch den Markt und gesellschaftliche Erwartungen neue Unterdrückungsformen entstehen, die das Subjekt objektivieren.
Welchen Stellenwert nimmt die Aufklärung in der Argumentation ein?
Die Aufklärung wird genutzt, um die Spannung zwischen der notwendigen Vernunft des Individuums und der Fremdbestimmung durch Institutionen kritisch zu hinterfragen.
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- B.A. Manuel Berg (Author), 2012, Unterwerfung und Überschreitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191060