Die Arbeit widmet sich der kulturpolitischen Kontroverse um "anstößige" Kunst, die Ende der 1980er und in den 1990er Jahren in den USA geführt wurde und in deren Rahmen über die staatliche Subventionierung bestimmter KünstlerInnen gestritten wurde. Im Fokus der Betrachtung steht hierbei der Fotograf Robert Mapplethorpe.
Ausgegangen wird in der Arbeit von der These, dass in der Debatte um Mapplethorpes Fotografien nicht allein ästhetische Fragestellungen, sondern fundamentalere Macht- und Wertfragen ausgehandelt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kontextualisierung
2.1. Das „National Endowment for the Arts“
2.2. „Piss Christ“ – Der Kampf beginnt
2.3. Der Fall „Mapplethorpe“, oder: Zur falschen Zeit am falschen Ort
2.4. Gesellschaftspolitischer Kontext
3. Diskursanalytische Betrachtung
3.1. Kein Geld für trash! – Argumente der Gegner
3.2. Im Land der Freiheit – Argumente der Befürworter
4. Schluss: The (Im)perfect Moment
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht diskursanalytisch die kulturpolitischen Auseinandersetzungen in den USA des Jahres 1989, die sich an den Fotografien von Robert Mapplethorpe und deren Förderung durch das National Endowment for the Arts (NEA) entzündeten.
- Die Rolle und Struktur des National Endowment for the Arts (NEA) im Kontext der Kulturförderung.
- Die Entstehung und der Verlauf der sogenannten „Culture Wars“ Ende der 1980er Jahre.
- Die Analyse der Argumentationsstrategien konservativer Gegner, die den Schutz öffentlicher Moral und Steuergelder ins Zentrum stellten.
- Die Gegenpositionen liberaler Befürworter, die Kunstfreiheit und verfassungsrechtlich geschützte Meinungsfreiheit priorisierten.
- Die Bedeutung von Begriffen wie „Obszönität“, „Zensur“ und „Kunst“ im gesellschaftspolitischen Diskurs.
Auszug aus dem Buch
3.1. Kein Geld für trash! – Argumente der Gegner
Als einer der ersten deutlichen Kritiker der Arbeiten Robert Mapplethorpes und deren Ausstellung mittels öffentlicher Gelder meldete sich Hilton Kramer, der Herausgeber der US-Zeitschrift „The New Criterion“ in einem Zeitungsartikel der „New York Times“ vom 02. Juli 1989 zu Wort. Unter der im Titel des Berichts aufgezeigten Frage „Is Art Above the Laws of Decency?“ diskutierte der Autor zwei grundlegende Überlegungen:
„Should public standards of decency and civility be observed in determining which works of art [...] are to be selected for the Government's support? [...] Is everything and anything to be permitted in the name of art?“
Interessanterweise begann Kramer seine Ausführungen mit der Feststellung, dass die heftige Debatte bezüglich der Ausstellungsabsage seitens der Corcoran Gallery als ein „event waiting to happen“ zu betrachten sei. Kramer schrieb weiter:
„The wonder is that it didn't occur earlier, for it involves an issue that has haunted our arts institutions, their supporters and their public [...]“.
Mehrere Jahre lang schon spukte das Gespenst, das seit Beginn des Jahres 1989 zunehmend lauter von der Dissonanz zwischen gesellschaftlich vereinbarter moralischer Anständigkeit und den Schöpfungen zeitgenössischer Kunst berichtete. Nun, endlich konnte man die Kontroverse öffentlich diskutieren – Serrano und Mapplethorpe sei Dank.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Person Robert Mapplethorpe ein und skizziert den zeitgeschichtlichen Rahmen der Kontroverse um die öffentliche Förderung seiner Fotografien Ende der 1980er Jahre.
2. Kontextualisierung: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise und den Auftrag des National Endowment for the Arts (NEA) und rekonstruiert die auslösenden Ereignisse um Andres Serrano und Robert Mapplethorpe sowie den gesellschaftspolitischen Hintergrund des Jahres 1989.
3. Diskursanalytische Betrachtung: Hier erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Argumentationsmuster; einerseits die Ablehnung durch konservative Kräfte aufgrund moralischer Bedenken und Steuergeldverschwendung, andererseits die Verteidigung durch liberale Befürworter, die sich auf die verfassungsmäßige Freiheit berufen.
4. Schluss: The (Im)perfect Moment: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, wie die Debatte die fundamentalen Spannungsfelder zwischen Kunst, Demokratie und gesellschaftlicher Moral im Kontext der „Culture Wars“ offenlegte.
Schlüsselwörter
Robert Mapplethorpe, National Endowment for the Arts, NEA, Culture Wars, Kunstfreiheit, Zensur, Obszönität, Moral, USA 1989, Diskursanalyse, Steuergelder, Konservatismus, Liberalismus, Bildende Kunst, politische Debatte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem kulturpolitischen Streit um die öffentliche Förderung von Fotografien des Künstlers Robert Mapplethorpe durch das National Endowment for the Arts (NEA) im Jahr 1989.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Spannungsfeld zwischen staatlicher Kunstförderung, künstlerischer Freiheit, der Rolle konservativer moralischer Werte und dem US-amerikanischen Rechtsverständnis in den späten 1980er Jahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die rhetorischen Strategien und Argumentationslinien der Gegner und Befürworter im Diskurs um Mapplethorpes Werke diskursanalytisch herauszuarbeiten und einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Diskursanalyse, um die unterschiedlichen Auffassungen und Positionen im Quellenmaterial systematisch zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die institutionellen Rahmenbedingungen des NEA und die Auslöser der Kontroverse (Serrano und Mapplethorpe) dargestellt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Argumente der konservativen Gegnerschaft und der liberalen Verteidiger.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kunstfreiheit, Zensur, Obszönität, Culture Wars, NEA und Steuergeldverantwortung charakterisiert.
Welche Rolle spielte das "Helms Amendment" in der Debatte?
Das "Helms Amendment" war eine vom konservativen Senator Jesse Helms initiierte Gesetzesänderung, die die Verwendung von NEA-Fördermitteln für als obszön oder anstößig eingestufte Kunstwerke unterband und damit weitreichende Auswirkungen auf die künftige Kunstförderung hatte.
Warum wurde die Ausstellung „The Perfect Moment“ so kontrovers diskutiert?
Die Ausstellung wurde aufgrund einiger Fotografien, die homoerotische und sadomasochistische Inhalte darstellten, zum Ziel konservativer Empörung, da diese Werke als Verletzung der öffentlichen Moral und als missbräuchliche Verwendung öffentlicher Steuergelder wahrgenommen wurden.
- Arbeit zitieren
- Elisabeth Franziska Tobisch (Autor:in), 2012, Eine Frage des Anstands? Obszönität und erhitzte Gemüter, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/190668