Jeder Haushalt in Deutschland, der einen Fernseher, ein Radio, einen Computer oder auch nur ein internetfähiges Handy besitzt, muss monatlich Gebühren dafür zahlen. Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den man theoretisch mit diesen Geräten nutzen kann. Dabei spielt es keine Rolle ob man selbst wirklich öffentlich-rechtliche Sender guckt oder hört. Um diese Gebühren kommt man nicht herum.
Ursprünglich als eine Art Grundversorgung gedacht, muss sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk heute auf dem freien Markt behaupten. Obwohl er durch Gebühren finanziert wird, glauben die Verantwortlichen mit den privaten, kommerziellen Sendern, konkurrieren zu müssen. Im dualen Rundfunksystem ist ein Wettbewerb um Zuschauerreichweite und Werbegelder entstanden, in dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon allein durch die ihm auferlegten Beschränkungen kaum bestehen kann. Dennoch kommerzialisiert er sich selbst und weicht immer weiter von seiner eigentlichen Aufgabe, der Grundversorgung, ab. Die Konvergenz von Privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk wirft unweigerlich die Frage auf, ob eine Finanzierung durch Gebühren, also die Quintessenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überhaupt noch gerechtfertigt ist. Braucht man einen durch Gebühren finanzierten Rundfunk, wenn privat finanzierte Sender diese Aufgabe genauso gut erfüllen können? Und vor allem: Sollte man einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch Gebühren finanzieren, der sich immer mehr wie ein privater Rundfunk verhält?
Diese Hausarbeit soll zunächst klären was der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist, was der private Rundfunk ist, was deren Aufgaben sind, und wie sie sie erfüllen. Schließlich wer von beiden in der Lage ist die Grundversorgung von Information und Bildung, Unterhaltung und Kultur, für die Bevölkerung bereitzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk
2.1 Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor 1933
2.2 Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor 1945
2.3 Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach 1945
2.4 Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
2.5 Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
3. Der private Rundfunk
3.1 Die Entwicklung des privaten Rundfunks
3.2 Die Struktur des privaten Rundfunks
3.3 Die Finanzierung des privaten Rundfunks
4. Grundversorgung und Konvergenz
4.1 Grundversorgung
4.2 Konvergenz
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das duale Rundfunksystem in Deutschland, insbesondere die zunehmende Konvergenz zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und privaten Anbietern, und hinterfragt dabei die Rechtfertigung der gebührenfinanzierten Grundversorgung in einem kommerzialisierten Markt.
- Historische Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland.
- Struktureller Aufbau und Finanzierungsmodelle von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern.
- Definition und Umsetzung des Grundversorgungsauftrags.
- Analyse von Konvergenzprozessen auf Programmebene und deren Auswirkung auf das Qualitätsniveau.
Auszug aus dem Buch
4.2 Konvergenz
Der Konvergenzprozess auf Programmebene als Annäherung von Inhalten, Konzepten und Präsentationsformen wurde das erste Mal von Schatz, Immer und Marcinkowski in einer Programmuntersuchung von 1985 bis 1988 untersucht. Sie analysierten insgesamt ca. 7000 Stunden Programm von 39 Fernsehsendern und entwickelten einen demokratie-theoretisch abgeleiteten, polit-ökonomisch erweiterten Katalog des Rundfunks, gegliedert in drei Teile: Erstens: Politische Funktionen, die der Herstellung von Öffentlichkeit von gesellschaftlich relevanten Themen in Bezug auf politische Aktivitäten von Regierung und politischen Gruppen dienen, sowie Kritik an gesellschaftlichen und politischen Machtträgern und die systemstabilisierende Integration der Zuseher fördern. Zweitens: Sozio-kulturelle Funktionen mit der Wirksamkeit der Sozialisation, Bildung, Erziehung, sozialer Integration und Orientierung bei gleichzeitiger Förderung gesellschaftlicher Innovation und sozialen Wandels. Darüber hinaus stehen diese aber auch für die Aufgabe der Unterhaltung und Entspannung. Und drittens: Ökonomische Funktionen im Sinne der Reproduktion bzw. Vermehrung des Kapitals und Produkt- und Nutzer-informationen sowie Werbung zugunsten anderer Unternehmen. (Vgl. Schatz et al 1989) Sie kommen zu dem Ergebnis, dass sich bezüglich dieser drei Kriterien die Programmangebote des privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunks zwar unterscheiden, sich aber eine Annäherung der Privaten Sender in Richtung der Qualitätsstandards der öffentlich-rechtlichen Sender abzeichnet, als auch eine Tendenz der öffentlich-rechtlichen den Unterhaltungswert ihres Programmes in Richtung der Privaten zu verändern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seiner Gebührenfinanzierung angesichts der Konkurrenz durch private kommerzielle Sender.
2. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Genese, die organisatorische Struktur sowie die Finanzierungsmechanismen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.
3. Der private Rundfunk: Hier werden die Entstehungsgeschichte, der Aufbau der Landesmedienanstalten sowie die gewinnorientierte Finanzierung privater Rundfunkveranstalter beleuchtet.
4. Grundversorgung und Konvergenz: Das Kapitel definiert den Grundversorgungsauftrag und analysiert wissenschaftlich die zunehmende Angleichung der Programmangebote von öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die aktuelle Entwicklung und mahnt eine Rückbesinnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf seinen Kernauftrag an, anstatt sich einem bloßen Quotenwettbewerb hinzugeben.
Schlüsselwörter
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Privater Rundfunk, Konvergenz, Grundversorgung, Duales Rundfunksystem, Rundfunkgebühren, Programmqualität, Kommerzialisierung, Medienkonzentration, Medienpolitik, Gebühreneinzugszentrale, Programmvielfalt, Unterhaltung, Bildungsauftrag, Quotendruck.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen dem gesetzlichen Grundversorgungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der fortschreitenden Kommerzialisierung innerhalb des dualen Rundfunksystems in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte, Struktur und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die Etablierung des privaten Rundfunks sowie die theoretische und empirische Untersuchung von Konvergenzphänomenen in der Programmgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu hinterfragen, ob die Finanzierung durch Rundfunkgebühren angesichts der zunehmenden Angleichung der öffentlich-rechtlichen Programme an kommerzielle Standards weiterhin gerechtfertigt ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Hausarbeit, die auf einer Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Rundfunkstudien und Rechtsgrundlagen basiert.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung des öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunks sowie eine anschließende Untersuchung der Konvergenz, insbesondere der tendenziellen Übernahme privater Unterhaltungsformate durch öffentlich-rechtliche Sender.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Konvergenz", "Grundversorgung", "Gebührenfinanzierung" und "Duales System".
Welche Rolle spielen die Landesmedienanstalten im privaten Rundfunk?
Sie agieren als staatsferne Aufsichtsorgane, die die Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen, des Jugendschutzes und der Programmrichtlinien bei den privaten Anbietern kontrollieren.
Warum wird im Fazit von einem "Kampf um Quoten" gesprochen?
Der Autor argumentiert, dass öffentlich-rechtliche Sender trotz ihres gesicherten Budgets durch den Druck der Kommerzialisierung dazu neigen, ihren Erfolg an Einschaltquoten zu messen, anstatt ihren Bildungs- und Kulturauftrag in den Vordergrund zu stellen.
- Arbeit zitieren
- Maximilian Schrader (Autor:in), 2011, Konvergenz im deutschen Rundfunk, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/190193