Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über die empirische Forschung zur erfolgsabhängigen Managementvergütung zu geben. Dazu werden 90 Aufsätze aus über fünf Jahrzehnten der empirischen Forschung im Hinblick auf ihre Methoden und Ergebnisse analysiert.
Die Relevanz von Forschung zum Thema der Managementvergütung in der Betriebswirtschaftslehre scheint offensichtlich. Die Entlohnung von Managern wird in verschiedenen betriebswirtschaftlichen Teildisziplinen wie z.B. dem Personalwesen und der Kostenrechnung, aber auch in der Motivationsforschung behandelt. Mit dem Thema der Managementvergütung beschäftigt sich jedoch nicht nur die wissenschaftliche Forschung seit langer Zeit. Da die mit der Thematik verwandte Frage nach der Angemessenheit von Managementvergütung das Gerechtigkeitsempfinden anspricht, wird sie ebenso regelmäßig mit großem Eifer in der internationalen Presse diskutiert. Ein Großteil der Managementvergütung geht heute auf Aktienoptionen und andere erfolgsabhängige Vergütungsbestandteile zurück, die besonders im Fokus dieser Arbeit liegen werden. Erfolgsabhängige Managementvergütung wird häufig durch das Argument gerechtfertigt, dass es unerlässlich sei, dem Management die richtigen Anreize zur Unternehmensführung zu geben. Viele Beobachter stellen den Sinn dieser Vergütung allerdings in Frage und betrachten sie als exzessive Bereicherung. Diese beiden Positionen – die erste in der Forschung als Agency-Theorie, die zweite als Managerialism-Ansatz bekannt – bilden den theoretischen Rahmen dieser Arbeit.
Die Arbeit gliedert sich folgendermaßen: Nach einer kurzen Diskussion der theoretischen Grundlagen in Abschnitt 2 wird die empirische Forschung in Abschnitt 3 im Hinblick auf die Methoden und Ergebnisse analysiert und dargestellt. Schließlich bietet Abschnitt 4 eine Zusammenfassung der Ergebnisse und eine abschließende Diskussion.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
3 Empirische Forschung
3.1 Auswahl der Forschungsaufsätze
3.2 Darstellung der empirischen Methoden
3.2.1 Korrelations- und Regressionsanalyse
3.2.2 Die abhängige Variable: Maße der Managementvergütung
3.2.3 Die unabhängige Variable: Maße des Unternehmenserfolgs
3.3 Darstellung der empirischen Ergebnisse
3.3.1 Die Baumol-Hypothese: Unternehmensgröße vs. Unternehmenserfolg
3.3.2 Pay-for-Performance im Rahmen von Unternehmensfusionen
3.3.3 Der Einfluss von Kontrollinstanzen
3.3.4 Der Einfluss staatlicher Regulierung
3.3.5 Der Einfluss des Managements
3.3.6 Das Management als Anteilseigner am Unternehmen
3.4 Übertragbarkeit der Erkenntnisse
4 Zusammenfassung und Diskussion
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Masterarbeit analysiert den Stand der empirischen Forschung zur erfolgsabhängigen Managementvergütung. Ziel ist es, durch die systematische Auswertung von 90 wissenschaftlichen Aufsätzen aus fünf Jahrzehnten zu untersuchen, inwieweit ein empirischer "Pay-for-Performance"-Zusammenhang nachweisbar ist und welche Faktoren diesen maßgeblich beeinflussen.
- Agency-Theorie versus Managerialism-Ansatz als theoretischer Rahmen
- Methodische Ansätze der Forschung (Korrelations- vs. Regressionsanalysen)
- Einflussgrößen wie Unternehmensgröße, Kontrolle, Regulierung und Managementmacht
- Vergleich der Ergebnisse über verschiedene Wirtschaftsregionen und Zeiträume hinweg
Auszug aus dem Buch
Die Baumol-Hypothese: Unternehmensgröße vs. Unternehmenserfolg
Die Auffassung, dass die Höhe der Managementvergütung eher durch die Größe eines Unternehmens (i.d.R. gemessen als Umsatz, seltener durch Gesamtkapital oder Anzahl der Beschäftigten) erklärt wird als durch den Unternehmenserfolg, hat eine lange Tradition. Diesen Zusammenhang, auch als Baumol-Hypothese bezeichnet (vgl. BAUMOL (1958), S. 187), zu bestätigen bzw. zu wiederlegen war das Ziel zahlreicher Forschungsaufsätze bis zum Anfang der 1980er Jahre.
Der älteste untersuchte Aufsatz, ROBERTS (1959), sucht anhand der Auswertung von 410 Unternehmen in den 1940er Jahren eine „General Theory of Executive Compensation“ aufzustellen, wie der Titel der Veröffentlichung nahelegt. Dabei kommt der Autor als Ergebnis der Analyse der Korrelationen zwischen Vergütungsvariablen und Erfolgsvariablen (sowohl absoluter Gewinn als auch Gesamtkapitalrendite, Umsatzrendite) sowie dem Umsatz zu dem Schluss, dass die Höhe der Vorstandsbezüge nur mit einer Variable signifikant im Zusammenhang stehen, nämlich mit der Größe des Unternehmens (vgl. ebd., S. 271). Des Weiteren erklärt er zur Managementvergütung:
„Its relationship to the level of profit is superficial and disappears when the influence of size upon both compensation and profits is taken into account” (ebd., S.271).
Auf ähnlichem Wege und bei gleicher Problemlage nähern sich MCGUIRE et al. (1962) dieser Fragestellung, wobei sie wiederum Korrelationen berechnen. Auch in dieser Untersuchung scheint das Ergebnis eindeutig: Für die direkten Zusammenhänge zeigt sich, dass die Korrelation der Managementvergütung mit dem Umsatz grundsätzlich höher ist als mit dem Gewinn, wobei sie alle als signifikant zu bezeichnen sind (vgl. ebd., S. 757). Für die im Anschluss berechneten Nettokorrelationen, bei denen der Effekt einer dritten Variablen auf die abhängige Variable neutralisiert wird, ist das Ergebnis sogar noch klarer. Hier ist in fünf von sieben Fällen der Umsatz ein signifikanter Einflussfaktor, der Gewinn jedoch in keinem Fall (vgl. ebd., S. 759-760). Die Autoren werten dies als einen Beleg für die Baumol-Hypothese, auch wenn sie aufgrund der in Abschnitt 3.2.1 angesprochenen statistischen Probleme einen Zusammenhang von Managementvergütung und Unternehmenserfolg nicht ausschließen wollen (vgl. ebd., S. 760).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der erfolgsabhängigen Managementvergütung ein und skizziert das Ziel der Analyse von 90 wissenschaftlichen Studien zur Beantwortung der Forschungsfrage.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die zentralen Erklärungsmodelle Agency-Theorie und Managerialism-Ansatz vorgestellt, die den theoretischen Ausgangspunkt für die Analyse bilden.
3 Empirische Forschung: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit, in dem die Auswahl der Studien, die verwendeten statistischen Methoden sowie die zentralen empirischen Ergebnisse detailliert diskutiert werden.
4 Zusammenfassung und Diskussion: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet diese kritisch vor dem Hintergrund der theoretischen Ansätze, verbunden mit Empfehlungen für die zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Managementvergütung, Unternehmenserfolg, Pay-for-Performance, Agency-Theorie, Managerialism-Ansatz, Unternehmensgröße, Aktienoptionen, Regressionsanalyse, Kontrollinstanzen, Eigentümerstruktur, Corporate Governance, Erfolgsabhängigkeit, Vergütungsbestandteile, Unternehmensfusionen, Empirische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den aktuellen Stand der empirischen Forschung zur Frage, ob und wie Managementvergütungen tatsächlich an den Erfolg eines Unternehmens gekoppelt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind der Vergleich von theoretischen Erklärungsansätzen, die statistische Methodik der untersuchten Studien sowie der Einfluss von Faktoren wie Unternehmensgröße, Eigentümerstruktur und externer Kontrolle auf die Vergütungshöhe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die systematische Zusammenfassung und Analyse von 90 empirischen Forschungsaufsätzen aus über 50 Jahren, um den "Pay-for-Performance"-Zusammenhang kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, bei der empirische Ergebnisse aus 90 wissenschaftlichen Fachartikeln zusammengetragen, kategorisiert und im Hinblick auf ihre Aussagekraft und methodische Konsistenz ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die verwendeten Methoden wie Korrelations- und Regressionsanalysen sowie die Ergebnisse zu spezifischen Einflussfaktoren wie Unternehmensfusionen, staatliche Regulierung und die Macht des Managements.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Managementvergütung, Unternehmenserfolg, Agency-Theorie und Pay-for-Performance beschreiben.
Welche Rolle spielt die Firmengröße bei der Vergütung?
Die Arbeit stellt fest, dass die Firmengröße häufig einen stärkeren statistischen Zusammenhang mit der Vergütung aufweist als der Unternehmenserfolg, was oft als Stütze für den Managerialism-Ansatz gedeutet wird.
Können die Ergebnisse aus den USA einfach auf Deutschland übertragen werden?
Die Arbeit zeigt, dass die Agency-Problematik ein internationales Phänomen ist. Spezifische Studien zu Deutschland bestätigen ähnliche Muster wie in den USA, weisen aber auf länderspezifische Unterschiede bei der Corporate Governance hin.
Warum wird die "Cash Compensation" in vielen Studien kritisch gesehen?
Da reine Barzahlungen oft nicht die Anreizstrukturen abbilden, die durch langfristige Komponenten wie Aktienoptionen entstehen, halten viele Forscher sie für unzureichend, um den Erfolgswillen des Managements valide zu messen.
- Quote paper
- Daniel Siegers (Author), 2011, Pay for Performance?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/190083