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Generic City - Eine Soziologie der neuen Stadt

Titel: Generic City - Eine Soziologie der neuen Stadt

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 14 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Caspar Borkowsky (Autor:in)

Soziologie - Wohnen und Stadtsoziologie

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist eine Darstellung und Diskussion der Generic City. Die generische Stadt ist ein neuer Stadttypus, der auf ein von Rem Koolhaas entwickeltes Konzept rekurriert. Die verwendete deutsche Übersetzung, in der Architekturzeitschrift Arch+ erschienen, übersetzt "The Generic City" mit "Die eigenschaftslose Stadt". Ich werde allerdings die englische Originalbezeichnung beibehalten (und auch mit der Wortkreation generisch sogar "eindeutschen") und möchte dies kurz begründen. Ich halte die deutsche Übersetzung für unzureichend und eventuell sogar falsch. Unzureichend, weil sie nur auf einen möglichen Aspekt von "generic" fokussiert. Hier zeigt sich in meinen Augen bereits die ablehnende Haltung gegenüber dem Konzept der Generic City, wie sie in Europa wohl vorherrschend sein dürfte. Eventuell sogar falsch, weil der Begriff "generic" verschiedene Bedeutungen haben kann. So könnte man generic beispielsweise auch im Sinne der pharmazeutischen Verwendung verstehen. Generika sind Medikamente, die die exakten Eigenschaften eines Markenpräparats haben, dabei aber billiger sind (bekanntestes Beispiel: Aspirin vs. ASS ratiopharm). Ein derartiges Verständnis von generic würde insbesondere das Effizienzmoment der Generic City adäquat wiederspiegeln.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. The Generic City

2.1. Die Identitätsproblematik

2.2. Funktionsweisen der GC

3. Houston, TX

4. Diskussion

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit analysiert das Konzept der „Generic City“, wie es von Rem Koolhaas entwickelt wurde, und stellt es dem urbanen Modell der „Zwischenstadt“ von Thomas Sieverts gegenüber. Ziel ist es, die spezifischen Eigenschaften dieser neuen Stadtform zu beleuchten, deren Identitätsverlust kritisch zu hinterfragen und die zugrundeliegende pragmatische Logik der Effizienz zu untersuchen.

  • Grundlagen und theoretische Einordnung des Begriffs der Generic City
  • Analyse der Identitätslosigkeit als bewusste Strategie
  • Funktionsweise und infrastrukturelle Charakteristika generischer Städte
  • Fallbeispiel Houston als Paradigma der ungeplanten urbanen Expansion
  • Vergleichende Diskussion zwischen pragmatischen und idealistischen Stadtkonzepten

Auszug aus dem Buch

Die Identitätsproblematik

Diese Behauptung bedarf einer genaueren Untersuchung. Denn sie setzt voraus, dass das Zentrum eine oder vielleicht sogar die einzige Quelle von Identität ist, und dass Identität einer Zwangsjacke gleichkommt. Koolhaas gelangt zu dieser Einschätzungen, da er einen bestimmten, von ihm selbst definierten Stadtbegriff mit einem ebenso speziellen Identitätsbegriff verzahnt.

Die Vorstellung von Stadt, so die Behauptung, wie sie vorwiegend und konventionell existiert, ist größtenteils aus einer Vorstellung bezüglich des jeweiligen Zentrums determiniert. Die Bilder von New York sind geprägt von Manhattan und seinen zentralen Distrikten, nicht etwa von den ausfransenden Suburbs des Umlands. Auch eine alteuropäische Stadt wie beispielsweise Florenz bezieht seine Identität aus den in zentraler Lage versammelten Sehenswürdigkeiten und nicht etwa aus den umgrenzenden Wohngebieten. Moderne, also generische Städte hingegen verfügen über kein Zentrum im traditionellen Sinne mehr. Dies führt zumeist zu dem einstimmigen Lamento, sie seien überall gleich, gesichtslos und hochgradig konvergent. Diese willkürlich postulierte Konvergenz führt dann zwangsläufig dazu, einen angeblich schmerzhaften Identitätsverlust zu konsternieren. Koolhaas dreht diese konventionelle Sichtweise komplett um und behauptet: Das Fehlen eines Zentrums ist eine bewusste und gewollte Strategie der generischen Stadt, die einen bestimmten Sinn und Zweck erfüllt. Was erlaubt ihm ein derartiges Urteil? Zur Beantwortung muss zunächst der Identitätsbegriff Koolhaas’ genauer verstanden werden.

Identität im traditionellen Sinne, so Koolhaas, wird zumeist von physischen Substanzen, von Geschichtlichem und von den Kontexten eines Siedlungsgebiets generiert. Identität wird also primär aus der Vergangenheit generiert. Jedoch offenbart sich hier eine quantitative Problemstellung: Die Vergangenheit wird zu klein, um bei dem exponentiellen Stadtwachstum moderner Städte noch allen Einwohnern genügend Identitätsfläche zu bieten. Deshalb entwickelt die generische Stadt eine Gegenstrategie, und wendet sich schlichtweg von der Vergangenheit als Identitätsquelle ab.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das von Rem Koolhaas geprägte Konzept der Generic City ein und begründet die thematische Relevanz im Kontext aktueller Stadtsoziologie.

2. The Generic City: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Eigenschaften und den theoretischen Entstehungskontext des generischen Stadtbegriffs.

2.1. Die Identitätsproblematik: Hier wird untersucht, warum die Abwesenheit eines traditionellen Zentrums in der Generic City eine gewollte Strategie statt eines bloßen Defizits darstellt.

2.2. Funktionsweisen der GC: Dieser Abschnitt behandelt die mediale, infrastrukturelle und ökonomische Logik, nach der generische Städte funktionieren.

3. Houston, TX: Anhand des Beispiels Houston wird empirisch aufgezeigt, wie sich ungeplantes Wachstum und die Vorherrschaft ökonomischer Interessen in der Realität manifestieren.

4. Diskussion: Das abschließende Kapitel setzt das Konzept der Generic City in Kontrast zur „Zwischenstadt“ und bewertet die divergenten Ansätze von Koolhaas und Sieverts.

Schlüsselwörter

Generic City, Rem Koolhaas, Identitätsverlust, Stadtplanung, Urbanität, Houston, Zwischenstadt, Thomas Sieverts, Effizienz, Stadtsoziologie, Globalisierung, Suburbanisierung, Infrastruktur, Identität, Architektur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen und stadtplanerischen Analyse der „Generic City“, einem Konzept des Architekten Rem Koolhaas, das eine neue, identitätslose und rein auf Effizienz ausgerichtete Form der modernen Stadt beschreibt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abkehr von der Geschichte als Identitätsquelle, die Rolle von technischer Infrastruktur, die Rolle der Ökonomie bei der Stadtentwicklung sowie der Vergleich mit anderen modernen Stadtmodellen wie der „Zwischenstadt“.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, das Konzept der Generic City theoretisch zu fundieren, ihre spezifischen Funktionsmechanismen zu erläutern und den kritischen Diskurs darüber abzubilden, ob der Verzicht auf Identität einen Verlust oder eine Befreiung für moderne urbane Räume darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, die auf der Auswertung soziologischer und architekturtheoretischer Fachliteratur (insb. Koolhaas und Sieverts) basiert und diese durch eine Fallstudienbetrachtung von Houston, Texas, ergänzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Identitätsfrage und die Funktionsweisen der Generic City analysiert, bevor das Beispiel Houston als „paradigmatische“ Generic City dient, um diese theoretischen Konzepte an der Realität der urbanen Expansion zu spiegeln.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Generic City, Identitätsverlust, Effizienzprinzip, Stadtsoziologie und infrastrukturelle Autonomie charakterisiert.

Warum dient Houston als spezielles Fallbeispiel?

Houston wird als Beispiel gewählt, weil es als „ungeplant“ gewachsene Stadt eine hohe Affinität zur Definition der Generic City aufweist, in der ökonomische Logik die städtebauliche Planung vollständig ersetzt hat.

Wie unterscheidet sich Koolhaas' Ansatz von dem von Thomas Sieverts?

Während Koolhaas die Generic City pragmatisch als effiziente und gewollte Antwort auf moderne Anforderungen sieht, kritisiert Sieverts die Auflösung städtischer Identität aus einer stadtsoziologischen Sicht und plädiert für eine bessere Lesbarkeit und Gestaltung des urbanen Raums.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Generic City - Eine Soziologie der neuen Stadt
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Stadt- und Regionalsoziologie)
Veranstaltung
HS Suburbanisierung in Deutschland und in den USA
Note
2,0
Autor
Caspar Borkowsky (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V19005
ISBN (eBook)
9783638232364
ISBN (Buch)
9783638801805
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Generic City Eine Soziologie Stadt Suburbanisierung Deutschland
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Caspar Borkowsky (Autor:in), 2003, Generic City - Eine Soziologie der neuen Stadt, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/19005
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  14  Seiten
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