Am Beispiel des pompejanischen Amphitheaters, welches sich nach wie vor in einem gut erhaltenen
Zustand befindet und bereits – in Verbindung mit der Stadt Pompeji – mehrfach Gegenstand
diverser wissenschaftlicher Untersuchungen war, soll im Rahmen dieser Arbeit die Bedeutung des
Bauwerks sowie der in ihm veranstalteten Gladiatorenspiele, Wettkämpfe und Aufführungen im Zeitraum von 27 v. Chr. bis 79 n. Chr., also vom Beginn der römischen Kaiserzeit bis zum Ausbruch
des Vesuv, aufgezeigt werden.
Einmal steht dabei die Nutzung im Rahmen des Euergetismus im Vordergrund, welcher Erlangung
und Erhalt politischer Macht und sozialer Anerkennung diente. Daran anknüpfend soll die Frage
beantwortet werden, wie die Veranstaltungen im Amphitheater den kommunalen Machthabern im
Rahmen von Machterhalt und Machterweiterung dienlich waren.
Neben der politischen Nutzung waren die Spiele im Amphitheater von immenser Bedeutung für die
Freizeitgestaltung des Volkes. Die Massenveranstaltungen waren für den Einzelnen eine gern
genutzte Chance um sich vom Alltag abzulenken. Die Leidenschaft für Gladiatorenspiele kann an
dieser Stelle mit der Begeisterung für Fußballspiele in der heutigen Zeit verglichen werden.3 Dass
das Gemeinschaftserlebnis in der Arena auch negative Folgen, etwa die Ausgrenzung und
Bekämpfung „gegnerischer“ Gruppen, zur Folge haben kann, ist bekannt. Dieses Phänomen des
Auftretens von Gewalt im Umfeld sportlicher Veranstaltungen, zu denen die Gladiatorenspiele auf
Grund ihres Wettkampfcharakters zu zählen sind, trat bereits in der Antike auf:
Der Gewaltexzess im Jahre 59 n. Chr., bei dem sich Pompejaner und Nucerianer bekämpften, dient
hierbei als Beispiel. Die Nutzung von Theorien zum Thema Gewalt im Sport soll die
Auseinandersetzung im Amphitheater verständlich machen und Gründe, auch im Vergleich mit der
Moderne, für tätliche Auseinandersetzungen und Entartungen brutaler Art im Umfeld der
Gladiatorenspiele aufzeigen.
Zur verwandten Literatur zählen somit Werke der Geschichtswissenschaft und der Archäologie, die
Informationen über das Bauwerk an sich und die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im
antiken Pompeji und Rom liefern.
Die zahlreichen Parallelen zwischen antiker und moderner Welt sollen am Ende nocheinmal zusammengefasst und ausgewertet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenwartsbezug des Amphitheaters
2. Der Aufbau des pompejanischen Amphitheaters
3. „Panem et circensis“ – Brot, Spiele und Euergetismus
4. Dicionem et circensis – Gewalt und Spiele
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung des pompejanischen Amphitheaters als Schauplatz für Gladiatorenspiele und als politisches Instrument. Dabei wird insbesondere analysiert, wie diese antiken Massenveranstaltungen zur Machtfestigung und Ablenkung der Bevölkerung dienten, und inwieweit Parallelen zu modernen sportlichen Großereignissen in Bezug auf Gewaltphänomene und gesellschaftliche Steuerung gezogen werden können.
- Architektonische und strukturelle Analyse des Amphitheaters von Pompeji
- Bedeutung des Euergetismus bei der Finanzierung öffentlicher Spiele
- Soziale Stratifikation und Segregation der Stadionbesucher
- Ursachen und Dynamiken von Gewalt im Umfeld sportlicher Großveranstaltungen
- Vergleich zwischen antiker Arena-Kultur und modernem Fußballhooliganismus
Auszug aus dem Buch
2. Der Aufbau des pompejanischen Amphitheaters
Vor einer Betrachtung der Veranstaltungen und Besucher des Amphitheaters soll zunächst eine Darstellung des Bauwerkes selbst stehen. Diese ist notwendig, da schon am Aufbau des Gebäudes wichtige Kriterien bezüglich der späteren Verwendung erkennbar werden.
Grundlegend betrachtet stellt das Amphitheater von Pompeji eine römische Neukonstruktion dar, die weder auf griechische noch auf sonstige Vorbilder zurückgreift. Des weiteren ist das Gebäude von besonderer Bedeutung, da es das Erste seiner Art ist, der Urtyp des römischen Amphitheaters also und gleichzeitig das älteste gut erhaltene Bauwerk in dem Gladiatorenspiele ausgerichtet wurden. Wie bei den meisten öffentlichen Gebäuden der römischen Kaiserzeit der Fall, waren Bau, Unterhalt und Reparatur des Amphitheaters nur durch munificentia privata wohlhabender Bürger möglich.
Interessanterweise stellte schon die Stiftung des Amphitheaters durch die beiden Beamten Gaius Quinctius Valgus und Marcus Poricus einen politischen Akt dar. Beide ließen das Gebäude, laut Bauinschrift, auf eigene Kosten im Jahre 65 oder 70 v. Chr. zu Ehren der Kolonie und ihrer Bewohner errichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenwartsbezug des Amphitheaters: Das Kapitel stellt die Relevanz der Untersuchung dar, indem es antike Massenphänomene mit modernen sportlichen Großveranstaltungen und deren politischer Instrumentalisierung in Beziehung setzt.
2. Der Aufbau des pompejanischen Amphitheaters: Hier werden die baulichen Besonderheiten und die stiftungsrechtlichen Hintergründe des ältesten erhaltenen römischen Amphitheaters analysiert.
3. „Panem et circensis“ – Brot, Spiele und Euergetismus: Dieser Abschnitt beleuchtet die ökonomische und politische Rolle der Spendenpraxis lokaler Eliten, die durch die Finanzierung der Spiele ihren sozialen Status sicherten.
4. Dicionem et circensis – Gewalt und Spiele: Das Kapitel untersucht die psychosozialen Aspekte von Zuschauergewalt und zieht Parallelen zwischen antiken Ausschreitungen und moderner Fankultur.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass das Amphitheater ein zentrales Steuerungsinstrument der römischen Gesellschaft war und hinterfragt kritisch, inwieweit moderne Sportevents ähnliche Funktionen zur gesellschaftlichen Disziplinierung übernehmen.
Schlüsselwörter
Amphitheater, Pompeji, Gladiatorenspiele, Euergetismus, Römische Kaiserzeit, Massenverhalten, Sportsoziologie, Gewaltprävention, Politische Macht, Soziale Stratifikation, Stadtpatriotismus, Panem et circensis, Antike Architektur, Zuschauerkultur, Gesellschaftsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Funktion und Bedeutung des pompejanischen Amphitheaters als Schauplatz für Gladiatorenspiele sowie dessen Rolle im sozialen und politischen Gefüge der antiken Stadt.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Themenfelder umfassen die Architekturgeschichte, die Praxis des Euergetismus (Stiftungswesen), die soziale Schichtung der Zuschauer sowie soziologische Erklärungsmodelle für Gewalt bei Massenveranstaltungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, das antike Amphitheater als politisches Instrument zur Machtfestigung zu verstehen und die Parallelen zwischen antiken Gladiatorenspielen und heutigen sportlichen Großereignissen im Hinblick auf Gewalt und gesellschaftliche Steuerung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine geschichtswissenschaftliche Analyse von Primärquellen, insbesondere Bauinschriften und Graffito, sowie den Vergleich mit sportsoziologischen und archäologischen Erkenntnissen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die architektonische Analyse des Bauwerks, die finanzielle und politische Einbettung in den Euergetismus sowie eine detaillierte Untersuchung der Gewaltphänomene im Umfeld der Spiele.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Euergetismus, Gladiatorenspiele, Pompeji, Massenverhalten, politische Instrumentalisierung und soziale Segregation.
Welche Rolle spielte das Amphitheater bei der sozialen Segregation?
Die Architektur des Amphitheaters spiegelte die soziale Hierarchie Roms wider, indem die Sitzplätze in der Arena strikt nach sozialem Status zugewiesen wurden, was eine Durchmischung der Gesellschaftsschichten verhinderte.
Warum kam es im Jahr 59 n. Chr. zu einer Eskalation der Gewalt?
Die Eskalation war das Ergebnis historisch gewachsener Feindseligkeiten zwischen den Bewohnern von Pompeji und Nuceria, die sich in einer Massenschlägerei entluden und ein zehnjähriges Verbot der Spiele zur Folge hatten.
- Arbeit zitieren
- Nils Wöhnl (Autor:in), 2011, Brot - Spiele - Gewalt: Das pompejanische Amphitheater, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/190010