Fast ausnahmslos alle modernen europäischen Staaten gründen ihr nationales Selbstverständnis und ihre nationale Identität auf eine gemeinsame Geschichte, eine gemeinsame geografische Basis oder eine gemeinsame Sprache. Auf die Vereinigten Staaten von Amerika trifft dies hingegen nicht zu. Vielmehr gründen sie ihr nationales Selbstverständnis auf eine eigene nationale Ideologie, den Amerikanismus. Dessen wichtigste Bestandteile sind unter anderem der American Dream, die Freiheit, der Gleichheitsgedanke und die Religiosität.
Doch wie genau ist der Amerikanismus in der gesellschaftlichen Realität ausgeprägt? Wo zeigen sich Spannungen, Risse und Friktionen innerhalb dieser Ideologie? Und welche gesellschaftlichen Gruppen ringen um die Deutungshoheit? Auf diese Fragen soll diese Hausarbeit eine Antwort geben.
Dazu wird der Verfasser dieser Hausarbeit zunächst nach den wichtigsten Protagonisten innerhalb der amerikanischen Gesellschaft suchen und diese kurz vorstellen. Anschließend wird er zwei Konflikte darstellen, die exemplarisch für die Spannungen innerhalb des Amerikanismus sind: Die Individualisierung der Gemeinschaft und die Multikulturalismus-Debatte.
Zwei Aufsätze bilden dabei die Grundlage für diese Hausarbeit. Der eine stammt von Hartmut Wasser aus dem Jahr 2000, der sowohl die Grundlagen des Amerikanismus als auch seine internen Spannungen beschreibt, der andere von James Davison Hunter aus dem Jahr 1996 , der sich vor allem mit den historischen und aktuellen Protagonisten innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft befasst. Aktuelle statistische Daten stammen von der Homepage des United States Census Bureau.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Historische Entwicklung
2. Aktuelle Situation
3. Zwei Konfliktbeispiele
a) Individualismus vs. Gemeinschaft
b) Die Multikulturalismus-Debatte
III. Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Spannungsfelder innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft und analysiert, wie der Konflikt zwischen orthodoxen und progressiven Gruppierungen das Verständnis des "Amerikanismus" und den gesellschaftlichen Zusammenhalt prägt.
- Historische Wandlung der gesellschaftlichen Konfliktlinien in den USA
- Gegenüberstellung von orthodoxen und progressiven Weltbildern
- Rolle von Interessenvertretungen (special agenda organizations)
- Debatte um Individualismus und den Kommunitarismus
- Einfluss des Multikulturalismus auf die nationale Identität
Auszug aus dem Buch
2. Aktuelle Situation
Heute verlaufen die gesellschaftlichen Trennlinien nicht mehr zwischen den Religionen sondern innerhalb dieser. Orthodoxe und Progressive innerhalb der jeweiligen Glaubensgemeinschaften stehen sich dabei gegenüber. James Davison Hunter beschreibt diese Einteilungen wie folgt: „Sie betreffen nicht mehr spezifische doktrinäre Fragen und Stilformen religiöser Praktiken und Organisation, sondern das fundamentale Verständnis der Amerikaner in bezug auf Werte, Ziele, Wahrheit, Freiheit und kollektive Identität.“ Die Frage, um die diese Gruppen streiten, ist also die Grundfrage des gesellschaftlichen Zusammenlebens in den Vereinigten Staaten, die nach der „richtigen“ Interpretation des Amerikanismus.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Seiten ist ihre jeweilige Auffassung von der Wirklichkeit. Die Orthodoxen berufen sich hierbei auf eine transzendentale Wahrheit. Diese relativ festen und sogar ewiggültigen Prinzipien bestimmen die Existenz und Organisation des Einzelnen, der Gemeinschaft und des Staates. Quellen für diese Prinzipien lassen sich zum Beispiel in der Bibel oder in der Natur finden. Aus diesen lässt sich ein zeitlich unbegrenzt gültiger und unveränderlicher Maßstab für Werte, Ziele, Güte und Autorität konstruieren. Dieser schreibt dem Menschen vor „was gut ist, was wahr ist, wie wir leben sollen und wer wir sind.“ Auf dieser gemeinsamen Grundlage agieren sowohl evangelikale Protestanten, orthodoxe Katholiken, orthodoxe Juden, als auch säkulare Platoniker.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, welche Spannungen innerhalb der nationalen Ideologie des Amerikanismus existieren und wer um die Deutungshoheit über diese Werte ringt.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der innergesellschaftlichen Konflikte, die aktuelle Situation der Polarisierung zwischen Orthodoxen und Progressiven sowie zwei zentrale Fallbeispiele für diese Spannungen.
III. Ergebnisse: Das Fazit stellt fest, dass sich die Konfliktlinien gewandelt haben und heute eher entlang ideologischer statt rein religiöser oder ethnischer Grenzen verlaufen, wobei die Zukunft des Amerikanismus weiterhin offen bleibt.
Schlüsselwörter
Amerikanismus, US-amerikanische Gesellschaft, Orthodoxe, Progressive, Kulturkrieg, Individualismus, Multikulturalismus, Kommunitarismus, Identität, Werte, Politische Partizipation, Special agenda organizations, Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Religion, Demokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den gesellschaftlichen Spannungen innerhalb der USA und dem Konflikt zwischen verschiedenen ideologischen Strömungen, die das nationale Selbstverständnis (den Amerikanismus) unterschiedlich interpretieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der gesellschaftlichen Polarisierung, die aktuellen Konflikte zwischen orthodoxen und progressiven Gruppierungen sowie spezifische Debatten um Individualismus und Multikulturalismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel der Arbeit ist es, die gesellschaftlichen Risse und Friktionen innerhalb der amerikanischen Ideologie aufzuzeigen und zu klären, welche Gruppen um die Deutungshoheit des Amerikanismus ringen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur (insbesondere von Hartmut Wasser und James Davison Hunter) sowie der Verwendung statistischer Daten des United States Census Bureau basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die historische Entwicklung der Konflikte nachgezeichnet, gefolgt von einer Analyse der heutigen Situation und der Darstellung von zwei exemplarischen Konfliktbeispielen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Amerikanismus, Kulturkrieg, Polarisierung, gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie die Auseinandersetzung zwischen orthodoxen und progressiven Kräften charakterisieren.
Wie unterscheiden sich Orthodoxe und Progressive laut der Arbeit?
Orthodoxe berufen sich auf transzendentale, unveränderliche Wahrheiten und Prinzipien, während Progressive die Wirklichkeit als wandelbar betrachten und ihre Moralvorstellungen stärker an individueller Erfahrung ausrichten.
Welche Rolle spielen die sogenannten "special agenda organizations"?
Diese Organisationen dienen als Institutionen, in denen sich die Konflikte zwischen den ideologischen Lagern jenseits traditioneller Parteigrenzen manifestieren, indem sie sich fokussiert für spezifische Anliegen einsetzen.
- Arbeit zitieren
- Sven-Friedrich Pape (Autor:in), 2010, Spannungen im Amerikanismus: Die US-amerikanische Gesellschaft im Konflikt zwischen Orthodoxen und Progressiven, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189995