Bei der Betrachtung der Postgeschichte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation der frühen Neuzeit kann vor allem eine Familie nicht außer Acht gelassen werden: Die Familie Thurn und Taxis. Ihre Familienmitglieder bauten seit 1490 das erste Postnetz auf und unterhielten es – wenn auch zuletzt nur noch teilweise – bis 1867 . Darüber hinaus gelang ihnen ein enormer gesellschaftlicher Aufstieg: Die ursprünglich italienische Unternehmerfamilie arbeitete zunächst für den Vatikan, bevor sie in die Dienste der Habsbur-ger trat. Spätestens mit der Erhebung in den erblichen Reichsfürstenstand durch Kaiser Leopold I. im Jahr 1695 wurde sie eine der nicht nur formal bedeutendsten Adelsfamilien im Reich.
Dieser Aufstieg war unmittelbar mit der erfolgreichen Entwicklung der Reichspost ver-knüpft. Doch bedingte der Auf- und Ausbau der Reichspost auch direkt den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie Thurn und Taxis? Dieser Frage soll in dieser Hausarbeit nachgegangen werden.
Dazu wird der Verfasser dieser Hausarbeit sowohl die unternehmerische Entwicklung der Reichspost als auch den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie Thurn und Taxis chronolo-gisch nachvollziehen und miteinander in Verbindung bringen. Danach wird er die Ergebnisse kurz zusammenfassen und die oben formulierte Fragestellung abschließend beantworten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Von Bergamo nach Innsbruck
2. Das habsburgische Spanien und der Ausbau der Taxis-Post
3. Die europäische Postkrise und das Reichspostregal
4. Das Erblehen und die Reichsgrafenwürde
5. Die Landesposten und die Reichsfürstenwürde
6. Das Prinzipalkommissariat
III. Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der unternehmerischen Entwicklung der Reichspost und dem gesellschaftlichen Aufstieg der Familie Thurn und Taxis. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, ob der Ausbau des Postwesens direkt den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie bedingte.
- Die unternehmerische Entwicklung der Reichspost vom 15. bis zum 18. Jahrhundert.
- Der soziale Aufstieg der Familie Thurn und Taxis vom Kurierdienst zur Fürstenfamilie.
- Die Auswirkungen der europäischen Postkrise und die Etablierung des Postregals.
- Der Einfluss von politischen Ereignissen wie dem Dreißigjährigen Krieg auf das Postwesen.
- Die Rolle der Familie als Prinzipalkommissare im Heiligen Römischen Reich.
Auszug aus dem Buch
1. Von Bergamo nach Innsbruck
Ihre Wurzeln hat die Familie Thurn und Taxis in der Gegend um das norditalienische Bergamo, die für seine Kuriere und Boten bekannt war. Von einem nahen Berg, dem Monte Tasso, erhielt sie ihren Namen: de Tassis. Seit dem 12. Jahrhundert gehörte die Familie von Taxis zu den Bergamasker Kurieren. Sie zählte neben anderen Familien aus dem Raum Bergamo zu den führenden Auftragnehmern der im Jahr 1305 gegründeten venezianischen Botenanstalt, der „compagnia del corrieri della Signoria“ und war auch für das Herzogtum Mailand tätig. Im Jahr 1474 wurde Gabriel de Tassis päpstlicher Postmeister in Rom. Diese Stellung wurde über mehrere Generationen hinweg bis ins Jahr 1539 von Mitgliedern seiner Familie ausgeübt.
Im Jahr 1490 trat Janetto de Tassis als „obristen postmaister“ als Angestellter in die Dienste des Habsburger Königs und späteren Kaisers Maximilian I. Neben ihm werden in den Rechnungsbüchern der Tiroler Hofkammer auch sein Bruder Francesco und sein Neffe Johann Baptista als Honorarempfänger geführt. Sie waren die drei Hauptfiguren bei der Einrichtung der ersten habsburgischen Post: „In diesem Jahr [1490] fiengen die Posten an bestellt zu werden / auß Befelch Maximiliani I. deß römischen Königs / von Österreich biß in die Niderland / in Franckreich / und biß nachher Rom.“
Doch wieso benötigte Maximilian I. zu diesem Zeitpunkt eine eigene Post? Die Antwort lässt sich in der weiten Streuung der habsburgischen Besitztümer finden. Neben dem österreichischen Erblanden gehörten dazu seit dem späten 15. Jahrhundert auch die Niederlande. Um diese finanziell bedeutenden aber auch selbstbewusst handelnden Provinzen effektiv verwalten zu können, war Maximilian I. auf eine ständige und schnelle Verbindung zwischen seinem Hof in Innsbruck und den Niederlanden angewiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung der Familie Thurn und Taxis für die Postgeschichte dar und formuliert die Forschungsfrage bezüglich ihres gesellschaftlichen Aufstiegs im Verhältnis zum Ausbau der Reichspost.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert chronologisch die Etappen von den Anfängen in Italien bis zur Erlangung der Reichsfürstenwürde und des Amtes des Prinzipalkommissars.
1. Von Bergamo nach Innsbruck: Dieses Kapitel behandelt die Anfänge der Familie als Kuriere und den Eintritt in die Dienste Maximilians I. zur Etablierung einer habsburgischen Postverbindung.
2. Das habsburgische Spanien und der Ausbau der Taxis-Post: Fokus auf die Professionalisierung durch Verträge mit der spanischen Krone und die Emanzipation vom angestellten Hofpostmeister zum selbstständigen Unternehmer.
3. Die europäische Postkrise und das Reichspostregal: Analyse der Krise durch die Spaltung der Habsburger, konfessionelle Konflikte und die Einstufung der Reichspost als kaiserliches Regal.
4. Das Erblehen und die Reichsgrafenwürde: Dokumentation der institutionellen Absicherung durch Erblehen und der damit einhergehenden Nobilitierung der Familie in den Reichsgrafenstand.
5. Die Landesposten und die Reichsfürstenwürde: Darstellung der Konkurrenz durch Landesposten nach dem Westfälischen Frieden und der Erlangung der Fürstenwürde.
6. Das Prinzipalkommissariat: Dieses Kapitel beschreibt die Rolle der Familie als Vertreter kaiserlicher Interessen am Reichstag in Regensburg.
III. Ergebnisse: Die Ergebnisse fassen zusammen, dass ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen einzelnen Post-Errungenschaften und dem sozialen Aufstieg nicht nachweisbar ist, der Erfolg ohne das Postwesen aber undenkbar gewesen wäre.
Schlüsselwörter
Thurn und Taxis, Reichspost, Postgeschichte, Heiliges Römisches Reich, Adelsaufstieg, Reichspostregal, Postreform, Erblehen, Reichsfürstenstand, Prinzipalkommissariat, Postverträge, Postkutschen, Habsburger, Postmeister, Kommunikationsrevolution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Familie Thurn und Taxis und deren untrennbare Verbindung zum Aufbau und Betrieb der Reichspost im Heiligen Römischen Reich.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Unternehmensentwicklung der Post, der politische und soziale Aufstieg der Familie, die rechtliche Sicherung des Postmonopols und der Einfluss des Dreißigjährigen Krieges.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob der Aufstieg der Familie zum Reichsfürstenstand direkt durch den Ausbau der Reichspost bedingt war oder ob es sich um zwei parallel verlaufende Prozesse handelt.
Welche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen chronologischen Ansatz und stützt sich dabei auf eine Analyse relevanter Primärquellen (Urkunden-Regesten) und maßgeblicher fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt des Hauptteils?
Im Zentrum steht die Entwicklung von der norditalienischen Botenanstalt zur reichsweiten, staatlich privilegierten Postorganisation sowie die politische Funktion der Familie als kaiserliche Kommissare.
Was zeichnet die Familie Thurn und Taxis nach diesen Ausführungen aus?
Die Familie zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Kontinuität in der Ausübung des Postgeneralats aus, wodurch sie trotz Krisen ihren gesellschaftlichen Status kontinuierlich steigern konnte.
Wie wirkte sich der Westfälische Friede auf die Post aus?
Der Frieden ermöglichte einerseits die Wiederherstellung sicherer Postkurse, führte aber gleichzeitig zu einer verstärkten Konkurrenz durch neu eingerichtete protestantische Landesposten.
Welche Rolle spielte das "Prinzipalkommissariat" für die Familie?
Das Amt des Prinzipalkommissars erlaubte es der Familie, ihre Interessen im Reichsfürstenrat zu wahren und die finanzielle Grundlage ihres fürstlichen Lebensstils durch die Gewinne aus der Reichspost zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Sven-Friedrich Pape (Autor:in), 2009, Die Familie Thurn und Taxis - Aufstieg eines Adelsgeschlechts, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189985