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Paulus und die Toleranz

Eine Untersuchung zur Anwendung des Toleranzbegriffs auf den Römerbrief des Paulus

Title: Paulus und die Toleranz

Term Paper , 2011 , 13 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Konrad Reinhold (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

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Der moderne, populäre Diskurs setzt nicht selten einen toleranten und liebevollen Jesus gegen einen vermeintlich intoleranten und bigotten Paulus. In solchen Auseinandersetzungen erscheint der Apostel oft als intolerantes Schreckgespenst, als Antisemit und Frauenfeind. Stephen Barton hat vollkommen Recht, wenn er feststellt, dass der „Kirchengründer“ Paulus in den Ruf gelangt ist jener zu sein, der Jesus verfälscht habe.
Damit macht man es sich freilich sehr einfach. Fraglich dabei ist vor allem, ob sich neuzeitliche Toleranzbegriffe überhaupt auf die Theologie des Paulus anwenden lassen oder ob sie nicht doch völlig ungeeignet für die Beurteilung einer antiken Offenbarungsreligion sind.
Die folgende Arbeit will versuchen den Römerbrief vor dem Hintergrund des modernen Toleranzbegriffes zu untersuchen. Sie wird dabei besonderes Gewicht auf die Kernaussagen der paulinischen Theologie rund um den Tod und die Auferstehung Christi legen, die mit der Toleranzfrage bei Paulus untrennbar verbunden sind. Vor diesem theologischen Hintergrund wird auf Paulus Verhältnis zu den Heiden, den Juden und den jüdischen Gesetzen und Reinheitsgeboten im Besonderen eingegangen werden. Auch der Umgang der Gemeindemitglieder miteinander wird thematisiert werden, allerdings nur am Rande dieser Arbeit, da er nicht das Kernthema des Römerbriefes bildet. Der Brief an die Römer wurde für diese Untersuchung gewählt, da er einerseits neben dem Galaterbrief den tiefsten Einblick in die paulinische Theologie zulässt, andererseits der chronologisch letzte der Paulusbriefe ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was ist Toleranz?

2. Die paulinische Theologie schließt pluralistische Toleranz aus

3. Eifer für Gott – Paulus Worte an die heidnischen Philosophen

4. Paulus und die Juden

5. Ökumene

6. Die Frage des Gesetzes

7. Toleranz oder Liebe?

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Römerbrief des Apostels Paulus vor dem Hintergrund moderner Toleranzbegriffe, um zu analysieren, ob sich diese auf die paulinische Theologie anwenden lassen oder ob sie mit deren dogmatischen Kernannahmen unvereinbar sind.

  • Analyse der paulinischen Theologie im Kontext des Toleranzgedankens.
  • Untersuchung des Verhältnisses von Paulus zu Juden und Heiden.
  • Kritische Beleuchtung der Funktion des mosaischen Gesetzes.
  • Gegenüberstellung von Toleranz und dem paulinischen Konzept der Liebe.
  • Diskussion der eschatologischen Ausrichtung der paulinischen Verkündigung.

Auszug aus dem Buch

Die paulinische Theologie schließt pluralistische Toleranz aus

Paulus von Tarsus war von Natur aus ein Eiferer. Begibt man sich auf einen kurzen Exkurs, so erfährt man in Galater 1:11ff und Philipper 3:4ff, dass er sich unter den Pharisäern als Christenfeind und als besonders gesetzestreu hervorgetan hatte „und im Judentum mehr Fortschritte machte als viele Altersgenossen [...]“. Daran änderte auch das Erweckungserlebnis vor den Toren von Damaskus nichts, denn ein Eiferer blieb er auch danach, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Paulus selbst rühmte sich vom größten Verfolger der Christen zu deren eifrigem Advokaten geworden zu sein, so in 1Korinther 4:7ff, wenn er fast schon stolz von den Verfolgungen berichtet, die er zu erleiden hatte. So wurde der intolerante Pharisäer keineswegs zum milden Heidenapostel, denn man kann ihn zwar (allein schon wegen der selbst gewählten Aufgabe der Heidenmission und den damit verbundenen weiten Reisen) weltoffen nennen, nicht jedoch tolerant, wenn es um die Kernaussagen seines Evangeliums ging.

Doch was sind diese Kernaussagen? Lassen sie überhaupt Toleranz gegenüber Andersdenkenden zu? Unser moderner Toleranzgedanke liberaler Prägung, egal in welcher Ausformung, setzt doch eines voraus: Dass das Individuum mit dem ihm eigenen Bedürfnissen der Dreh- und Angelpunkt menschlicher Interaktion ist. Darauf aufbauend entwickelte sich unser Glaube an einen evolutionären Fortgang menschlicher Entwicklung und Geschichte. Davon kann Paulus nicht ausgehen, denn für ihn ist es die göttliche Offenbarung, die das Zentrum unseres Seins ausmacht.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, ob moderne Toleranzbegriffe auf die antike Theologie des Paulus von Tarsus anwendbar sind.

1. Was ist Toleranz?: Definition und begriffliche Herleitung von Toleranz im Vergleich zwischen römischer Antike und der heutigen Moderne.

2. Die paulinische Theologie schließt pluralistische Toleranz aus: Erläuterung, warum das dogmatische Zentrum der paulinischen Theologie keine religiöse Pluralität zulässt.

3. Eifer für Gott – Paulus Worte an die heidnischen Philosophen: Analyse der scharfen Kritik des Apostels an antiken Philosophenschulen und deren Weltbild.

4. Paulus und die Juden: Untersuchung des Verhältnisses von Paulus zum jüdischen Volk und der Bedeutung des mosaischen Gesetzes.

5. Ökumene: Diskussion über das Ziel einer gemeinsamen Gemeinde von Juden und Heidenchristen unter der Heilsverheißung.

6. Die Frage des Gesetzes: Auseinandersetzung mit der Bedeutung ritueller Vorschriften und der Beschneidung innerhalb des christlichen Glaubens.

7. Toleranz oder Liebe?: Differenzierung zwischen dem modernen Toleranzbegriff und dem paulinischen Liebesgebot als Basis des Gemeindelebens.

Schlüsselwörter

Paulus, Römerbrief, Toleranz, Theologie, Christentum, Judentum, Mosaisches Gesetz, Heidenmission, Erlösung, Gnade, Liebe, Eschatologie, Evangelium, Gemeinde, Glauben

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung, inwieweit moderne Konzepte von Toleranz auf die Theologie des Apostels Paulus anwendbar sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Im Fokus stehen das paulinische Verständnis von Erlösung, das Verhältnis zu Juden und Heiden, die Rolle des Gesetzes sowie das Gebot der Nächstenliebe.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass die paulinische Theologie aufgrund ihres eschatologischen Charakters und ihrer exklusiven Wahrheitssuche den modernen, pluralistischen Toleranzbegriff fundamental ausschließt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theologiehistorische Untersuchung, die den Römerbrief als primäre Quelle nutzt und in den Kontext antiker Denktraditionen sowie moderner Diskurse einbettet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise die paulinische Sicht auf heidnische Philosophie, das Judentum, die Gesetztesfrage und das praktische Zusammenleben in den frühen christlichen Gemeinden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Kernbegriffe sind paulinische Theologie, Toleranz, Gnade, Gesetz, Eschatologie und die Unterscheidung zwischen dem Anspruch auf Wahrheit und dem Miteinander in der Liebe.

Warum lehnt Paulus laut der Untersuchung eine pluralistische Toleranz ab?

Weil für Paulus das Heil ausschließlich durch den Glauben an den Opfertod und die Auferstehung Jesu Christi erlangt werden kann, was keinen Raum für alternative religiöse Wege lässt.

Inwiefern ist das paulinische Liebesgebot von Toleranz zu unterscheiden?

Paulus fordert kein tolerantes Erdulden unterschiedlicher Lehrmeinungen, sondern eine auf die gemeinsame eschatologische Hoffnung ausgerichtete Praxis der gegenseitigen Achtung und Liebe.

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Details

Title
Paulus und die Toleranz
Subtitle
Eine Untersuchung zur Anwendung des Toleranzbegriffs auf den Römerbrief des Paulus
College
Technical University of Chemnitz  (Institut für Europäische Geschichte)
Grade
1,0
Author
Konrad Reinhold (Author)
Publication Year
2011
Pages
13
Catalog Number
V189718
ISBN (eBook)
9783656140788
Language
German
Tags
paulus toleranz eine untersuchung anwendung toleranzbegriffs römerbrief
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Konrad Reinhold (Author), 2011, Paulus und die Toleranz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189718
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