Der Schulalltag von Schülerinnen und Schülern wird von den vielfältigsten soziologischen Aspekten begleitet – so durchläuft beispielsweise jeder Schüler und jede Schülerin einen Sozialisationsprozess, welcher durch die Institution Schule maßgeblich geprägt werden kann. Des Weiteren sind dort unter anderem soziale Gebilde vorzufinden - sogenannte Figurationen wie Peergroups oder Cliquen. In der vorliegenden Ausarbeitung soll nun dargestellt werden, welche Rolle das Geschlecht von Schülerinnen und Schülern ebenso wie das des Lehrpersonals im Schulalltag spielt. Im Rahmen dieser Frage ist es vonnöten, vorweg zu klären, ob Geschlecht überhaupt in der Schule konstruiert und thematisiert wird. Birgt eine bewusste Thematisierung und damit Dramatisierung von Geschlecht Gefahren? Können Lehrerinnen und Lehrer etwas dagegen unternehmen? In zwei weiteren Punkten wird darauf eingegangen, inwiefern es männliche und weibliche Interaktionsmuster gibt und ob speziell das Geschlecht des Lehrpersonals Einfluss auf den Schulerfolg der SuS (im Folgenden steht SuS als Abkürzung für Schülerinnen und Schüler) nimmt. Des Weiteren wird anhand dessen im Fazit versucht, folgende Fragen zu beantworten: Kommunizieren Lehrerinnen anders als Lehrer, Schüler anders als Schülerinnen? Welche Schlussfolgerungen lassen sich insgesamt für die Schule ziehen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschlecht in der Schule
2.1. Thematisierung von Geschlecht im Schulalltag
2.2. Die Gefahr der Dramatisierung von Geschlecht
2.3. Entdramatisierung von Geschlecht
3. „Männliche“ und „weibliche“ Interaktionsmuster
4. Einfluss des Geschlechts des Lehrpersonals auf Schulerfolg
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Geschlechts im Schulalltag und analysiert, inwiefern soziale Konstruktionsprozesse wie "doing gender" das Interaktionsgeschehen zwischen Lehrkräften und Schülern beeinflussen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob spezifische männliche und weibliche Kommunikationsmuster existieren und ob das Geschlecht der Lehrperson einen messbaren Einfluss auf den Schulerfolg von Schülerinnen und Schülern hat.
- Soziale Konstruktion von Geschlecht in der Schule (doing gender)
- Gefahren und Chancen der Dramatisierung versus Entdramatisierung von Geschlecht
- Geschlechtsspezifische Kommunikations- und Interaktionsmuster
- Einfluss des Lehrpersonals auf Notengebung und Kompetenzerwerb
- Reflexion über pädagogische Handlungsmöglichkeiten im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1. Thematisierung von Geschlecht im Schulalltag
Der erste zu erläuternde Ansatz ist der des doing gender, welcher die Basis dafür bildet, dass Geschlechterverhältnisse als normal angesehen werden. Er besagt, dass jeder sein soziales Geschlecht durch bestimmte Interaktionen herstellt. Daran sind diejenigen beteiligt, „die ihr Geschlecht darstellen und diejenigen, die es anerkennen.“ Insofern ist es daher möglich, durch einen Blick oder durch Zuhören sofort das Geschlecht des Gegenübers festzustellen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass Geschlechtszugehörigkeit immer eindeutig hergestellt wird, was stereotype Verhaltensweisen nicht einschließt, da „das Verhalten eines Menschen […] immer vor der Folie der Geschlechtszugehörigkeit beurteilt werden“ kann. Jürgen Budde bezeichnet den Konstruktionsprozess des doing gender dann als schwierig, „sobald die spontane Einordnung nicht funktioniert“. Daher sind die Interaktionen zur Geschlechtsherstellung stark an das biologische Geschlecht gebunden. In diesem Zusammenhang kann es zur Dramatisierung des sozialen Geschlechts kommen, indem es in den Vordergrund rückt und damit zu einer zentralen Kategorie wird.
Nach Budde ist bezüglich des gendertheoretischen Ansatzes die Annahme wichtig, „dass nicht eine biologische oder natürliche Anlage das Verhalten steuert, sondern Interaktionen und sozialer Kontext entscheidend dafür sind, ob sich eine Person als ,weiblich‘ oder ,männlich‘ darstellt und/oder so wahrgenommen wird.“ Im Schulalltag sind daher viele Beispiele für Vorgänge des doing gender zu finden. Im weitesten Sinn gehört doing adult auch dazu. Von diesem wird gesprochen, wenn Jugendliche in der Phase der Adoleszenz mithilfe einer „Dramatisierung bzw. Überzeichnung spezifischer erwachsener Stilelemente“ – wie Kleidung und Kosmetika - versuchen, sich von der Kindheit abzugrenzen und damit Erwachsenheit herstellen wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die soziologische Relevanz des Geschlechts im Schulalltag ein und skizziert die zentralen Fragestellungen hinsichtlich Interaktionsmustern und dem Einfluss der Lehrkräfte.
2. Geschlecht in der Schule: Dieses Kapitel erläutert theoretische Ansätze wie "doing gender" und diskutiert die pädagogische Balance zwischen der notwendigen Thematisierung von Geschlecht und der Gefahr einer stereotypisierenden Dramatisierung.
2.1. Thematisierung von Geschlecht im Schulalltag: Hier wird der Konstruktionsprozess von Geschlecht durch Interaktionen und soziale Kontexte im Unterrichtsalltag näher beleuchtet.
2.2. Die Gefahr der Dramatisierung von Geschlecht: Dieser Abschnitt thematisiert, wie eine bewusste Geschlechtertrennung zur Festschreibung von Stereotypen und zu einseitigen Defizitzuschreibungen führen kann.
2.3. Entdramatisierung von Geschlecht: Es werden Ansätze einer geschlechtssensiblen Pädagogik aufgezeigt, die darauf abzielen, Stereotype abzubauen, ohne die Kategorie Geschlecht vollständig zu negieren.
3. „Männliche“ und „weibliche“ Interaktionsmuster: Das Kapitel analysiert die unterschiedlichen Kommunikationsstile und Rollenbilder von Lehrern und Lehrinnen sowie die typisierten Verhaltensweisen von Schülern in Peergroups.
4. Einfluss des Geschlechts des Lehrpersonals auf Schulerfolg: Die Untersuchung befasst sich mit der These einer zunehmenden "Feminisierung" der Schule und deren Auswirkungen auf Notenvergabe und den Bildungserfolg von Jungen im Vergleich zu Mädchen.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass zwar geschlechtsspezifische Unterschiede in der Interaktion existieren, ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen dem Geschlecht der Lehrperson und dem Schulerfolg jedoch kaum empirisch belegbar ist.
Schlüsselwörter
Geschlecht, Schule, Doing Gender, Interaktionsmuster, Schulerfolg, Lehrkräfte, Geschlechtergerechtigkeit, Sozialisation, Stereotype, Dramatisierung, Kommunikation, Pädagogik, Geschlechterrolle, Gender, Schülerschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Ausarbeitung grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Bedeutung des Geschlechts im schulischen Umfeld und untersucht, wie dieses durch soziale Interaktionen konstruiert und im Unterricht thematisiert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten des "doing gender", der geschlechtsspezifischen Interaktion zwischen Lehrkräften und Schülern sowie dem Einfluss des Lehrpersonals auf den Schulerfolg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Lehrkräfte und Schüler geschlechtsspezifisch kommunizieren und ob das Geschlecht der Lehrkraft einen messbaren Einfluss auf die Leistungen der Lernenden ausübt.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Fachbeiträge, um theoretische Konzepte und empirische Forschungsergebnisse zum Thema Geschlecht im Schulalltag zusammenzuführen.
Welche zentralen Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung von "doing gender", die Analyse von geschlechtsspezifischen Interaktionsmustern und eine kritische Auseinandersetzung mit empirischen Studien zum Thema Feminisierung der Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Doing Gender, Geschlechterrolle, Schulerfolg, Interaktionsmuster und Geschlechtergerechtigkeit definiert.
Was versteht die Autorin unter der "Dramatisierung" von Geschlecht?
Dramatisierung bedeutet hier die bewusste oder unbewusste Hervorhebung der Geschlechterzugehörigkeit als zentrale Kategorie, was häufig zur Festschreibung von Stereotypen und zur Segregation der Geschlechter führt.
Welche pädagogischen Schlussfolgerungen lassen sich aus dem Fazit ableiten?
Die Autorin betont, dass Lehrkräfte ihre eigenen Geschlechtsrollenvorstellungen selbstkritisch reflektieren und für unterbewusste Prozesse der Ungleichbehandlung sensibilisiert werden sollten, um eine gerechtere Lernumgebung zu schaffen.
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- Antonia Zentgraf (Author), 2012, Welche Rolle spielt Geschlecht im Schulalltag? Kommunizieren Lehrerinnen anders als Lehrer, Schüler anders als Schülerinnen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189566