Seit die Menschen begannen zu philosophieren, stellten sie die Frage nach dem Urgrund des Seins / der Welt. Dieser Urgrund wurde langsam mit Gott identifiziert und bereits bei den Vorsokratikern, aber auch bei Platon und Aristoteles findet man Ansätze für Gottesbeweise, die später entfaltet wurden. Auch in der Geschichte des Christentums gab es immer wieder Bestrebungen, Gottesbeweise zu formulieren, wobei schon Thomas v. Aquin seine Ausführungen nicht als Beweise, sondern als fünf Wege zu Gott bezeichnete. Einen neuen Versuch, abgeleitet aus der Grammatik – speziell dem Futurum exactum - stellte Robert Spaemann in seinem Vortrag “Die Vernünftigkeit des Glaubens an Gott“ vor, welcher 2007 in Buchform unter dem Titel „Der letzte Gottesbeweis“ erschien.
Die vorliegende Arbeit wird sich mit den Überlegungen Spaemanns auseinandersetzen und dabei vor allem der Frage nachgehen, ob hier eine überzeugende Beweisführung für die Existenz Gottes vorliegt. Dabei wird sich die Kritik vor allem auf die Ausführungen Thomas Buchheims stützen, welcher die bisher einzige ausführliche Auseinandersetzung mit dem spaemannschen Gottesbeweis vorgelegt hat.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
2. Der Gottesbeweis Robert Spaemanns
3. Kritische Auseinandersetzung mit Spaemanns Gottesbeweis
3.1. Was ist ein Gottesbeweis?
3.2. Spaemanns Überlegungen ein Gottesbeweis?
3.3. Das Argument - ein argumentum ad hominem
3.4. Das Argument aus dem Futurum exactum
3.5. Das Argument - nietzsche-resistent?
3.6. Das Gerücht von Gott und die Begründungspflicht
4. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das von Robert Spaemann entwickelte Argument für die Existenz Gottes, welches auf der grammatikalischen Struktur des Futurum exactum basiert, und hinterfragt kritisch dessen Tauglichkeit als überzeugende Beweisführung.
- Analyse des Gottesbeweises nach Robert Spaemann
- Kritische Prüfung des Arguments anhand von Fachdiskursen
- Untersuchung der philosophischen Begriffe von Wahrheit und Zeit
- Bewertung der Widerstandsfähigkeit des Arguments gegenüber nietzscheanischer Kritik
- Reflexion über die Beweislast im Kontext des "Gerüchts von Gott"
Auszug aus dem Buch
3.4. Das Argument aus dem Futurum exactum
Buchheim unterscheidet in seinen Überlegungen zwischen dem Futurum exactum von Sachverhalten und dem der Wahrheit. Beide Varianten des Arguments seien auch von Spaemann vorgestellt worden, allerdings betrachtet Buchheim nur die letztere als aussichtsreiche Fassung.
Das Argument aus dem Futurum exactum von Sachverhalten (dem Gewesensein) fasst er folgendermaßen zusammen:
(1) Wir wissen uns selbst in der Gegenwart als wirklich Seiende gegenüber von anderem Wirklichen. (Ausgangsthese, die wir von uns selbst für wahr halten möchten.)
(2) Etwas Wirkliches, das wir jetzt als wirklich erfassen, wird immer der Fall gewesen sein. (Konstitutionsthese, wonach das Präsens von Wirklichkeit die Bejahung eines unbegrenzten futurum exactum einschließen muß.)
(3) ‚Gewesen sein’ kann etwas nur, insofern es auch nach seinem Vergehen die Vergangenheit einer zukünftigen Gegenwart ist. (Transfer-These, wonach das Vergangene als Gewesenes für alle Zukunft erhalten bleiben wird.)
(4) Vergangenheit einer späteren Gegenwart zu sein, heißt, aus dieser Gegenwart als Gewesenes erinnert zu werden. (Bewahrungsthese, wonach das Erhaltenbleiben des Gewesenen ein es erinnerndes Bewußtsein erfordert.)
(5) Alle menschliche Gegenwart ist endlich und wird einmal nicht mehr sein. (Endlichkeitsthese.)
Konklusion:
Daß etwas für uns in der Gegenwart im vollen Sinne wirklich ist, erfordert strenggenommen die Unterstellung eines ewigen Bewußtseins, in dem alles Vergangene als Erinnertes aufbewahrt bleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Gottesbeweise ein und stellt die Fragestellung zur Prüfung des spaemannschen Arguments vor.
2. Der Gottesbeweis Robert Spaemanns: Hier wird Spaemanns zentrales Argument erläutert, welches das Futurum exactum als Ausgangspunkt für die Notwendigkeit eines absoluten Bewusstseins heranzieht.
3. Kritische Auseinandersetzung mit Spaemanns Gottesbeweis: Dieses Kapitel prüft systematisch die Stichhaltigkeit der Argumentationskette, zieht alternative philosophische Positionen hinzu und diskutiert die Definition von Wahrheit.
4. Resümee: Die Zusammenfassung der Ergebnisse stellt fest, dass das Argument zwar die Wahrscheinlichkeit der Gottesexistenz stützen kann, jedoch die logische Unausweichlichkeit eines Beweises nicht erreicht.
Schlüsselwörter
Gottesbeweis, Robert Spaemann, Futurum exactum, Wahrheit, Bewusstsein, Existenz Gottes, Thomas von Aquin, Nietzsche, Ontologie, Vernünftigkeit, Philosophie, Argumentation, Zeitlichkeit, Glauben, Metaphysik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer philosophischen Analyse des Gottesbeweises von Robert Spaemann, der auf der Sprachstruktur des Futurum exactum aufbaut.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Sprachphilosophie, ontologische Grundlagen der Existenz Gottes, das Verständnis von Wahrheit sowie die Kritik an klassischen und modernen Gottesbeweisen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob das Argument von Spaemann eine überzeugende, zwingende Beweisführung für die Existenz Gottes darstellt oder ob es eher als Plausibilisierungshilfe zu sehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die philosophische Textanalyse und setzt sich kritisch mit existierender Fachliteratur, insbesondere den Kommentaren von Thomas Buchheim, auseinander.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Dekonstruktion der Argumentationsschritte, die Prüfung der nietzsche-resistenten Ansprüche und eine Diskussion über die Begründungspflicht bei Glaubensfragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Gottesbeweis, Futurum exactum, Wahrheit, Ontologie und die kritische Auseinandersetzung mit der Vernünftigkeit des Glaubens.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Futurum exactum?
Der Autor stellt fest, dass das Futurum exactum allein nicht ausreicht, um zwingend ein ewiges Bewusstsein (Gott) zu postulieren, da alternative Interpretationen von Wahrheit möglich sind.
Welche Rolle spielt die nietzscheanische Kritik?
Die Arbeit prüft, ob Spaemanns Argument gegen Nietzsches radikale Vernunftkritik bestehen kann, und kommt zu dem Schluss, dass Spaemanns Ansatz zwingend eine Welt voraussetzt, in der Wahrheit als erkennbar gilt.
Wie steht die Arbeit zur "Begründungspflicht" bei Gottesbeweisen?
Der Autor widerspricht Spaemanns Auffassung, dass die bloße Dauer eines Gerüchts eine Begründungspflicht beim Skeptiker erzeuge, und plädiert stattdessen für eine klassische Beweislastverteilung.
- Arbeit zitieren
- Brigitte Benz (Autor:in), 2011, Robert Spaemanns Gottesbeweis aus dem Futurum exactum – eine überzeugende Beweisführung für die Existenz Gottes?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189441