Die Arbeit untersucht die Inkarnatsdarstellung des Gekreuzigten auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald. Begriffe der Materialität und der Chemie werden auf das Medium der Malerei angewendet. Aus dem Verständnis der Materialiät folgt eine philosophische Betrachtungsweise der malerischen Darstellung von Lebendig und Tod.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inkarnatforschung
3. Zur Gesamtvorstellung des Bildverständnisses des Isenheimer Altars aus dem Inkarnat des Gekreuzigten
3.1. Gesamtvorstellung und Altarkonstruktion
3.2. Gesamtvorstellung und Materialität
4. Vorüberlegungen zur Kreuzigungstafel
4.1. Die Kreuzigungsszene und ihr Inkarnat
4.2. Der Körper am Kreuz
5. Das Inkarnat des Gekreuzigten
5.1. Materialität der Malmittel
5.2. Darstellung von Material, Leib und Inkarnat
5.3. Farbe als Material im Inkarnat
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die mediale Materialität des Inkarnats am Gekreuzigten des Isenheimer Altars, um aufzuzeigen, wie die stoffliche Beschaffenheit und maltechnische Behandlung des Körpers die Bildwirkung und das Verständnis von Leben und Tod maßgeblich beeinflussen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Verhältnis von medialer Materialität zur dargestellten Materialität und deren Anteil an der Bildlichkeit.
- Analyse der Materialeigenschaften und Maltechniken
- Theologische und alchemistische Einordnung des Inkarnats
- Bedeutung der Farbe Grün für die Darstellung von Leben und Tod
- Medienreflexivität des Isenheimer Altars
- Interaktion zwischen materieller Präsenz und Bildinhalt
Auszug aus dem Buch
5. Das Inkarnat des Gekreuzigten
Wenn sich Malerei als Inkarnation beschreiben lässt, muss sie sich dann nicht auch, da es sich um einen toten Leib handelt, auch als Akt des Tötens beschreiben lassen? Welche Rolle spielt dabei die mediale Materialität, der Akt des Malens und die Farbe Grün?
"Nächtliches Dunkel liegt über der Kreuzigungsszene. Nur der Vordergrund steht im schmerzlich aufrührerischen Licht dissonanter Farbgebung. Die mit Schwären und Wunden bedeckte übermächtige Gestalt des Gekreuzigten zeugt vom qualvollen Todeskampf. Der schweißige Glanz auf dem salpetergrünen gemarterten Körper, das maulbeerrote Blut, das, aus den Wunden sickernd, bereits stockt, die weit geöffneten Hände mit den gespreizten Fingern, die vor Schmerzen unter den eingedrungenen Nägeln zucken, ein erstarrter Aufschrei auf dem vom Schatten des Sterbens verschleierten Anlitz. Ein bleierner Himmel überspannt die düstere Landschaft der Grenzerfahrung menschlichen Leidens."
Da es sich bei dem Dargestellten um Jesus Christus handelt, ist die Thematik der Inkarnation in der christlichen Tradition besonders brisant. Bedenkt man die Art, wie hier Jesus dargestellt ist: als leidender Mensch, mit individuellen Zügen, gemartert und beinahe zerfetzt, mit einem zerschlissenen Lendentuch, das kaum noch die Scham bedeckt, dem Schmerz wie dem Leiden und dem Tode so hilflos ausgesetzt wie jeder gewöhnliche Mensch - so verstärkt sich diese Brisanz ins Ungeheuerliche. An diesem Heiland ist nichts mehr heil. Er ist tot. Insofern stellt sich die Malerei nicht nur als Inkarnation dar, sondern auch als Akt des Tötens.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Interesse an bildwissenschaftlichen Untersuchungen und der Faszination für das Inkarnat des Isenheimer Altars.
2. Inkarnatforschung: Überblick über die etymologische und kunstgeschichtliche Bedeutung des Inkarnatsbegriffs und dessen Wandel von der Deskription zur Interpretation.
3. Zur Gesamtvorstellung des Bildverständnisses des Isenheimer Altars aus dem Inkarnat des Gekreuzigten: Erläuterung der Altarkonstruktion als Wandelaltar und der Definition von Materialitätsebenen.
4. Vorüberlegungen zur Kreuzigungstafel: Untersuchung der zentralen Stellung der Kreuzigungsszene und der anatomischen Darstellung des Leibes Christi.
5. Das Inkarnat des Gekreuzigten: Tiefgehende Analyse der Materialität der Malmittel, der Darstellung von Material und Leib sowie der paradoxen Rolle der Farbe Grün.
6. Schluss: Zusammenführung der Erkenntnisse über die Materialität des Bildmediums und Reflexion über die eigene methodische Herangehensweise.
Schlüsselwörter
Isenheimer Altar, Grünewald, Inkarnat, Materialität, Maltechnik, Kreuzigung, Bildwissenschaft, Fleischwerdung, Farbe Grün, Komplementärkontrast, Kunstgeschichte, christliche Ikonografie, Medium, Bildwirkung, Alterungsprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der bildwissenschaftlichen Untersuchung des Inkarnats bei Grünewalds Darstellung des Gekreuzigten auf dem Isenheimer Altar, wobei insbesondere die mediale und dargestellte Materialität im Zentrum steht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die maltechnischen Besonderheiten, die alchemistische Bedeutung von Materie, die Rolle der Farbe Grün sowie die symbolische Aufladung von Körper und Leib im Kontext christlicher Glaubensvorstellungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, herzuleiten, inwiefern die mediale Materialität des Inkarnats einen wesentlichen Anteil an der Bildlichkeit und der spezifischen Wirkung auf den Betrachter hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine maltechnische Analyse unter Einbeziehung kunstgeschichtlicher Forschung, alchemistischer Konzepte und bildwissenschaftlicher Theorien zur Materialität.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Altarkonstruktion, die Analyse der Kreuzigungstafel, die Materialität der verwendeten Malmittel sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Rolle der Farbe Grün im Inkarnat.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff des Inkarnats sind die Begriffe Materialität, Bildmedium, Körper, christliche Ikonografie und die Rolle der Maltechnik als strukturgebende Elemente zu nennen.
Warum spielt die Farbe Grün eine so paradoxe Rolle im Bild?
Grün fungiert in der Arbeit als doppeldeutiges Element: Einerseits steht es für die Lebendigkeit (durch Kontrast oder Untermalung), andererseits signalisiert es in der starken Präsenz den Tod, Verwesung und das Hämatom.
Welche Bedeutung kommt der Materialität des Holzes für die Darstellung zu?
Das Holz des Altars und des Kreuzes wird als materialer Bezugspunkt gedeutet, der die Vergänglichkeit und die stoffliche Schwere des menschlichen Leibes unterstreicht und die Verbindung zwischen Erde und Himmel symbolisiert.
- Quote paper
- Wolfgang Ranft (Author), 2009, Das Inkarnat des Gekreuzigten auf dem Isenheimer Altar, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189346