Eine meiner Studienfreundinnen absolvierte ihr Sozialpraktikum im Evangelischen Schulzentrum Martinschule (ESM) in XX. Sie war von ihrer Arbeit so begeistert, dass sie sagte: „Wenn ich einmal Kinder habe, sollen sie in eine solche Schule gehen.“
So wurde ich auf diese Schule aufmerksam.
Eine meiner Erwartungen an dieses Praktikum ist, nach sechs langen und relativ trockenen Studiensemestern wieder durch die lebendige „Wirklichkeit“ einer Schule genährt zu werden und Anregungen zu bekommen.
Ich möchte außerdem in meinem Praktikum meinen Blick für die Details, die den Unterricht erfolgreich bzw. nicht so erfolgreich machen, schärfen. Dies wird mir helfen, später selbst einen guten Unterricht zu gestalten.
Dazu werde ich hauptsächlich die 1.Klasse der Grundschule besuchen. Obwohl man die drei in dem ESM bestehenden Schulteile (Schule zur individuellen Lebensbewältigung (SIL), Grundschule mit Hort, Integrierte Gesamtschule (IGS)) auf Grund der vielfältigen Verflechtungen nicht voneinander getrennt betrachten kann, werde ich schwerpunktmäßig die Grundschule beobachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erkundungsaufgaben: Die Martinschule XX
3. Hospitationsaufgaben
3.1 Struktur des Unterrichts
3.2 Umfassendes / Ganzheitliches Lernen
3.3 Soziales Lernen
3.4 Lehrer- und Schülerverhalten
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Orientierungspraktikums ist die wissenschaftliche Untersuchung der Unterrichtsstrukturen und pädagogischen Ansätze am Evangelischen Schulzentrum Martinschule, um Bedingungen für erfolgreiches Lernen zu identifizieren und den eigenen professionellen Blick für Unterrichtsdetails zu schärfen.
- Analyse des ganzheitlichen Lernkonzepts an einer freien Schule
- Untersuchung der Sozialformen und der Rolle des Lehrers
- Beobachtung von Kooperationsformen zwischen Förder- und Regelschülern
- Reflexion über das Lehrer-Schüler-Verhältnis und Regeleinhaltung
- Evaluierung der praktischen Umsetzung theoretischer didaktischer Konzepte
Auszug aus dem Buch
3.2. Umfassendes / Ganzheitliches Lernen
Schüler sind auch nur Menschen! Und Menschen sind nicht nur denkende, sondern vor allem fühlende und handelnde Wesen. Die kognitiven, affektiven und psychomotorischen Bereiche bilden von Natur aus ein Ganzes. Man darf sie nicht voneinander getrennt betrachten und man kann sie nicht voneinander getrennt „belehren“. Zum einen brauchen wir in der Gesellschaft keine Menschen, die zwar denken, aber weder das Gedachte umsetzen noch Gefühle (bzw. Mitgefühl) entwickeln können. Zum anderen ist der Lernprozess viel intensiver und effektiver, wenn man Tätigkeit und Gefühle mit einbezieht, d.h. begeistert ein Thema einen Schüler (emotionaler Bereich) und kann er selbst tätig werden (psychomotorischer Bereich), so wird sein ganzes Denken (kognitiver Bereich) sich mit dem Thema, der Sache, auseinander setzen und erst dann werden Kenntnisse und Fähigkeiten wirklich verinnerlicht.
Zudem gibt es verschiedene Lerntypen, die im Unterricht gleichberechtigt berücksichtigt werden müssen: den visuellen Lerner, der sich besonders Gesehenes merken kann; den auditiven Lerner, der Gehörtes besonders gut aufnimmt und den kienästhetischen Lerner, der Dinge im wörtlichen Sinn begreifen muss, um sie zu begreifen. Dem Konzept des umfassenden bzw. ganzheitlichen Unterrichts liegt daher die Vorstellung zugrunde, dass sich Allgemeinbildung auf den ganzen Menschen und nicht nur auf seinen Verstand beziehen soll. (vgl. REIHNHARDT 1992, S. 161)
Dieses Konzept beinhaltet auch, dass Leben und Lernen als ganzheitliche Erfahrung in der Wechselbeziehung von Schule und Umgebung ermöglicht werden sollen. In der Schule sollen die Schüler auf das Leben vorbereitet werden – Leben lernen (auch Demokratie lernen und gesellschaftsfähig werden). Und Lernen ist langweilig, wenn es nicht selbst mit Leben erfüllt ist. Das heißt also, dass die Schule neben einem Lern- und Erfahrungsraum auch ein intakter Lebensraums sein muss. Umso mehr, je zerrüttelter die sonstigen Lebensräume mancher Schüler sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin motiviert ihr Praktikum durch das Interesse an der besonderen Pädagogik der Martinschule, um nach dem Studium wieder einen lebendigen Bezug zur schulischen Praxis zu gewinnen.
2. Erkundungsaufgaben: Die Martinschule XX: Dieses Kapitel beschreibt das Konzept, die Organisationsform und die christliche Ausrichtung des Evangelischen Schulzentrums, insbesondere die Integration von Schülern mit geistiger Behinderung.
3. Hospitationsaufgaben: Hier werden Unterrichtsbeobachtungen zu den Themen Struktur, ganzheitliches Lernen, soziale Interaktion sowie das Lehrer- und Schülerverhalten theoretisch und praktisch analysiert.
4. Resümee: Die Praktikantin fasst ihre Erfahrungen zusammen und betont, dass die Ausrichtung auf Selbstständigkeit und die Gestaltung der Schule als Lebensraum zentrale Faktoren für den Erfolg der Einrichtung sind.
Schlüsselwörter
Orientierungspraktikum, Martinschule, Ganzheitliches Lernen, Sozialformen, Unterrichtsstruktur, Lehrerverhalten, Inklusion, Schulleben, Kompetenzentwicklung, Freiarbeit, Pädagogik, Lernlandschaft, Schüler-Lehrer-Beziehung, Soziale Kompetenz, Schulkonzept
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Der Bericht dokumentiert die Erfahrungen und Beobachtungen einer Lehramtsstudentin während ihres Orientierungspraktikums am Evangelischen Schulzentrum Martinschule.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Struktur des Unterrichts, ganzheitliches Lernen, soziales Miteinander sowie die Interaktion zwischen Lehrern und Schülern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die spezifischen Rahmenbedingungen und pädagogischen Prinzipien der Martinschule zu untersuchen, die ein erfolgreiches und motivierendes Lernen für die Schüler ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf teilnehmender Beobachtung, der Reflexion von Unterrichtssituationen und dem Abgleich dieser Beobachtungen mit theoretischen didaktischen Konzepten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie unterschiedliche Sozialformen wie Gruppen- und Partnerarbeit eingesetzt werden und wie die Schule als Lebensraum die Selbsttätigkeit der Kinder fördert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind das ganzheitliche Lernen, die Öffnung von Unterricht, die Demokratisierung von Schulleben sowie das Rollenverständnis der Lehrkräfte.
Wie wirkt sich der Verzicht auf Noten am ESM aus?
Der Notenverzicht fördert eine individuelle Lernentwicklung, erfordert jedoch eine konsequente pädagogische Steuerung der Schüler durch alternative Motivationsmethoden und Regeleinhaltung.
Welche Rolle spielt die Kooperation zwischen Förder- und Regelschülern?
Diese Kooperation ist ein zentrales Element des Schulkonzepts, das durch Patenschaften und gemeinsame Projekte soziale Kompetenz und Toleranz bei allen Schülern stärkt.
- Arbeit zitieren
- Julia Diedrich (Autor:in), 2007, Praktikumsbericht zum Orientierungspraktikum am Evangelischen Schulzentrum Martinschule in XX, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189288